Es gilt ein frei Geständnis in dieser unserer Zeit (Matthäus 16, 13-19)

Auch wenn er sich ein Leben lang treu geblieben sein mag…alles hat auch bei ihm einmal angefangen und er ist erst zu dem geworden, den alle meinen  gut und vor allem schon immer zu kennen.

Wie war das eigentlich mit Petrus?

Ich meine nicht nur, was man sich so von ihm erzählt…, sondern wie er die Dinge damals erlebt hat, die ihn dazu gebracht haben, vorzupreschen mit seinem Bekenntnis, sich öffentlich zu machen mit seiner Jesusbegeisterung und seinem Jesusglauben.

Das er erst meint, wissen wir, weil wir das Ende kennen, auch wenn uns die Detailkenntnisse fehlen. Er ist für seinen Glauben in den Tod gegangen, wurde Märtyrer, Blutzeuge für diese neue Gruppe der Jesusgläubigen.

Aber wie würde er von den ersten Begegnungen mit Jesus erzählen? Wir sind auf das Zeugnis der Evangelien angewiesen. Und die berichten von einem wunderbaren Fischzug. Nach einer erfolglosen Nacht und gegen alle Berufserfahrung sind Petrus und seine Leute noch einmal auf den See hinausgefahren und haben ihre Netze, die in der Nacht leer geblieben waren, ausgeworfen. Und diesmal können sie die Fische nicht halten, drohen zu reißen. Petrus bekommt es mit der Angst zu tun, als der Fang ans Ufer gerettet ist.

Hat er einen Hauch vom Göttlichen gespürt, den Himmel geöffnet erlebt, eine Ahnung von Gott gehabt?

Als Jesus einmal im Haus seiner Schwiegermutter zu Gast war, da lag sie krank danieder, aber eine Berührung von ihm genügte, um neue Kraft und Gesundheit zu erlangen. Ein Trick? Ein begabter Wunderheiler, einfach nur ein Medizinmann oder doch der Heilige Gottes, die Verkörperung aller Hoffnung auf die Zeitenwende. Ach, wenn er doch erzählen könnte, wie es anfing bei ihm mit dem Staunen und Wundern über und dann glauben an diesen Jesus.

Denn das ist ja nicht vom Himmel gefallen und der Mut oder gar Verwegenheit zum Martyrium war ihm nicht in die Wiege gelegt. Wem ist das schon… (wenn überhaupt, dann wohl nur sehr wenigen)

Vor 65 Jahren war es keine Überraschung mehr und noch kein Wunder ,sich als Christ zu verstehen. Fast alle Menschen gehörten einer der großen Kirchen in Deutschland an. Nach den Schrecken des zweiten Weltkrieges, nach den Zerstörungen und Erschütterungen der Gewaltherrschaft, lebten die Menschen lebenshungrig und die Kirchen oder der Glaube gehörten mehr oder weniger selbstverständlich dazu. Gerade in den ersten Jahren nach dem Krieg war die Sehnsucht nach Orientierung so groß, dass die Kirchen voll waren und den Predigern eine große Verantwortung zukam. Sich allerdings zur Jungen Gemeinde in der ehemaligen DDR zu halten, war 1954 schon mutig. 1953 war ein ganz schwieriges Jahr für die Jungen Gemeinden, die der Spionage verdächtigt wurden und von Oberschulen und Universitäten verdrängt werden sollten. Woher bekamen die Menschen den Mut zum bekennenden Widerstand? Sicher war es die Sehnsucht nach Freiheit und nach Selbst- und Mitbestimmung. Aber es war wohl  auch der Glaube, der die Macht von Menschen relativierte, egal wie autoritär sie sich gaben und unterdrückten: Gott allein ist und bleibt, so die Überzeugung, Herr des Lebens und Herr der Geschichte. Kein Wunder, dass die Mächtigen diesen Glauben fürchteten und ächteten.

Später setzten sie auf die Mittel der Entfremdung und der Entwöhnung – und die Selbstverständlichkeit, mit der Gott Teil des eigenen Lebens war, ging vielen verloren.

Heute fragen wir uns gemeinsam, als Eltern und Großeltern, an einem Ort, an dem gestern Konfirmation und heute Konfirmationsjubiläum gefeiert wurde , wie wächst eigentlich heute Glaube und was bedeutet es im Leben zu glauben, zu vertrauen, Christ zu sein?

Für mich, wenn ich erzählen sollte, war das nie fraglich. Ich bin mit einer selbstverständlichen nicht hinterfragten Gewissheit Gottes aufgewachsen. Ich erinnere mich an die Abendgebete am Bett, ein wunderbares Gutenacht-Ritual, ich erinnere mich an musikalische Früherziehung, Kindergottesdienst und Kinderstunde, an den Religionsunterricht, an die Geschichten aus der Bibel, an die Bilder an der Tafel, die sich eingeprägt haben und heute noch bei manchen Geschichten aus der Tiefe der Erinnerung auftauchen. Wir haben immer gelebt, als ob Gott ist. Und auch wenn ich 1981 mit dem Berufswunsch Pfarrer schon ein wenig exotisch wirkte, war es dennoch nicht abwegig. Ich weiß allerdings nicht, wie sehr und wie lange diese Selbstverständlichkeit auch bei meinen eigenen Kindern in ihrem Leben trägt oder an ihre Kinder dann weitergegeben wird.

Heute sind wir wohl wieder stärker auf die Anfänge zurückgeworfen. Die eigenen grundlegenden Erfahrungen sind prägend und müssen erst gemacht werden: die Momente von Bewahrung und Herausforderung im Leben, von Klärung und Entscheidung unterwegs, von Misstrauen oder Vertrauen auf die eigenen Kräfte oder die guten und bewahrenden Mächte Gottes, die uns bergen, behüten und trösten (wie Bonhoeffer es aus dem Gefängnis für seine Braut dichtete). Mein eigenes Bekenntnis ist wieder gefragt, ich muss mich durchringen und nicht so sehr die Tradition der Familie, des Dorfes, der Stadt oder der Gesellschaft einfach nur bewahren.

Das Pfingstfest hat die Erinnerung daran eigentlich immer wach gehalten: Tradition hilft, schenkt Geborgenheit und ist eine zuverlässige Hilfestellung, aber sie ersetzt nicht das eigene Nachdenken, das eigene Fragen, die eigenen Erfahrungen und die eigene Entscheidung oder Haltung. Anders gesagt: Pfingsten erinnert uns daran, dass Glaube ein Geschenk ist, dass Gottes Geist in uns erst Begeisterung entfachen muss und dass ich mir Vertrauen und Glauben nicht verordnen kann. 

Petrus hat die Vollmacht Jesu und auch seine widerstandsfähige Macht mit eigenen Augen gesehen und erlebt. Er hat das Sterben Jesu und das Auferstehen Jesu als Bestätigung Gottes, als Bekenntnis Gottes erlebt und sich dem anvertraut.

Sie haben mit ihrer Konfirmation in schwierigen Zeiten auch ihr Bekenntnis abgelegt und durchgehalten, wie sie durchgetragen wurden durch das Auf und Ab des Lebens. Nichts anderes meint das Petrusbekenntnis: du bist Christus, des lebendigen Gotts Sohn.

Du hältst die Welt und mein Leben in deiner Hand. Du bist Herr über Leben und Tod, du bist der Anfang und der Vollender, du bist der Ursprung und das Ziel oder mit einem Bekenntnis aus der Zeit der Reformation: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele  im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit,  ihm forthin zu leben.“

Jede Zeit muss ihre eigenen Antworten finden auf die Frage, was es heißt, Jesus als Christus, als Sohn des lebendigen Gottes zu bezeugen. Und es ist Gottes Geist, sein Trost, seine Mahnung, seine Kraft, seine Stimme, sein Feuer, dass Menschen dabei antreibt und stärkt, Glauben ausspricht und Menschen verbindet. Deswegen können wir gar nicht auf Pfingsten verzichten. Wir würden uns aufgeben, wir würden Gott  preisgeben.

Aber es geht ja nicht nur ums unseren Trost im Leben und im Sterben, es geht auch um Gottes Bekenntnis zu dieser Welt und zu seinen Menschen, denen wir das Zeugnis von der Liebe und der Ernsthaftigkeit Gottes Gottes schuldig sind. Es geht um das Friedenszeugnis und die Versöhnungsbotschaft, damit  alle Feindschaft, aller Hass und damit alle Quellen von Gewalt und Unrecht in ihre Schranken verwiesen werden. Es geht – um Gottes Willen – um unsere Haltung und Weltverantwortung. So werden wir der Welt zum Segen, zu guten und heilvollen Zeichen. Solche Haltung des Glaubens ist keine Frage des Alters, da sind Konfirmanden ebenso gefragt wie Jubelkonfirmanden und wir dazwischen sowieso. 

Wie ein Bekenntnis heute gehen kann, hat die Synode unsere Kirche gerade unter der Überschrift Haltung zeigen vorgemacht. Geistesgewiss hat sie bekannt:

  • Wir glauben: Leben in der Nachfolge Jesu heißt, dem vermeintlichen „Recht des Stärkeren“ zu widerstehen. Unser Eintreten für Menschen, die Abwertung, Ausgrenzung und Unterdrückung erfahren, ist Ausdruck unserer Beziehung zu Gott, der uns in Jesus Christus als Mensch und Anwalt der Armen und Benachteiligten begegnet.  
  • Wir glauben an die versöhnende und befreiende Botschaft der Liebe, in der Christus uns begegnet. Jeder Mensch ist vor Gott einmalig. Individualität und Vielfalt der Gaben sind Ausdruck der Gnade Gottes. Alle Menschen sind dazu gerufen, den Wert menschlichen Lebens zu achten, ein menschenwürdiges Miteinander zu gestalten und insbesondere den Schwächeren beizustehen.
  • Wir glauben: Lüge versklavt, doch die Wahrheit befreit. Jesus Christus steht mit dieser Verheißung in einer prophetischen Tradition, nach Wahrheit zu streben und sie auszusprechen – auch gegenüber denen, die Macht haben und sie einsetzen. Wir stellen uns in diese biblische Tradition mutiger Wahrhaftigkeit.

So kann man auch bekennen:  

„Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“            Amen

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