Schwarzbrot statt Kuchen

Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis am 4.8.2019
Text: Johannes 6, 30-35

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Liebe Gemeinde!
Kennen Sie das: Sie haben irgendeine Not und suchen mit aller Kraft nach Hilfe? Sie sind krank. Ihnen geht es nicht gut, und Sie suchen nach medizinischem Rat, nach jemandem, der Ahnung hat und der Ihnen Besserung verschaffen kann. Oder Sie haben eine seelische Not. Es quält Sie eine Sorge, und Sie suchen, wo Ihnen jemand Verständnis entgegen bringen könnte. Wo jemand ein offenes Ohr hat und Ihnen Aufmerksamkeit widmen könnte.
Das sind Nöte, die immer mal wieder vorkommen in unserem Leben. Und es sind Zeiten, in denen wir kaum etwas anderes denken können als: Wer hilft uns jetzt weiter?

So ging es Menschen zur Zeit Jesu. Es ist nicht ganz klar, ob sie bei der Speisung der 5000 dabei gewesen sind. Auf jeden Fall haben sie von die-sem großen Event gehört. Ein Kind hatte fünf Gerstenbrote und zwei Fi-sche. Aber es waren 5000 Leute zusammen gekommen, und alle hatten Hunger. Das Essen würde vielleicht für zehn Leute reichen. Und dann ge-schieht das Unglaubliche: Jesus macht den Jüngern Mut zum Teilen. Und so wird aus Wenig viel. Ein Wunder geschieht: Alle werden satt.

Nun ist dieses besondere Ereignis vorbei. Es wirkt noch nach in den Köp-fen und Herzen von denen, die dabei waren. Und auch diejenigen, die es nur gehört haben, sind davon ganz angetan. Das kann man sich vorstellen. So etwas Unglaubliches kann man nicht vergessen. Dieser Jesus muss schon ein außergewöhnlicher Mensch sein, haben sich die Leute gedacht. Wer kann so etwas tun? Aus fünf Broten und zwei Fischen ein Essen für 5000 Menschen bereiten? Irgendwie ist das überirdisch. Könnte das etwas mit Gott zu tun gehabt haben?

Einige scheinen damals geahnt zu haben, dass diese Speisung der 5000 mehr gewesen ist als nur ein Zauber. Sie scheinen etwas davon gespürt zu haben, dass Jesus für sie wichtig sein könnte. Dass er etwas mit ihren Le-bensfragen zu tun haben könnte und sogar mit ihrem Lebenssinn.

Diese Leute, die das ahnten, machten sich damals auf den Weg. Sie such-ten Jesus. Aber er war nach diesem Großereignis einfach verschwunden. Auch Jesus hatte Ruhe und Abstand gebraucht.
Aber die suchenden Leute gaben nicht auf. So, wie wir nicht aufgeben, wenn wir ernsthafte Fragen haben und wenn wir wirkliche Hilfe brauchen.
Und sie stellten Jesus die Fragen, die sie seit dem Brotwunder hatten.

Ich lese den Predigttext aus dem Johannesevangelium Kapitel 6, 30-35.
-lesen-

Die Leute hätten so gern gewusst, wie sie das Brotwunder deuten sollten. Sie hatten davon gelesen, dass schon bei den Israeliten das Himmelsbrot eine besondere Bedeutung gehabt hatte, das Manna, das ja in Wirklichkeit eine Art Honig gewesen war, der von Bäumen getropft war. Auch damals hatte das Brot einen tieferen Sinn gehabt. Das war ihnen schon selber klar, ohne dass Jesus etwas dazu gesagt hätte.
Das gefällt mir gut, dass die Menschen, die Fragen haben, von sich aus ihre Sache verfolgen. Ihnen wird keine fertige Predigt vorgesetzt. Es kommt aus ihrem eigenen Inneren, ihre Ahnung: Da kann ich etwas für mich entdecken. Da finde ich meinen Weg. Da erfahre ich etwas von Gott. Das hat mit mir zu tun.

Das ist so lebensnah, was wir heute im Predigttext hören. Glauben fällt mir vielleicht auch manchmal in den Schoß wie das Wunder der überflie-ßenden Fülle mit den wenigen Broten, die ganz viel wurden. Aber zu an-deren Zeiten braucht Glauben das Suchen, das Fragen, das Dranbleiben am Thema, an Gott, an der Hoffnung, unsere Beharrlichkeit . Dass wir unseren Fragen und unserer Ahnung nachgehen, wenn wir denken: Ja, hier kann es Hilfe geben. So, wie die Leute, die Jesus nachgehen. Kein leichter Weg, aber erfolgreich in diesem Falle.
Denn Jesus deutet ihnen das Brotwunder und sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Das hatten die suchenden Leute wohl geahnt, aber so noch nicht gehört. Es hat sie bestätigt darin, dass sie bei Jesus am richtigen Ort sind. Bei ihm konnten sie aufatmen. Bei ihm konnten sie Hilfe finden und noch viel mehr: Leben.

Jesus als Brot des Lebens- Das ist für Christinnen und Christen zu einem zentralen Bild ihres Glaubens geworden. Unser tägliches Brot gib uns heute- Das beten wir im Vaterunser und meinen damit alles, was wir zum Leben brauchen. Martin Luther hat es im kleinen Katechismus so schön gesagt. Brot ist Symbol für Essen, Kleidung, Wohnung, für Frieden, für Freunde, für Gesundheit, für Besonnenheit.

Es kann uns zum Verzweifeln bringen, wenn wir sehen: So viele Men-schen haben kein Brot. Nicht genug zum Leben. Nicht zum Essen und Trinken. Sie befinden sich in den Krisengebieten dieser Welt, in Klimakatastrophen und in Kriegsregionen.

Wir sehen auch in Deutschland viele Menschen, denen das Brot zum Le-ben fehlt. Wir haben mit dem Pfarrkonvent den Tagesaufenthalt für Wohnungslose besucht und gehört, dass wegen der Woh-nungsnot und den Wohnungspreisen immer mehr Menschen auf der Straße leben müssen.

Ich sehe um mich herum oft Menschen, denen das Brot in seinem übertra-genen Sinne fehlt: Nahrung für die Seele, eine hoffnungsvolle, getroste Lebenshaltung, Kraft in dürren Lebenszeiten, in Trauer und Sorge.

Es gibt ein theologisches Buch, das ich sehr liebe, obwohl es schon einige Jahre alt ist. Es heißt „Schwarzbrotspritualität“ und ist von Fulbert Stef-fensky geschrieben.
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Steffensky meint: wir sollten nicht die außergewöhnlichen, spektakulären Glaubenserlebnisse suchen (nicht so etwas wie die Speisung der 5000). Nicht die Erleuchtungen und großen Gefühle, sondern das alltägliche Le-ben im Glauben. Eben nicht Kuchen, sondern Schwarzbrot.

Ich war im Museumsdorf Cloppenburg. In einem der Bau-ernhäuser war ein Schrank ausgestellt. Ein Brotschrank zum Schutz vor Mäusen und zum Bewahren des kostbaren Brotes. Als Zeichen des Wert-vollen war der Schrank sehr kunstvoll verziert. Und besonders hat es mich beeindruckt, dass Brot und Dokumente nebeneinander aufgehoben wurden. Eben alles Wertvolle.

Eine Anregung für uns, die Kostbarkeit zu entdecken, die uns in Jesus Christus gegeben ist und sie mit anderen zu teilen.
Denn Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürs-ten. Amen.

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