Dankbar (1.Thess 5,18)

1.Thess 5,18
[18] Seid dankbar in allen Dingen; denn
das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

[67-jähriger Mann nach schwerer Krebserkrankung.]

Liebe Frau N.N., liebe Angehörige und Freunde, liebe Trauergemeinde.

Freitag vor einer Woche wurde aus unserer Mitte N.N. vor seinen Schöpfer gerufen. Er verstarb nach schwerer Krankheit in der Palliativstation des Julius-Spitals in Würzburg. Ich möchte sein Gedenken unter ein Bibelwort aus dem ersten Thessalonicherbrief aus dem fünften Kapitel, Vers 18 stellen: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“

Die Dankbarkeit für das Leben von und mit N.N. ist das Vornehmste, welches ich aus dem Gespräch mit Ihnen, Frau N.N. mit nach Hause genommen habe. Wenngleich ich Ihren Mann nicht mehr persönlich habe kennen lernen dürfen, so hat es mich doch beeindruckt, mit welcher Sicherheit Sie davon geredet haben: Sie haben ein gutes Leben mit ihm leben können. Vielleicht war es sogar ein Leben, um das ihn viele beneidet haben: er hat wohl gut leben können mit dem Verdienst, den Sie beide nach Hause brachten. Sie konnten sich viel gönnen, haben viele Reisen unternommen, waren in der Lage, ihre Träume zu verwirklichen. Fast 21 Jahren hat N.N. in Ihrem Leben eine wichtige Rolle übernommen. 67 Jahre ist er alt geworden, die letzten zwei davon mit der Krankheit Krebs, die ihn schließlich überwunden hat und an dessen Ende er sich auch den Tod gewünscht hat.

„Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ Dankbar also blicken wir zurück auf diese Zeit, die uns zur Erinnerung vorgehalten wird. Über die Zeit davor, über seine Kindheit auf der Flucht aus Ostpreußen, wo er geboren wurde, den Tod der Mutter, die schwere Kindheit und seine Leben in N.N., wo er schließlich landete wissen wir nicht all zu viel. Heute überwiegt der Eindruck, den Sie, Frau N.N. haben, wenn Sie sich die gemeinsamen Bilder angucken: das lebensbejahende, was von Ihrem Mann wohl ausgegangen ist. Lebensbejahend zu sein, dankbar zu sein für das Leben, das einem geschenkt wurde, ist auch eine gute christliche Eigenschaft. Sie nimmt wahr, was uns Gott selbst verheißen hat: ein gutes Leben in dieser guten Schöpfung. Ich kann nicht sagen, wie weit dies für Herrn N.N. eine Rolle gespielt haben mag – in kirchlichen Dingen war er nicht sehr engagiert, aber es bildet doch gleichsam die Rückseite von dem, woraus wir Christen unsere Hoffnung beziehen. Dies ist: das gute Leben bei Gott in seinem Reiche, in seinem himmlischen Jerusalem, wo wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen dürfen und schmecken und leben können, was es heißt, ein Leben ohne Einschränkungen, ohne Schmerzen, ohne Leid und ohne Tod führen zu können. Wer die Gnade hatte, hier auf Erden einen menschlichen Vorgeschmack zu bekommen von einem gelungenen Leben, den darf ich heute als Anlass nehmen, auf dieses ewige Leben hin zu weisen, welches unser irdisches Leben bei weitem übersteigt. Vielleicht fällt es dann leichter, Abschied zu nehmen, wenn man diesen Ausblick vor Augen hat. Vielleicht fällt es dann leichter, los zu lassen und sich einzustellen auf ein neues, einsameres Leben, welches sich wieder umstellen muss und neue Schwerpunkte suchen muss.

Herr N.N. ist uns diesen Schritt voraus gegangen. Er ist bereits in jener Welt, von der wir nur in Bildern der Hoffnung reden können. Er wird bereits den Rückblick gehalten haben vor seinem Schöpfer, einen Lebensrückblick, der ihn konfrontiert mit dem, was er in seinem Leben getan und gelassen hat. Mit dem, was er angefangen hat mit seinem Können, seinen Begabungen und seinem Besitz. Vor Gott hat er Zeugnis über all dies abgelegt und wir dürfen hoffen und unsere Gewissheit darin haben, dass Gott ihn angenommen hat mit seinem Leben. Uns ist es ein Ansporn und ein Hinweis, unser Leben so zu gestalten, dass wir dort bestehen können, wenn Gott uns zu sich ruft. Dankbar sein für das, was Gott uns schenkt – im Leben hier und in der Zukunft, dieses können wir erfassen aus unserm Bibelwort, ist eine erstrebenswerte Eigenschaft, die in ihrer ganzen Breite etwas beinhaltet von dem, was ein christliches Leben noch auszeichnen mag, denn es gründet sich diese große Hoffnung: dass all unser Leben einen Sinn und ein Ziel hat: jedes Leben, wenngleich wir das nicht immer von außen zu erkennen vermögen. Und dass dieses Ziel eines ist, welches uns einen wird in einer Zukunft, die uns Gott versprochen hat: die Macht des Todes ist gebannt, seit Jesus Christus für unsere Sünde an Kreuze starb und wir seine Zusage erhalten haben, dass wir ihm nachfolgen werden durch den Tod hindurch in eine bessere, lichtere und gerechtere Zukunft. Diese Aussage kann uns wahrlich stärken und stützen in den schweren Zeiten des Abscheidnehmens von einem geliebten Menschen. Gott wird den Tod auch für uns dereinst sichtbar besiegen und uns führen in diese neue, versprochene Welt, in der wir unseren Verstorbenen wieder begegnen werden, gereinigt und geklärt, ohne all diese menschlichen Beeinträchtigungen, die uns auf dieser Welt noch anhaften. N.N. ist uns in diese Welt bereits vorausgegangen, er hat eine letzte Reise unternommen – er, der doch so gerne reiste – eine Reise, von der wir Menschen, die noch leben, so wenig wissen. Der letzte Ruheplatz der Urne, zu dem wir nachher gemeinsam gehen werden, kann dieses Ziel nicht fassen. Er ist nur für uns gedacht: ein Merkstein für die Erinnerung, die wir an Herrn N.N. haben dürfen, aber ihn selbst finden wir dort nicht mehr. Er ist uns schon voraus. Uns Christen aber, die wir versuchen, diese Dankbarkeit, die wir Gott schuldig sind, in Worte zu fassen, damit wir dieses Leben ein wenig besser gestalten können – uns Christen bleibt es als Aufgabe, die Trauernden zu trösten und zu stützen.

Seien Sie also bei der Frau N.N., soweit Sie es vermögen und seien Sie selbst ein lebendiges Beispiel für die Worte des ersten Thessalonicherbriefs: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“

Und der Friede Gottes, der uns wahrlich dankbar machen kann, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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