Jesus schenkt Erfüllung

Johannes 6, 30-35 (Berlin-Hellersdorf, 4.8.2019)

30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? 31 Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Vermutlich haben Sie so etwas auch noch in der Küchenschublade liegen oder sogar in Gebrauch, so einen hölzernen Brotteller mit geschnitztem Rand. Oft sind da Kornähren zu sehen und sehr oft steht zu lesen: Unser täglich Brot gib uns heute. Und wenn man es nicht so christlich haben, sondern mehr den deutschen Bauern und die heilige Erde in den Blick nehmen wollte, dann schrieb man auch nur schlicht: Korn ward zu Brot. Wie auch immer, Brot ist wichtig und wird auf diese Weise hervorgehoben.

Brot ist geradezu heilig. Von mancher Großmutter wird berichtet, dass sie ein Kreuz schlug über dem Brot, ehe sie es anschnitt. Brot wirft man nicht weg. Und es ist etwas Besonderes damit verbunden, mit wem ich mein Brot teile.

Erinnern Sie sich an die Pausen in der Schule, wo die Brotbüchsen geöffnet wurden. Blicke hin und her. Was hast’n du mit? Was hast’n drauf? Und wenn wir gut zueinander standen, dann kam mitunter auch: Willste mal beißen? Oder auch: Woll’n wir tauschen?

Ja, Brot ist wichtig und steht symbolisch für alles, was wir zum Leben brauchen. Aus Prinzip wurde der Preis dafür in der DDR künstlich niedrig gehalten. Man wusste ja auch: Zu hohe Brotpreise lösen Revolutionen aus.

Fast das ganze 6. Kapitel des Johannesevangeliums hat das Brot zum Thema, das Brot, das wir täglich essen, und das Brot als besondere Himmelsgabe. Es geht los damit, dass Jesus am See Genezareth 5000 Menschen mit Brot sättigt. Das begeistert und verwundert die Leute. Jesus aber entzieht sich ihnen zunächst. Doch dann kommen sie doch wieder zusammen und es entspinnt sich der Disput, den wir eben als Predigttext hörten.

Zweierlei wollen die Leute. Sie wollen zuerst und vor allem mehr, mehr Brot. Zugleich aber verspüren sie ganz genau, dass es Jesus nicht allein um das sättigende Brot aus Getreide geht, sondern um mehr. Und das wollen sie verstehen. Darum fragen sie nach Jesu Legitimation. Er soll etwas Besonderes tun, ein Wunder, dann wollen sie ihm glauben und ihm folgen. „Mose, unser Vater, hat unsere Vorfahren in der Wüste mit Manna vom Himmel versorgt. Jesus, kannst du das auch?“ So etwa fragen sie.

Jesus rückt die Sache nun ein wenig zurecht. „Nicht Mose hat euch das Manna gegeben, sondern Gott. Mose hat euren Vorfahren nur gezeigt, wo das Manna ist und wie sie damit umgehen sollen.“ Also: Mose war der Bote, der Vermittler. Der Ursprung dieses himmlischen Brotes liegt bei Gott selber, von dem Jesus spricht als „mein Vater“.

Aber genau dieses himmlische Brot gibt der Welt Leben. So sagt es Jesus und so glauben es die Leute auch und sie empfinden: Dieser Jesus hat eine besondere Beziehung zu diesem Brot, wie auch immer. Deshalb die klare Bitte, ja Forderung: Gib uns allezeit solches Brot!

Das ist es ja, was sie wollen, Brot, das Leben schafft, das nicht nur satt macht, sondern auch gesund und glücklich, Brot, durch das alle Missliebigkeiten beiseite geschoben werden und Friede und Wohlstand sich ausbreiten und das nicht nur einmal oder kurze Zeit, sondern „allezeit“. Das ist es doch, was sie schon immer wollen. Und wenn er das tut, dann wollen sie Jesus auch folgen.

Und Jesus? Er sagt nicht ja und nicht nein, er sagt einen seiner berühmtesten Sätze: „Ich bin das Brot des Lebens.“

Damit lehnt er die Zeichenforderung seiner Zuhörer rundweg ab. Er wird mitnichten irgendetwas vom Himmel herabzaubern, das die Leute sich einverleiben können, keine Nahrung, die den Bauch füllt, und keine Droge, die den Kopf high macht.

Jesus macht stattdessen ein Angebot. Dieses Angebot ist er selber, nicht mehr und auch nicht weniger. Es ist eine Einladung. Jesus lädt ein in die Nachfolge, auf einen Weg der Demut und der Freundlichkeit und des Friedens. Er sagt nicht, dass es uns da immer nur gut gehen wird, er verheißt aber, dass wir dort Erfüllung finden werden, dass wir nicht mehr hungern und nimmermehr dürsten werden, nicht mehr streben nach irgendeinem Mehr, sondern dass wir Frieden finden. Können wir mehr erwarten? Amen.

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