Was mich bei anderen nervt, ist das, was ich selbst tue. Buß- und Bettag zu Römer 2,1-11

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,

liebe Gemeinde,

heute am Bußtag wollen wir Buße tun. Wir denken darüber nach, wie wir ein besseres Leben gewinnen können. Und wer oder was uns dieses bessere Leben ermöglicht. Dafür müssen wir aber erst einmal feststellen, was uns blockiert und was uns davon abhält so zu leben wie wir das gerne möchten. Ein paar Hinweise enthält der Predigttext aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom. Ich lese

Römer 2,1-11

Deshalb hast du auch keine Entschuldigung,

du Mensch,

der sich zum Richter aufspielt.

Wenn du jemand anderen verurteilst,

sprichst du damit selbst das Urteil über dich.

Denn du verurteilst zwar andere,

handelst aber genauso.

2 Wir wissen aber:

Wer so handelt,

über den spricht Gott das Urteil.

Und dieses Urteil entspricht der Wahrheit.

3 Du Mensch,

du tust doch genau dasselbe wie die anderen,

die du verurteilst.

Rechnest du wirklich damit,

dem Urteil Gottes entgehen zu können?

4 Oder missachtest du Gottes große Güte,

Nachsicht und Geduld?

Erkennst du denn nicht,

dass Gottes Güte dich dazu bewegen will,

dein Leben zu ändern?

5 Du bist starrsinnig

und im tiefsten Herzen nicht bereit,

dich zu ändern.

Und so ziehst du dir selbst

mehr und mehr Gottes Zorn zu

bis zum Tag des Zorns –

dem Tag,

an dem Gott sich als gerechter Richter offenbart.

6 Gott wird jeden belohnen oder bestrafen,

wie es seinen Taten entspricht:

7 Es gibt Menschen,

die sich nicht davon abbringen lassen,

Gutes zu tun.

Es geht ihnen um Herrlichkeit,

Ehre und Unvergänglichkeit.

Ihnen wird Gott das ewige Leben schenken.

8 Aber andere handeln aus Eigennutz.

Sie folgen nicht der Wahrheit Gottes,

sondern setzen auf das Unrecht.

Gottes grimmiger Zorn wird sie treffen.

9 Über jeden Menschen, der Böses tut,

lässt er Not und Verzweiflung hereinbrechen.

Das gilt an erster Stelle für die Juden,

und dann auch für die Griechen.

10 Aber jedem, der Gutes tut,

schenkt Gott Herrlichkeit, Ehre und Frieden.

Das gilt ebenso an erster Stelle für die Juden,

und dann auch für die Griechen.

11 Denn Gott ist ein unparteiischer Richter.

 

Was uns von Buße und Umkehr und einem besseren Leben abhält, sagt Paulus, ist unsere Selbstgerechtigkeit und unsere Neigung die anderen zu verurteilen und die eigenen Fehler nicht zu sehen.

Damals zu Zeiten des Paulus haben die als Juden geborenen Mitglieder der Gemeinde in Rom sich darauf berufen, dass sie zum auserwählten Volk Gottes gehören. Sie kannten die Bibel, sie hielten sich an die Gesetze. Sie waren beschnitten also in jeder Hinsicht besser als diese dahergelaufenen Heiden, die jetzt auch zur Gemeinde gehörten.

Die Nichtjuden sahen das so ähnlich. Sie fanden, sie sind die gebildeten und philosophisch Interessierten. Sie sind durch Nachdenken und ihre Intelligenz darauf gekommen, dass es nur einen Gott gibt. Sie haben zu Jesus Christus gefunden, weil sie seine Lehre als philosophisch fortgeschritten erkannt haben. Im Vergleich dazu sind die Juden, die ihren Glauben ja nur ererbt und von ihren Müttern (Frauen!) anerzogen bekommen haben, natürlich nicht so bedeutend.

Dazu sagt Paulus: Was euch daran hindert der Gnade Gottes Raum zu geben, ist eure Selbstgerechtigkeit und euer Überlegenheitsgefühl. Dadurch verpasst ihr Gottes Güte, die euch ein besseres Leben schenken will. Also hört damit auf, euch für etwas Besseres zu halten. Am Ende wird Gott auf das sehen, was ihr getan habt, nicht auf eure Herkunft oder eure philosophischen Gedanken.

 

Ich höre manchmal von Leuten, „ich bin auch nicht schlechter als die, die immer in die Kerch renne, ich helfe wo ich kann und tue viel Gutes!“ Gemeint ist damit, „ich bin besser als die Kirchgänger! Die gehen nur in die Kirche, aber sie handeln nicht nach den kirchlichen Regeln, ich schon!“

„Schade!“ denke ich dann. „Vielleicht könntest du in der Kirche noch etwas anderes erfahren als nur Moral.“ Ich antworte in der Regel: „Viele, die in die Kerch komme, könne net mer so renne. Man kann auch langsam hingehen!“

Dann lachen wir beide, und es ist gut. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir niemanden verurteilen, weil er in die Kirche geht oder nicht in die Kirche geht – hoffe ich.

Manchmal denke ich, wir haben heute das gleiche Problem wie Paulus damals. Die Kirchgänger fühlen sich überlegen, weil sie in die Kirche gehen. Und die Nicht Kirchgänger fühlen sich überlegen, weil sie nicht in die Kirche gehen. Und beide ruinieren sich damit den Zugang zur Güte Gottes, die uns zur Umkehr treibt.

Selbstverständlichkeit habe ich das Bedürfnis mich selbst zu rechtfertigen. Ich möchte mit mir zufrieden sein. Ich möchte gut dastehen, und ich will recht haben. – Besonders dann, wenn mir etwas wichtig ist.

Am einfachsten ist das, wenn die anderen Unrecht haben und dümmer und schlechter sind als ich. Und wenn etwas schief geht und es nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, dann sind die anderen schuld und ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich kann mein positives Selbstbild aufrecht erhalten und alles ist in Ordnung. Außer dass ich halt nicht erreicht habe, was ich gerne wollte.

Das alles ist menschlich und logisch. Und doch so zerstörerisch. Deshalb sagt Jesus: „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!“ Und Paulus sagt: „Wenn du jemand anderen verurteilst, sprichst du damit selbst das Urteil über dich!“

Die eigenen Fehler auf andere zu schieben, bedeutet nichts verändern zu können. Alles bleibt so wie es ist. Und ich werde den gleichen Fehler immer wieder machen. Und ich werde immer wieder das gleiche Ergebnis erzielen. Die Situation verhärtet sich. Ich bin in die Falle gegangen und komme nie mehr heraus.

Selbstgerechtigkeit ist deshalb so gefährlich, weil es uns den Weg, etwas im eigenen Leben zum Besseren zu wenden, verstellt. Ich laufe immer wieder gegen die gleiche Wand und wundere mich, dass sie immer noch da ist. Wenn mir das einmal aufgefallen ist, werde ich das nächste Mal einfach um die Wand herum gehen. Denn Gott ist bereit mir meine Schuld zu vergeben. Ich muss sie nicht leugnen. Ich kann sie sehen und mir sagen: Gut das nächste Mal mache ich das anders. Diese Möglichkeit schenkt mir Gott, weil seine Güte mich zur Umkehr treibt.

Und wenn Gott mir diese Chance gibt, dann kann er von mir ja wohl erwarten, dass ich anderen die gleichen Möglichkeiten zugestehe. Auch die anderen dürfen Fehler machen. Ich werde sie dafür nicht verurteilen.

Wir regen uns bei anderen übrigens besonders über das auf, was wir selbst öfter mal falsch machen. Wenn wir unsere eigenen Fehler sehen lernen wollen, ist das oft ein guter Hinweis. Welche Fehler von anderen, regen mich besonders auf? Da lohnt es sich hinzusehen, ob das nicht etwas ist, was ich auch gerne falsch mache und nicht sehen möchte. Mir ist das schon oft aufgefallen. Leute, die öfter mal unpünktlich sind, denen fällt es besonders schwer auf andere zu warten, wenn sie mal ausnahmsweise pünktlich sind.

Oder ich rege mich besonders auf, wenn im Gemeindehaus eine Gruppe mal wieder die Tische nicht abgewischt hat und viele Krümel herum liegen.

Demletzt kam ich ins Gemeindehaus und wurde schon sauer, weil der runde Tisch verschmiert war. Ich habe also den Schwamm geholt und ihn abgewischt und mich gefragt, wer das wohl wieder war. Dann habe ich ausgerechnet, wer den Raum als letztes benutzt hat, und ich stellte fest, ja es war eine Gruppe die ich geleitet hatte. Und ich hatte mich nicht darum gekümmert, dass der Tisch abgewischt wird. Peinlich, peinlich! „Wenn du jemanden anders verurteilst, sprichst du damit selbst das Urteil über dich,“ sagt Paulus und hatte mal wieder recht damit.

Also halten wir fest: Gottes Güte treibt uns zur Umkehr. Gott vergibt uns unsere Schuld. So können wir lernen unsere Fehler zu sehen, und es das nächste Mal besser zu machen. Und so können wir auch lernen, den Fehler anderen gegenüber toleranter zu werden und sie nicht zu verurteilen. Denn wir wissen: „Wenn du jemanden anders verurteilst, sprichst du damit selbst das Urteil über dich!“

Wer mehr von mir lesen möchte, ich habe ein Fantasybuch geschrieben: Titel: Im magischen Fluss von Elke Burkholz bei kindle veröffentlicht.

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