Das Leben – Nahrung und Festigkeit

Liebe Gemeinde,
der Predigttext ist niedergeschrieben im 1. Petrusbrief 2,2-10.

Liebe Gemeinde,
als unser erster Sohn unterwegs war, haben wir werdenden Eltern einen Säuglingspflegekurs besucht. Wir haben viel gelernt. Eines allerdings, lag der lehrenden Kinderkrankenschwester besonders am Herzen, das „Stillen“. Sie hat mehrmals intensiv betont: „Was auch immer passiert, versuchen sie ihr Kind möglichst lange zu stillen. Es gibt für ein neugeborenes Kind nichts Wichtigeres als die Muttermilch!“

Und sie hat recht, Muttermilch ist schlicht ein toller Cocktail. Da ist alles drin, was ein Säugling zum Leben braucht. Alle Nährstoffe, die richtige Menge Kalorien und ausreichend Flüssigkeit. Und ein besonders wichtiger Aspekt: Mit der Muttermilch übernimmt das Neugeborene den Immunstatus der Mutter. D.h. es ist gegen Krankheiten geschützt, obwohl es selbst noch keine eigenen Abwehrkräfte ausgebildet hat.

Hier ist die Parallele zum Predigttext!
Genauso, wie ein neugeborenes Kind auf Muttermilch begierig ist, sollt auch ihr auf Gottes Wort begierig sein. „Auf diese unverfälschte Milch, durch die ihr heranwachst.“
(1. Petr 2,2)

Das ist ein interessanter Vergleich: Das Wort Gottes ist wie Muttermilch! Darin steckt alles, was ein Mensch für das Leben braucht! Nur das wir es nicht essen können.

Schon die Römer hatten den Spruch: „Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Im Original ist der Satz sogar etwas länger: „Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano – man soll darum beten, dass in einem gesunden Körper auch eine gesunde Seele stecken möge“.

„Hauptsache gesund“, das ist ein Satz, der oft zu hören ist. Allerdings spiegelt diese Aussage für viele Menschen nur auf die körperliche Gesundheit. Diese ist sehr wichtig. Wer eine heftige Erkrankung hat, weiß wie unendlich man darunter leiden und regelrecht zu Grunde gehen kann.

Allerdings, wenn unsere Seele krank ist, nützt ein gesunder Körper nicht viel. Psychischen Krankheiten gehören in die fachkundigen Hände von Spezialisten. Aber wie viele Menschen leiden an ihrer Seele und merken es teilweise nicht einmal. Viele sind auf der Suche nach einem erfüllten Leben. Suchen nach Sinn, suchen nach Glück und manch anderem.

Einige suchen ihre seelische Gesundheit in der Kraft der Steine, den Sternen, pilgern zum Dalai Lama oder es zieht sie in die Ferne. Manchen mag es helfen, aber vielen eben auch nicht.

Ohne Zweifel, es gibt viel gute Nahrung für die Seele. Allerdings, das Wort Gottes und unser guter Glaube sind eben wie Muttermilch. Da ist alles drin, auch manche Abwehrkräfte gegen Krankheiten. Und Dinge die uns stark machen, auch so manches körperliche Leiden zu ertragen.

Zugegebenermaßen, anders als bei der Muttermilch. Die Säuglinge brauchen einfach nur zu trinken. Doch wir erwachsenen Menschen, müssen auf Gottes Wort, erstmal „herumkauen“, um es für uns nutzbar zu machen. Trotzdem, es ist alles drin, was Mensch braucht.

Nun zu einem ganz anderen Aspekt: Steine!
Steine gelten als kalt und hart. Sicherlich kann man Steinen auch viel Schönes abgewinnen. Machen sie sich mal die Mühe und gucken am Strand verschiedene Steine genauer an. Sie werden feststellen, es gibt keine zwei gleichen. Aber irgendwie sind sie eben kalt und hart. Ein klarer Kontrast zu so etwas warmen und Geborgenheit vermittelnden, wie Muttermilch.

Trotzdem, Steine sind vielfältig, sind ohne Ende vorhanden auf unserer Erde. So unterschiedlich Steine auch sein mögen, man kann sie zusammenfügen. Um z.B. ein Haus daraus zu bauen. Steine werden uns wohl nie ausgehen. Und wenn ich im Garten grabe, dann bin ich sogar „Steinreich“.

Heute bauen wir meistens unsere Häuser aus Steinen, die gleich groß und gleich geformt sind. Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Beton, etc.
Wenn man aber ein Natursteinhaus baut, dann muss man öfter auch große, schwere Steine verbauen. Die Stabilität und Festigkeit der Mauer wird damit erhöht. Große und schwere Steine werden vorwiegend an die Ecken des Hauses gesetzt, da es hier eine besondere Stabilität braucht.

Das ist ein schönes Bild, unsere christliche Glaubensgemeinschaft als Haus zu verstehen. Sich vorzustellen, dass jede und jeder ein Stein in der Mauer ist und am großen Ganzen mitträgt. Und Jesus dabei, als wichtiger Eckstein, macht Sinn.

Aber das Bild vom Eckstein ist umstritten.
Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
(heißt es im Psalm 118,22) Jesus, der Eckstein.
Er wurde als ungeeignet betrachtet und auf dem „Müll“ entsorgt.

Eigentlich wird dieser Satz immer mit Jesu Tod am Kreuz und der Auferstehung in Verbindung gebracht. Aber ursprünglich stammt der Satz aus dem 118. Psalm und hatte gar nichts mit Jesus als Person zu tun.

Betrachten wir es mal von einer anderen Seite. Das Wort Gottes ist der Eckstein, das dem Leben Stabilität gibt. Ein Eckstein, den so mancher schon längst verworfen hat. Viele Menschen begegnen unserem Glauben mit leichtem Spott. Auch wird immer wieder Häme über das ausgeschüttet, was wir glauben.

Sicherlich manch zweifelnde Nachfrage, manche Kritik an Kirche und auch an unserem gelebten Glauben sind berechtigt. Aber trotzdem: Wir lassen uns den Schatz an sich, nicht schlechtmachen.

Wir begreifen unsere christliche Gemeinschaft als Haus, dass durch einen wirklich stabilen Eckstein starke Mauern hat. Jeder Stein findet seinen Platz und hat seine Bedeutung. Dieses Haus ist offen für alle.
Und gerade unter dem Blickwinkel, das heute noch Menschen weltweit wegen ihres Glaubens am Leben gefährdet sind.

Wir sind EINE christliche Gemeinschaft. Wenn wir das ernst nehmen, dann sind wir diejenigen, die das Umfeld zum Guten verändern können. In der weiten Welt, genauso wie unser Land. Und hier bei uns in der Gemeinde beginnt es. Denn, wenn jeder an dem Platz wo er steht, sein Bestes gibt, kann es gelingen, aus dieser Welt eine bessere Welt zu machen.

Im Predigttext hörten wir: „Ihr seid das von Gott erwählte Volk; ihr seid eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das ihm allein gehört und den Auftrag hat, seine großen Taten zu verkünden.“(1. Petr 2,9)

Begreifen wir unseren Glauben und vor allem Gottes Wort nicht nur als Muttermilch. Sie geben uns alles Wichtige in unserem Leben. Halten unseren Glauben und Kirche als Gemeinschaft zusammen. Sie sind der Treibstoff der uns vorwärts bringt, den Frieden zu verbreiten. Und das tun wir am besten, in dem wir unseren Glauben großzügig leben.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Sebastian Maurer.)

drucken