Der Zauberbecher als Symbol des Glaubens im 21. Jhd. (Konfirmationspredigt)

Liebe Konfis,

ein letztes Mal darf ich heute so zu euch reden. Das will ich natürlich unbedingt ausnutzen.

Und es ist ein schönes Gefühl, Euch so gut zu kennen, dass ich weiß, wenn ich jetzt keinen vom toten Pferd erzähle, dann hört ihr mir wirklich zu. Das ist wunderbar!

 

Deshalb, liebe Eltern, liebe Patinnen und Paten, liebe Gemeinde: Entschuldigen sie bitte, dass ich heute scheinbar nur unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden anrede.

Stellen Sie sich einfach vor, sie würden heute noch mal konfirmiert, egal wie alt sie sind. Stellen sie sich vor, wir hätten ein Jahr lang jede Woche zwei Stunden was miteinander gemacht, sie wären in 24 Gottesdienste gekommen und wir wären eine Woche zusammen in der Jugendherberge gewesen. Wir hätten uns abends in der Blauen Stunde gegenseitig massiert und gemeinsam eine Nachtwanderung gemacht, an deren Ende wir bei völliger Dunkelheit ohne Taschenlampen quer durch den dichten Wald einen recht steilen Berghang hinunter gelaufen wären. Alle an einem Seil festgehalten, auch der vorne kennt den Weg nicht und die einzige Hilfe ist eine Schutzbrille, damit man keine Äste ins Auge bekommt.

Wenn wir das gemacht miteinander gemacht hätten, könnte ich sie auch so persönlich ansprechen und mir überlegen: Was möchte ich ihnen von Herzen als meine wichtigen Weisheiten mitgeben auf den Lebensweg?

 

Als ich das also für euch tat, hab ich gedacht, wie gut, dass ich vor Monaten etwas gesehen habe, wo ich sofort das Team gefragt habe: Wollen wir das unseren Konfis nicht zur Konfirmation schenken? Und weil das Team das auch fand: Bekommt jeder ihn:

Diesen Becher!    (Tasse Magic Händeherz von Wort im Bild)                 (Bild Beamer)

Jetzt denkt ihr bestimmt: Na whooow! Wie originell – ein schwarzer Becher!

Und denkt euch: „Wahrscheinlich soll uns das an die Pfarrer im Gottesdienst erinnern. (Klappt „Beffchen“ aus dem Becher – Beamer:  Bild Selfie im Talar mit Beffchen-Becher)

 

Aber nein (Beamer Beffchen durchgestrichen) das meinen wir nicht!

Vielmehr ist das ein Zauberbecher (Beamer „Zauberbecher“)

Als ich vor vielen Jahrzehnten konfirmiert wurde, da hätte ich mir als Zauberbecher wohl einen gewünscht, der alles, was man hineintut (Beamer Kiesel in Becher) zu Gold macht (Beamer vergoldeter Kisel in Becher). nach 1 Sek. (Beamer Gold in Finger).

Das hätte damals diesen angenehmen finanziellen Aspekt der Konfirmation sehr positiv unterstützt.

Aber leider gibt es so einen Zauberbecher ja nicht.

 

Aber diesen! (Beamer Becher) Mit ihm ist es wie mit dem eigenen Leben: Wenn man ihn nicht wirklich benutzt, ihn sich nur anschaut und ihn in den Schrank stellt, dann passiert gar nichts.

Aber wenn man ihn benutzt, und etwas heißes(!) einfüllt, enthüllt er seine Weisheiten, die tatsächlich mehr wert sind, als alles Gold dieser Erde!

 

Vorführen  (Wenn der Becher die Farbe wechselt: Beamer: Bild drei Becher imFarbwechsel)

 

Die Botschaft lautet: Dieser offensichtlich schwarze Becher ist in Wirklichkeit gar nicht schwarz, sondern weiß und bunt. Nur wenn er kalt wird, wird er schwarz.

 

Das ist natürlich keine Zauberei, sondern Thermochromie, wie ich gegoogelt habe.

Aber das wunderbare daran ist, dass der Becher euch so meine drei tiefen Lebensweisheiten verdeutlichen kann:

 

Die erste ist:

  1. Es gibt in jedem Leben schwarze Zeiten

Eine der schlimmsten Sachen, die einem im Leben passieren können, ist dass Menschen einem einreden, man würde nichts taugen.

Mein Deutschlehrer hat mir nie eine andere Note als eine Vier gegeben. Nicht einmal war ich befriedigend. Bis heute sitzt das tief in mir, dass ich Deutsch nicht kann. Immer noch wundere ich mich, wenn Menschen mir sagen, dass ihnen die Predigt gefallen hat.

Und ich kann euch sagen: (hier folgen weitere persönliche Beispiele aus beispielsweise der unglücklichen Schullaufbahn des Pfarrers) …

Und das Schlimme war, ich habe das selbst geglaubt!

 

Also wenn irgendjemand euch einredet, dass ihr das Letzte seid, glaubt ihnen kein Wort! Setzt euch vor diesen Becher. Sagt euch: So sehen die mich also.

Und dann gießt einen heißen Tee in den Becher, um zu sehen, wie ihr wirklich seid.

Und vielleicht müsst ihr das wieder und wieder machen, bis sich auch euer Selbstbild ändert.

 

Wobei diese Geschichte mit dem Becher eigentlich nur ein Vergleich dafür ist, wie Gott uns sieht.

An Gott zu glauben, das bedeutet zugleich auch, dass Gott, die Schöpfungskraft des Universums, mich – und euch – und sie – als ein wunderbares und liebenswertes Wesen geschaffen hat.

Taufe bedeutet: Gott sagt ja zu dir, so wie er dich geschaffen hat.

Und Konfirmation ist die Bestätigung dessen durch euch: „Ja, Gott, so will ich das auch sehen.“

 

  1. Die Zweite Weisheit des Bechers betrifft die Zukunft unseres Planeten

Das Thema eures Vorstellungsgottesdienstes durftet ihr euch selbst aussuchen. Die meisten haben gesagt, wir wollen etwas über Meeresverschmutzung machen. (Oder andere Beispiele aus dem KU) (Beamer Bild Müll im Meer)

Und so habt ihr einen Gottesdienst darüber gestaltet, wie schlimm wir die Meere mit Plastik verseuchen.

Damit habt ihr am Beispiel Meer das getan, was auch Greta Thunberg sagt: Man muss den Leuten die Augen öffnen. „Leute, das Haus brennt, wir müssen was tun!“ Und einige von Euch waren auch schon bei den Fridays for Future.

Lasst Euch von Politikern nicht einreden, dass Jugendliche davon nichts verstehen. Der Lindner hat echt den Schuss nicht gehört. Der wird nie verstehen, dass man in seinem Herzen etwas anderes haben kann als Aktienkurse, Selbstgefälligkeit und Umfragewerte.

(Beamer 3 Becher)

Also die Botschaft des Zauberbechers ist hier nicht: „Entspann Dich, alles nicht so schlimm.“

Sondern sie richtet sich gegen die Haltung so vieler Erwachsener. Die sagen auch: „Ja, es ist soo schlimm, die Welt geht den Bach runter“. Und dazu haben sie dann so ein schlimmes, aber irgendwie auch angenehm lähmendes Gefühl. „Wenn ich etwas ändere, das bringt ja gar nichts!“ Und dann buchen sie die nächste Flugreise, statt sich zu überlegen, was ist wirklich wichtig im Leben.

 

Denen aber, die sich wirklich ernste Sorgen um die Welt machen, sagt der Zauberbecher:

Setz dich hin, nimm erst mal einen heißen Stärkungstrank. Schau auf meine Botschaft. Es ist noch lange nicht ausgemacht, wie alles ausgeht. Schau auf das Herz aus Händen. Wenn viele Einzelne handeln aus Liebe zu der Welt, und dabei zu einer Gemeinschaft werden, dann kann das den Lauf der Welt ändern.

 

  1. Die dritte und letzte Weisheit des Zauberbechers betrifft Gott

Wenn wir euch gleich konfirmieren, werden einige von Euch sehr fest dran glauben, dass es Gott gibt. Andere sind sich nicht immer so sicher und einige von euch haben mehr Zweifel als Glaube. Das ist völlig o.k. so!

Schon Jesus hat auch dem Mann geholfen, der nur sagen konnte: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“

Das gehört beides zusammen, sonst wäre es nicht Glauben, also Vertrauen, sondern sicheres Wissen.

 

Und im 21. Jahrhundert ist das noch mal verzwickter geworden.

Die Wissenschaft hat gezeigt, dass manche Glaubensvorstellungen von früher wörtlich genommen nicht hinhauen. Aufgefahren in den Himmel! Das ist nicht mehr unsere Vorstellung von der Welt, jedenfalls nicht, wenn wir dabei an einen Fahrstuhl denken.

Manche lassen dann den Glauben ganz fallen.

Wir wollten euch den anderen Weg zeigen, nämlich wie beim Computerspiel auf den höheren Level des Glaubens zu wechseln. Sich zu überlegen, was sollte denn mit den heute falsch klingenden Aussagen eigentlich gesagt werden?

 

So führt die Wissenschaft zu einer Weiterentwicklung unserer Glaubensvorstellungen. Aber umgekehrt sehen wir heute auch klarer, dass die Wissenschaft im Bereich alles Materiellen super und unglaublich hilfreich ist. Aber eben nur zur Erforschung der sozusagen „materiellen“ Dimension unserer Wirklichkeit.

 

Wenn man Gott mit dem Blick der Wissenschaft sucht, dann sieht das Universum so schwarz aus, wie der Becher.

Aber ebenso ist es mit Liebe! Wissenschaftlich betrachtet findet man keine Liebe. Da sieht man nur ´nen Haufen Hormone und jede Menge Chemie in unserem Hirn, die uns dieses Gefühl von Liebe vorgaukeln. Sogar die selbstlose Liebe von Mutter Theresa in Indien lässt sich komplett anders erklären: Sie fühlt sich nur wohl, wenn sie in Übereinstimmung mit ihren inneren Werten handelt.

Dass es auf dieser Welt wirkliche Liebe gibt – jenseits unserer Hirnchemie – , das muss man ebenso glauben, wie alles Religiöse.

Dasselbe gilt für die Moral. Wieso soll ich niemanden umbringen? Die ganze Evolution funktioniert nach dem Überleben des Fittesten – also wo ist das Problem, wenn ich auch den Schwächeren ausschalte?

Dass das Leben jedes Menschen heilig ist, das sagt uns nie die Wissenschaft, sondern „nur“ unser Gefühl und unser Glaube.

Und sogar das, was wir als „Ich“ spüren, ist wissenschaftlich betrachtet nur eine bestimmte Hirnregion, die uns das vorgaukelt. Wenn die ausfällt, war´s das mit unserem Ich-Bewusstsein. – Aber bleiben wir nicht dennoch ein „Ich“?

 

Die Botschaft des Zauberbechers: Die Wissenschaft ist super, aber zu dem nicht materiellen, da kann sie nichts sagen. Aber gerade das sind die Dinge, die uns zu wahren Menschen machen: Liebe, Werte, unser Ich-Bewusstsein und unser Glaube. Erst wenn wir unser Leben mit der Wärme des Gefühls füllen, wenn wir uns zu glauben trauen, dann wird plötzlich Liebe sichtbar, Werte und ein Gespür für das Göttliche.

 

Dass es all das wirklich gibt, können wir wissenschaftlich nicht beweisen. Und so ist es auch mit Gott. Wissenschaftlich betrachtet: Nicht nachweisbar!

Aber wenn ich heute Nachmittag vom LKW überrollt werde und sterbe, dann sind meine letzten Worte: „Achtung, Gott, aufpassen, ich komm gesprungen.“

Das ist jetzt das Beispiel von eurem alten Pfarrer.

 

Für euch müsste man das anders formulieren:

„Achtung, Gott, ich werde konfirmiert. Ich springe jetzt so allmählich in das Erwachsenenalter. Man sagt, das sei schön, spannend, aber auch herausfordernd und teilweise echt anstrengend. – Kannst Du vielleicht ein Auge auf mich haben? Ich will das glauben – hilf meinem Unglauben.“

 

Das wünsche ich euch.

 

Und wenn ihr dann irgendwann mal echt down seid, dann nehmt den Zauberbecher aus dem Schrank, gießt euch einen heißen Tee oder Kaffee oder von mir aus auch einen Glühwein ein.

Und lasst Euch sagen:

  • Auch wenn alle gegen dich zu sein scheinen: Glaub ihnen nicht. Du hast ein wunderbares Herz und Gott liebt dich.
  • Und wenn du Sorge um die Zukunft hast: Denke daran, es ist nicht ausgemacht, dass die Zukunft schwarz ist. Such Dir Freunde, mit denen du deine Liebe zur Welt leben kannst.
  • Und wenn Du denkst: „Wo bist du nun, Gott?“, dann erinnere Dich, dass unsere Augen nicht alles sehen, dass du vielleicht tiefer spüren lernen musst, oder auf einem höheren Level glauben.

Amen.

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