Die Liebe seid ihr allen schuldig zu Römer 13,8-12

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute sind viele ehrenamtlich in der Kirche und in Vereinen engagierte Menschen im Gottesdienst. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen und um darüber zu predigen, was uns verbindet und nach welchen Werten wir zu leben versuchen.

Die Anleitung dazu finde ich im heutigen Predigttext. Ich lese aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom Kapitel 13, 8-12

8 Bleibt niemandem etwas schuldig –

außer der Liebe,

denn die seid ihr einander immer schuldig!

Denn wer seinen Mitmenschen liebt,

hat das Gesetz schon erfüllt.

9 Dort steht:

»Du sollst die Ehe nicht brechen!

Du sollst nicht töten!

Du sollst nicht stehlen!

Du sollst nicht begehren!«

Diese und all die anderen Gebote

sind in dem einen Satz zusammengefasst:

»Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«

10 Wer liebt,

tut seinem Mitmenschen nichts Böses an.

Darum wird durch die Liebe

das ganze Gesetz erfüllt.

Das Gebot der Stunde

11 Ihr wisst doch,

dass jetzt die Stunde schlägt!

Es ist höchste Zeit für euch,

aus dem Schlaf aufzuwachen.

Denn unsere Rettung ist nahe –

näher als damals,

als wir zum Glauben kamen.

12 Die Nacht geht zu Ende,

der Tag bricht schon an.

Lasst uns alles ablegen,

was die Dunkelheit mit sich bringt.

Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen,

die das Licht uns verleiht.

 

Ich sehe hier eine wichtige Entwicklung in der Beschreibung wobei es im christlichen Leben geht. Paulus schreibt den Brief an eine Gemeinde aus Griechen und aus Juden, die in der Hauptstadt, dem Zentrum der antiken Welt lebt. Diese Gemeinde denkt über ihr Verhältnis zum römischen Reich und zum Judentum nach und darüber, was ihre Daseinsberechtigung ist. Und dabei kommt Paulus zu erstaunlichen Ergebnissen.

 

Juden waren und sind sehr stolz auf das von Gott gegebene Gesetz. Die meisten haben sich sehr bemüht die für alle geltenden Regeln einzuhalten. Und sie haben recht mit ihrem Stolz auf allgemeingültige Regeln und Gesetze.

Denn sie leben in der antiken Welt in Willkürstaaten, in denen andere Regeln für die Könige und Reichen gelten und andere Regeln für die Freien und wieder andere Regeln für die Sklaven. Die Herrschenden konnten machen was sie wollten. Sie lebten nach dem Motto zuerst komme ich dann meine Familie und alle anderen sind dafür da, mir zu dienen.

 

So ist es bei uns nicht, sagten die Juden. Wir leben nach dem göttlichen Gesetz. Zuerst kommt Gott, und vor Gott sind alle gleich.

Darauf waren sie zurecht stolz. Denn das ist Vergleich zur überall herrschenden Willkür und Korruption ein bedeutender moralischer Fortschritt. Wir heute leben in Deutschland in Sicherheit, weil vor dem Gesetz alle gleich sind, die Wirtschaft weiß, dass die Regeln für alle gelten, Korruption verfolgt und bestraft wird und man weiß was richtig und was falsch ist und die meisten Gesetze auch durchgesetzt werden. Das sind wichtige Rahmenbedingungen für Fortschritt, Sicherheit und eine gute Entwicklung. Und das zu bewahren ist wichtig.

 

Aber Paulus geht einen Schritt weiter. Er sieht auch die Rückseite von Regeln und Gesetzen. Er sieht den Stolz seiner Landsleute auf ihre Gesetze und die Selbstgerechtigkeit mit der sie auf die Gesetze pochen. Er sieht, dass es schwer bis unmöglich ist alle Regeln bis ins Kleinste zu befolgen. Und er sieht, dass wenn man sich nur an die Regeln hält das Mitgefühl mit den anderen manchmal auf der Strecke bleibt.

Deshalb sagt Paulus: Achtet nicht auf die Erfüllung der Regeln bis in alle Einzelheiten sondern eignet euch die Grundhaltung an, die hinter den Regeln steht. Und die Grundhaltung ist die Liebe. Wer seinen Mitmenschen liebt, hat das Gesetz schon erfüllt. Wer darauf achtet, wie es dem anderen geht, wird ein liebevoller Mensch und keine Paragraphenreiter sein. Die Regel Jesu lautet: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.

 

Das ist der Geist, in dem wir leben sollen. Und dafür ist die Kirchengemeinde da. Wir sind in der Kirchengemeinde aktiv, weil wir für die anderen und für uns selbst etwas Gutes tun wollen. Wir wollen diese Grundhaltung der Liebe einüben, von der Paulus hier spricht. Und wir wollen die Botschaft Jesu verbreiten: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Ob wir im Namen der Kirchengemeinde Menschen besuchen, Kindern oder Senioren einen schönen Vormittag schenken, Konfis coachen, im Gottesdienst einen Raum eröffnen, wo Menschen Gott begegnen können, zusammen singen und beten, die Brücke herstellen und verteilen und damit Menschen helfen über etwas nachzudenken, zu dem sie sonst nicht kommen, oder Gemeinde leiten und Geld verwalten. In all dem geht es nur um das eine. Wir lernen aus der Grundhaltung Jesu leben: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.

Es ist Zeit aufzuwachen, sagt Paulus. Der Advent ist da. Gott kommt uns entgegen. Unsere Rettung ist nahe. Und deshalb: Lasst uns alles ablegen,

was die Dunkelheit mit sich bringt.

Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen,

die das Licht uns verleiht.

Überprüfen wir unsere Grundhaltung: Lieben wir unsere Mitmenschen wie uns selbst? Leben wir in der Liebe, die wir allen schuldig sind? Ist alles, was wir tun geprägt von der Liebe Jesu zu allen Menschen? Was würden wir Paulus antworten, wenn er uns fragt: Habt ihr manchmal dunkle Gedanken? Tut ihr manchmal Dinge, die ihr bei Licht besehen nicht richtig findet?

Ich kann nicht für Sie antworten nur für mich: Meine Antwort würde ja lauten. Ja, ich handle öfter mal nicht liebevoll. Ja, mein Leben ist nicht immer von der Liebe geprägt, die ich allen schuldig bin. Wenn es ihnen genauso geht, habe ich für Sie gute Nachrichten.

Es ist Advent. Gott kommt uns entgegen. Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an. Und jetzt können wir uns dem verändernden Licht Jesu aussetzen. Und jetzt können wir neu anfangen. Und jetzt können wir unsere Grundhaltung zurecht rücken lassen und in die richtige Richtung gehen. Gott entgegen gehen, der uns helfen wird alles, was wir tun aus einer liebevollen Grundhaltung heraus zu tun. Das funktioniert natürlich nicht immer. Das weiß Gott auch. Aber jedes mal, wenn wir es schaffen liebevoll auf unsere Mitmenschen zuzugehen, dann ist es ein Fest im Himmel. Und Gott meint: So sind sie meine Töchter und Söhne, sie machen Fehler aber sie geben nicht auf. Ich bin so stolz auf sie.

 

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

Wenn Sie  mehr von mir lesen möchten: Bei kindle ist mein E-Buch erschienen. Es heißt Im magischen Fluss.

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