Rahab, Ahnfrau Jesu, Josua 2,1-24

 

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

ein rotes Seil hängt am Fenster eines Bordells in Jericho. Das Bordell liegt direkt an der Stadtmauer. Die Israeliten wurden aus Ägypten befreit. 40 Jahre haben sie in der Wüste verbracht bis Mose gestorben ist und Josua die Führung des Volkes übernommen hat. Nun sind sie sechs Tage lang jeden Tag um die Stadt Jericho gezogen. Und am siebten Tag siebenmal. Und die Mauern der Stadt stürzen ein. Die Einwohner fliehen in Panik und Israel erobert die Stadt. Nur ein Haus greifen sie nicht an. Alle, die in dem Bordell mit dem roten Seil am Fenster sind, werden verschont. Rahab und ihre Familie werden hochgeachtet unter den Israeliten leben, die Jericho besiedeln. Und Rahab wird eine der Vorfahrinnen von Jesus sein, die in Jesu Stammbaum im Matthäusevangelium erwähnt werden. So die Geschichte aus dem Buch Josua. Und wie es dazu kommt lese ich Ihnen jetzt vor. Ich lese

Josua 2

1 Von Schittim aus schickte Josua heimlich zwei Männer auf die andere Seite des Jordans und befahl ihnen: »Erkundet das Land dort drüben und besonders die Stadt Jericho!«

Die Kundschafter kamen in die Stadt und kehrten im Haus einer Prostituierten namens Rahab ein, um dort zu übernachten.

2 Noch am selben Abend wurde dem König von Jericho gemeldet, dass Kundschafter der Israeliten in die Stadt gekommen waren. 3 Sofort schickte er Wachtleute zu Rahab und befahl ihr: »Gib die beiden Männer heraus, die bei dir eingekehrt sind! Sie sind nur gekommen, um unser Land auszuspionieren.«

4-6 Rahab versteckte die beiden auf dem flachen Dach ihres Hauses unter einem Haufen von Flachs und sagte zu den Wachtleuten: »Ja, es waren zwei Männer bei mir. Aber ich wusste nicht, woher sie kamen. Beim Einbruch der Dunkelheit, bevor das Tor geschlossen wurde, haben sie die Stadt wieder verlassen. Ich weiß nicht, in welche Richtung sie gegangen sind. Aber wenn ihr schnell hinterherlauft, könnt ihr sie noch einholen.«

7 Die Wachtleute nahmen sofort die Verfolgung auf und liefen bis an den Jordanübergang. Das Stadttor wurde wieder hinter ihnen geschlossen.

8 Noch bevor sich die beiden Kundschafter zum Schlafen zurechtgelegt hatten, kam Rahab zu ihnen aufs Dach 9 und sagte: »Ich weiß, dass der HERR euch dieses Land gegeben hat. Alle seine Bewohner zittern vor euch, sie sind vor Angst wie gelähmt.

10 Wir haben gehört, dass euer Gott euch einen Weg durch das Schilfmeer* gebahnt hat, als ihr aus Ägypten gezogen seid. Wir wissen auch, dass ihr auf der anderen Seite des Jordans die beiden Amoriterkönige* Sihon und Og besiegt und getötet habt.

11 Deshalb haben wir allen Mut verloren. Keiner von uns wagt, gegen euch zu kämpfen. Denn der HERR, euer Gott, hat die Macht im Himmel und auf der Erde.

12 Ich bitte euch, schwört mir bei ihm, dass ihr an meiner Familie genauso handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Und gebt mir ein zuverlässiges Zeichen, dass ihr es ernst meint 13 und meinen Angehörigen das Leben retten wollt, meinem Vater und meiner Mutter, meinen Brüdern und meinen Schwestern und meinem ganzen Hausgesinde!«

14 Die Kundschafter antworteten ihr: »Der HERR soll unser eigenes Leben von uns fordern, wenn einem von euch etwas geschieht! Aber ihr dürft niemand sagen, dass wir hier waren. Dann werden wir uns an die Abmachung halten und dich und deine Angehörigen verschonen, wenn der HERR uns dieses Land gibt.«

15 Rahabs Haus war unmittelbar an die Stadtmauer gebaut. So ließ sie die beiden Männer an einem Seil aus dem Fenster die Mauer hinunter. 16 Dabei sagte sie zu ihnen: »Geht zuerst ins Bergland und versteckt euch dort, damit ihr nicht euren Verfolgern in die Hände lauft. Wartet drei Tage lang, bis sie die Verfolgung aufgegeben haben. Dann könnt ihr unbehelligt in euer Lager zurückkehren.«

17 Zum Abschied sagten die Kundschafter: »Hör, was du tun musst, andernfalls ist unser Eid ungültig: 18 Binde diese rote Schnur an das Fenster, durch das du uns hinuntergelassen hast, und nimm deine Eltern und Geschwister und alle anderen Verwandten zu dir ins Haus. 19 Niemand darf es verlassen. Wer hinausgeht und getötet wird, ist selbst daran schuld. Wir übernehmen dafür keine Verantwortung. Nur wenn jemand drinnen im Haus umgebracht wird, trifft die Schuld uns. 20 Du darfst aber nichts verraten! Sonst sind wir nicht mehr an den Eid gebunden, den wir dir geschworen haben.«

21 »Gut«, sagte Rahab, »so soll es sein«, und ließ sie gehen. Dann band sie die rote Schnur ans Fenster.

22 Die beiden Männer versteckten sich drei Tage in den Bergen, bis ihre Verfolger wieder in die Stadt zurückgekehrt waren. Die Wächter hatten alle Wege in der ganzen Gegend abgesucht, aber niemand gefunden.

23 Danach machten sich die Kundschafter auf den Rückweg. Sie stiegen ins Jordantal hinunter, überquerten den Fluss und kamen ins Lager der Israeliten. Sie berichteten Josua, was sie erlebt hatten, 24 und versicherten ihm: »Der HERR hat das ganze Land in unsere Hand gegeben. Alle seine Bewohner zittern vor uns.«

Rahab betreibt ein Bordell an der Stadtmauer von Jericho. Das ist nicht gerade ein sicherer Ort in der Stadt. Wenn die Stadt angegriffen wird, ist ihr Haus als erstes in Gefahr. Aber es ist auch ganz praktisch. Durchreisende finden schnell zu ihrem Haus. Als Hure lebt Rahab am Rande der Stadtgesellschaft. Sie ist es gewohnt für sich selbst zu sorgen, denn niemand sonst wird sie beschützen. Wenn sie überleben will, braucht sie ein gutes Gespür für Gefahr. Und das hat sie. Sie sorgt für sich und ihre Familie. Und sie verrät ihre Stadt ohne mit der Wimper zu zucken. Sie belügt die Regierung. Sie begibt sich selbst in Gefahr, denn wenn die Kundschafter bei ihr entdeckt werden, wird sie das büßen müssen. Sie versteckt die Feinde und sie verhandelt das Überleben ihrer Familie heraus, denn sie hat eine richtige Einschätzung dazu, wer die neue Macht sein wird. Und sie tut das, was sie immer tut. Sie passt sich rechtzeitig an. Rahab ist eine begnadete Politikerin und eine Überlebenskünstlerin. Und sie ist mutig. Sie setzt gegen ihre Stadt auf die künftige Macht. Und vielleicht hat sie auch ein paar gute Gründe, dass ihr die fremden Kundschafter näher sind, als die eigene Regierung. Und als ihre Gäste ist sie ihnen verpflichtet. Denn die Gastfreundschaft ist heilig. Gäste auszuliefern ist sicher auch schlecht für das Geschäft. Die Israeliten sind wie sie selbst die am Rand der Gesellschaften des Kulturlandes. Sie gehören wie Rahab nicht richtig dazu. Und möglicherweise hat sie mit den mächtigen Kunden aus der Stadtregierung auch noch ein Hühnchen zu rupfen. Und sie setzt auf den Gott der Israeliten, vielleicht weil sie das richtige Gefühl hat, dass dieser Gott auf ihrer Seite ist und mächtig genug sie zu schützen, sie, die sonst niemand schützt. Jedenfalls tritt Rahab mit ihrer mutigen Entscheidung für Israel und gegen Jericho, wo sie wohnt, in die göttliche Heilsgeschichte ein. Sie wird eine er Ahnfrauen des Messias. Und ihre Tat wird noch 3000 Jahre später Frauen überall auf der Welt als Vorbild dienen. Was für eine Geschichte. Eine Geschichte, die wie die Erzählungen über das kleine Volk Israel, das sich aus der Sklaverei befreit nicht zu den Überlieferungen aus dieser Zeit passt. Sonst haben wir aus dieser Zeit nämlich nur Geschichten über die großen Taten großer Könige und Listen ihrer Besitztümer. Die Geschichte Israels ist anders. Hier wird von Huren aus fremden Städten erzählt und von Nomaden, die nicht ordentlich bewaffnet sind und trotzdem mit Gottes Hilfe einen Raum zum leben finden.

Was können wir von Rahab lernen?

Jede Menge!

  • Das nötige tun, damit man selbst und die eigene Familie überlebt auch wenn es riskant ist.
  • Gastfreundschaft
  • Vertrauen auf die Macht Gottes
  • Dass man auch als unbedeutende Person, Einfluss auf den Gang der Geschichte haben kann
  • Das wichtigste ist Menschenleben zu schützen, wichtiger als Staatsraison

Das sind alles spannende Ideen. Aber mich interessiert noch die Frage: Was können wir von Gottes Handeln in dieser Geschichte lernen?

Gott schert sich nicht um den guten Ruf und auch nicht um den moralischen Lebenswandel. Gott hilft den israelitischen Kundschaftern durch eine Hure. Gott rettet die Familie einer Prostituierten bei der Eroberung Jerichos. Offensichtlich sind die göttlichen Moralvorstellungen etwas anders als unsere. Und ob Gott jemanden beschützt oder nicht hängt nicht an der Frage, ob man sich gut benimmt. Und vielleicht hat Gott eine Vorliebe für die am Rand, die nicht dazu gehören und kümmert sich um die ganz besonders. Und wer von uns hätte nicht Zeiten in seinem oder ihrem Leben gehabt, wo man sich am Rand und unbeliebt und eben nicht in der Mitte der Gesellschaft gefühlt hätte. Waren das Zeiten, wo wir Gott besonders nahe waren oder sind?

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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