Auf was es jetzt ankommt – Volkstrauertag

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen
Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute am Volkstrauertag gedenken wir der Toten der Kriege. Kriege gibt es
überall auf der Welt. Zum Glück bei uns seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr.
Und obwohl der 2. Weltkrieg nun schon 75 Jahre her ist, ist es in Deutschland
viel klarer als in anderen Ländern, dass Kriege zu führen die schlechtest
mögliche Alternative ist. Frieden ist uns Deutschen sehr wichtig. Denn die
Weltkriege haben in den Familien Erinnerungen hinterlassen, die von
Generation zu Generation weiter gegeben wurden. Wir werden das so schnell
nicht vergessen. Und das ist gut so.

Und auch was Wirtschaftskriege angeht, sind wir sehr viel vorsichtiger als zB
die USA und China und wirken mäßigend auf die Europäische Union ein. Denn
wir wissen, jede Form von Krieg hat am Ende  nur Verlierer. Und bis sich die
Seelen der Menschen eines Landes von einem Krieg wieder erholt haben, dauert mehr
als eine Generation. Kriege zu verhindern ist klug und vernünftig.
Denn auf die Folgen kommt es an.

Das meint Jesus auch in unserem heutigen Predigttext: Wir sollen klug
handeln und uns die Folgen unseres Handelns genau überlegen.

Ich lese Lukas 16,1-8

1Dann sagte Jesus zu den Jüngern:

»Ein reicher Mann hatte einen Verwalter.

Über den wurde ihm gesagt,

dass er sein Vermögen verschwendete.

2Deshalb rief der Mann den Verwalter zu sich

und sagte zu ihm:

Was muss ich über dich hören?

Lege deine Abrechnung vor!

Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.<

3Da überlegte der Verwalter:

Was soll ich nur tun?

Mein Herr entzieht mir die Verwaltung.

Für schwere Arbeit bin ich nicht geeignet.

Und ich schäme mich,

betteln zu gehen.

4Jetzt weiß ich,

was ich tun muss!

Dann werden mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen,

wenn ich kein Verwalter mehr bin.<

5Und er rief alle einzeln zu sich,

die bei seinem Herrn Schulden hatten.

Er fragte den Ersten:

Wie viel schuldest du meinem Herrn?<

6Der antwortete:

Hundert Fässchen Olivenöl.<

Da sagte der Verwalter zu ihm:

Hier ist dein Schuldschein.

Setz dich schnell hin

und schreib fünfzig!<

7Dann fragte er einen anderen:

Und du, wie viel bist du schuldig?<

Er antwortete:

Hundert Sack Weizen.<

Der Verwalter sagte:

Hier ist dein Schuldschein,

schreib achtzig!<

8Und der Herr lobte den betrügerischen Verwalter,

weil er so schlau gehandelt hatte.

Denn die Kinder dieser Welt

sind schlauer im Umgang mit ihren Mitmenschen

als die Kinder des Lichts.

Was soll das?

Fordert Jesus uns auf zu betrügen? Das kann es ja wohl nicht sein. Also was
will Jesus uns mit dem Vergleich mit dem betrügerischen Verwalter sagen?

Wir sollen schlau sein im Umgang mit unseren Mitmenschen?

Wir sollen die Möglichkeiten, die uns in einer verzweifelten Situation noch
zur Verfügung stehen gut nutzen?

Wir sollen rechtzeitig für uns selbst sorgen, indem wir anderen etwas
schenken, das uns nicht gehört?

Das finde ich alles nicht so richtig überzeugend? Also was dann?

Betrachten wir die Geschichte im Zusammenhang. Davor steht das Gleichnis, in dem
der jüngere Sohn das Geld des Vaters verschwendet. Im folgenden Teil heißt
der Spitzensatz: Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott und dem Geld dienen. Und
dann kommen die Reden über die Endzeit.

Ich glaube es geht hier um die Frage: Was ist wirklich wichtig im Leben? Und
wie sichern wir unsere Zukunft?

Die Antwort der Geschichte lautet: Egal, was ihr bisher falsch gemacht und
versiebt habt, jetzt könnt ihr das Ruder noch herumreißen. Und seid um
Himmels willen schlau, nutzt eure Möglichkeiten und lasst euch nicht von
eurem Besitz blockieren sondern setzt ihn klug ein, um euer Ziel zu
erreichen.

Und was ist das Ziel, dass wir erreichen sollen?

Das Ziel ist die Zukunft bei Gott, wo wir in Ewigkeit in Sicherheit sein
werden. Wir müssen kapieren, dass Beziehungen wichtiger sind als Geld – und
die Beziehung zu Gott über unser Leben und unser Sterben entscheidet.

Geld ist nur ein Mittel zum Zweck des guten Lebens. Ein ewiges gutes Leben
gibt es aber nur mit Gott.

Jesus provoziert mit seinen Gleichnissen und bekam damals damit viel Ärger.
Und er provoziert uns heute genauso wie die Menschen damals.

Denn auch wir denken: Glauben ist wichtig, Kirche ist gut.
Aber wir denken nicht: Es geht ums Ganze. Die Verbindung zu Gott ist das allerwichtigste.
Nur darin gibt es Sicherheit. Aber Jesus sagt: Jetzt zählt es. Seid klug.
Merkt endlich, was die Stunde geschlagen. Bringt euch jetzt in Sicherheit
oder ihr werdet es bereuen. Ihr wisst nicht, ob ihr später noch einmal eine
Chance bekommt.

Liebe Gemeinde,

ich kann diese Botschaft nicht leiden. Mir gefällt sie nicht. Und ich fühle
mich davon provoziert. Das ist äußerst ungemütlich. Und ich bin ja auch
keine Fundamentalistin. Ich finde christlichen Glauben schon gut. Und ich
ärgere mich, wenn Leute aus der Kirche austreten. Aber ich kann verstehen,
wenn Leute sagen: Na ja, so wichtig ist das mit der Religion auch nicht.
Jeder sollte nach seiner Facon selig werden. Und was die christlichen
Vorstellungen angeht, sollte man nicht so dogmatisch sein.

Was um Himmels willen, mache ich jetzt mit Jesu Aufforderung, klug meine
Schäfchen ins Trockene zu bringen, und mich zu allererst um meine Zukunft
bei Gott zu kümmern?

Gut, nehmen wir mal an, ich sage mir: Jesus hat recht. Ich muss meine
Einstellung zu Geld und zur Beziehung zu Gott ändern. Geld bietet keine
Sicherheit und ist nur Mittel zu Zweck. Das einzige, worauf es ankommt ist
das ewige Leben hier und jetzt und nach dem Tod.

Was müsste ich tun?

Mehr Geld für gute Zwecke spenden? Mehr beten? Mich an die Gebote halten?
Nett zu meinen Mitmenschen sein? Mich mehr um meine Familie kümmern?  Mich
für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzen? Mich gegen die Klimawandel
engagieren? Den Regenwald retten? Biolandwirtschaft fördern? Konfis helfen,
sich wohler zu fühlen? Meine Kontakte reduzieren und Masken tragen, um die
anderen vor dem Coronavirus zu schützen? Die Leute zum Glauben einladen?
Glaubwürdig leben, damit die Leute Glauben attraktiv finden? Kurz zusammen
gefasst: Ich müsste immer nur Gutes tun!

Irgendwie stimmt da etwas nicht. Ich finde es schon richtig Gutes zu tun.
Und ich bemühe mich auch darum. Und ich möchte Sie auch überhaupt nicht
davon abhalten, soviel Gutes zu tun wie möglich.

Aber darum geht es nicht im christlichen Glauben. Ich glaube eher es geht um
ein tiefes Bewusstsein, dass es am Ende auf Gott ankommt und nicht auf mich.
Ewiges Leben gibt es nur in der Beziehung zu Gott. Und diese Beziehung geht
von Gott aus und nicht von mir. Und ich kann alles falsch machen wie der
betrügerische Verwalter. Und es gibt trotzdem noch eine Chance, dass es am
Ende richtig wird. Und es ist wirklich schlau, sein Vertrauen auf Gott zu
setzen. Denn irgendetwas anderes wird sowieso nicht helfen.

Insofern ist es richtig, Gott radikal ernst zu nehmen. Nicht die Kirche und
nicht die Religion und noch nicht mal den Glauben. Aber am Ende werden wir
auf Gottes Erbarmen angewiesen sein, so oder so. Und das ist wiederum eine
wirklich gute Nachricht. Und jeder Versuch, sich Gott zuzuwenden wird
zählen, wie hilflos und merkwürdig er auch sein mag. Setzen wir unser
Vertrauen auf Gottes Handeln – und zwar jetzt solange wir noch die Chance
dazu haben.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen
und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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