„Der Meldeempfänger“ oder „Wie Gott beruft“

„Der Meldeempfänger“ oder „Wie Gott beruft“
Ansprache am Floriangottesdienst des Enzkreises am 4.5.2013 in der Marienkirche Langenalb
Sie alle kennen dieses Geräusch:
( Melder piepsen lassen).
Schon einige Male hat er sich so in Erinnerung gerufen: Der Meldeempfänger! Eine Weile hat es auch gedauert, bis ich mich an ihn gewöhnt habe. Der beste Empfänger ist wirkungslos, wenn
ich den Rufton nicht höre oder überhöre. Er ist ohne Effekt, wenn der Empfänger ausgeschaltet ist oder außerhalb des Empfangsbereichs des Funknetzes ist. Wenn Sender und Empfänger verschiedene Frequenzen haben geht auch nicht. Einige Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein, damit die Botschaft des Geräts ankommt.
Wie meldet sich Gott?
Piepsen und vibrieren tut er jedenfalls nicht. Wenn Gott ruft / beruft braucht er dazu keine Leitstelle. Wir haben es in der Lesung gehört wie es dem Mose erging.
In der Wüste oder in anderen heißen Gegenden ist es nicht ungewöhnlich, dass Büsche Feuer fangen. Grund dafür ist ein Harz, das vergast und sich dann aufgrund der hohen Hitze selbst entzündet. Normalerweise lodern diese „Strohfeuer“ kurz auf und gehen dann schnell wieder aus. Doch hier bei diesem einen Busch war es anders: Er brannte und verbrannte doch nicht! Mose wird neugierig: „Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen!“
 (Einschalten der Video Installation „Brennender Dornbusch)
Da wird er von Gott angeredet. Er hat sich heftig erschrocken. Wem würde das nicht genauso ergehen? Es folgt ein klarer Auftrag:„Ich habe das Schreien meines Volkes gehört… Ich will Dich zum Pharao senden, dass Du mein Volk aus Ägypten führst.
Wie gut ist es, dass sich Gott so zeigt! Nicht von einer Wellness- Oase aus dem Himmel herab spricht Gott. Sondern: In den Dornen. Aus dem Dornengestrüpp heraus! Dieses Dornengestrüpp ist ein Bild für Leiden und Tod und Mühsal, für Beschwerlichkeit. Dort also ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu finden: In den Dornen, die spitz sind und mich verletzen. Dort wo Leben bedroht ist. Wo das unerklärlich Böse in seinen vielen Facetten inmitten einer noch unerlösten Welt triumphiert.
Jesus wurde bei seiner Kreuzigung eine Krone aufgesetzt – auch aus Dornen. Ein seltsamer Gott! – so mögen sie sich fragen – wenn er bei soviel Leid zuschaut und nicht eingreift!
(Hier kann die Theodizee-Thematik angerissen werden…)
Dennoch: Gott hört das Wehklagen und die Schreie. Deshalb ruft / beruft er ja den Mose. Benutzt ihn als Werkzeug zur Rettung. Ich denke dass Ihr, liebe FeuerwehrkameradenInnen, so wie Mose Rettungswerkzeuge seid.
Mit diesem Gott hatte Mose sicher nicht gerechnet. Am liebsten wäre Mose weggelaufen. Rumgedruckst hat er! Ich kann das nicht! Nimm einen andern dafür! Heute würde er wohl sagen: Ich habe keine Zeit! Ich muss schaffen! Gott beruft im Alltag. Mose war Schafhirte. Andere haben andere Berufe. Ging es Ihnen, liebe Kameraden und Kameradinnen nicht schon ähnlich? Wie oft sind Sie, von ihrem Beruf und Alltagsgeschäft weggerufen worden und sind durch diesen ganz anderen Ruf mitten hinein in eine Berufung und Einsatz mit unbekanntem Ausgang gekommen? Sie sind dahin gegangen wo es im wahrsten Wortsinn „brennt“. Unerwartet und im unpassendsten Moment oder gar mitten in der Nacht hat der Funkmelder gepiepst. Sie wurden wohl nicht zu einem brennenden Dornbusch gerufen, eher zu einem brennenden Haus oder einem brennenden Auto, in dem Menschen geschrien haben. Sie wurden gerufen, um zu retten, zu löschen, zu bergen und zu schützen! Ich behaupte, dass sie, indem sie sich rufen lassen damit genau das tun, was Gottes Auftrag an seine Menschen ist: In Nächstenliebe füreinander einzustehen, Not zu lindern, Schaden an Leib und Leben und Hab und Gut ab zu wenden. Das gilt auch für alle anderen Rettungsorganisationen. Ich nenne stellvertretend hier:
Die Bergwacht, das THW, das Rote Kreuz, den ASB, und den Malteserhilfsdienst. Sie alle erfüllen – indem Sie sich rufen lassen – Gottes Auftrag.
Ich nenne auch die Lebenspartner und ihre Familien, die diesen Dienst mit tragen und unterstützen. Gottes Berufung zum Dienst geschieht in alltäglichen Lebensbereichen.
Gott beruft auch durch ganz scheinbar alltägliche Gegenstände. Das ist je nach Zeit verschieden. Ein Relikt einer vergangenen Meldekultur, in der auch Gottes Berufung geschah, hängt hinter mir: Es ist die Langenalber Feuerwehrglocke aus dem ehemaligen Schulhaus aus dem Jahr 1837. Dadurch lies Gott seinen Ruf erschallen. Sie hat sicher schon manche Leben gerettet. Einige ältere Langenalber haben Sie auch noch erlebt. Wir merken, das hat mit Nostalgie nichts zu tun.
(Feuerglocke läuten)

Oft waren es auch hohe Kirchtürme die als Feuerwache dienten.

Der Meldeempfänger sagt mir: Ich bin nicht allein im Kampf gegen elementare Naturgewalten. Auch andere werden zur gleichen Zeit mit gerufen! So, wie Mose seinen Bruder Aaron mitnehmen konnte und nicht allein war, sind sie es auch nicht. So, wie beide nicht allein waren, sondern von diesem Retter – Gott – begleitet wurden, sind Sie es auch.
Danke dass sie auf Empfang bleiben und sich rufen lassen!
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