Selig sind …

(mit Pfarrer Wilfried Marnach)

Glaube ohne gute Werke ist tot, sagt Jakobus.
Das stimmt. Denn gegen den Statusehrgeiz hilft nur Liebe.
Und der Glaube, denn der führt notwendigerweise zu diesen Werken der Nächstenliebe.
Jakobus will, dass die guten Werke geschehen und sagt:
Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen?
Darum:
Selig sind, die Selbstbeherrschung haben und sensibel genug sind für die anderen Menschen um sie herum.
Selig ist der, der zuhören kann.
Der noch kein Urteil parat hat und nicht eh schon weiß, wie die Sache liegt.

Selig ist die, die sich beschränken kann.
Die weiß, wann und wo, was und wie gerade nötig ist.

Selig sind die Nachbarn, die dem Mann gegenüber einmal am Tag einen heißen Kakao und ein Stück Kuchen vorbeibringen.

Selig sind, die nachfragen und wissen wollen, was der andere hat, was ihn bewegt.

Selig sind die, die der Sucht nach Sichtbarkeit widersteht.

Selig sind, die sich Gedanken darüber machen, wie das Verhältnis zwischen armen und reichen Menschen in einer christlichen Gemeinde aussehen kann.
Selig ist, der sich nichts auf sich einbildet, weil er weiß, Tand, Tand Tand ist das Gebilde von Menschenhand.

Selig sind die, die die sichtbaren und unsichtbaren Trennungen in der Welt nicht einfach hinnehmen wollen und können.

Selig sind die, die immer noch traurig über eine Gesellschaft sind, die kalt und grausam sein kann.

Selig sind die unter uns, die traurig darüber sind, dass auch wir Christenmenschen manchmal herzvergessen handeln und denken.

Selig sind, die auf ihre Sprache achten.

Selig ist der, der das schwierige Thema des Miteinanders anspricht und dann nicht bloß einfache Lösungen parat hält.

Selig sind die, die unterschiedliche Meinungen austauschen und trotzdem danach ein Bier an der Theke trinken können.

Selig sind die, die Wissen, dass Gutes und Vollkommenes von oben kommt, von dem Vater, der alle Himmelslichter geschaffen hat, weil er das Wollte – durch sein Wort.

Selig sind die, die wissen, dass sie in der ersten Reihe stehen
Und darum die Verantwortung annehmen.

Selig sind, die Bach hören dürfen.

Selig ist, der die Anfechtung erduldet.

Selig sind die, die viel geheult haben.

Selig sind, die versuchen sich einen Reim auf das Leben und das Erlebte zu machen.

Selig ist wer weiß, alles Gute kommt von oben.

Selig ist der, der um eine Antwort ringt.

Selig sind die Menschen, die ihr Leben in beide Hände nehmen und abends rechtschaffen müde ins Bett fallen.
Selig sind die, die anderen bei Dingen helfen, die sie nicht können.

Selig sind die, die den Feiertag feiern und heiligen.
Und am Sonntag die Nähe dessen suchen, der diesem Leben Kraft und Richtung gibt.

Selig sind, die sich klar machen, dass sich auch die eigene Welt dauernd ändert.
Und sich trotzdem wundern, warum es diese Tage gibt, an denen man sich fragt, welchen Sinn das alles hat?

Selig sind, die sich klar machen,
dass es nicht immer für Leid und Abschied, für Mitleiden und finstere Nächte eine Erklärungen geben wird.
Und auch für die Brüche und Schrammen in Deinem Leben wirst Du Gott nicht wirklich und immer zur Verantwortung ziehen können.

Selig sind, die ahnen, das alles, was man hier erlebt und manchmal erleidet, nur der ein Teil der Wirklichkeit ist.

Selig sind, die wissen, dass man den andern Teil nur finden kann,
wenn Du mit dem mitgehst, der sich selber darauf festgelegt hat, den Weg des Menschen mit zu gehen.
Darum ist selig, wer weiß, das Gott alle Geschichten des Untergangs nicht nur von außen, sondern auch von innen kennt, weil er ein Mensch wurde.

Selig ist der Mensch, der weiß, dass trotz all dem Mist, den er in seinem Leben gebaut hat und den man so gerne verschweigen wollte, Gott immer noch einen ganz anderen Blick in das Innere unserer Lebensgeschichte getan hat.

Selig sind die, die deshalb fest daran glauben, dass jeder und jede von uns bei Gott noch einmal ein ganz anderes Ansehen, ein ganz anders Verständnis und einen ganz anderen Frieden finden wird, als bei uns.

Selig sind die Menschen, die ahnen, dass in Gottes Hand jede unheile Geschichte heil werden kann. Denn Gott sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an (1. Samuel 16/7).

Selig sind die, die glauben, dass die Gier nach Sichtbarkeit keinen Gewinn hat.

Selig ist wer weiß, dass er ein Geschöpf Gottes ist und mit einem Sinnzuspruch starten kann.

Selig sind die, die spontan handeln und keine Angst haben vor guten Werken.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren und umsetzen.
Denn Glaube ohne gute Werke ist tot.
AMEN.

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