Gottes vier Geschenke

Liebe Gemeinde,
hören wir den Predigttext bei Hesekiel im 37 Kapitel
(24-28).

Liebe Gemeinde, ich habe hier vier Geschenke Gottes:
Einen Hirtenstab, einen großen Schlüssel, ein Licht und ein Fernglas.
Was? Das sollen Gottes Geschenke an uns sein?
Natürlich nicht diese vier Dinge hier, sie weisen auf das hin, was Gott uns zu Weihnachten schenkt.

In die Weihnachtsgeschichte sind Gottes Geschenke liebevoll verpackt. Eingehüllt wie in buntes Geschenkpapier. Darauf die schönen Bilder: Von Maria und Joseph, dem Chor der Engel, den Hirten, dem Stern, dem Leuchten von Wärme und Freundlichkeit.

Schauen wir durch diese Verpackung hindurch, sehen wir die vier großen Geschenke Gottes. Das Wort aus dem Buch des Propheten Hesekiel hilft, sie zu sehen und zu empfangen.

Und die vier großen Geschenke sind:
Der Herr wird dein Hirte sein.
Er wird unter uns wohnen.
Wir werden Heimat haben.
Es wird Frieden sein.

Das erste Geschenk – dafür steht dieser Hirtenstab.
„Mein Knecht soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle.“ Ein König, der ein echter, zuverlässiger Hirte ist. Nein, nicht irgendein Hirte aus der Weihnachtsgeschichte. Der einzige, der gute Hirte, für alle und für immer.

Christus, der Retter, wird heute geboren. Der die Seinen auf gute Weide führt. Der dich leitet, auch im finsteren Tal, so dass du kein Unglück fürchten musst. Der dir den Tisch deckt, im Angesicht all dessen, was dich bedroht. Der gute Hirte, der sein Leben lässt für die Schafe. Der die Verlorenen und Verirrten zurückholt. Der die Schwachen und Kranken stärkt.

Von diesen Menschen gibt es viele. Hier in der Kirche, allein zu Hause oder irgendwo in der Welt. Versprengte, verirrte, verlorene. Zu matt, um weiterzugehen. Zu einsam, um sich zu freuen. Zu verschlossen, um lieben zu können. Für uns alle, dich und mich, ist er da, der gute Hirte, der König.

Später wird der heut Geborene sagen: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben“. (Joh. 10,27-28a) Jedermann kann diese Stimme im Innern hören und darauf antworten! Dazu braucht es keine besondere Kunst oder religiöse Begabung.

Ein Schlüssel – das ist das zweite Geschenk.
Dieser sieht aus wie ein großer, alter Kirchenschlüssel. Ist es auch! Er gehört ins Schloss des Glindower Kirchenportals.

Unsere Kirchen werden Gotteshäuser genannt. Hier wohnt Gott? Könnte ich ihn hier garantiert treffen? Jeden Sonntag, oder wenigstens ab und zu oder einmal im Jahr?
Schon der weise König Salomo, als er den Jerusalemer Tempel einweihte, sprach: „Sollte Gott auf Erden wohnen? Der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen. Wie sollte es dann dieses Haus tun?!“
(1 Kön 8,27) Nein, Gott braucht keine Tempel und keine Kirchen.

Gott wohnt unter uns, ist nahe. Er zieht in eine Wohngemeinschaft mit uns. „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein,“ sagte der Prophet. Das ist kein kurzer Weihnachtsbesuch, sondern für immer.

Jesus wird einmal sagen: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“. (Joh 14,23) Der Apostel Paulus erinnert: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib, ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“ (1 Kor 6,19)

Gott braucht keine Tempel, von Menschenhänden gemacht. So stimmungsvoll es heute auch in allen weihnachtlich geschmückten Kirchen sein mag. Gott braucht auch keine Kathedralen, so sehr man begrüßen mag, dass Notre Dame in Paris, wiederaufgebaut wird.

Gott braucht uns, will in uns wohnen. Jedes Weihnachten, erzählt diese armselige Behausung in Bethlehem davon. Gott kommt unter uns zur Welt. Will in uns wohnen und unser Leben in allen Höhen und Tiefen teilen.

Viele Menschen haben keine Wohnung. Selbst Maria und Joseph waren Wohnungslose in der Nacht der Nächte. Flüchtige, Migranten und Heimatlose gibt es mehr denn je in der Welt.
Der Theologe Siegbert Stehmann hat gesagt: „Wo wir an der Krippe stehen, wird die Welt heimatlich.“

Manchmal ist es nötig, dass auch uns ein neuer Ort zur Wohnung, ein neues Land zur Heimat wird. Zuhause ist da, wo ich besucht werde. Und bitter, wenn jemand einsam bleibt. Gott will bei uns wohnen. Kein Ort ist zu abgelegen oder zu fremd, zu unwirtlich oder zu schäbig. Es gibt keine gottverlassene Gegend mehr in dieser Welt. Oder in unserem Leben, seit er geboren ist.

Das dritte Geschenk – dieses Licht.
Wir sollen ankommen in seiner Gegenwart. Ankommen in seinem Licht. Er, das Licht der Welt. „Mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer“, lässt er den Propheten sagen. Kein Tempel, keine Kirche steht ewig. Sein Heiligtum ist seine Anwesenheit unter uns, für immer und ewig.

Es ist dieser Moment des Ankommens. Die Hirten eilen zum Kind, lassen alles aus der Hand fallen und sinken auf die Knie. Auch die Weisen aus dem Morgenland beteten es an. Ankommen – nichts mehr schaffen müssen. Nur Ankommen, mit ihm in Beziehung treten und staunen. Sich voller Ehrfurcht nähern, öffnen und im Inneren berühren lassen.

Einfach nur „Ja“ sagen. Ankommen in seiner Gegenwart. Ein weiser Kopf sagte: „Du, mein Ein und Alles. Mein Gestern und mein Morgen, mein Glück und meine Hoffnung.“ Und dann verändert, berührt, beleuchtet, von seinem Lichte beglänzt, wieder von dannen ziehen. Und als Sahnehäubchen kommt nun „für immer“ dazu.

Das Heiligtum seiner Gegenwart kann ich jederzeit betreten. In der Stille der Nacht, im Getriebe des Tages, im Lärm der verworrenen Gedanken, in einer schweigenden Gemeinschaft. Im Licht des Morgens wie im Herbst des Lebens. Im ersten und im letzten Atemzug. Sein Wort gilt: „Mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer.“

Das Fernglas – als viertes Geschenk.
Gott sagte: „Ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen. Himmlische Stimmen sangen über den Hirten von Bethlehem: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Dies alles erzählt das Evangelium.

Gottes Friede kommt zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet. Der Friede, den er verkündet, ist viel mehr als die mühsam ausgehandelte Waffenruhe, zum Weihnachtsfest. Ist viel mehr als der brüchige Familienfrieden für ein paar Stunden.

Das ist Schalom, das „Ja“ von ganzem Herzen. Das „Ja“ zu mir selbst, dass „Ja“ zum anderen. Das „Ja“ zum Leben, das stark werden kann in den Menschen, denen Gott sich in Liebe zuwendet. Sein „Bund des Friedens“, das ist Lebensraum für dich, für mich, für uns alle. Lebensraum ganz nahe beim Herzen Gottes.

Und warum als Zeichen dieses Fernglas? Nun, es ist offensichtlich: Wir haben es noch nicht, das Schalom. Wir sind noch nicht drin, in diesem allumfassenden Friedensbund.

Als Kinder waren wir fasziniert, mit dem Fernglas, alles ganz dicht heranholen zu können. Aber mit dem Frieden Gottes machen wir ein Kinderspiel. Wir hatten gern das Fernglas umgedreht und verkehrt herum hineingeschaut. Da erschien dann das, was wir ins Auge fassten, ganz winzig und unendlich weit entfernt.

Jetzt aber fassen wir den Friedensbund Gottes so ins Auge und Herz, dass er uns ganz nahekommt! Das verändert uns, das verändert die Welt, ein gutes Stück zum Frieden hin.

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Diese Lebensweisheit wird Oscar Wilde oder John Lennon zu geschrieben. Allerdings ist man sich da uneins. Ist die Situation auch noch so katastrophal, dieser Satz gibt Zuversicht: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“

Nein, es ist nicht alles gut, auch heute Abend nicht. Nicht bei mir. Nicht bei dir. Es ist nicht alles gut in unserem Land. Und schon gar nicht in der Welt. Es kann noch nicht das Ende sein.

Allerdings Weihnachten verspricht genau dies: Am Ende wird alles gut. Der Herr wird dein Hirte sein. Er wird unter uns wohnen. Wir werden Heimat haben. Es wird Frieden sein.

Nachher werden bei den meisten vermutlich Geschenke ausgetauscht. Habe ich alles bedacht? Alle Geschenke besorgt? Jeden im Blick, den ich beschenken wollte? Niemanden vergessen? Alles liebevoll eingepackt? Dann kann es Weihnachten werden. Das Fest kann beginnen.

Hat Gott alles bedacht? Alle Geschenke besorgt? Jeden im Blick, den er beschenken wollte? Ja! Dann kann Weihnachten werden. Das Fest kann beginnen. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Dr. Matthias Rost.)

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