Jesus und seine Familie, Markus 3,31-35

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Selbst Jesus hatte Ärger mit seiner Familie. Als er anfängt öffentlich aufzutreten und sich mit den Schriftgelehrten aus Jerusalem anlegt, die extra gekommen sind, um diesen neuen Wundertäter zu überprüfen, denkt seine Familie er ist verrückt geworden und will ihn gegen seinen Willen nach Hause holen. Und dann passiert folgendes. Aber hören Sie selbst. Ich lese Markus 3,31-35

31 Inzwischen waren die Mutter

und die Brüder von Jesus gekommen.

Sie blieben draußen stehen

und schickten jemand,

der ihn rufen sollte.

32 Aber die Volksmenge saß um Jesus.

Und sie sagten zu ihm:

»Sieh doch: Deine Mutter, deine Brüder

und deine Schwestern stehen draußen.«

33 Aber Jesus antwortete ihnen:

»Wer ist meine Mutter

und wer sind meine Brüder?«

34 Und er blickte die Leute an,

die rings um ihn saßen,

und sagte:

»Das sind meine Mutter und meine Brüder!

35 Wer tut, was Gott will,

der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.«

Familie ist doch das Wichtigste. In Umfragen wird deutlich, dass die meisten Menschen in Deutschland das immer noch so sehen. Um wie viel mehr galt das in Israel zur Zeit Jesu. Die Familie brauchte man zum Überleben – nicht nur, wenn man ein kleines Kind war oder alt wurde. Die Familie, das sind die wichtigsten Beziehungen. Und die sucht man sich nicht aus. In die Familie wird man hineingeboren und dagegen kann man nichts tun. Und gleichzeitig sind die Mitglieder der Familie diejenigen über deren Anerkennung man sich am meisten freut und die einen am tiefsten verletzen können.

Auch wenn Sie sagen: Ich bin behütet aufgewachsen. Ich hatte eine schöne Kindheit. So gibt es doch sicher auch Erinnerungen an Situationen, wo jemand aus Ihrer Familie Sie verletzt hat. Das muss nicht böse gemeint gewesen sein. Ich habe als Kind oft gehört: Gib her, du kannst das nicht, du bist zu dabbisch. Das hat jetzt nicht gerade mein Selbstvertrauen bei praktischen Tätigkeiten gefördert. Oder: Dein Bruder ist intelligent. Du bist nur fleißig. Auch wenn solche Überzeugungen von Eltern nicht ausgesprochen werden, so nimmt man sie als Kind doch wahr. Mein Bruder und ich wurden damals in eine Konkurrenz geschubst, die weder er noch ich wollten, und die unsere Beziehung immer noch belastet. Die meisten von uns haben in ihren Familien beides erlebt, geliebt und gefördert werden und verletzt werden. Das ist das Normale.

 

Und was passiert Jesus mit seiner Familie als er anfängt erfolgreich zu werden in dem Moment, wo er Gegenwind bekommt und die Schriftgelehrten aus Jerusalem ihn beschuldigen, mit dem Teufel im Bund zu sein?

 

Nicht nur unterstützt ihn seine Familie nicht, sondern sie versucht auch noch zu verhindern, dass er weitermacht.

 

Gut man kann sagen. Sie machen sich Sorgen um den jungen Mann. Er bekommt nicht genug zu essen. Und natürlich ist ein Konflikt mit den wichtigen Leuten aus Jerusalem nicht nur für ihn, sondern auch für die Familie gefährlich.

Aber dass sie ihn mit Gewalt nach Hause schaffen wollen, dass gerade, die die ihm am nächsten stehen, ihm in den Rücken fallen, das muss für Jesus sehr verletzend sein. Und entsprechend hart fällt auch seine Antwort aus: Das ist nicht meine wahre Familie. »Das sind meine Mutter und meine Brüder!

35 Wer tut, was Gott will,

der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.«

Jesus wendet sich von seiner Herkunftsfamilie ab und der neuen Gemeinschaft derer, die Gottes Willen tun, zu. Er will für uns neue und andere Beziehungen, die genauso eng sind wie die Familienbande.

Von wegen das Christentum ist eine Familienreligion. Nicht die Familie, in die wir hinein geboren wurden, ist unsere wahre Familie. Unser wirklicher Vater ist Gott im Himmel. Und unsere wahren Verwandten hier auf der Erde sind die Menschen, die Gottes Willen tun. Diese Menschen sind für uns wie Familie. Diese neue Zugehörigkeit ist wichtiger als unsere Herkunftsfamilien. Im Glauben und in der Verbindung mit Gott finden wir Menschen, die uns so nahe stehen wie unsere Verwandten. Die neue Gemeinschaft soll zusammenhalten und gegenseitig füreinander sorgen wie eine richtige Familie. Und interessanter weise gibt es in der neuen Familie keine Väter. Vater ist allein Gott im Himmel. Es gibt nur Mütter und Schwestern und Brüder und keinen Familienvater, der über alles bestimmt. Das ist eine ungewöhnliche Vorstellung in der damaligen Zeit.

Die Schülerinnen und Schüler, mit denen Jesus herum zieht, sind die neue, die bessere Familie. Auf heute übertragen wäre das die Kirche, in der wir eine neue Gemeinschaft finden, die eine Alternative zu unserer Herkunftsfamilie darstellt.

Das ist natürlich eine absurde Idee. Wenn Sie sich mal hier in der Kirche umsehen und noch bedenken, welche Erfahrungen Sie mit der Evangelischen Kirchengemeinde Messel gemacht haben, dann merken Sie sofort, dieser Anspruch ist zu hoch. Das kann weder eine Kirchengemeinde noch die Evangelische Kirche als ganze leisten. Eine neue bessere Familie sind wir in der Kirche nicht. Aber wenn ich daran denke, wie man sich normalerweise in einer Familie unter Geschwistern streitet, dann sind wir doch wie eine Familie, aber vielleicht nicht gerade wie eine bessere. Scherz beiseite.

Wer in einer Kirchengemeinde einen Familienersatz sucht, kann nur enttäuscht werden.

Aber wenn jemand in unserer Kirchengemeinde eine Mutter oder einen Bruder oder eine Schwester sucht, der wird manchmal fündig. Ich habe hier bei uns schon Mütter gefunden (auch männliche) die mich ermutigt und getröstet haben, wenn ich mal sehr enttäuscht war. Ich habe hier Brüder gefunden, die sich an meine Seite gestellt haben als ich verunsichert war, und Schwestern, die mir einen guten Rat und einen neuen Blick auf eine Situation geschenkt haben. Ich erlebe die Evangelische Kirchengemeinde Messel als einen Ort, an dem man sich manchmal streitet und sich dann und wann gegenseitig hilft, wo man sich enttäuscht und ermutigt. Das klingt eigentlich schon wie Familie.

 

Sicher ist eine Kirchengemeinde keine Alternative zu der eigenen Familie. Aber sie ist ein Ort, wo man sich von seiner Familie mal erholen kann, und wo man Schwestern und Brüder und wenn nötig auch Mütter findet, die einem punktuell mal durch eine schwere Zeit helfen können und für die man etwas Hilfreiches tun kann. Das ist nicht die neue ideale Gemeinschaft, die wir uns vielleicht wünschen, aber es manchmal schon ganz schön.

Lassen Sie uns das pflegen und weiter entwickeln, was wir hier an Gutem haben. Ich erlebe hier viel Aufmerksamkeit dafür wie es den anderen geht. Und ich sehe hier eine große Bereitschaft, sich für andere zu engagieren und sich gegenseitig zu helfen. Ich glaube wir haben schon ganz gut verstanden, dass es hier um Gegenseitigkeit geht. Dazu gehört beides, Hilfe anbieten, wenn der andere sie braucht und selbst nach Hilfe fragen, wenn man sie nötig hat. Für die eigenen Anliegen einen Raum finden, und den anderen zuhören und ihnen für ihr Anliegen Raum geben. Das ist schwer. Aber das ist nötig, wenn wir füreinander wie Mütter und Schwestern und Brüder sein wollen. Wenn wir uns gegenseitig ermutigen und stärken und trösten wollen.

Aber ich will kein zu ideales Bild malen. Schließlich sind Familien niemals ideal.

Also denken wir daran, wenn wir die neue Gemeinschaft sein wollen, die Jesus seiner Herkunftsfamilie vorzieht. Wir werden Konkurrenzen austragen. Wir können uns manchmal nicht besonders leiden. Und wir benehmen uns möglicherweise ruppig. So ist das unter Schwestern und Brüdern. Darüber brauchen wir uns nicht zu wundern. Aber unser Vater im Himmel liebt uns alle gleich. Durch ihn gehören wir zu dieser neuen Familie, nicht weil wir das nett finden, oder weil wir die anderen toll finden. Wir gehören zu den anderen, weil wir und sie zu Gott gehören, ob uns das gefällt oder nicht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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