Wenn das kein Angebot ist!

Liebe Schwestern und Brüder!

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Dieser Spruch stammt von Michail Gorbatschow und gesagt haben soll er den anlässlich der 50-Jahr-Feier der DDR zum Zentral Komitee der SED und zu Erich Honecker. Bald danach war Schluss mit der DDR.

Und wer nicht zu Gott + Jesus Christus kommt, obwohl er eingeladen ist und immer wieder eine Einladung bekommt, der verpasst die Möglichkeiten des Glaubens. Er oder sie verpasst das Angebot auf einen gesegneten und behüteten Lebensentwurf.

Also: Wer nicht zu Gott + Jesus Christus kommt, der verpasst eine wichtige Option seines Lebens. Der verschenkt die große Kraft, die ein fester Glauben uns Menschen geben kann, und wird niemals das starke Sicherheitsgefühl, das Ur- und Gottvertrauen und die Glaubensgewissheit von religiösen Menschen erleben können. Der- oder diejenige verpasst die Möglichkeiten, Optionen und Hoffnungen, die der Glaube an Gott + Jesus Christus bieten.

Komm her, denn es ist alles bereitet! Komm her, du schmeckst und spürst von der Lebensfülle, die ich dir schenke! spricht Jesus Christus zu uns. Nicht nur beim Sakrament des Abendmahls, sondern im Leben allgemein.

Wer gar nicht kommt, der wird Gott nicht kennen.

Wer niemals  kommt, weil er immer mit allem Möglichem – und sei es auch noch so individuell wichtig – beschäftigt ist, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit Gott nicht treffen.

In die Kirche kommt er schon gar nicht. Weder in den Gottesdienst noch in eine kirchliche Veranstaltung.

Wie viele Menschen gehen an dem Gebäude, der Institution oder den Menschen, die die Kirche bilden vorbei, weil sie kein Interesse, keine Lust, keine Zeit, keinen Glauben oder keine Hoffnung haben!?

Wie viele gute Bekannte, Freunde und sogar Schüler haben mir schon quasi unaufgefordert und hoch und heilig versprochen zu irgendeinem sonntäglichen Gottesdienst zu kommen, den ich halte.

Ganz selten ist einer gekommen! Das war manchmal enttäuschend und es wäre ein Wunder, wenn ich das noch erleben würde.

Sind das alles treulose Schwätzer und Ignoranten. Man könnte es meinen.

Und wenn nur wenige kommen, und vielleicht die ev. Kirche  in nicht allzu langer Zukunft oder auch jetzt schon nur noch eine „relevante Minderheit“ oder sogar irrelevant sein wird, wie es im Soziologendeutsch heißt, dann fragt man sich ernsthaft, ob die Gottlosigkeit und der Atheismus in unserem Land zu nehmen werden. Vielleicht wird es so werden. In Mitteleuropa -und Deutschland speziell-  scheinen die Einladungen Gottes und der Volkskirchen nicht unbedingt massenhaft wahrgenommen zu werden.

Zur Beruhigung muss ich vielleicht erwähnen, dass in meiner Kindheit die Klagen über den mangelnden Kirchgang und die vermeintliche oder wirkliche Gottesferne vieler Menschen, nicht Gottlosigkeit, nach Meinung einer meiner Pfarrer in meiner Heimatgemeinde schon vor Jahrzehnten groß waren. Der konnte sich über die sonntäglichen Fahrradfahrer und Spaziergänger, die es immer wieder schafften, den Weg zu finden um die Kirche herum zu radeln oder vorbeizugehen, so richtig aufregen und sich in Rage predigen.

Das ist jetzt weit über vierzig Jahre her, aber das Lamento scheint zu bleiben.

Doch die Einladung Gottes, mit allem zu ihm zu kommen, die der Prophet Jesaja verkündigt, birgt noch eine leicht verdeckte, aber mit großer Hoffnung ausgestattete und mit einer immensen Chance auf Veränderung spürbare Wirklichkeit.

Wer zu Gott kommt, wer nicht zu spät kommt, ja, wer nicht als Erstgeladener kommt, der wird vom Tisch des Herrn die Lebensfülle in sich aufnehmen. Der wird den Alltag und seine Sorgen, hier und jetzt im Gottesdienst transzendieren und hinter sich lassen. Er wird durch die Einladung an Gottes Fülle Teil haben.

Wer zu Gott kommt, den bestraft Gott nicht, den nimmt er auf in seine einladenden Arme. Und er muss noch nicht mal mühselig und beladen sein, weil er eine Erquickung findet, die alles bis dahin Erlebte überschreitet.

Aber ebenso heißt es, wenn es um Mühsal, Stress, Probleme, Angst, Furcht und/ oder aufgeladene Schuld geht, dass sich niemand alleine und verlassen fühlen muss, der  sich beispielsweise in einer persönlichen Krise befindet. Gott spricht ihm zu: Komm her zu mir, ich schenke dir Trost und Lebensfülle. Komm her, denn es ist alles bereit!

 

Komm her, denn es ist alles bereit! Und meine heilende Lebensfülle bedeutet:

Du bist ein einmaliger, ein besonderer Mensch, deine Talente und dein eigentlicher Wert liegt in dir selbst. Und von Gott bewertet. So wie du bist, mit deinen Schwächen und Stärken. Im Hause Gottes, am Tisch des Herrn zählen nicht  Leistungsbereitschaft wie in der Arbeitswelt, deinen Noten in der Schule, dein Aussehen wie bei Germanys Next Topmodel, deine Intelligenz und Wissen wie bei Wissens-Quiz-Sendungen.

Wenn du nämlich am Tisch des Herrn speist und eingeladen bist, dann wird dein ganzes Leben eben nicht nach den brutalen Marktgesetzen bewertet, dein Leben wird nicht nach dem Einkommen und deinem Lebensstandard gemessen. Deine Sorge soll dich nicht zermürben und in die Verzweiflung oder den Alkohol treiben. Die Macht, Befreiung und Hoffnung des Evangeliums soll dich erreichen und stärken. Dein Schicksal ist mir, deinem Gott Jesus Christus nicht egal. Deine Angst und Verlassenheit, deine Sorge und Verzweiflung, deine Lebensmüdigkeit und Verdrossenheit, deine Depressionen und Frustrationen werden von Gott gehört. Dein Wert im Leben und im Sterben bemisst sich nicht nach Geld und Lebensstandard, dein Wert im Leben wird durch Jesus Christus als sein Geschöpf, als ein Kind Gottes betrachtet.

Gott kennt deine Schwächen und Stärken. Gott ist bei dir in guten und in schlechten Tagen. Durch den Ruf Jesu und wenn ich der Einladung Gottes folge, erfahre ich diese Lebensfülle.

Und das heißt übertragen auf unsere heutige Situation und auch auf die Rolle der Institution Kirche: Die Kirche muss sich nicht jeder marktschreierischen Situation des Lebens anpassen, weil das Evangelium von Jesus Christus nicht zwangsläufig laut und polternd daher kommt. Sie muss sich nicht als Wendehals und mit der leeren Rhetorik der Politik gebärden, um aufzufallen. Sie kann auch mal schroff, unmissverständlich und ablehnend sein, wie das Gleichnis Jesu andeutet.

Jedoch ist es die erste und wichtigste Aufgabe der Kirche Jesu Christi, das Evangelium Jesu Christi zu verkündigen, was heißt:

Sie und ich stehen unter Gottes Gnade und Liebe. Und das meint es, eben diese Einladung anzunehmen und von der Verheißung des Glaubens zu erzählen und zu predigen und die durch Gott empfangene Lebensfülle zu beschreiben.

Denn dieses von Gott begleitete Leben und die von Gott gefüllte Existenz sind doch auch wunderbar.

Jeden Morgen kann ich aufstehen und sehe Gottes wunderbare Schöpfung im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Gott hat mir Menschen an meine Seite gegeben, die ich brauche und liebe, und die meinem Leben Schönheit, Charme und Glanz verleihen. Dankbar und froh darf ich sein, dass Gott mit durch meine Hände Arbeit oder geistige Arbeit alles zum Leben gibt, was ich brauche. Und schön ist es auch, dass nach einem langen Arbeitsleben und langer Lebenszeit meine Rente so gut ist, dass ich davon gut leben kann. Und ein Zeichen von Gott geschenkter Lebensfülle und Bereicherung ist es doch auch, dass in unserem Land über 70 Jahre Demokratie herrschen und kein Krieg mehr ist, mitten in Europa, wo so viele schreckliche und sinnlose Kriege begangen wurden. Es ist ein Segen, dass unser Vaterland bei allen noch immer existierenden Problemen seit 30 Jahren wieder ein einziges Land ist.

Letztlich liebe Schwestern und Brüder, wer der Einladung Gottes folgt, der bekommt die Fülle des Lebens frei Haus präsentiert. Hier, umsonst und jetzt.

Wenn das kein Angebot ist?! Aber hallo.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.     Amen

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