Alles hat seine Zeit (Pred 3,1-13)

Pred 3,1-13
[1] Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: [2] geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; [3] töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; [4] weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; [5] Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; [6] suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; [7] zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; [8] lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. [9] Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. [10] Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. [11] Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. [12] Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. [13] Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

[Tod eines 53-jährigen Mannes]

Liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde!

Wir trauern um N.N. In dieser Stunde des Abschieds werden wir anhand der Worte aus dem Prediger Salomo auf N.N.s Leben zurückschauen. Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit.

Gott hat ihm 1947 in XX das Leben geschenkt, am vergangenen Dienstag, hat Gott ihn zu sich zurückgeholt. Eigentlich war die Zeit, zu sterben, noch nicht dran. Herr N.N. war noch nicht alt genug zum Sterben. Deswegen frage ich mich: Warum muß es jetzt schon vorbei sein? N.N. hing sicher am Leben. Und er hing an seiner Familie. Besonders wohl an Ihnen, liebe Frau N.N., die Sie fast 30 Jahre miteinadner verheiratet waren. sich umarmen hat seine Zeit, loslassen hat seine Zeit – finden hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit Sie haben N.N. als einen geselligen, lustigen Menschen erlebt, der seine Menschen mit seinen Erzählungen auch mal zum Lachen brachte. Deswegen war er so beliebt. Einfach einmalig.

Ja, N.N. war sicher einmalig. Denn Gott hat ihn geschaffen und er hat sein Leben in der Hand gehabt und ihn geliebt. ja, er liebt ihn auch noch heute. So wie Ihre Liebe als Frau, Tochter, Bruder, Mutter, Verwandte und Bekannte über den Tod hinausgeht, genauso liebt Gott N.N. auch über Tod und Grab hinaus. Und trotzdem hat Gott ihm den Tod nicht erspart. Auch die Ungewißheit und Angst, was nach dem Tod kommt, hat Gott ihm nicht genommen. Denn was nach dem Tod kommt, wissen wir alle nicht genau.

Dem Menschen hat Gott eine Ahnung von der Ewigkeit ins Herz gegeben, aber von dem, was Gott in dieser unvorstellbar langen Zeit tut, kann der einzelne Mensch nur einen winzigen Ausschnitt wahrnehmen. Die dunkle Zeit des Todes dauert nicht ewig. Wir müssen alle durch diese dunkle Enge, aber am Ende steht Gott und erwartet uns in seiner neuen Herrlichkeit. Das Himmelreich, die goldene, neue Stadt wartet auf uns, geschmückt wie eine Braut. Das glaube ich ganz fest. Und darauf können wir uns verlassen, weil Gott in seiner heiligen Schrift es uns selbst versprochen hat. Wie lang diese dunkle Enge des Todes dauert, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich: Der Tod hat nur eine kleine Macht. Denn Gott selbst hat in seinem Sohn Jesus Christus für uns den Tod besiegt.

Er ist selbst durch diese dunkle Enge des Todes gegangen. Er ist diesen Weg uns voraus gegangen und nach drei Tagen ist er auferstanden und lebt! Wir haben einen lebendigen Gott, der lebt. Und wir werden auch leben. Gott hat uns das versprochen: Der Tod ist nicht das Ende, sondern nur der dunkle Übergang in ein neues Leben. Wie eine der weiten Autofahrten, die N.N. doch immer so sicher gemeistert hat, wird diese Fahrt in das neue Leben sein. Diese Auferstehungshoffnung gilt auch für N.N. Er ist zuhause angekommen bei seinem Gott. Gott hat für alles eine Zeit …, in der er es tut; und alles, was er tut, ist vollkommen.

Heute, angesichts vom Tod fällt es mir nicht leicht, zu sagen, daß alles, was Gott tut, vollkommen ist. Aber vielleicht kann N.N. unseren Gott da viel besser verstehen als ich. N.N. wird Gott jetzt genauer kennenlernen als wir. Und ich bin sicher: Es wird eine Freude für ihn sein. Ich denke, für beide.

N.N. wird auf Gott zugehen, wie er immer auf die Leute zugegangen ist. Er wird vereint sein mit Vater und Großvätern, die so früh verstarben. Gott selbst als der himmlische Vater wird für N.N. da sein, mehr noch als ein irdischer Vater das je könnte. Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit wehklagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. Aber jetzt ist erst einmal die Zeit der Trauer. Es ist nicht leicht, einen lieben Menschen gehen lassen zu müssen. N.N. wird erst einmal nicht mehr mit Ihnen zusammen sein. Sie müssen ohne Ihn weiterleben.

Er wird nie mehr mit Ihnen sprechen über das, was daheim anliegt oder für sie ein festliches Essen kochen. er wird nie mehr mit Ihnen im Gesangverein oder im Angelclub zusammen sein; er wird Ihnen nie mehr im Außendienst begegnen. Erst wenn wir durch diesen dunklen Tunnel des Todes gegangen sein werden, werden wir N.N. wieder begegnen. Bis dahin können wir nur auf Gott vertrauen und zu ihm sprechen. So wie es im Konfirmationsspruch heißt, den N.N. 1961 von Pfarrer XX bekam. Er steht im 28. Psalm, Vers 6, ein Wort des Königs David: Gelobt sei der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flehens. So wie König David das erfahren hat, dass Gott hilft, wenn wir ihn bitten, so können auch Sie, liebe Angehörige , sich an Gott wenden. Gott wird helfen, das haben viele schon erlebt. Gott hilft, wir Christen aus ihrer Gemeinde wollen auch helfen.

Meine Bitte ist: Wenden Sie sich an Ihre Nachbarn, auch an die Gemeinde hier in Gollhofen, wir machen keinen Unterschied ob jemand katholisch oder evangelisch ist. Wenn Sie Hilfe oder Trost brauchen, wir helfen alle gerne. Wir haben als Christen ja auch den Auftrag, füreinander da zu sein, wenn wir einander brauchen. Manchmal ist es kompliziert, wegen der blöden Trennung evangelisch-katholisch, die halt immer noch da ist. Auch, dass Gollhofen zur Zeit keinen Pfarrer hat, erschwert die Arbeit der Kirchengemeinde, aber glauben Sie mir, wir versuchen unser Bestes. Damit Sie Gott wirklich so erfahren, wie König David es im Konfirmationsspruch von N.N. ausdrückt: Gelobt sei der Herr, denn er hat erhört die Stimme meines Flehens.

Gott loben, das ist jetzt nicht leicht. Hatte N.N. doch erst letztes Jahr beruflich einen neuen Anfang gewagt, damit er öfter bei seiner Familie daheim sein kann. Das war bestimmt ein Wagnis, auch wenn die guten Kontakte von N.N. diese Veränderung erleichtert haben. Jetzt aber muß er sich durch den Tod wieder verändern und ist überhaupt nicht mehr bei Ihnen daheim. Das schmerzt, besonders wenn der Tod so plötzlich und unerwartet kommt. Das ist so: Wer liebt, der trauert auch. Die Tränen sind der Preis der Liebe, heißt es. Nehmen Sie Ihre Tränen als Zeichen der Liebe. Und vertrauen Sie auf das Wort der Heiligen Schrift: die Liebe ist stärker als der Tod.

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