Herr, bitte, nimm unser einfaches Gebet an!

Liebe Gemeinde,
hören wir den Predigttext aus Epheser 3, 14-21.

Liebe Gemeinde,
Exaudi heißt der heutige Sonntag: „Herr, höre meine Stimme!“
Auf was soll er hören? Zunächst auf unsere Gebete, die Bitten, Wünsche und Klagen enthalten. In denen wir um seine Hilfe flehen.

Am Donnerstag haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert! Nach seiner Auferstehung, also Ostern, blieb er noch 40 Tage bei seinen geliebten Jüngern. Er war zwar noch als Mensch erkannt, allerdings war sein Leib schon verklärt.

Wollte er uns dadurch vielleicht „Kirche“ erklären?
Das Haupt der Kirche ist göttlichen Wesens. Der Leib der Kirche, also wir, sind menschlich und fehlerhaft. Zusammen aber ein Konstrukt, dass die Grenzen unseres Menschseins sprengt.

Mit „Himmelfahrt“ wird etwas deutlich. Nämlich, was „Himmel“ eigentlich heißt! Die Rede ist nicht vom Himmel an dem die Wolken ziehen. Sondern „Himmel“ ist der Ort, an dem Gott und Mensch vereint sein werden. In der Heiligen Schrift heißt es: „Wir werden Gott sehen, von Angesicht zu Angesicht.“

Wie unermesslich glücklich müssen die Jüngerinnen und Jünger damals gewesen sein. Jesus war wieder bei ihnen. Aber auch wie verwirrend, gerade haben sie ihn sterben sehen. Nun ist er wieder bei ihnen und hilft, zu verstehen und zu erkennen. Nach 40-Tagen, das war eine lange Zeit, fährt Jesus auf und verspricht einen Tröster zu schicken. Dieser wird ihnen in Zukunft beistehen.

Wir wissen, als Tröster ist der Heilige Geist bezeichnet. An Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, wurde er an die Gläubigen ausgeschüttet. Er ermöglicht es uns, auch heute noch „Ja“ zu Gottes Geschichte zusagen.

Exaudi ist der Zwischenraum, von der Abwesenheit des „Verklärten“ bis zur Ausgießung des Geistes. Der Predigttext gibt Hinweise für diese Zeit. „Höre, Herr! Ich beuge meine Knie vor dem Vater, dass er euch Kraft gebe, dass Christus in euren Herzen wohne!“
Liebe Gemeinde, dies ist ein echtes Exaudi. Eine Bitte für andere, ein Gebet für die Mitchristen.

Das Thema „Gebet“ ist ein großes und hat viele offene Fragen.
Wie wirkt es? Wirkt es überhaupt? Mache ich mich in der Öffentlichkeit damit lächerlich? Oder etwas intellektueller, wenn Gott sowieso alles sieht, wozu braucht er das Gebet überhaupt?

Ich werde versuchen, mit drei kurzen Geschichten Antwort zu geben.

Ein Bauer kam in ein Wirtshaus, viele Gäste waren anwesend. Darunter auch feine Leute aus der Stadt. Der Bauer setzte sich und bestellte sein Essen. Nachdem es gebracht wurde, faltet er die Hände und spricht sein Tischgebet.

Darüber machten sich die Leute aus der Stadt lustig und ein junger Mann fragte den Bauer: „Bei euch zu Hause macht man das wohl so? Da betet wahrscheinlich alles?“ Der Bauer, der inzwischen ruhig zu essen begann, antwortete dem Spötter: „Nein, es betet auch bei uns nicht alles.“ Der junge Mann fragte weiter: „Na, wer betet denn nicht?“ „Nun“, meinte der Bauer, „zum Beispiel der Ochs, der Esel und das Schwein. Sie gehen ohne Gebet an den Futtertrog.“

Exaudi: „Höre, Herr!“, das können nur Menschen sagen.
Sie geben dadurch Antwort auf Gottes Wirken. Sie stellen sich bewusst in diese Beziehung mit Gott, so wie wir es im Gottesdienst tun.

Gottes Rede an uns und unsere Antwort an ihn. Ohne diese Beziehung sind wir, wie diese Spötter aus der Geschichte. Sie bleiben in sich selbst verschlossen, weil sie nicht um das Woher und das Wohin des Lebens wissen.

Exaudi: „Höre, Herr!“, wie soll ich beten?

Eines Abends merkte ein anderer Bauer, auf dem Heimweg vom Markt, dass er sein Gebetbuch vergessen hatte. Außerdem brach mitten auf seinem Weg ein Rad seines Wagens. Er wurde traurig, dass ein Tag vergehen sollte, ohne dass er seine Gebete gesprochen hätte.

Also betete er: „Ich habe heute einen großen Fehler gemacht, Herr. Ich bin ohne mein Gebetbuch von zu Hause fortgegangen, und mein Gedächtnis ist so schlecht, dass ich kein einziges Gebet auswendig sprechen kann.

Deshalb werde ich dies tun: ich werde fünfmal langsam das ganze ABC aufsagen. Und du, der du alle Gebete kennst, kannst die Buchstaben zusammensetzen und daraus die Gebete machen, an die ich mich nicht erinnern kann.“ Da sagte Gott, der Herr, zu seinen Engeln: „Von allen Gebeten, die ich heute gehört habe, ist dieses ohne Zweifel das Beste. Es kam aus einem einfachen und ehrlichen Herzen.“

Gebet, liebe Gemeinde, ist niemals Waffe, ist niemals Kampf gegen, sondern immer aufrichtiges Wort für eine Sache. Die Worte, die wir benutzen sind nicht das Entscheidende. Beten ist kein magisches Ritual, in dem es genau auf den Wortlaut ankommt. Beten ist die gelebte Beziehung zu Gott. Das kann auch mal ohne Worte geschehen.

Schließlich die dritte Geschichte.
Ein Pfarrer besuchte einen Kranken in seiner Wohnung und bemerkte einen leeren Stuhl an der Seite des Bettes. Er fragte, warum dieser dort stünde?

Der Kranke antwortete: „Ich hatte Jesus eingeladen, auf diesem Stuhl Platz zu nehmen, und sprach mit ihm bevor Sie kamen. Jahrelang fiel es mir schwer zu beten. Ein Freund erklärte mir, dass Gebet ein Gespräch mit Jesus sei. Er riet mir, einen leeren Stuhl neben mich zu stellen und mir vorzustellen, Jesus säße darauf. Ich solle mit Jesus sprechen und seinen Worten zuhören. Seitdem habe ich keine Schwierigkeiten mehr beim Gebet.“

Einige Tage später kam die Tochter des Kranken zum Pfarrer und brachte ihm die Nachricht, dass ihr Vater gestorben sei. Sie sagte: „Ich ließ ihn ein paar Stunden allein. Er schien so friedlich zu sein. Als ich ins Zimmer zurückkehrte, war er tot. Etwas Eigentümliches habe ich jedoch bemerkt: Sein Kopf lag nicht auf dem Bett, sondern auf dem Stuhl neben seinem Bett.“

Exaudi: „Höre, Herr!“
Mit Jesus reden wie mit einem guten Freund, mehr braucht es nicht. Jesus selbst hat uns gelehrt, mit Gott reden, wie ein Kind zu seinem Vater redet: „Abba, mein Vater!“ Ein solches Exaudi haben wir heute in unserem Predigtwort gehört. Eine Bitte, ein Gebet für uns selber, die wir christliche Gemeinde sind. Gott möge uns Kraft gebe, stark zu werden am inwendigen Menschen. Auf dass Christus in unseren Herzen wohne, dass wir alle in der Liebe eingewurzelt sind. Einfache Worte, liebe Gemeinde, zur Nachahmung empfohlen: das Gebet für unsere Mitmenschen.

Ein weiterte Punkt, den wir aus unserem Predigtwort bedenken wollen: „so gestärkt durch das Gebet eines anderen, können wir die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft.“

Es ist wunderbar und erschreckt doch zugleich unseren Verstand: die Liebe Gottes ist mehr, als wir begreifen können. Wir können sie beschreiben. Wir können versuchen, sie auf Begriffe wie Feindes- oder Nächstenliebe zu bringen.

Allerdings merken wir unsere Endlichkeit darin, wenn wir selbst vergeben sollen. Wenn wir selbst nachgeben sollen, wenn wir selbst verzeihen und neu anfangen sollten. Dann sehen und spüren wir, wie schwach wir sind.

Doch Gottes Liebe wächst in uns heran, für uns unmerklich. Durch die Taufe ist der Grundstock hierfür gelegt. Denn Gott will uns erreichen und uns zu neuen Menschen machen, die seine Gebote halten und danach tun.

Klar ist Gottes Liebe mehr als nur die romantische Liebe, nach der sich viele sehnen. Wie sie in vielen Filmen, Büchern und Liedern beschrieben wird. Gottes Liebe ist mehr als ein erfülltes oder glückliches Leben. Gottes Liebe ist mehr als nur ein immer-Nachgeben und den Kopf-für-Andere-hinhalten. So richtig diese Weisungen sein mögen, dafür bräuchte es keinen Gott, der unser Leben erschaffen hat. Dazu genügte menschliche Weisheit, wenn man nur moralische oder ethische Ratschläge geben wollte.

Gottes Liebe will und wird uns eines Tages in diesen neuen Menschen verwandeln. Von dem wir hoffen, dass er von allem Makel befreit ist. Dies lässt sich aber nicht beweisen oder begründen. Gelegentlich spüren es einige Menschen, dass sie zu Etwas bestimmt sind.

Es sind die Momente, in denen sie den Himmel offen sehen, wie Paulus es beschreibt. Sie werden für einen Augenblick teilhaftig der Gottesfülle, von der unser Predigtwort spricht.

Liebe Gemeinde, bis diese Gottesfülle uns gänzlich zu teil wird, bleiben wir in der Fürbitte. Ich schließe mit den Worten, die die Allmacht unseres Gottes preisen:

„Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Amen!

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Mark Meinhard.)

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