Brot für Leib und Seele

Liebe Schwestern und Brüder !

Das klingt irgendwie makaber, fast schon kannibalisch was Jesus hier spricht! „Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm.“ (Johannes 6,55) Und dann heißt es: „Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ (Johannes 6,58) Diese johanneische Deutung von Jesu Leib und Blut als Fleisch und der verstörende Hinweis auf das Essen diesen speziellen Fleisches hatte aber für damalige Ohren den Zweck zu illustrieren, dass Jesu mit seinem wirklichen Leib, mit seinem eignen Fleisch und Blut gelitten hatte; und nicht nur scheinbar als Brot des Lebens oder als innerlich-geistiges Brot angesehen wird, das wir im Sakrament so vor uns geistig zu uns nehmen oder geistlich vor uns hin  „kauen“. Das Lebensbrot, das Jesus ist, will nicht nur in geistig- innerlicher Weise im Glauben, sondern auf der Grundlage solchen Glaubens auch unter den konkreten Zeichen von Brot und Wein gegessen werden.

Was Brot beim Abendmahl für eine religiöse Bedeutung für die ersten Christen hatte, will ich ihnen an einem Ausspruch des Ignatius von Antiochien aufzeigen. Ignatius, der Bischof im syrischen Antiochien war und dann um 115 nach Christus den Märtyrertod starb, war der festen Überzeugung, dass das Brot, das beim Abendmahl gereicht wird, eine Arznei der Unsterblichkeit (pharmakon athanasion) sei. Das Brot beim Abendmahl, das Christi Gegenwart im Abendmahl ist und bedeutet, hatte für ihn die Wirkung eines Gegengiftes gegen den Tod bzw. ist die Arznei der Unsterblichkeit. Ignatius wäre es bestimmt nicht schwer gefallen Christus als das Brot des Lebens anzuerkennen. Er verstand das Heil, das durch Christus in die Welt gekommen ist, im wörtlich Sinn als Heilung von dem Tod, als das lebendige Brot, das eine ultimative Arznei der Unsterblichkeit ist. Das Abendmahl als Arznei der Unsterblichkeit, das muss man sich mal genauestens vor seinem inneren Auge vorstellen. Eine Arznei, ein Gegengift gegen den Tod bis hin zur religiösen Gewissheit zur Unsterblichkeit. Das wäre eine Botschaft für die Apotheken-Umschau. „Abendmahl rettet vorm Tod!!!“

Nun die Zeiten haben sich geändert und nicht jeder hat so ein magisches und wundersames Verständnis von Brot.

Über die Jahrhunderte hat sich ein unterschiedliches, keinesfalls einheitliches  Bild und Interpretationen über das Bildwort: „Ich bin das Brot des Lebens“ und die Sicht des Abendmahls entwickelt. Und auch heutzutage haben wir meistens ein anderes Verständnis von Brot und Fleisch als die ersten Christen. Ganz handfest.  Nun ja, Brot ist schon überlebensnotwendig. Brot ist ein Grundnahrungsmittel und keiner entbehrt es bei uns. Niemand muss bei uns hungern und die meisten von uns kaufen sich täglich Brot. Manche lassen sich sogar täglich Brötchen bringen. Der Reichtum unserer Gesellschaft geht sogar soweit, dass wir uns mehr Gedanken über den Brotaufstrich bzw. über die Brotauflage machen können. Und nicht von ungefähr gibt es den etwas saloppen Spruch: In der Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot! Auch Fleischkonsum und die Fleischprodukte sind für uns wichtig wie die immer wieder hitzige Debatte über Vegetarismus und Veganismus zeigt. Den Reichtum unserer Gesellschaft erkennt man übrigens auch daran, dass es unzählige Sorten von Brot beim Bäcker zu kaufen gibt. Ich glaube, diesen Luxus gibt es in dieser Form nur in Deutschland. Aus anderen Ländern und anderen Regionen der Welt kommend staunen  die Menschen über die Vielfalt unserer Brotsorten oder beklagen aufgrund von Dürre, Missernte, Krieg und Hungersnot den Mangel von Brot und leiden Hunger in ihren Heimatländern. Die ernährungstechnische Lebensnotwendigkeit des Brotes weiß man dort bestimmt mehr zu schätzen als bei uns. Aber auch hier wissen die meisten Menschen noch wie lebensnotwendig und gesund Brot ist. Die älteren unter ihnen, die den Krieg erlebt haben, werden bestimmt auch davon erzählen können, was Brot für eine lebensnotwendige Bedeutung hat. Das tägliche Brot ist nicht nur ein Symbol, ein Zeichen für Leben, sondern Brot ist ganz konkret für das Überleben und den Kampf gegen Hunger notwendig.

Das Symbolische, das Zeichenhafte und das Übertragbare an Brot sind aber auch eine psychologische und seelische  Frage, die dahinter stecken: :

Was braucht ein Mensch zum Leben?

Die Antworten darauf sind verschieden und hängen davon ab, wen man fragt: Die Sozialämter sagen: Etwas über 400 Euro pro Monat, das braucht ein Mensch zum Leben in unserem Land. Wenn ich daran denke, dann muss ich erkennen, dass ich allein schon mehr für meine Miete zahlen muss. Die Welthungerhilfe sagt: “ Zwei Hände voll Reis, die reichen in Asien zum Leben. Gut, werden Sie sagen:  Zum Überleben braucht ein Mensch dies vielleicht. Hat er das, wird er nicht sterben. Aber Leben ist doch mehr als Überleben. “ Genau!“ rufen die Werbeplakate und Werbespots: “ Zum Leben braucht ihr einen schönen Urlaub oder ein schönes finanzielles Polster und einen Kredit von uns, locken die Banken, denn wir machen den Weg, deinen Lebensweg frei!“ Was brauchen wir zum Leben? Fragen wir nun einander, es kämen noch mehr, ganz andere Antworten: Gesundheit, Frieden,  Sicherheit, Freunde, Liebe, einen Arbeitsplatz, saubere Luft,– ach, es gibt so viele Antworten auf diese Frage.

Jesus gibt darauf eine Antwort. Diese Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. Einerseits gibt er die einfache Antwort. „Ja, ich weiß, dass ihr alles Mögliche zum Leben braucht, Aber vor allem: zum Leben braucht ihr mich! Ich bin das Brot des Lebens, das Grundnahrungsmittel für euer Leben, für das, was euren Leib und eure Seele zusammen hält.“

Ich schenke euch durch euren Glauben an mich ewiges Leben und Unsterblichkeit. Ich gebe euch durch meinen Tod, durch mein Sterben, die Hoffnung der Auferstehung. Das kann die einfache Antwort auf die vorher gestellte Frage sein. Für viele, die glauben, mögen diese Glaubensätze gelten. Für andere sind sie erläuterungsbedürftig. Man muss die Sätze in die Alltagssprache übersetzen. Das Komplizierte und Hintergründige an der Antwort ist, dass Jesus nicht eine körperliche Sättigung verspricht. Er sättigt nicht meinen körperlichen Hunger. Dafür muss ich als Mensch selbst sorgen. Und denen, die nichts haben, von meinem Reichtum abgeben oder mich für gerechtere Verhältnisse auf der Welt einsetzen. Aber das Brot, das er mir durch sich selber gibt, kann eine seelische oder eine ideelle Sättigung meiner seelischen Bedürfnisse bewirken. Durch das Essen des Brotes beim Abendmahl bekomme ich durch Jesus Christus die Zusage. Ich bin für dich da, du kannst mich sogar schmecken. Deine Fehler und Schwächen vergebe ich dir. Mit mir kann dir ein Neuanfang gelingen. Ich bin bei dir und ich tröste und geleite dich auf den schweren und schiefen Bahnen des Lebens. Auch wenn alle über dich herfallen und du einsam und verzweifelt bist, dann bin ich immer noch bzw. gerade dann bin ich für dich da.

Und das ist nicht die einzige Zusage, die du von mir bekommst, denn ich bin auch im Tod und über den Tod hinaus für dich da. Du musst keinen seelischen Hunger mehr erleiden. Vielleicht kann man sich diese Art der Sättigung doch mit einer Medizin oder der flüssigen Ernährung nach einer Operation vergleichen. Ohne diese Medizin und ohne diese flüssige Ernährung kann man nach schweren Operationen nicht überleben, weil der Körper zu sehr geschwächt ist.

Aber das alleine reicht manchmal auch nicht aus, um ins Leben zurückzukommen. Denn es gibt auch Komapatienten, Patienten die nach Operationen oder Unfällen das Bewusstsein verloren haben. Manchmal haben die Ärzte nur noch schwache Hoffnung, dass sie wieder Bewusstsein erlangen. Dann bitten sie die Angehörigen am Bett zu sitzen und den Patienten zu zureden. Durch dieses Zureden, durch diese Anwesenheit sind viele bewusstlose Patienten wieder zu Bewusstsein gelangt. Hinterher antworten sie meist, dass sie die Anwesenheit der Angehörigen unbewusst wahrgenommen hätten. Ihre Anwesenheit und ihr Zwiegespräch haben ihnen geholfen.

Ich denke auch das Zwiegespräch mit Gott in Form des Gebets bewirkt Hilfe. Dabei ist  Christus dann das Brot des Lebens werden, das bei seelischem Hunger tröstet und sättigt. Wenn ich dann mit Gott ins Gespräch komme, dann verspüre ich wie das symbolische und das zeichenhafte Brot des Lebens für mich eine ganz konkrete Hilfe für mein Leben wird und eine Sättigung meines seelischen Hungers bewirkt.

Auch beim und durch das Abendmahl geschieht dies: Warum essen wir  das Brot? Warum trinken wir aus diesem Kelch? Warum feiern wir? Ist nicht in dieser Welt immer noch so viel Krieg und Streit? Ist nicht an vielen Orten die Nacht und die Dunkelheit stärker als das Licht?

Wir sehen auf das Kreuz. Wir gehen zum Gekreuzigten. Wir wollen uns erinnern an den letzten Abend, als Jesu mit seinen Jüngern am Tisch saß.  Es war kein festlicher Tag, als Jesus verraten wurde. In der Nacht vor seinem Sterben feierte er mit seinen Freunden das Passah fest, das Fest der Befreiung Israels aus der Gefangenschaft. Da sprach Jesus von seinem Tod und seine Freunde waren traurig. Sie fühlten sich unsicher und hatten Angst.

Da nahm Jesus das Brot, dankte dafür und brach es in Stücke und gab es seinen Jüngern und sagte: Wie dieses ist mein Leib: er wird zerbrochen für euch; das ist Abschied und Anfang zugleich. Nehmt und esst diese Brot des Lebens. Das will ich für euch sein. Teilt nun auch das Brot untereinander und denkt an mich. Das wird euch trösten.

Als alle gegessen hatten, nahm er auch den Kelch mit Wein, dankte dafür, reichte ihn seinen Freunden und sagte: Dieser Wein ist wie mein Blut, das für euch vergossen wird.    Nehmt und trinkt alle daraus. Damit schließen wir einen neuen Bund.     Dieser Bund bedeutet: Vergebung, Friede und Liebe.

Immer wenn ihr aus diesem Kelch trinkt, denkt ihr an mich.    Und ihr werdet von nun an die Vergebung, den Frieden und  die Liebe in die Welt tragen.

Wenn wir jetzt im Namen Jesu miteinander Abendmahl feiern, nehmen wir das in unser Leben auf, was von Jesus Christus ausgeht: Gottes Friede, Mut und Sinn für das Leben, Vertrauen und Freundschaft,   das Ende von allem Streit und die Versöhnung, Freude und Liebe.

Sie sehen: Je nach Situation, Ort  und Verhältnissen kann Jesus Christus zum Brot des Lebens werden. In unseren Breitengraden sättigt er vornehmlich die Seele und deren Hunger; in anderen Ländern wird die Sättigung des körperlichen Hungers als wirkliche Sättigung durch Gott empfunden.

Die Zusage Jesu Christi ist die gleiche, denn er ist “ das lebendige Brot und wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ (Johannes 6,51)

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 

 

print

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen