Ich will…!

„Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“
In der Regel besteht unser Leben aus Kleinigkeiten.
Ja, auch am Heiligen Abend. Aber dazu später mehr.
Die Kinder bekommen ihr Frühstück und im Keller ist die Glühbirne kaputt gegangen.
Ich habe mich lange nicht bei Dirk gemeldet.
Die Spülmaschine muss ausgeräumt werden und einkaufen muss auch noch jemand.
Der Müll muss raus und der Termin beim Kieferorthopäden muss noch abgesagt werden.
Wer kontrolliert die Hausaufgaben?
Hast du für die Mathearbeit gelernt?
Warum ist die Glühbirne im Keller noch nicht gewechselt?

Oma erzählt schon wieder von früher und Opa kann seine Brille finden.
Das Auto muss in die Werkstatt, was das wieder kosten wird.
Das ist das Leben. Das macht keine Pausen.
Auch nicht an Festtagen.
Auch wenn heute vielleicht nicht alles ruhiger ist, heute ist vieles anders.
Denn trotz des ganzen kleinklein meines Alltags, mit der Erschöpfung am Mittag und dem viel zu lange auf der Couch-sitzen-bleiben am Abend rettet mich dieses Bild über die Runden: Gott sitzt neben mir am Küchentisch, wenn ich tief Luft hole, weil ich nicht schon wieder schimpfen will.

„Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“
Gott ist mit dabei, in dem ganzen grau trotz der bunten Socken, beim Lachen und Weinen, beim Verzagen und Hadern und das feiere ich heute.
Keine best-practice-Beispiele mehr! Meine ganze Mittemäßigkeit, all mein Scheitern, mein ganzes Versuchen und trotzdem nicht können sieht Gott und lächelt mich an. Gibt mir Ruhe und Frieden.
Das ist dieser Gott, der schon vor tausenden von Jahren dem Volk Israel zugelächelt hat und diese Worte an sie gerichtet hat:
26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer. 27 Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, 28 damit auch die Völker erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.

„Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“
Israel hat schwere Zeiten hinter sich. Das Volk träumt von der Rückkehr in geordnete Verhältnisse. Ob sie auf diesem Weg noch mit Gott rechnen ist nicht zu sagen. Es ist zu viel passiert. Die Menschen haben sich in ihrem Leben eingerichtet. Mit Gott haben nicht allzu viele von ihnen gute Erfahrungen gemacht.
In diese Starre hinein richtet Gott sein Wort. Es ist so viel passiert, soviel ist geschehen. Es gibt nicht mehr viel zu erklären.
Aber Gott sagt „Ich will!“
Ich will, dass du in Frieden leben kannst.
Da wo Streit herrscht will ich das Frieden wird.
Wo es seit Jahren keinen Kontakt mehr gibt will ich Begegnungen.
Ich will Veränderungen, wo Menschen hart geworden sind.
Ich will, dass Frieden ist. Überall in der Welt.
Ich will nicht, dass du in deinen Alltagssorgen untergehst.
Und ich will zu euch kommen, wie eine Wolke, die sich über einer Krippe in Bethlehem niederlässt und alles himmlisch zum Leuchten bringt.

Ich will, dass ihr aufseht und erkennt, dass ich bei euch bin.
Dass ich mit euch gehen möchte.
Nicht im Großen und Schönen.
Aber im Kleinen und Normalen.
Im Alltäglichen kleinklein – in dem, was euch gelingt und erst recht im Hadern und Zaudern und im Verzagen.
Und Gott sagt: „Ich will dein Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“
Gott will mit dabei sein.
Auf dem Weihnachtsmarkt am Glühweinstand, in den Straßen eures Stadtteils, auf dem Weg in die Edeka und in der Stille eurer Häuser, wenn das große Fest vorbei ist.

Gott will mitten unter uns ein:
Nachher am Esstisch im festlich geschmückten Wohnzimmer, im Kinderzimmer beim Spielen mit den Geschenken, im Altenheim, bei den Schwestern und Pfleger, die heute und immer andere Menschen versorgen.
Gott will mit dabei sein, im Cantus auf dem Weg zur Arbeit und wenn Menschen mit dem Tod ringen.
Er will bei den Mutlosen sein und bei den Liebenden, mitten in der Umarmung.
Und er will bei den Streitenden sein und mit ihnen um Versöhnung und Wahrheit ringen.
„Ich will dein Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“, sagt Gott.
„Ihm ist kein Raum zu eng und auch wenn ich endlich die kaputte Glühbirne im Keller austausche ist er dabei.
Kein Leben ist ihm zu leer, kein Weg zu schwer, kein Keller zu schwarz!“ (Nach Th. Gundlach: Predigtstudien, 1994/95, V. Reihe, S. 50,.)

Es muss nicht perfekt sein, Gott mag jedes gesungene Weihnachtslied, egal ob schief oder nicht.Er freut sich auch über die ungelenkeste Umarmung.
Und später beim Händeschütteln vor dem Nachhause gehen steht er mit dabei.
In der Regel besteht unser Leben aus Kleinigkeiten und es gibt keinen Bereich des Lebens an dem Gott nicht teilhaben will.
Wenn das keine Weihnachtsbotschaft ist!

„Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“
Für uns wird dieses Wort erlebbar in der Geschichte von der diese heilige Nacht erzählt: Von der Geburt eines Kindes irgendwo im Nirgendwo. Und auch dieses Kind will nichts anders als Gott selbst: Frieden schaffen unter uns, kaputtes heilen und uns befrieden.

„Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein!“
Das ist die Kurzform einer alten, auch bekannten Zusage, die all das, was heute Nacht geschieht, mit mutmachenden Worten zusammenfasst:
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“
AMEN!

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