Tut Gutes denen, die euch hassen. Lukas 6, 27-28

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute sind wir an einer zentralen Stelle der Botschaft Jesu. Alle Ausleger sind sich darin einig, dass Jesus das mit Sicherheit selbst gesagt hat, denn es ist eine überwältigende, zugespitzte, provozierende Aussage. Sie ist schwer zu hören und noch schwerer zu befolgen. Sie gehört zu den Weisheitslehren Jesu, die nicht veralten. Ich lese

Lukas 6,27-28

»Aber euch,

die ihr mir zuhört,

sage ich:

Liebt eure Feinde.

Tut denen Gutes,

die euch hassen.

28 Segnet die,

die euch verfluchen.

Betet für die,

die euch beschimpfen.

 

Ich frage mich, habe ich denn Feinde? Gibt es Menschen, die mich hassen? Wer verflucht mich? Und wann wurde ich das letzte Mal beschimpft?

 

Von Jesus wissen wir, dass er erbitterte Feinde hatte. Es wird in den Evangelien verschiedentlich erzählt, dass Schriftgelehrte und Pharisäer ihn umbringen lassen wollen. Diese Leute haben ihn wegen dem, was er sagte und tat, gehasst. Und Jesus und seine Schülerinnen und Schüler wurden angegriffen und beschimpft, weil sie sich angeblich nicht an die Gesetze gehalten haben, Jesus am Sabbat geheilt hat und er mit Ausgeschlossenen und Leuten mit schlechtem Ruf gegessen hat. Diese Feindschaft der Schriftgelehrten und Pharisäer hat Jesus viel ausgemacht. Er versucht das Volk wieder zusammen zu bringen, dass sie geteilt haben, und er leidet unter der Rechthaberei und der Feindseligkeit, der Heuchelei und ihrem Gefühl etwas Besseres zu sein. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig als die öffentliche Auseinandersetzung zu führen. Und er führt sie mit viel Geschick und Humor. Aber er weiß, dass er sich von den Gefühlen der Feindschaft nicht überwältigen lassen darf. Jesus weiß also wovon er redet, wenn er sagt:

Liebt eure Feinde.

Tut denen Gutes,

die euch hassen.

28 Segnet die,

die euch verfluchen.

Betet für die,

die euch beschimpfen.

 

Aber wir? Wir haben doch keine Feinde – oder? Wir werden doch nicht gehasst oder verflucht oder beschimpft?

Ach ja?

Wann haben Sie zum letzten Mal ihre Ehefrau oder Ihren Ehemann verflucht, weil er oder sie wieder ……

Könnte es sein, dass Ihr Ehemann oder ihre Ehefrau Sie auch schon heimlich verflucht haben, weil Sie wieder …

Ich hätte da noch Eltern, Kinder oder Geschwister im Angebot oder Arbeitskollegen, Chefinnen usw.

Wir haben Konflikte. Wir können das gar nicht vermeiden. Und in diesen Konflikten gibt es Sekunden oder Minuten, in denen wir den Gegner oder die Gegnerin hassen auch und gerade wenn wir ihn oder sie vielleicht die meiste Zeit über lieben. In engen Beziehungen gibt es starke Gefühle, und die sind nicht immer positiv.

Und wenn sie jetzt sagen, nein, in meinen Familien- und Arbeitsbeziehungen läuft immer alles super. Wir verstehen und prächtig und finden uns unterunterbrochen wunderbar, dann habe ich da noch die Raser, die uns gefährlich auf der Autobahn überholen oder die Langsamfahrer, die wenn 70 erlaubt sind mit 50 Stundenkilometern über die Landstraße schleichen, während wir pünktlich zu einem knappen Termin kommen wollen.

Ich glaube jeder findet jemanden, den er oder sie schon mal ein paar Sekunden gehasst hat. Und das heißt im Umkehrschluss, man ist selbst auch schon mal gehasst worden, auch wenn der andere es vielleicht nicht gezeigt hat.

Dazu sagt Jesus:

Liebt eure Feinde.

Tut denen Gutes,

die euch hassen.

28 Segnet die,

die euch verfluchen.

Betet für die,

die euch beschimpfen.

Lasst euch nicht gefühlsmäßig in eine Feindschaft hineinziehen. Ihr müsst auf Hass nicht mit Hass reagieren, auf Fluch nicht mit Fluch. Über eure Gefühle bestimmt ihr selbst. Ihr könnt in jeder Situation Gutes tun, segnen und beten und eure Herzen frei von Hass halten und liebevoll reagieren.

Dass das schwer ist, muss ich Ihnen nicht erzählen und auch euch nicht, liebe Konfis.

Aber wenn man es schafft, dann wird das Leben weniger stressig. Dann lebt man gelassener und fühlt sich besser. Also für einen selbst hat das Vorteile. Für die Gegner nicht unbedingt.

Sie kennen vielleicht das chinesische Sprichwort: Warum bekämpfst du mich, ich habe dir doch gar nicht geholfen.

Wenn jemand mich hasst und ich tue ihm etwas Gutes, dann ist das für den anderen gar nicht so einfach. Möglicherweise hasst er mich dann noch mehr, weil er hart daran arbeiten muss, sein negatives Bild von mir aufrecht zu erhalten. Wenn man sich in einer Feindschaft so untypisch verhält, kann das Feindschaft durchaus verschärfen. Das kann ziemlich gemein sein, denn der Feind wird dadurch verwirrt und verunsichert.

Wenn ich jemandem Gutes tue, der mich hasst, ist das möglicherweise nicht so nett dem anderen gegenüber.

Aber wer sagt, dass man immer nett sein soll. Jesus nicht. Jesus sagt, man soll Gutes tun. Das ist etwas anderes als nett sein. Das ist souverän und frei sein und sein Handeln nicht von seinem Gegner bestimmen lassen.

Etwas zu tun, was der andere nicht erwartet, setzt ihn unter Druck, etwas in seinen Vorstellungen oder seinen Taten zu verändern. Und dagegen wehren sich Leute normalerweise mit Händen und Füßen.

 

In der Kirchengemeinde stellen wir das immer wieder fest, wenn wir Blumen aus dem Gottesdienst an Menschen schicken, die nie oder selten in die Kirche gehen. Wir haben schon mehrere empörte Anrufe bekommen mit der Frage: Wieso schicken Sie mir Blumen? So etwas kann die Überzeugung, die Kirche schert sich nicht um mich, ins Wanken bringen. Das gefällt niemandem.

 

Oder wenn man beim Autofahren, wenn einem der Stinkefinger gezeigt wird, mit einem freundlichen Winken antwortet, das bringt die Leute aus dem Konzept.

 

Also wenn Jesu Rat befolgen und denen Gutes tun, die uns hassen, so ernten wir damit möglicherweise mehr Ärger. Jesus hat im Endeffekt damit tödliche Feindschaft erfahren. Aber wir ernten auch ein gutes inneres Gefühl, Ruhe und Gelassenheit. Und wir erleben uns selbst als wirksam und handlungsfähig in schwierigen Situationen. Wir sind unseren Gegner nicht mehr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, sondern bestimmen unser Leben selbst, werden souverän und selbstwirksam. Das alles tut unserer Seele gut und erhält die Gesundheit.

Jesus ist eben ein hervorragender Weisheitslehrer. Zu versuchen zu tun, was er sagt, führt zu einem guten Leben.

Ich wünsche Ihnen spannende Experimente mit dem Befolgen von Jesu Rat und Ruhe und Gelassenheit und Durchhaltevermögen, wenn es nicht gleich gelingt.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

Wer mehr von mir lesen möchte, den weise ich auf mein Buch hin: Elke Burkholz, Im magischen Fluss, veröffentlicht als E-Buch bei Kindle.

drucken