Ich glaube, hilf meinem Unglauben, Markus 9,24 Jahreslosung 2020

E: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Das Jahr geht zu Ende. Ein neues Jahr kommt auf uns zu. Für mein Gefühl ging alles sehr schnell. Ich habe mich kaum an 2019 gewöhnt und jetzt ist es schon bald 2020. Wird sich etwas ändern durch das neue Jahr?

A: Natürlich. Es ändern sich immer Dinge. Nichts bleibt genau so wie es war. Jeder Übergang in etwas Neues beinhaltet die Chance, neu anzufangen und Dinge in Zukunft besser zu machen. Deshalb beginnen viele Leute das neue Jahr mit guten Vorsätzen. Sie nehmen sich vor, besser für ihre Gesundheit zu sorgen, diesmal ihr Ziel zu erreichen oder das Leben insgesamt etwas ruhiger angehen zu lassen. Sie wollen Beziehungen verbessern, sich mit jemandem aussöhnen, mehr Sport machen, weniger Fleisch essen, freundlicher sein.

E: Aber dazu braucht man doch kein neues Jahr. Das kann man jederzeit angehen.

A: Das stimmt. Aber ein neues Jahr erinnert uns daran, dass es möglich ist, etwas zu verändern, weil sich sowieso etwas ändert und seien es auch nur die letzten beiden Ziffern des Datums.

E: Mir gefallen die Veränderungen, die du aufgezählt hast. Wenn Leute das schaffen, tut ihnen das wahrscheinlich gut. Aber mir fehlen dabei die Änderungen im spirituellen Leben. Nimmt sich denn niemand vor, mehr zu beten oder intensiver in der Bibel zu lesen, den eigenen Glauben zu stärken oder von mir aus auch den Glauben von Menschen, die einem wichtig sind?

A: Vielleicht tun Leute das ja. Aber es ist peinlich, darüber zu reden. Das ist zu privat, zu persönlich. Das erzählt man nicht herum. Wenn man sagt: Im nächsten Jahr will ich fünf Kilo abnehmen, das wird niemanden verwundern. Wenn man sagt: 2020 will ich mehr für meine Familie beten, da werden Leute schon mal komisch gucken.

E: Schade eigentlich. Wenn wir uns mehr über unsere spirituelle Praxis unterhalten würden, bekämen wir vielleicht gute Anregungen.

A: Aber du weißt doch, dass das auch Gefahren enthält. Man kommt leicht als Angeber rüber, wenn man anderen erzählt wieviel man betet oder dass man sich darum bemüht, das positive in anderen Menschen zu sehen und was sie tun wert zu schätzen. Da ist der Weg zur Heuchelei nicht weit. Und Jesus hat die frommen Leute seiner Zeit alle als Heuchler beschimpft. Und das soll uns bestimmt nicht passieren.

E: Ja schon. Und ich will ja auch nicht in Zeiten zurück als die Kirche Druck gemacht hat, in den Gottesdienst zu gehen und seine Frömmigkeit darzustellen. Aber wir könnten ja miteinander auch darüber reden, dass wir nicht soviel beten wie wir gerne würden oder dass wir aufgehört haben in der Bibel zu lesen, weil wir das so unverständlich fanden. Oder dass wir uns mehr spirituelle Praxis und Ruhe und Gelassenheit wünschen, aber nicht so genau wissen, wie wir dahin kommen.

A: Stimmt, wir könnten einfach mehr über den Glauben reden.

E: Und dabei nicht vergessen auch über den eigenen Unglauben zu sprechen. Dann könnten wir uns gegenseitig vielleicht besser helfen.

A: Wobei wir bei der Jahreslosung für das nächste Jahr, also 2020 wären. Sie haben ein Kalenderkärtchen bekommen, wo die Losung drauf steht. Markus 9,24: Ich glaube, und dann muss man die Karte umdrehen und es steht klein unter dem Kalendarium: Hilf meinem Unglauben.

E: Ich finde das nicht gut, den Glauben so zu betonen, und den Unglauben fast hinten herunter fallen zu lassen.

A: Doch, das ist richtig so. Es ist heute schwerer zu sagen: ich glaube als zu sagen ich glaube nicht. Deshalb finde ich es gut, den Glauben zu betonen. Der Unglaube stellt sich schon von selbst ein, wenn man erst mal mit dem Glauben angefangen hat. Heute ist niemand vollständig sicher, dass es Gott gibt und Jesus Christus sein Sohn, wahrer Mensch und wahrer Gott ist, und der heilige Geist in uns wirkt.

E: Es geht ja auch nicht darum, sich sicher zu sein. Deshalb heißt es ja Glauben und nicht Wissen. Wir vertrauen auf Gott. Wir hoffen auf Gott. Wir beten zu Gott. Aber wir wissen nicht sicher, wer oder was oder wie Gott ist. Wir können Gott nicht erforschen. Was wir erforschen können, sind die Erfahrungen, die Menschen mit Gott machen. Wir erkennen die Zeugnisse des Glaubens, aber nicht Gott selbst.

A: Aber trotzdem ist es schwer, beim Glauben zu bleiben auch wenn man mal damit angefangen hat. Weiterhin zu vertrauen, wenn man enttäuscht wird oder im Leben halt nicht alles glatt läuft.

E: Ich glaube bei unserer Jahreslosung geht es um etwas anderes.

A: Um was denn?

Viele Sätze werden erst im Zusammenhang klar. Im Markusevangelium geht Jesus mit seinen nächsten Schülern auf den Berg. Dort erscheinen ihm Mose und Elia und er leuchtet von innen heraus. Inzwischen sind die anderen Schüler unten am Fuße des Berges mit dem Versuch gescheitert einen schwerkranken Jungen zu heilen. Als Jesus vom Berg zurück kommt, kommt der verzweifelte Vater auf ihn zu, und beschwert sich, dass Jesu Schüler sein Kind nicht heilen konnten. Jesus ist genervt, faucht die Schüler an und sagt dem Vater: „Alles ist möglich, dem der glaubt.“ Und der Vater antwortet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Und das Kind wird geheilt.

A: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ ist der verzweifelte Schrei eines Menschen, der Jesus dringend braucht und schon viele Enttäuschungen erlebt hat. Er kann nicht mehr vertrauen, aber er braucht die Hilfe so dringend, dass er sich zum Vertrauen durchringt.

E: Genau! Wir brauchen keinen unbezwingbaren sicheren Glauben. Ein kleines bisschen Vertrauen, vielleicht nur weil wir nicht mehr anders können, weil die Lage so verzweifelt ist, das reicht schon für ein großes Wunder.

A: Ja, und deshalb finde ich es gut, dass auf der Kalenderkarte groß: „Ich glaube…“ steht. Dass wir Hilfe wegen unserem Unglauben brauchen, ist sowieso selbstverständlich. Aber es ist besser uns auf den Glauben, den es in uns schon gibt zu konzentrieren und die Beseitigung des Unglaubens einfach Gott zu überlassen. Der kümmert sich schon drum. Denn Glaube ist ja keine Leistung, sondern ein Geschenk.

E: Ein Geschenk ja, aber ein Geschenk, um das wir bitten dürfen. Etwas, was Gott gerne schenkt, wenn wir es von ihm haben wollen.

A: Und ein Geschenk, dem es gut tut, wenn wir es im Alltag etwas pflegen. Denn wer weiß was daraus wird, wenn wir es in die Ecke schmeißen und vergessen, bis wir es mal wieder dringend brauchen.

E: Klar können wir den Glauben nicht selbst herstellen. Aber wir können uns mit ihm beschäftigen. Wie können ihn erforschen. Und wir können etwas dazu beitragen, dass er wächst.

A: Und wie fördern wir den Glauben. Was können wir dafür tun?

E: Das habe ich schon gesagt: Beten und Bibel lesen, in die Kirche gehen und mit anderen darüber reden und sich erinnern, was Gott einem schon Gutes getan hat im Leben.

A: Vielleicht ist mit anderen darüber reden mit das Wichtigste. Denn es ist schwer alleine zu glauben. Aber wenn andere von ihren Erfahrungen erzählen, dann erinnert man sich auch leichter an seine eigenen. Deshalb sind wir christliche Gemeinde, um uns gegenseitig zu helfen und im Glauben zu stärken.

E: Ich habe kürzlich mit einem Freund über die neue Jahreslosung geredet und ihn gefragt: „Was können wir tun, um den Glauben zu stärken?“ Und er hat geantwortet: „Ich habe mir vorgenommen, aufmerksamer zu werden. Ich will mehr auf die Menschen achten, mit denen ich es zu tun habe. Und ich will mehr auf die innere Stimme Gottes in mir hören, die mir hilft zu vertrauen!“ Das hat mir so gut gefallen, dass ich mir gesagt habe: Das ist doch mal ein guter Vorsatz für das Jahr 2020. Wenn dieser Vorsatz auch nur den Januar überlebt, dann ist schon viel gewonnen.

A: Ich sehe schon, du willst Championsleague spielen. Wie wäre es mit etwas einfacherem Kreisklasse, abends vor dem Schlafengehen an die Menschen denken, die mir wichtig sind und Gott bitten, sie zu segnen.

E: Das findest du einfach? Ich finde das eher Weltmeisterschaft – jeden Abend oder jeden Morgen auch wenn man müde ist oder genervt.

A: Streiten wir uns nicht über Schwierigkeitsgrade. Wir haben jetzt an paar Anregungen weiter gegeben, aber was für jeden die richtige und schöne und passende spirituelle Praxis ist, muss jeder selbst heraus finden.

E: Und dabei immer im Auge behalten, dass man den Glauben nicht selbst herstellen kann, und es nicht darum geht sich die Zuwendung Gottes zu verdienen. Am Ende ist es für uns alle das richtige Gebet:

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Markus 9,24

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

Wenn Sie mehr von mir lesen wollen, empfehle ich mein Buch bei kindle: Im magischen Fluss.

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