Bei Gott behütet und geborgen (Ps 139,5)

Ps 139,5
[5] Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

[Quelle Bild: Bildblatt „Vogel i.d.Hand“ (DIN A4, Stück 30 Pf.), Religionspädagogisches Zentrum Heilsbronn, Postfach 11 43, 91556 Heilsbronn („Bilder für Schule und Gemeinde„)]

Liebe Eltern, liebe Paten,

ich habe um den Taufstein viermal das gleiche Bild gehängt. Da ist ein kleiner Vogel drauf. Bestimmt ist er noch sehr jung. Vorsichtig wird er von einer Hand gehalten. Um ihn herum auf dem Bild ist es finster. Aber die Hand ist hell. Das ist eine offene, eine vorsichtige, eine zärtliche, eine gute Hand. Sie schützt den kleinen Vogel, damit ihm nichts geschieht. Damit er nicht herunterfällt, oder gar unter die Räder kommt. Sie schützt den kleinen Vogel bis er selber fliegen kann; bis er flügge geworden ist.

Ich denke, liebe Eltern, das ist auch ein schönes Bild für Euer Kind. Es ist auch noch sehr klein, hilflos und schutzbedürftig. Und Ihr wollt auch auf keinen Fall, dass es irgendwo herunterfällt, oder gar unter die Räder kommt. Eltern passen deshalb besonders gut auf ihr kleines Kind auf, bis es einmal flügge geworden ist.

Die Hand auf dem Bild könnte deshalb ein Sinnbild sein für die Liebe und Fürsorge, die Ihr Euerem Kind gebt. Es darf sich bei euch so wohl fühlen, wie der kleine Vogel in der guten Hand.

Das ist gerade jetzt besonders wichtig. Denn die Welt ist für Euer Kind noch gar nicht durchschaubar und begreifbar, vergleichbar mit der Dunkelheit auf dem Bild. Euer Kind muss sich seine Welt erst nach und nach erschließen, Licht hineinbringen, das Gute vom Bösen, das Angenehme und Nützliche vom Gefährlichen unterscheiden lernen. Und dabei muss es Erstaunliches leisten. Aber Ihr wisst bereits, wie wunderbar das ist, ein Kind beim Entdecken seiner Welt zu begleiten. Und die beste Begleitung ist, Euerem Kind das Gefühl zu geben, bei Euch in jedem Fall geliebt und geborgen zu sein, wie der kleine Vogel in der guten Hand – gerade wenn’s mal weh tut und Ihr auch einmal „Nein“ sagen müsst.

Heute kommt noch eine Hand dazu. Mit der Taufe kommt Gottes Hand dazu. Davon spricht auch der Spruch, den ich zur Taufe ausgewählt habe. Es ist der 5.Vers des 139.Psalms:

Von allen Seiten umgibst du mich, Herr, und hältst deine Hand über mir.

Dieser Bibelvers spricht davon, dass wir auch bei Gott behütet und geborgen sein dürfen, wie der kleine Vogel auf dem Bild. Taufe bedeutet: Wir legen das Leben Eueres Kindes in Gottes Hand. Gott freut sich darüber, ruft es bei seinem Namen und verspricht Euerem Kind, dass er es ganz gewiss niemals fallen lassen wird. Darauf ist Verlass ein ganzes Leben lang.

Und deshalb ist das Bild vom kleinen Vogel nicht nur ein schönes Bild für Kinder, sondern auch ein Bild für Erwachsene. Wir Erwachsenen sind ja nicht immer so groß, stark und sicher, wie wir ausschauen. Auch wir machen im Laufe unseres Lebens immer wieder Erfahrungen, wo wir uns ganz schnell in diesem Bild wiederfinden können. Etwas stößt uns zu aus heiterem Himmel, der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Krankheit, ein Schicksalsschlag und es wird ganz finster um uns her. Dann dürfen wir als Erwachsene an unsere Taufe denken. Taufe heißt: Wir können gar nicht tiefer fallen, als in die Hand Gottes und aus dieser Hand kann uns keiner reißen, nicht einmal der Tod.

Auch nicht die Sorgen, die Eltern manchmal mit ihren Kindern haben. Kinder sind ja ein Geschenk auf Zeit. Und in 16, 20 Jahren wird Euer Kind seine eigenen Wege gehen. Wege, auf denen Ihr es nicht mehr so beschützen und behüten könnt, wie jetzt; Wege die Euch vielleicht nicht gefallen und Sorgen machen. Dann erinnert Euch an heute, an die Taufe Eueres Kindes. Es sind nicht nur Euere Hände, die Euer Kind halten, sondern auch Gottes Hand.

Und so kann die Taufe und der Glaube, der sich darauf verlässt im Lauf des Lebens immer wieder wichtig werden. Und weil der Glaube uns im Leben Hilfe und Hoffnung geben will, soll Euer Kind nicht einfach bloß getauft werden. Es soll später auch einmal erfahren, was heute in der Taufe mit ihm geschehen ist. Und es soll auch einmal mit seinem eigenen Glauben zu dem Gott Vertrauen fassen, auf den es heute getauft wird.

Dabei ist Euer Kind auf Euere Hilfe, liebe Eltern und Paten, angewiesen. Sicher, Glaube kann man nicht anerziehen. Glaube soll mit Zwang und dem erhobenen Zeigefinger nichts zu tun haben. Glaube ist und bleibt immer ein Geschenk Gottes. Aber Ihr könnt und Ihr sollt Euer Kind zu diesem Glauben hinführen.

Und am Besten geht das mit Bildern. Zum Beispiel mit dem Bild vom kleinen Vogel in der guten Hand, das ich Euch dann zur Erinnerung an die Taufe mitgeben möchte. Vielleicht habt Ihr einen Platz im Kinderzimmer, wo es hängen kann.

Am Besten geht das durch das eigene Vorbild, wenn Ihr sagt: Schau, so wie wir für dich sorgen und dich lieb haben, so tut das auch dein himmlischer Vater mit dir. Und wenn Eurer Kind alt genug ist, dann schämt Euch nicht zuzugeben und zu sagen: Gott macht das sogar noch besser als wir! Denn auch wir Eltern sind Menschen und machen Fehler, und auch wir leben davon, dass Gott uns hilft und verzeiht, auch wir beten zu ihm und hören sein Wort und wir tun das mit dir, weil es uns selbst wichtig ist. Das ist die beste Art zum Glauben hinzuführen.

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