Die lebendige Hoffnung und wir mittendrin

Liebe Gemeinde,
stellen sie sich vor, sie erleben einen Tag, der nicht „rund“ läuft. Schon am frühen Morgen geht es los! Der Wecker klingelt. Sie sind unausgeschlafen. In der Nacht haben sie eine ganze Weile wachgelegen. Probleme haben sie beschäftigt. Die Nerven liegen blank und das Aufstehen macht es nicht besser. Leider bekommen dies dann auch ihre Mitmenschen zu spüren.

Gut, dass ein solcher Tag irgendwann zu Ende geht. Man geht zu Bett mit der Hoffnung auf eine erholsame Nacht und ein besseres Morgen.
Was aber, wenn der Radiowecker am nächsten Morgen dasselbe Datum zeigt? Auch dasselbe Lied, von gestern, im Radio erklingt und derselbe verkorkste Tag noch einmal beginnt?

So ergeht es dem Wetterreporter Phil Connors aus Pittsburgh in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Im Auftrag seines Fernsehsenders reiste er in eine Kleinstadt in Pennsylvania. Dort wird vom „Tag des Murmeltiers“ berichtet. Am 2. Februar, eines jeden Jahres, wird ein Murmeltier aus seinem Bau gelockt. Sieht das Tier dann „seinen Schatten“, also die Sonne scheint, wird der Winter noch weitere sechs Wochen andauern.

Ist es bedeckt, so wird der Frühling erwartet. Phil will nach seinem Bericht schnellstens wieder nach Hause. Aber ein aufkommender Schneesturm zwingt ihn, noch eine Nacht im Hotel zu verbringen. Am nächsten Morgen stellt er verwundert fest, es ist immer noch der 2. Februar. Denn Phil ist in einer Zeitschleife gefangen. Dieser verhasste Tag wiederholt sich nun immer und immer wieder, jeder Tag beginnt gleich. Schnell stellt sich heraus, egal wie Phil den Tag verbringt. Er erwacht jeden Morgen, am 2. Februar, in seinem Hotelzimmer.

Zunächst nutzt der Wetterreporter die Wiederholungsschleife für ein extravagantes und zügelloses Leben. Auf Dauer ist das jedoch sehr ermüdend und langweilig. Verzweifelt versucht er sich das Leben zu nehmen. Aber auch das hilft nicht. Selbst nach seinem „Tod“ erwacht er wieder am Morgen des 02. Februar.

Im Verlauf der unzähligen, sich wiederholenden, Tage, verliebt er sich in seine Kollegin Rita. Durch sie beginnt er allmählich, seinen Tag möglichst sinnvoll zu gestalten. Er will ein besserer Mensch werden. Und siehe da: Er erwacht und es ist der 3. Februar. Phil hat es durch seine Veränderung geschafft, die Schleife der endlosen Wiederholungen zu durchbrechen.

Das Grundmotiv des Films ist die Wiedergeburt. Nach hinduistischer Lehre muss sich der Mensch in zahllosen Reinkarnationen bewähren. Er muss ein besserer Mensch werden. Erst dann kann er sich aus dem Rad des Lebens befreien und in den Himmel aufzusteigen.

Dies ist eine Lehre, die dem Christentum gänzlich fremd ist. Allerdings, spricht der Apostel im 1. Petrusbrief von der Wiedergeburt!

Hören wir den Predigttext aus dem 1. Brief des Petrus im 1. Kapitel:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“

Der eben gehörte Text ist aus der Lutherbibel, alle weiteren Texterwähnungen stammen aus der Basisbibel.

Hier ist nicht von Reinkarnation die Rede. Die Wiedergeburt in der christlichen Lehre ist die Taufe. Der Apostel meint, wir sind getauft und gehören dadurch zu Christus! In der Taufe wird uns ein Neuanfang geschenkt, ein neues Leben! Wir sind, wie die neugeborenen Kinder!

Der Apostel bezeichnet so die Gemeinde: „Die Getauften sind wie neugeborene Kinder, begierig nach Gottes Wort, wie Säuglinge nach Milch, um im Glauben zu wachsen.“ (1. Petr. 2,2 Basisbibel). Aus diesem Vers leitet sich der Namen des heutigen Sonntags ab: „Quasimodogeniti“.

In der Katholischen Kirche wird dieser Sonntag auch „Weißer Sonntag“ genannt. Nach altem Brauch, trugen die Getauften der Osternacht ihre weißen Taufgewänder bis zu diesem Sonntag. Was für ein kraftvolles Zeichen, die Neugeburt in der Taufe. Auf diese Weise ist sie am eigenen Leib erfahrbar.

Auch unsere heutige Taufpraxis kennt den Brauch der weißen Taufkleider für Täuflinge. Die Bedeutung der Taufe als Neuanfang muss in unserer Kirche immer wieder neu erschlossen werden. Denn mehrheitlich werden in unserem Kulturkreis Kinder in den ersten Lebensmonaten getauft.

Der heutige Sonntag ist ein guter Anlass dafür! Unser Leben steht seit der Taufe unter dem Zeichen des Neuanfangs und hat somit ein positives Vorzeichen. Unser Leben ist von Anfang an auf eine Zukunft angelegt, „dessen Erbe im Himmel aufbewahrt wird“.

Kein sich ständig wiederholendes Bewähren und Kämpfen um Glück und Heil. Wie es Phil Connors auf unschöne Weise erfuhr. Stattdessen stellt der Apostel der Gemeinde die Rettung am Ende der Zeit in Aussicht: „So erlangt ihr durch den Glauben die Rettung, die am Ende der Zeit offenbar werden soll.“ (1. Petr. 1,5 Basisbibel). Die Taufe ist nicht nur der Neuanfang des irdischen Lebens, sondern zugleich das „Ticket to Heaven, die Fahrkarte ins Himmelreich“.

Der Apostel versucht mit diesen Worten, seine Gemeinde zu trösten. Denn anscheinend befand sie sich in einer ähnlichen Verfassung wie der Wetterreporter am Tag des Murmeltiers.
In der Basisbibel
(1. Petr. 1,6 Basisbibel) heißt es nochmals dazu: „Darüber könnt ihr euch freuen. Allerdings müsst ihr nach Gottes Willen jetzt erst einmal eine kurze Zeit leiden. Denn ihr werdet mehrfach auf die Probe gestellt. Das dient dazu, dass euer Glaube sich als echt erweist.“

Aha, also doch! Auch die neugeborenen Christen müssen sich bewähren und zeigen, dass ihr Glaube „echt“ ist. Unter Umständen muss man dafür sogar durch die „Hölle“ gehen. Das können wir zwischen den Zeilen erkennen. „Er (euer Glaube) ist wertvoller als vergängliches Gold, das im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird. Dafür werdet ihr bei der Offenbarung von Jesus Christus Lob, Herrlichkeit und Ehre erfahren.“ (1 Petr 1,7 Basisbibel)

Hier wird sicherlich auf die Christenverfolgungen im Römischen Reich angespielt, die z. B. unter Nero auch mit Feuer und Brand einhergingen. In dieser konkreten Bedrohung wird der Gemeinde Rettung in Aussicht gestellt:

„Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht. Deshalb könnt ihr jubeln in unaussprechlicher Freude, die schon von der künftigen Herrlichkeit erfüllt ist. Denn ihr empfangt, was das Ziel eures Glaubens ist: eure endgültige Rettung.“ (1 Petr 1,8b–9 Basisbibel)

Der Apostel schreibt an eine Gemeinde, die sich nach Rettung aus lebensbedrohlicher Situation, aus Verfolgung und Angst sehnt. Die Wiedergeburt durch die Taufe soll den Adressaten Kraft verleihen durchzuhalten. Und trotz widriger Lebensumstände schon einen Vorgeschmack auf die himmlische Seligkeit zu bekommen. Denn sie sind wiedergeboren. Nicht in einen immer gleichen, bedrohlichen Alltag, sondern in eine lebendige Hoffnung!

Phil Connors verstand erst nach unzähligen Versuchen und Irrtümern. Uns, als christlicher Gemeinde, ist es in die Wiege gelegt. Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Und das ist keine Vertröstung auf die Ewigkeit, kein: „Nach dem Tod wird alles besser.“

Denn die christliche Gemeinde soll kein Friedhof sein, sondern ein Haus der lebendigen Steine“, so bezeichnet der Apostel seine Gemeinde im nächsten Kapitel. (1 Petr 2,5 Basisbibel) „Das Neue hat bereits begonnen, der Grundstein ist gelegt!“

Wir kommen von Ostern her, von der Feier der Auferstehung.
Jetzt kommt der Alltag wieder, mit seinen Herausforderungen.
Jetzt gilt es, die Auferstehungshoffnung auch im Alltag zu bewahren. Sie ist die lebendige Hoffnung, die unser Leben durchdringt. Die Auferstehungshoffnung ist keine Vertröstung auf ein Leben nach dem Tod. Nein, die Auferstehung beginnt jetzt, mitten am Tage! Nicht jenseits der Zeit.

Das Haus der lebendigen Steine! Die Hoffnung, die uns trägt, ist eine lebendige Kraft. Eine Kraft, die die Christen des ersten Jahrhunderts stark gemacht hat, auch Feuer und Verfolgung zu widerstehen. Und eine Kraft, die uns stark machen möchte, den Herausforderungen unseres Alltags zu begegnen. Heute heißen sie nur anderes: Leistungsdruck, Belastung von Beruf und Familie, Hektik, Unruhe und Stress.

All dem setzen wir als Wiedergeborene eine heitere Gelassenheit entgegen, eine unaussprechliche und herrliche Freude. Denn Gott schenkt uns an jedem Tag einen neuen Anfang. Jeden Tag dürfen wir in lebendiger Hoffnung aufstehen. Mit dem Vertrauen, dass dieser Tag unseres Lebens ein guter Tag ist. Wir wissen das Gott mit uns ist. Besonders dann, wenn wir das Gefühl haben mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Simone Rasch.)

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