Wie liebt man eigentlich Gott?

Im Markus-Evangelium wird uns berichtet, wie Jesus in eine ganze Reihe von Streitgesprächen verwickelt worden ist.

Und dann steht da folgendes:

Ein Schriftgelehrter hatte diesem Wortwechsel zugehört und war von der Antwort beeindruckt, die Jesus den Sadduzäern gegeben hatte. Er ging zu ihm hin und fragte ihn: »Welches ist von allen Geboten Gottes das wichtigste?« Jesus antwortete: »Dies ist das wichtigste Gebot: ›Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Ihr sollt ihn von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft.‹ Ebenso wichtig ist das andere Gebot: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹ Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.« Darauf meinte der Schriftgelehrte: »Richtig, Lehrer. Das ist wahr: Es gibt nur einen Gott und keinen anderen außer ihm. Ihn zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft und auch seinen Mitmenschen so zu lieben wie sich selbst, das ist viel mehr wert als all die Brandopfer und übrigen Opfer, die wir ihm bringen.«  Jesus sah, wie weise der Mann ihm geantwortet hatte, und sagte zu ihm: »Du bist nicht weit von Gottes Reich entfernt.« Danach wagte niemand mehr, Jesus weitere Fragen zu stellen.

Es geht also um das höchste Gebot.

Aber bevor ich dazu was sage, erst einmal 3 Vorbemerkungen:

Erstens:

In den Kapiteln 10, 11 und 12 hat Jesus ständig Streit.

Es geht dabei um Ehescheidung, um Reichtum, um Kinder, um Hierarchie, um den Tempel, um Steuern, um Macht, um Auferstehung.

Und die Leute, mit denen Jesus da dauernd gestritten hat, das waren gläubige Leute.

Leute, die ernst gemacht haben mit ihrem Glauben.

Die sich ausgekannt haben.

Das waren Bibelleser und Gottesdienstbesucher.

Also Leute wie wir.

Es waren Leute, die von sich gedacht haben: Wir sehen das schon richtig mit Gott und Kirche und Glaube.

Wir sind die Guten.

Wir machen das schon richtig.

Mit denen hatte Jesus am meisten Streit.

Und ich denke mir manchmal: Mit meinen Ansichten, mit meiner Glaubenspraxis – hätte ich da mit Jesus auch so viel Streit?

Ich glaube, es ist gut, wenn wir uns hin und wieder von dieser Frage verunsichern lassen.

 

Zweite Vorbemerkung:

Da ist ein Typ, der stellt Jesus eine Frage, obwohl er die Antwort genau kennt.

Er stellt die Frage also nicht, weil er etwas nicht weiß, sondern eher um Jesus zu testen: Hast Du auch die richtigen Ansichten, so wie ich?

Oder vielleicht um gelobt zu werden, weil er sich so gut auskennt.

Und dann bekommt er eine kalte Dusche.

„Du bist nicht weit vom Reich Gottes entfernt!“ sagt ihm Jesus.

Nicht weit weg – aber halt nicht drin.

Ein theoretischer Glaube, der nur in theologischem und religiösem Wissen besteht – ein Glaube, der sich nur im Kopf, im Denken abspielt – ein solcher Glaube bringt einen nicht in das Reich Gottes.

Auch uns nicht.

Ein Glaube, der keine Folgen für das praktische, alltägliche Leben hat, das ist ein reines Hirngespinst.

Ein solcher reiner Kopfglaube nützt einen Dreck.

 

Dritte Vorbemerkung:

Gott gibt uns als wichtigstes Gebot:

Liebt mich!

Von ganzem Herzen!

Eigentlich ist das doch mega peinlich.

Das passt doch eher zu einem totalen Diktator oder zu einem riesigen Narzisten, dass die so was sagen: Am wichtigsten ist, dass ihr mich alle liebt!

Ich Ich Ich.

Aber Gott ist kein Diktator und auch kein Narzisst.

Warum sagt er uns dann:

Am wichtigsten ist, dass ihr mich liebt!

Es kann nur daran liegen: Weil es uns guttut.

Und das leuchtet mir auch ein.

Lieben, das heißt ja, in einen intensiven, offenen, vertrauensvollen und intimen Kontakt mit jemand anderem zu kommen.

Und wenn Gott selber die Liebe ist und die Quelle aller Lebendigkeit, dann tut es uns einfach nur gut, wenn wir in einen solchen engen, intensiven, offenen, vertrauensvollen Kontakt mit ihm kommen.

Es geht Gott bei diesem Gebot nicht um sich, sondern um uns.

Uns tut es gut.

Darum sagt er uns:

Liebt mich!

Von ganzem Herzen!

 

Das waren die drei Vorbemerkungen und jetzt geht es richtig los.

Ich frage mich: Gott lieben – wie geht das denn überhaupt und ganz praktisch?

Wie macht Ihr denn das: Gott lieben?

Falls ihr ihn liebt (wovon ich jetzt mal ausgehe…).

Für viele ist Liebe ja vor allem ein starkes Gefühl.

So ganz tief im Herzen.

Mit Gänsehaut, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Schmetterlingen im Bauch.

Aber mit Gefühlen ist das ja so eine Sache.

Niemand kann auf Befehl Gefühle haben.

Gefühle kommen und gehen. Ungefähr wie ein Schnupfen.

Und wir sind da genauso wehrlos und hilflos ausgeliefert.

Aber wer denkt: Liebe ist vor allem ein Gefühl – der macht einen großen Fehler.

Er verwechselt nämlich Liebe mit Verliebt sein.

Verliebt sein – das ist ein Gefühl. Ein starkes und ein schönes Gefühl.

Aber Liebe ist das nicht.

Liebe ist eine Herzenshaltung, die Folgen hat für mein Denken, für mein Reden, für mein Handeln.

Liebe ist zum großen Teil erst einmal eine Entscheidung.

Liebe, das sind Worte und Taten heißt es in einem Lied.

 

Wir sind immer noch bei der Frage: Gott lieben – wie geht das praktisch?

Und wir haben jetzt geklärt: Das ist in erster Linie keine Frage von Gefühlen, sondern von Einstellungen, von Herzenshaltungen, von Worten und von Taten.

Und damit sind wir bei der genaueren Frage:

Wenn jemand Gott liebt – wie drückt er das praktisch aus?

Was sind seine Worte, was sind seine Taten?

 

Beim Nachdenken über Liebe hat mir einmal Gary Chapman sehr geholfen.

Gary Chapman ist ein Psychologe, dem aufgefallen ist, dass unterschiedliche Menschen Liebe auf unterschiedliche Art und Weise ausdrücken.

Er nannte das eine Liebessprache.

Jeder Mensch hat dabei sozusagen seine Muttersprache, die er spricht und die er versteht.

Dabei können dann ganz tragische Sachen passieren:

Einer drückt seine Liebe zu einem anderen Menschen ganz ausgiebig und intensiv aus – aber beim anderen kommt Null an, weil er eine ganz andere Liebessprache hat.

Zum Glück kann man auch hier Fremdsprachen lernen.

Die wird man zwar wahrscheinlich nie so gut sprechen wie seine Muttersprache, aber man kann lernen, sich ganz gut auszudrücken und viel zu verstehen.

Und Gary Chapman hat entdeckt: Es gibt 5 solche Liebessprachen.

Und die sind:

  • Lob und Anerkennung
  • Zweisamkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Geschenke
  • Zärtlichkeit

Und ich hab mir gedacht: Wir schauen uns das mal an, wie man in diesen Liebessprachen Liebe zu Gott ganz praktisch ausdrücken kann.

Die erste ist Lob und Anerkennung.

Komplimente machen.

Dem anderen sagen, was ich an ihm klasse finde.

Die Bibel ist voll davon.

Jede Menge Psalmen erzählen genau davon.

In jedem Gottesdienst singen wir ein Gloria, ein Loblied.

Ein Lied, mit dem wir Gott sagen, wie toll wir ihn finden.

Ganz viel modernes Liedgut sind so genannte Lobpreislieder.

Lieder, die davon erzählen, was Gott alles getan hat und tut, und wie wunderbar er ist.

Es tut gut und geht echt unter die Haut, solche Lieder zu singen.

Nicht nur eins, sondern viele, eine ganze Zeitlang.

Oder sich einmal hinsetzten und nachdenken:

Was finde ich an Gott eigentlich besonders gut, besonders lobenswert.

Und ihm das dann einfach einmal sagen.

Und das immer wieder machen.

Auch in einer Ehe langt es ja nicht, wenn man einander einmal gesagt hat: Ich liebe dich!

Lob und Anerkennung.

Die zweite Liebessprache ist Zweisamkeit: Zeit, die man miteinander verbringt.

Wo nichts drittes und nichts ablenkendes mit dabei ist.

Qualitätszeit sagen manche dazu.

Das, was wir jetzt hier machen ist so eine Zeit.

Wir und Gott.

Jetzt.

Hier.

Und nichts anderes.

Wir haben Zeit miteinander und füreinander.

Das kann man auch alleine machen.

Einen Spaziergang mit Gott machen.

Mit ihm dabei reden.

Auf ihn hören.

Oder an einem bequemen Platz.

Mit einer Kerze oder einem Bild.

Einer Bibel und einem Notizbuch.

Zeit für Gott.

Zeit mit Gott.

Zweisamkeit.

Die zweite Liebessprache.

Die dritte ist Hilfsbereitschaft.

Da geht es jetzt weniger darum zu schauen, dass der Müll rausgetragen wird und so Zeugs.

Sondern: Dass wir uns für die Dinge engagieren, die Gott wichtig sind.

Mir fallen da ein:

Die Verkündigung der frohen Botschaft.

Dass alle Menschen Gott kennen lernen.

Das ist nicht nur was für Profis.

Mir fallen ein:

Frieden und Versöhnung.

Gerechtigkeit.

Wahrheit.

Und auch die Bewahrung der Schöpfung.

Das ist alles Gott sehr wichtig.

Und wenn wir uns da engagieren, dann zeigen wir Gott damit unsere Liebe.

Die vierte Liebessprache sind Geschenke.

Jetzt wird es etwas schwierig, denn erstens: Was schenkt man jemandem, der schon alles hat und nichts braucht?

Und zweitens: Was schenke ich jemandem, von dem ich alles habe, was ich habe?

Aber ein ähnliches Problem haben auch kleine Kinder.

Und meistens malen sie dann was oder basteln was – und die Eltern freuen sich.

Meistens jedenfalls.

Ich habe mal drüber nachgedacht: Was macht eigentlich ein Geschenk wertvoll?

Ich denke, es sind zwei Sachen:

Zum einen, dass ich mir ganz viele Gedanken über den Beschenkten mache, mir überlege, was er brauchen könnte, worüber er sich freuen würde.

Und zum anderen, dass es mich etwas kostet. Dass ich etwas hergebe, was mir selber kostbar ist.

Was können wir Gott schenken?

Vielleicht Zeit?

Oder unsere Sorgen?

Oder unsere Pläne? Hier hast Du sie, zusammen mit der Erlaubnis, sie zu ändern.

Und ich denke, wir können Gott auch indirekt beschenken.

Zum Reformationsjubiläum hat die Evangelische Kirche Hessen-Nassau versucht, die ganze Botschaft der Bibel in drei Sätzen auf einen Bierdeckel zusammenzufassen:

Liebe Gott – Liebe dich selbst – Liebe deinen Nächsten.

Wir können unsere Liebe zu Gott auch dadurch ausdrücken, indem wir unseren Nächsten lieben.

Und andere Menschen können wir auch beschenken.

Wobei der Berater Erik Flügge der Meinung ist, der viel bessere Text auf den Bierfilzen wäre gewesen:

Jesus bringt es auf den Punkt: Gib dem anderen ein Bier aus!

Wir können Gott auch schenken, dass wir für eine Alleinerziehende babysitten oder mit einem alten Menschen einkaufen gehen oder einsame Menschen zu etwas mitnehmen.

Bleibt als letzte Liebessprache noch die Zärtlichkeit.

Aber wie sollen wir Gott in den Arm nehmen, ihn berühren, ihn streicheln?

Schwierig.

Aber mir sind dann doch zwei Sachen eingefallen:

Zum einen: wir drücken unsere Zärtlichkeit Gott gegenüber aus in der Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen umgehen.

Nämlich zärtlich.

Rücksichtvoll.

Einfühlsam.

Wertschätzend.

Und das andere:

Wir begegnen Gott ganz körperlich im Abendmahl.

Wir begegnen da Gott in, mit und unter dem Brot und Wein.

Er will uns da buchstäblich unter die Haut fahren.

Wenn wir zum Abendmahl gehen, dann gehen wir hin, um Gott zu umarmen.

So, das war’s für heute.

Und zum Schluss noch einmal im Schnelldurchlauf:

Jesus hatte am meisten Ärger mit frommen Leuten.

Glaube ist nicht Theorie, sondern Praxis. Nicht denken, sondern leben.

Wir sollen Gott lieben, weil es uns gut tut.

Und die 5 Sprachen der Liebe sind:

  • Lob und Anerkennung
  • Zweisamkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Geschenke
  • Zärtlichkeit

Und der Friede Gottes….

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