Ave Maria (Lk 1,46)

Lk 1,46
[46] Meine Seele preist Gott, meinen Herrn. Mein Geist ist glücklich über den Gott, der mir hilft.

Liebe Trauergemeinde!

Nach Preisen ist uns nicht zumute. Und glücklich werden Sie, besonders Frau N.N., Tochter N.N. mit Ehemann N.N. und Enkelin N.N. auch nicht sein. Eher das Gegenteil ist Fall. Sie sind traurig und geschockt über den unerwartet schnellen Tod von N.N. Sie versuchen sich zu trösten mit vernünftigen Gründen. Er war seit seinem schweren Unfall im Garten krank, ein Krebsleiden schloss sich an. Er war seitdem häufiger Gast in den Krankenhäusern.

Sie mussten mit zusehen, wie er gesundheitlich immer mehr abbaute und immer wieder neue Metastasen entdeckt wurden. Es ist ihm schlimmeres erspart geblieben durch seinen plötzlichen Tod, sagen Sie. Aber ein Trost ist das nicht. Sie müssen jetzt ohne ihn zurechtkommen. Mit dem Haus in der N.N.-Straße, das nun auf einmal so leer ist. Ihre Gedanken an ihn und dann müssen Sie sich wieder bewusst machen: ja, er lebt ja jetzt nicht mehr.
Was bleibt, sind die Erinnerungen an ihn. Und da gibt es viele. Er war so ein aktiver Mann.

Sportlich hatte er Freude am Skifahren und lernte später [usw. biographisches]. Als gelernter Schreiner werkelte er auch gerne im Ruhestand in seiner Werkstatt. Und er hatte sein ganzes Leben Freude an der Musik. In vielen verschiedenen Kapellen spielte er mit, meist mit seiner Klarinette oder mit dem Saxophon. Musik war sein Leben und er bereitete vielen anderen Menschen auch Freude damit. Musik rührt die Seele an. Und selbst wenn man traurig ist, Musik hellt das finsterste Gemüt wieder auf.

?Meine Seele preist Gott, meinen Herrn. Mein Geist ist glücklich über den Gott, der mir hilft.? (Lk. 1, 46) Das singt Maria voll Freude, weil sie ein Kind erwartet und weiß, das wird Gottes Sohn sein. Sie ist in freudiger Erwartung, so wie wir jetzt auch erneut in freudiger Erwartung sind auf Weihnachten, wo sie die Ankunft des Herrn feiern. Maria freut sich. Aber ob Sie schon damals schon gewusst hat, welche Leidenszeit auf Ihren Sohn Jesus zu kommen wird? Welch schrecklicher Tod ihn erwarten würde? Sie konnte das ja noch nicht wissen. Dass er hingerichtet werden würde. Dass er sterben musste für uns. Welche Mutter wünscht sich das schon für ihren Sohn, auch wenn er ein Auserwählter, der Messias , der Sohn Gottes wäre? Und vielleicht ist uns Maria in unseren Momenten der Trauer sehr Nahe, auch uns evangelischen. Und vielleicht haben sie sich deshalb auch das von Schubert vertonte Lied Ave Maria gewünscht.

Ave Maria!
Erhöre einer Jungfrau Flehen
Aus diesem Felsen starr und wild
Soll mein Gebet zu dir hin wehen.
Wir schlafen sicher bis zum Morgen,
ob Menschen noch so grausam sind.

Das Lied rührt die Seele an. Es schwingt der ganze Schmerz mit, den Sie jetzt fühlen, und der so schwer in Worte zu fassen ist. Maria hat auch einmal das gefühlt, was sie jetzt fühlen. Die tiefe Traurigkeit über einen geliebten Menschen, den Sie unwiederbringlich verloren haben.

Aber verloren ist N.N. ja nicht. Er ist jetzt bei Gott, in seinem Reich. Wir haben noch keinen Zugang in diese Welt. Aber eines ist sicher. Es geht ihm gut, dort wo er jetzt ist.

Im meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, hat Jesus einmal gesagt. Eine Wohnung ist nun für N.N. bereitet. So, wie Jesus den Tod überwunden hat, so haben auch wir Anteil am ewigen Leben. Der Tod ist da nur eine Zwischenstation zu neuem Leben. Zu Leben bei Gott und in Gott.

Ich bin auch überzeugt, dass Gott jetzt auch bei Ihnen ist und Ihnen beisteht in Ihrer Trauer. Er möge Ihnen die nötige Kraft hierzu geben. Dass Sie sich eines Tage dankbar an ihn zurückerinnern können, mit Dank, dass sie eine Weile mit ihm leben durften. An die vielen Erlebnisse mit ihm und an seine Musik, die sein Leben war.

Wer weiß, vielleicht ist er jetzt aufgenommen im Engelschor und er spielt an Weihnachten auf seiner Klarinette, während die Engel singen ?Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden euch Menschen, den Gottgeliebten!?

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