Umtausch ausgeschlossen!

(Mit Worten geliehen von Sebastian Kuhlmann)

Die Suche, die Angst, die Anstrengung, die Hilflosigkeit, das war gestern. Heute ist der Tag danach. Josef legt das Holz ab, setzt sich neben seine schlafende Frau und bereitet heißes Wasser vor und hält das neugeborene Kind im Arm.

Die Nacht war lang und kalt gewesen und die Aufregung steckt ihm noch in den Knochen. Viel geschlafen hat er nicht. Was alles in so kurzer Zeit passieren kann, denkt er und als er genug Holz beisammen hat, geht er wieder zurück zu dem ärmlichen Stall. Maria schläft, das neugeborene Kind neben ihr.

Vor weniger als 12 Stunden noch waren er und seine Frau bei dem Versuch eine Unterkunft zu finden beinahe verzweifelt. Schließlich hatten sie dann doch noch Glück gehabt und diesen Stall bekommen. Maria war das überhaupt nicht recht. Wie er sich das vorstelle, wollte sie von ihm wissen, in diesem dreckigen Stall, mit dem alten Stroh und den ganzen Tieren darinnen?

Was hätte er sagen sollen? Er war bloß froh gewesen, dass sie endlich einen Platz gefunden hatten, der ihnen ein Dach und wenigstens etwas Schutz geboten hatte.
Und dann war auch alles ganz schnell gegangene. Instinktiv hatten sie bei der Geburt richtig gehandelt und am Ende hielt seine Frau ihr Kind in den Armen.
Und zwischen Erschöpfung und Anstrengung spürte er in diesem Moment tiefe Zufriedenheit.
Auf dem Weg zurück zum Stall, es wird schon hell, ist dieses Gefühl der Zufriedenheit wieder da. Es begleitete ihn auch noch als er die Stalltür öffnet und sein Blick auf das winzige Bündel fällt, dass neben seiner Maria liegt.
Jetzt ist es da, dieses unverhoffte Kind, dieses Geschenk. Und Josef ahnt „Umtausch ausgeschlossen!“

Heute ist der Tag danach! Geschenke, Verwandte, Gottesdienste, die Spannung, die Vorfreude – alles das war gestern. Heute vielleicht bei vielen Familie, Essen, Ruhe und Entspannung.
Vielleicht ist es spät geworden.
Vielleicht war der Heilige Abend bei manchen auch gar nicht so heilig, wie gewünscht?
Vielleicht hat die Schwiegermutter wieder am Essen herum gemäkelt oder ihr pubertierendes Kind hat sich – Punkt neun Uhr – nach der Bescherung auf sein Zimmer verzogen. Alles nicht ganz so heilig wie gewollt.
Josef kennt das.

Aber auch für die, die den Abend genossen haben ist heute der Tag danach. Und auch für Maria und Josef hat es einen Tag danach gegeben.
Aber ungeachtet dessen, entgegen dem Gerede vom Tag danach, es ist uns gestern etwas passiert, das unser Leben von Grund auf verändert hat und noch mehr.
Und über allem steht dieser Satz, der gestern Abend für einiges Erschrecken gesorgt haben wird:
„Umtausch ausgeschlossen!“
Mein lieber Josef.
Jetzt ist es da, das Jesuskind.
Die Freundlichkeit Gottes in Person.
Und „Umtausch ausgeschlossen“.
Das gilt naturgemäß bei abgeschnittenen Meterwaren, Grünpflanzen, preisre-duzierten Waren, Hygieneartikeln, DVDs, deren Verpackung geöffnet wurde, und natürlicherweise bei der Weihnachtsbotschaft.
Freundlich, aber bestimmt werden Sie im Laden abgewiesen, wenn Sie eine benutzte Zahnbürste oder verwelkte Blumen zurückbringen wollen, und ebenso freundlich wie bestimmt würde Gott Ihnen mitteilen, dass er nicht zurücknehmen kann, was er uns gestern gegeben hat. Im dritten Kapitel des Titusbriefs heißt es:

3,4 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes,
3,5 machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist,
3,6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland,
3,7 damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung.

„Umtausch ausgeschlossen!“ Das gilt auch für uns am Tag danach.
Wie viele Fragen mag Josef gehabt haben, als ihm seine schwangere Freundin mitgeteilt hatte, dass sie schwanger ist.
Wie viele Fragen wird er gehabt haben? Keine einzige ist in der letzten Nacht beantwortet worden.

Liebe Gemeinde am Tag danach,
so viele Fragen.
Und auf welche Frage ist Weihnachten jetzt die Antwort?
Für welches Problem ist Weihnachten die Lösung?
Was kann man Josef sagen?
Vielleicht: Weihnachten, lieber Josef, das ist die Nacht der Nächte.
Und Gott kommt nicht einfach in Menschen-Verkleidung zu uns, um sich hier bei uns umzusehen, sondern er ist wirklich ein Mensch geworden, so dass ihm nichts Menschliches je fremd sein kann und das hat er nicht getan, weil wir uns das gewünscht haben, und schon gar nicht, weil wir es und in irgendeiner Weise verdient hätten. Das macht Geschenke ja aus, dass sie unverdient sind – sonst wären es ja reine Tauschgeschäfte.

Und dann: Lieber Josef, es ist schwer für uns sich vorzustellen, was für eine spektakuläre Nachricht das gewesen sein muss, als man Gott noch für uner-reichbar, oft abwesend und der Welt abgewandt hielt.
Hilft dir das Josef?
Eines jedenfalls steht fest: Gottes Liebe ist da und diese Liebe Gottes ist vom Umtausch ausgeschlossen. Die gemeinsame Geschichte Gottes mit den Men-schen ist da und lässt sich nicht rückgängig machen. Gott hat sich völlig un-göttlich verhalten und ist Mensch geworden, oder, wie es im Predigttext hieß:

3,4 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes,
3,5 machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist,
3,6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland,
3,7 damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung.

Josef legt das Holz ab, setzt sich neben seine schlafende Frau und bereitet heißes Wasser vor und hält das neugeborene Kind im Arm.
Die Suche, die Angst, die Anstrengung, die Hilflosigkeit, das war gestern. Heute ist der Tag danach.
Amen.

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