Und noch einmal: für ein Dorffest 2.Korinther 13,11-13

Ich weiß nicht, wie lange Glambeck schon sein Dorf- und Kirchenfest feiert. Ich darf zum dritten Mal beim Festgottesdienst dabei sein. Und ich habe mich darauf gefreut, denn es ist etwas besonderes, wenn sie hier miteinander feiern. Wenn der Apostel Paulus einen ersten oder zweiten Glambecker Brief schreiben würde, aus dem heute zu lesen wäre, dann würde es wahrscheinlich etwas anders klingen als damals bei den Korinthern, nicht nur weil die Zeit eine ganz andere ist, sondern weil die Verhältnisse ganz anders. Vielleicht klänge es ja so (was zugegeben etwas spekulativ ist):

Liebe Glambecker,

ich weiß dass ihr gerne Feste feiert und wenn ihr feiert, dann feiert ihr feste, also richtig.

Alle miteinander: jung und alt, Männer und Frauen, Eingeborene und Zugezogene, Menschen, denen Kirche wichtig ist und Menschen, denen es reicht, dass sie immer noch mitten im Dorf steht und manche, denen es auch egal ist, die aber überhaupt nichts dagegen haben, dass es hier mit dem Feiern losgeht.

Und wenn ihr feste feiert, dann seid ihr eine große Dorfgemeinschaft, dann spürt man, dass ihr alle zusammengehört, dass ihr hier zu Hause seid und dass es euch wichtig ist, dass sich hier wohlzufühlen. Es reicht ja nicht, dass man sich nur kennt. Es ist schon viel besser, wenn man voneinander weiß. Wenn man erzählen und teilen kann, was einen gerade umtreibt: einer macht sich Sorgen um seine Zukunft,  eine ist krank, traurig oder einsam, zwei haben sich gerade zerstritten oder es wird wo Familienzuwachs erwartet, da ist jemand neu im Dorf ist oder trägt sich trotz allem mit dem Gedanken trägt. Und dann, so stelle ich es mir vor, redet ihr nicht nur darüber, denn sonst kann man die Nöte ja nicht miteinander teilen, sondern kümmert euch auch an vielen Stellen   umeinander, oder? Und wer das einmal am eigenen Leib erlebt hat, verliert hoffentlich ein Stück weit die Angst davor, dass alle immer alles wissen oder zumindest meinen zu wissen.

Ich sehe, dass es hier viele Möglichkeiten gibt, sich zu engagieren und einzubringen: die Kirchengemeinde ist ein Ort, die Feuerwehr ein anderer, manche treiben Sport miteinander, andere interessieren sich für Heimatgeschichte, engagieren sich sozial oder wollen einfach ihre Freizeit nicht allein verbringen, sondern suchen Gleichaltrige für gemeinsame Interessen. Manchmal besucht ihr sogar die anderen Orte, die zum Löwenberger Land gehören oder zum Pfarrsprengel, was nicht ganz identisch ist. Und dennoch steht bei euch die Kirche mitten im Dorf. Irgendwie ist sie  wohl auch im Wechsel der Zeiten die Mitte und gehört allen Glambeckern. Und ihr kümmert euch darum.

Ob es Konkurrenz untereinander gibt? Vielleicht ja manchmal ein Wetteifern, vielleicht auch manchmal das Werben um die Aktiven, die alle Vereine und Initiativen gut gebrauchen können. Aber das ist eher positive Konkurrenz und keine streitvolle (hoffe ich jedenfalls).

Kurz um: bei euch kann man sich wohlfühlen und bei euch herrscht Gastfreundschaft, bei euch begegnen sich die Generationen und die Seele kann man baumeln lassen.

Ist damit alles gut ?

Sicher kann alles für Land und Leute immer noch besser werden. Darum wünschen sich viele noch größere Sicherheit, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, damit alle Arbeit finden und Arbeit behalten, junge Menschen sich nicht wegorientieren und gut ausgebildete Menschen (zurück)kommen, um in den Kindertagesstätten und Schulen zu arbeiten. Sie sollen Kindern und Jugendlichen Orientierungshilfe  geben, an ihrer Zukunft mitbauen. 

Sie wünschen sich auch in den Kirchengemeinden Pfarrer und Pfarrerinnen, Katechetinnen und Katecheten, Musiker und Musikerinnen, die sich und ihren Auftrag, ihre Arbeit und ihr Engagement egal ob im Haupt- oder Ehrenamt ebenso am Menschen orientiert verstehen und Land und Leute lieben, wie sie sind. Sie hoffen auf Ärzte und Pflegekräfte, die helfen Alten und Kranken beizustehen und ihnen einen Lebensabend in vertrauter Umgebung zu ermöglichen. Sie wünschen sich die Chance, dass Familien nach ihren Bedürfnissen und nicht aus Notlagen entscheiden, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben wollen. Sie wünschen sich saubere Luft und klares Wasser, erholungsspendende Wälder und Früchte tragende Felder. Und alle – sie und ihr und wir – brauchen den Gesang der Vögel,  stehen morgens viel fröhlicher auf, wenn dieser und nicht der menschengemachte Lärm aus dem Nachtschlaf weckt. Sie, Ihr, Wir lieben das Summen der Bienen und die Süße ihres Honigs und wünschen den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren, die zum Nutzen gehalten werden oder die in freier Natur ihr Lebensrecht haben. Ihr wünscht euch Mut und Ausdauer, weil einzelne ja dem Augenschein nach doch nichts ändern können und dabei leicht übersehen, dass viele einzelne dann doch eine große Menge sind. Und ihr hofft mit vielen zusammen auf Bewusstsein und Verantwortung aller, die Macht auf Zeit anvertraut bekommen haben und diese dann für Frieden, Gerechtigkeit und zur Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Ich bin mir deshalb nicht sicher, würde Paulus womöglich überlegen, ob ich extra noch betonen muss, was ich damals den Korinthern eigentlich sagen wollte:

  • Brüder und Schwestern… (jetzt muss ich gestehen, dass mich die Bibelübersetzer hier auf einen meiner Schwachpunkte aufmerksam gemacht haben – ich habe ursprünglich nur die Brüder im Blick gehabt, aber natürlich muss es um Männer und Frauen gleichermaßen und gleichberechtigt gehen. Da darf es keinen Unterschied des Ansehens, der Wertschätzung,  der Rechte und der Pflichten, des Verdienstes und der Fürsorge geben. Und wo sollte das nicht besser verwirklicht werden können als im Dorf und rund um den Kirchturm.
  • Freut euch und feiert, denn auch das hat seine Zeit: heute, jetzt und hier. Die Arbeit kommt dann morgen, besser: übermorgen wieder. Denn der Sonntag, der Feiertag, ist ja zum Ausruhen da. Und Ruhe ist ein Menschenrecht.
  • Klemmt es irgendwo, dann habt keine Hemmung, liebevoll auf Schwachpunkte, Hindernisse oder Problemstellungen aufmerksam zu machen. Mit Aufmerksamkeit und Hörbereitschaft findet ihr einen Weg, Probleme zu lösen. Einen Rat gebe ich dennoch: seid vorsichtig mit Ratschlägen…denn auch Ratschläge können  zu Schlägen werden. Vor allem lasst nicht zu, dass Angst, Neid oder Hass eure Ratgeber sind. Die haben noch nie zu Gutem geraten und stattdessen Menschen, Dörfer, Städte, Völker eigentlich immer ins Unglück gestürzt. Frieden ist ein viel zu kostbares Gut, als dass man ihn für sich behalten oder aus Angst  anderen vorenthalten darf.
  • Vielmehr ist die Liebe ein guter Ratgeber: die Liebe zum Leben, die jeder gerne verspüren möchte. Die Liebe zum Nächsten, die nichts mit Gefühlsduselei, aber mit Aufmerksamkeit und Unterstützung, mit Respekt und Würde zu tun hat. Die Liebe hört nicht auf und stößt nicht einfach an eine Grenze, nur weil einer anders aussieht, eine andere Sprache spricht, anders glaubt oder anders liebt. Jeder ist anders und deshalb liebenswert.
  • Und so verschieden ihr seid, wahrt die Gemeinschaft. Versteht den Kuss am Ende nicht falsch. Es mag sein, dass am Ende eines Festes sich Menschen in den Armen liegen, die das am Nachmittag noch nicht voneinander gedacht hätten. Wenn ihr euch (noch) näher kommt, nur gut – und nur zu! So wurde schon vor Generationen manche Familie gegründet. Vor allem aber bleibt auch beieinander als eine gute (Dorf-) und (Christen-)Gemeinschaft und ein leuchtendes Vorbild, dass andere nicht übersehen werden. ich jedenfalls erzähle schon mal ganz gerne von Glambeck!
  • So verstehe ich es mit der Gnade unseres Herrn Jesus Christus und der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heilgen Geistes auf sich hat: Wir sind im Leben reich beschenkt, was für eine Gnade; wir teilen wie in einer Familie, wie Geschwister, Freude und Sorgen. Solche Liebe ist keine Utopie, sondern realisiert, was ich bei Gott genauso finde: einen Ort, wo ich meine Freude und meine Sorge loswerde. Und ich bin nicht allein. Ich teile meinen Glauben und meine Werte mit anderen und bin Teil einer großer und kleiner Gemeinschaften, in die ich mich einbringen darf. Für mich ist das ein Gottesgeschenk und ein Gotteswerk.

Aber, liebe Glambecker, das muss ich euch wahrscheinlich weder schreiben noch sagen, dass wisst ihr und dass lebt ihr und das feiert ihr heute, oder?

Und der Friede Gottes, der höher ist alle Vernunft, der bewahre eure herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen

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