Die Kraft der Auferstehung erleben zu Philliper 3,4-14

Gnade sei mit euch Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus

Liebe Gemeinde,

Was verbinden Sie mit Jesus Christus?

Wir verbinden mit Jesus Christus alles Mögliche aber vermutlich nicht das Gleiche wie Paulus. Paulus ist voller Leidenschaft, wenn er über Jesus Christus spricht. Alles andere ist für ihn nicht mehr als Dreck. Jesus Christus ist das Ziel seiner Sehnsucht. Die Kraft seiner Auferstehung möchte er erfahren. Er ist von Jesus Christus ergriffen und möchte ihn auch selbst ergreifen. Aber hören Sie selbst. Ich lese

 

Philliper 3,4-14

Wenn sich also irgendjemand

auf seine irdischen Vorzüge berufen will –

ich hätte jedenfalls noch viel mehr Grund dazu.

5 Ich wurde am achten Tag beschnitten.

Ich gehöre zum Volk Israel,

zum Stamm Benjamin.

Ich bin ein Hebräer

und stamme von Hebräern ab.

In Bezug auf das Gesetz

war ich ein Pharisäer.

6 Über meinen Einsatz lässt sich sagen:

Ich verfolgte die Gemeinde.

Und was meine Treue gegenüber dem Gesetz betrifft:

Daran gab es nichts auszusetzen.

7 Aber alles,

was mir damals als Vorteil erschien,

betrachte ich jetzt als Nachteil –

und zwar im Hinblick auf Christus.

8 Ja wirklich:

Ich betrachte es ausnahmslos als Nachteil.

Dahinter steht die überwältigende Erkenntnis,

dass Jesus Christus mein Herr ist!

Verglichen mit ihm ist alles andere wertlos geworden,

ja, in meinen Augen ist es nichts als Dreck!

Das Einzige, was zählt, ist:

Christus zu gewinnen

9 und zu ihm zu gehören.

Denn ich gelte nicht als gerecht,

weil ich das Gesetz befolge,

sondern weil ich an Christus glaube.

Das ist die Gerechtigkeit,

die von Gott kommt

und deren Grundlage der Glaube ist.

10 Christus und die Kraft seiner Auferstehung

möchte ich erfahren.

An seinem Leiden möchte ich teilhaben –

bis dahin, dass ich ihm im Tod gleich werde.

11 Das alles geschieht in der Hoffnung,

auch zur Auferstehung vom Tod zu gelangen.

12 Ich möchte nicht behaupten,

dass ich das alles schon erreicht habe

oder bereits am Ziel bin.

Aber ich laufe auf das Ziel zu,

um es zu ergreifen –

weil ja auch ich von Christus Jesus ergriffen bin.

13 Brüder und Schwestern,

ich bilde mir wirklich nicht ein,

dass ich es schon geschafft habe.

Aber ich tue eines:

Ich vergesse,

was hinter mir liegt.

Und ich strecke mich nach dem aus,

was vor mir liegt.

14 Ich laufe auf das Ziel zu,

um den Siegespreis zu gewinnen:

die Teilhabe an der himmlischen Welt,

zu der Gott uns durch Christus Jesus berufen hat.

 

Es geht Paulus um nicht weniger als die Teilhabe an der himmlischen Welt – Zukunft mit Ewigkeitswert.

Ich muss zugeben die Leidenschaft, mit der Paulus hier spricht, erschreckt mich ein wenig.

Paulus war Pharisäer. Er war extrem fromm. Er hat sich nicht nur an das Gesetzt gehalten. Er hat das Gesetz mit allen Mitteln verteidigt. Er hat sein Leben auf Gott ausgerichtet und hat bedingungslos getan, was er dachte, dass Gott will. Er fand die Christen gefährlich. Er war als junger Mann bei der Steinigung des Stephanus dabei und er hat versucht, Christen in Damaskus zu verhaften und vor den hohen Rat zu schleppen. Er war der Gute und hat die gefährlichen Abweichler verfolgt. Er hat versucht seine Religion zu verteidigen. Und dann ist es passiert. Er ist auf dem Weg nach Damaskus Jesus Christus begegnet. Und alles war anders. Aus dem überzeugten Pharisäer wurde ein genauso überzeugter Christusanhänger. Mit der gleichen Leidenschaft mit der er vorher die Christen verfolgt hat, beginnt er nun den Glauben an Jesus Christus im ganzen römischen Reich zu verbreiten. Er erfüllt nun nicht mehr bedingungslos das Gesetz sondern lebt genauso bedingungslos den neuen Glauben – mit Leidenschaft, mit Opferbereitschaft und mit dem neuen Ziel Christus zu ergreifen wie er von Christus ergriffen wurde, den Siegespreis zu erringen, die Teilhabe an der himmlischen Welt.

Paulus ist ein Radikaler. Und das ist für uns gemäßigte Christinnen und Christen eine Herausforderung.

Aber ich gebe zu, ohne diese Leidenschaft und auch Leidensbereitschaft von Leuten wie Paulus, hätte das Christentum die ersten Jahrzehnte nach Jesu Tod nicht überlebt und wir hätten heute keine schönen Kirchen wie diese hier und auch keine Gemeinden an jedem Ort in Deutschland. Auch unser gemäßigtes Christentum würde es nicht geben.

Wir verdanken Leuten wie Paulus viel. Und vielleicht liegt unsere Zukunft als evangelische Kirche heute auch darin, dass wir die Leidenschaft, die Paulus hier ausstrahlt, wieder entdecken.

Paulus hat ein Ziel. Er will an der himmlischen Welt Teilhaben und er will die Auferstehung Christi in seinem Leben erfahren.

Wie sieht das mit uns aus?

Ich glaube, wir wünschen uns auch, dass unsere Verstorbenen bei Gott ewiges Leben finden. Ein Leben nach dem Tod für uns fänden wir ebenfalls gut. Da sind wir uns mit Paulus einig. Aber ich glaube, Paulus will mehr: Die Teilhabe an der himmlischen Welt und die Erfahrung der Auferstehung Christi passiert hier in diesem Leben. Und Paulus will sie für sich jetzt. Hier unterscheiden wir uns von Paulus. Bei Gott sein finden wir gut. Dafür sind wir in der Kirche. Leben bei Gott ja, aber bitte noch nicht gleich. Nach dem Tod reicht völlig.

Es könnte sein, dass wir uns da einer Illusion hingeben. Man kann das wahre Leben nicht auf später verschieben. Das merken die Leute, die auf ihre Rente hingefiebert haben. Jetzt muss ich noch fünf Jahre überstehen, und dann beginnt das Leben. Und wenn es soweit ist, dann stellen sie fest, dass der Übergang in die neue Lebensphase schwierig ist, dass sie nicht gut vorbereitet sind und sich gar nichts von selbst ergibt.

Wir können auch das wahre Leben in Christus nicht auf später verschieben. Unsere Auferstehung passiert jetzt, heute, jeden Tag neu werden wir von Christus ergriffen und ergreifen ihn, oder es wird schwierig mit dem Glauben. Und wir versinken in vielen Vielleichts. Vielleicht gibt es ein Leben nach dem Tod. Vielleicht hilft mir Gott oder auch nicht. Vielleicht bete ich heute und denke an Christus. Vielleicht ist mir das auch zu viel und zu langweilig. Und das Leben im Glauben plätschert so dahin.

Nein, das möchte ich nicht. Aber möchte ich es so sehen wie Paulus: Alles außer Christus betrachte ich als Dreck. Es ist unwichtig. Ich konzentriere mich auf das eine Ziel, die Auferstehung Christi zu erleben auch wenn das Leiden bedeutet?

Und geht das überhaupt: Kann ich so eine Leidenschaft, wie Paulus sie lebt, herstellen. Kann ich mich leidenschaftlich in den Glauben werfen, und alle Zweifel und alles andere hinter mir lassen?

Nein, das kann ich nicht. Ich bin nicht Paulus, und ich bin nicht so radikal wie er. Und ich kann mich sicher nicht so leidenschaftlich auf Christus konzentrieren und alles andere hinter mir lassen.

Aber vielleicht muss ich das ja auch gar nicht. Es gibt auch andere Menschen in den Zeiten des Urchristentums, die ihren Glauben nicht so radikal wie Paulus gelebt haben.

Aber eines möchte ich von Paulus lernen. Paulus schreibt: „Ich strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt.“ Paulus lässt sich von seiner Sehnsucht leiten. Er ruht sich nicht auf seinen zweifellos beeindruckenden Erfahrungen mit Christus aus. Er ist voller Hoffnung. Und er freut sich auf eine Zukunft in der Kraft der Auferstehung Christi.

An der Stelle will ich mir Paulus zum Vorbild nehmen. Ich will glauben, dass ich nicht auf Tod und Verderben zugehe, sondern dass ich hineinwachse in die Kraft der Auferstehung Christi. Es liegt eine gute Zukunft vor mir. Es gibt eine Gegenbewegung zum älter werden. Es ist  nicht nur so, dass meine Muskeln schwächer werden und mein Gedächtnis nachlässt, ich Brille und Hörgerät brauche. Sondern ich wachse im Glauben. Ich komme Christus  näher. Ich verstehe immer besser, was Gott mir schenkt und was Gott von mir will. Und ich werde eine gute Zukunft haben, die Gott mir geben wird. Und sehne mich danach sie zu erleben und ich strecke mich danach aus. Ich versuche Christus zu ergreifen und ich vertraue darauf, dass er mich schon ergriffen hat auch wenn ich nicht unbedingt etwas davon merke.

 

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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