Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

Sterbefall im Alter von fast 91 Jahren.

Text:​ „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. (Hiob 19,25)

Liebe N.N., liebe Angehörige und Freunde von N.N, liebe Trauergemeinde.

N.N. und ihr Mann N.N. haben oft zu meiner Frau und mir gesagt, dass sie sich so sehr darüber freuen, dass endlich wieder Licht im Pfarrhaus brennt und neues Leben eingezogen ist. Für uns ist es seit einem Jahr genau umgekehrt. Täglich haben wir Lebenszeichen den beiden gesehen. Sie waren einfach ein so fester und auch vertrauter Teil unseres Lebens. Doch seit etwa einem Jahr ist das Licht erloschen. Kahle Fenster, leere Räume, Beziehungen unterbrochen, der gewohnte Platz in der Kirche leer. Da kommen keine tapsigen Schritte mehr an die Türe, um mit einer kleinen Geste und Freundlichkeit Nähe auszudrücken.

Wenn ich das so sage, dann merke ich, wie sehr die Geschicke und das Leben von N.N. mit dem ihre Mannes verwoben war. Irgendwie gab es sie doch nur im Doppelpack. Und eben weil das so war, können wir wohl kaum ermessen, welchen Verlust N.N. im letzten Jahr durchlebt hat. Der geliebte Mann verstorben, das vertraute Heim, die gewohnte Umgebung, die Menschen des täglichen Umgangs verloren. Die Freunde in Hägelberg, die geliebte Kirchengemeinde, die Glaubensgeschwister im Hauskreis Nach dem Ende hier, ein Beginnen dort. In der Fremde sich neue Wege erschließen müssen und lernen, das Beste aus der Situation zu machen. Leben, was ist, statt zu klagen über das, was nicht mehr zu haben ist. Und auch das ist Sieglinde mit Zuversicht und Gottvertrauen angegangen.

Voller Dankbarkeit blicken wir auf die geschenkte gemeinsame Zeit zurück. Für uns als Kirchengemeinde ist wahrlich vieles anders geworden. Vor allem haben wir zwei unermüdliche Beter verloren. Mit euch als Familie trauen wir gemeinsam. Und auch wenn ihr als Kinder mittlerweile selbst alt geworden seid, so seid ihr nun verwaiste Kinder. Die Eltern sind verstorben und damit werden wohl auch endgültige die Beziehungen nach Mappach und ins Elternhaus zu einem Teil verblassender Lebensgeschichte. Zu einem Teil der eigenen Lebensgeschichte, von dem ihr sagen müsst: es war einmal.

Völlig quer zu diesen vielen traurigen Aspekten liegt das Sterben von N.N. am Ostermorgen. Und irgendwie passt das einfach so zu ihr. Sie ist in das Licht des Auferstehungsmorgens hineingestorben. Wann wenn nicht dann hätte sie auch sonst sterben sollen?  

Vor drei Wochen haben wir Karfreitag und Ostern gefeiert. Vor diesem Hintergrund ist es mir wichtig, noch einmal daran zu erinnern, was das denn mit unserem Leben und Sterben zu tun hat. Es geht um die Frage, was für ein Fest wir denn da feiern. Ist Ostern ein bloßes Frühlingsfest, bei dem wir uns daran erfreuen, dass in der Natur wieder neues Leben aufbricht; oder ist es unser Auferstehungsfest?

Ein Zitat Martin Luthers ist mir dabei sehr wichtig: Zu glauben, dass Christus für die Menschen gestorben sei, nützt gar nichts, wenn man nicht glaubt einer von diesen zu sein. Es geht also ganz deutlich um die Frage des Glaubens, ob ich denn ähnlich wie Jesus Christus ins Leben auferweckt werde. Dass ist das Entscheidende.

N.N. hat diese Frage ganz deutlich und klar beantwortet. Eines ihrer Lieblingslieder war das Osterlied: Jesus lebt, mit ihm auch ich. Mit Gewissheit können wir sagen, dass für sie klar war: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Unter dieser Vorgabe und Voraussetzung hat sie gelebt und geglaubt.Ich weiß, dassmein Erlöser lebt“. Worte wie diese und ähnliche Glaubensinhalte haben sie über viele Jahrzehnte ihres Lebens begleitet. Dies hat sie für sich in Anspruch genommen. In den Gottesdiensten, die wir gefeiert haben, den Bibelstunden, den Hauskreistreffen, hat sie sich immer wieder unter diese Zusage gestellt und es zu ihrem Bekenntnis gemacht.

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Dies ist eine Aussage von Hiob, dem im Verlauf seines Glaubenslebens manche Hiobsbotschaft zugetragen worden ist. Als ein Mann des Glaubens und Zutrauens zu Gott ist er an die Grenzen dessen geführt worden, was man wohl so eben noch ertragen kann, ohne an Gott zu zerbrechen, der in manchem Unheil, manchem sogenannten Schicksalsschlag so unendlich fern und fremd erscheint.

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Es ist mir ein fester Trost, dass diese Aussage nicht von meiner eigenen Disposition abhängt. Nicht von meinen Fähigkeiten, von meiner Glaubensleitung oder denkerischen Möglichkeit. In Sack und Asche sitzend, geradezu am Boden zerstört, hält Hiob dennoch daran fest. Auch wenn äußerlich alles dagegenspricht. Wenn alles den Anschein hat, als würde dieser Glauben zuweilen sogar in die Irre führen, bleibt dies sein Bekenntnis.

Für Hiob macht sich diese Aussage vor allem daran fest, dass Gott treu ist und treu bleibt. Und eben das ist mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Was letzten Endes zählt ist Gottes Treue. Seine Treue, zu dieser Welt, die er ins Leben rief. Seine Treue, die viel größer ist als meine Untreue, mein Zweifel, mein Nichtverstehen. Seine Treue, die nicht einmal im Tod endet. Die dem, der glaubt, bedingungslos gilt.

In diesen Tagen des Osterfestkreises leben wir symbolisch das schon vorweg, was dem verheißen ist, der an Jesus Christus glaubt. Keinem von uns wird der Tod erspart. Niemand kommt an seinem persönlichen Karfreitag vorbei. Aber dem, der glaubt, gilt die Verheißung Gottes, dass es Ostern für ihn werden soll.

In eben diesem Sinne möchte ich möchte ich uns alle heute an der Urne von Sieglinde Eckard zum Glauben an Jesus Christus einladen, zu einem persönlichenGlauben. Zu einem Glauben, der es für sich in Anspruch nimmt, dass Jesus für mich gestorben ist und ich in ihm auferstehen werde.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“. Für N.N. bedeutet das, dass sie nun endlich schauen kann, was sie geglaubt hat. Und wir glauben daran, dass Gott an N.N. ebenso handeln wird, wie er an unserem Herrn Jesus gehandelt hat. Er wird sie nicht im Tod lassen, sondern in seinen starken Vaterhänden bergen und in seine Nähe und Gemeinschaft ziehen. Diese Auferstehungshoffnung im Glauben an Jesus Christus zu haben, macht uns getrost und froh, mitten in der Trauer.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“. Ich wünschte, wir alle könnten das von uns sagen. Jesus Christus ist als unser Retter von Schuld, Versagen und Sünde in die Welt gekommen. Und dafür ist er auch einen jämmerlichen Tod gestorben. Aber Gott hat ihn aus dem Tod der Gottesferne erlöst und in seine Nähe geholt. „Jesus lebt, mit ihm auch ich“. Das ist unsere Hoffnung für N.N. und ebenso für uns selbst. Diesen Glauben schenke und erhalte Gott uns immer wieder neu. Seiner Gnade und Fürsorge wollen wir uns anvertrauen, heute und alle Tage. „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“. Wohl dem, der das für sich sagen kann. Dazu helfe uns Gott. Amen

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