Büttenpredigt zum Fastenthema 2017: Augenblick mal – 7 Wochen ohne Sofort (Prediger 3,1-4)

Der Predigttext wurde als Lesung gelesen.

 

1 Start

Ich grüße euch, ihr lieben Leute,

die ihr zur Kirch gekommen heute,

sei´s, um zu hör´n ein Predigtwort,

das ich gereimt in einem fort,

sei´s, um auch an jecken Tagen

ein bess´res Leben zu befragen,

 

Und weil ihr da seid in solch Scharen,

will ich – wie schon seit manchen Jahren –

das Fastenthema explizieren

um euch so zu informieren,

worum es dabei heuer geht,

damit ihr seinen Nutzen seht.

 

Ich selber nämlich find´s genial.

Der Titel lautet: „Augenblick mal!

Sieben Wochen ohne Sofort“

– so steht´s auch auf der Werbung dort. (Hinweis auf Projektion)

 

An dieser Stelle muss ich kurz innehalten. Ich hätte diese Büttenpredigt gerne wieder interaktiv, zum Mitmachen.

Immer wenn eine Zeile sich auf „Augenblich MAL“ reimt, wenn sie also mit AL endet, müssen sie der nächsten Zeile laut das Fastenmotto aufsagen: „Augenblick mal“ Aber nicht so schnell, sondern so „anhaltend“: „Aaauugenblick mal!“.

Als Zeichen für Ihren Einsatz hab ich wieder ein Schild gemacht, das ich hochhalte.

 

Wir üben das sofort mal an den letzten Zeilen:

 

Ich selber nämlich find´s genial.

Der Titel lautet: „Augenblick mal!

Sieben Wochen ohne Sofort“

– so steht´s auch auf der Werbung dort.

 

2 Was ich zunächst gut finde

 

Mich freut´s, dass darin aufgegriffen

ein Übel, das sich eingeschliffen:

Dass alles so voll Hetze ist,

dass man das Leben fast vergisst.

 

In meiner Jugend war´s noch so

die Leute war´n mit wenig froh

sie hatten dafür noch mehr Zeit

statt überall Geschwindigkeit

 

Schon Mittags war die Schule aus.

Und kam ich dann zurück nach Haus,

hat meine Mutter frisch gekocht,

ich hab das immer sehr gemocht.

Sie musste nicht zur Arbeit geh´n

und fand ganz andre Dinge schön.

Danach ging ich zum Spielen raus

– die Hausaufgaben ließ ich aus.

Wenn Vater von der Arbeit kam

dann war er niemals voller Gram,

ganz gut gelaunt kam er zur Tür

der Abend war dann seine Kür.

 

Doch auch die Arbeit im Büro

macht´ er nach eignem Zeit-Gusto.

Tat lange mit den Kunden plaudern,

die Arbeit heute – ihn tät´s schauern.

 

Heut immer gilt: Jetzt! Gleich! Sofort!

„Sofortness“ heißt große Wort

des neu begonnenen Jahrhunderts

– des allgemeinen Stress´, wen wundert´s?

 

Saß Oma ruhig noch im Cafe

gemütlich auf ´nem Kanapee,

so sagt die Enk´lin schicht wieso?

Es gibt doch heut „Cafe to go“!

 

Tut wer im Internet bestellen,

soll morgen schon der Postbot´ schellen.

Erst sparen – und dann später kaufen?

Nimm den Kredit – schon kann es laufen.

Ist an der Kasse eine Schlange,

wird Rentnern selbst vor Zeitnot bange.

 

Sofortness heißt das Zauberwort.

Bei allem heißt es heut: „Sofort“!

 

Doch falsch lebt jeder, der vergisst,

dass Lebenszeit doch echt nicht ist

wie eine Formel 1 – Rennpiste

von der Geburt zur Totenkiste

 

3 Ich als Zeit-Guru

 

Das will ich künden dieses Jahr

euch meiner lieben Glaubensschaar.

Ich will es voller Vollmacht tun!

Wie aber mache ich das nun?

 

Ne Pfarrer-Predigt wirkt so grau.

Das zieht doch nicht. – Ich hab´s. – Genau!

Ein Anti-Stresszeit-Guru werd ich,

statt bloss zu reden priesterlich.

 

Ich brauch eine orange Robe!                        (Oranges Tuch überziehen)

Die geht doch schon mal so zur Probe.

Was fehlt mir noch zur Guru-Art?

Ich weiß: mir fehlt ein langer Bart!                  (Nikolausbart anziehen)

Wenn der nur lang ist und in grau,

dann wirk´ ich sicher super-schlau!

Was fehlt mir noch? Ne Blumen-Binde,                  (anziehen)

die ich als Kette um mich winde!

Zuletzt mein Meditäischen-Gong,                            (hinstellen)

damit ich auch in Stimmung komm.               (Schlägt Gong an)

 

(Im Medi-Singsang übertreibend)

Ohhm. So geht´s los. Wir starten gleich.

Kommt mit mir mit ins Viel-Zeit-Reich.

Senkt euch hinab in euer Herz,

den Ort in euch, wo kein Kommerz.               (Gong)

 

Was spürt ihr, was das Herz euch sagt?

Spürt ihr denn nicht, wie´s Herz euch fragt:

Was soll das ganze rumgerenne?

– Als wenn man dadurch echt gewönne,

das, was der wahre Lebenssinn.

Das kriegt ihr so doch niemals hin.

 

(Nun vom übertrieben-witzigen

wieder echt werden)

Was wirklich wesentlich im Leben,

kannst nicht in Hetze du erstreben.

Der tiefe Sinn braucht seine Zeit

und braucht die echte Achtsamkeit

auf das, was dich im Kern bewegt,

was sich in deiner Seele regt.

 

Ich will an wen´gen Beispiel´n lehren,

wie´s praktisch geht, jetzt umzukehren:

 

Scheint dir dein Ziel auch hochgenial

sag zu dir dennoch: „Augenblick mal!“

Und spür in Ruhe noch mal hin,

ob´s wirklich bringt den Lebenssinn.

 

Und hetzt ein andrer dich total

lern, ihm zu sagen „Augenblick mal!

Lass uns das falsche Hetzen meiden,

an dem so viele Menschen leiden.“

 

Lässt er dir dennoch keine Wahl

sag noch mal deutlich „Augenblick mal!,

lass erst uns noch einmal ergünden,

ob sich nicht and´re Wege finden.“

 

Bau´st selbst du deinen Marterpfahl

des Stress, sag gleichfalls „Augenblick mal!

Ich bin geliebt doch so von Gott,

warum stell ich mich auf´s Schaffot?“

 

Ja, ja, genau, so werd´ ichs lehren                (Legt Verkleidung ab)

und der Gemeinde Weisheit mehren.

 

So habe ich mir das gedacht

und mir Notizen schon gemacht.

(Gongschlag – Gong bleibt rechts)

 

4 Albtraum vom Handlungszwang

 

Doch dann am Abend – schön beim Bier –

sinn´ ich noch nach und denke mir:

Was wäre, wenn das alle machen?

und schon vergeht dabei mein Lachen.

 

Denn ist es nicht ganz oft der Fall,

dass was passiert mit einem Knall,

so dass man Handeln muss voll Eile,

anstatt zu warten erst ´ne Weile?

 

Mit süßen Träumen schlaf ich ein,                          (Setzt Schlafmütze auf)

denk noch – das Leben ist doch fein –

bis heimlich sich die Träume wandeln

und ich dann träum vom Zwang zu handeln.

 

Ein Traum noch aus der Weihnachtszeit

mit Kerzen und Gemütlichkeit.

Die Kerze vom Adventsgesteck

brennt runter und eh´ ich´s entdeck,

steht´s Tannengrün schon ´hell in Flammen

ich seh´s und fahr sofort zusammen.            (Blaulicht links hinstellen)

 

Schnell spring ich auf, das heißt: ich will –

doch bleibt mein Körper gänzlich still.

Mein Wille wills, der Körper streikt

als wollt er sagen: „Tja, vergeigt!“

Ich reiß an mir mit aller Qual         .

Mein Körper sagt nur: „Augenblick mal!

Du predigst, Eile sei wie Krätze,

dann mach doch jetzt nicht so ´ne Hetze!“

 

Halt´s Maul, ich will nicht diskutieren,

dieweil die Flammen ruinieren

jetzt schon den Tisch und gleich den Sessel

ich zerr an meiner Leibes-Fessel.

 

Verzweifelt ruf ich meinen Schatz:

„Hier brennt´s an unserm Weihnachts-Platz!

Hier ist jetzt schon ein Flammenmeer

bing schnell ´nen Eimer Wasser her.

Mach hin, tu keine Zeit verlieren!“

Doch nein, – – – sie ist beim Meditieren!

 

 

Im Taum hör ich zum zweiten mal:

Auch sie sagt wieder:  „Augenblick mal!

Das Wichtigste im Leben ist,

dass man mit sich im Reinen ist.“

 

Die Flammen indes weiter fressen

sich durch das Haus das ich besessen.

Da kommt nun doch mein Schatz herbei

und wählt ganz schnell die eins, eins, zwei.

 

„Hallo, hier ist die Feuerwehr“

„Hier brennt´s – kommt bitte ganz schnell her.“

Der Meister über´n Wasserstrahl

im Traum sagt auch nur „Augenblick mal!

Vor mir liegt hier ein Formular.

Das will gefüllt sein, ist doch klar.

Von welcher Art denn ist ihr Feuer?

Und war, was brennt, denn wirklich teuer?“

 

Ich fass es nicht, der Herr der Flammen

der sammelt Daten erst zusammen!

Die Zeit im Traum wird endlos lang,

dieweil mein Hemd fängt´s  brennen an.

Minuten tun sich endlos dehnen,

da endlich hör ich die Sirenen.

 

Ein Feuerwehrmann kommt in´s Haus,

schaut rum, „Whow, hier sieht es ja aus!

Sie brennen ja, tut das nicht weh?“

Ich sag nur „Ja, oh jemineh“

 

„Ich ruf erst mal ´nen Sanitäter,

das Feuer löschen wir dann später!“

So greift er in sein Futteral

und sagt, ihr ahnt es: „Augenblick mal!

Ich hab mein Funkgerät vergessen.

Das ich vorhin doch noch besessen.“

 

So ging das weiter in dem Traum

bis ich zuletzt im weißen Raum

mich wiederfand vom Hospital.

Doch auch der Arzt sagt „Augenblick mal!

Mein Arbeitszeit ist leider um.

Ich hoff, sie nehmen´s mir nicht krumm.

Ich hab mir nämlich vorgenommen

ins Gleichgewicht muss endlich kommen

die wichtige Work – Life – Balance!“

So schwindet meine Leben-Chance!

 

Ich höre schon die Englein singen,

die mich auf einer Bahre bringen,

zu Petrus an die große Pforte

zum paradiesisch Himmelsorte.

 

Die Tür geht auf ein Himmelsstrahl,

da ruft´s von unten „Augenblick mal!

Lass schön mal zu das Himmelstor,

gegen den Herrn da liegt was vor!“

Von unten kommt der Teufel rauf…

– Da wach ich aus dem Albtraum auf. (Blaulicht aus – Schlafmütze ab)

 

5 Synthese warum es geht

 

Und die Moral von den Geschichten?

Man muss, scheint´s jeweils neu gewichten.

 

Ein jedes Ding hat seine Zeit.

Mal sind wir auf der Blaulicht-Seit´        (Links zeigen)

Mal heißt es lernen Achtsamkeit.                   (Gong zeigen)

 

Wenn´s brennt, geht´s nicht in Ruh´ zu wandeln,

dann muss man einfach eilig handeln.

Doch braucht es auch den Gong zur Pause …

 

– – – Stopp! – – – Merk ich: – – – Ich bin ein Banause!

Ich bin ja selbst ein Kind vom Hetzen,

erlegen unseren Zeit – Gesetzen!

Seh´ Muße selbst nur als ´ne Pause

vom permanenten Rumgebrause!

 

Ich will in diesen sieben Wochen

ganz neu – so hab ich mir verspochen –

Bedenken meine Zeit-Gewichtung

und – prüfen meine Lebens-Richtung.

Will mich bemüh´n um Achtsamkeit,

dass ..       … jedes Ding hat seine Zeit.

Amen

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