Gottes großes ABER (1.Petrus 1, 3-9)

Das große ABER – 

manchmal möchten wir es umarmen, weil es uns Halt gibt…

manchmal tut es so weh…

Wenn einer fragt: „liebst du mich denn noch?“ und zur Antwort bekommt „ja, natürlich…“, dann klingt das ABER  mit und das Ja ist  längst von einem unüberhörbaren Nein überholt. Selten tut eine „Liebeserklärung“ so weh wie mit einem „Ja, aber“

Wenn die Ärzte allerdings sagen: die Lage ist ernst, die Erkrankung dürfen wir nicht unterschätzen, es gibt keine Garantie auf Heilung. dann hören alle – nicht nur weil sie es gerne hören möchten – ein: „ABER wir geben nicht auf. Wir haben noch Möglichkeiten, es gibt Therapien, es gibt Grund zur Hoffnung, wir kämpfen gemeinsam.“ Selten klammern wir uns so sehr an ein ABER wie in diesen Augenblick: „aber die Hoffnung geben wir nicht auf…“

Ich habe den Eindruck, dass wir dieses Jahr in einer Zeit des großen  ABERS Ostern feiern.  Es ist keine uneingeschränkte Freudenzeit.

Da waren überwiegend Christen in Sri Lanka zu Ostergottesdiensten versammelt, sangen das Osterlob und priesen den Gott des Lebens, als Selbstmordattentäter unzählige Unschuldige, Gläubige und Urlauber, in den Tod rissen. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob es nun 200, 250 oder 350 Todesopfer sind, der Osterjubel will einem nur schwer über die Lippen kommen. Die Worte aus dem 1.Petrusbrief klingen  deshalb eigentlich zu groß für unsere alltägliche Lebenserfahrung: Barmherzigkeit,  Auferstehung der Toten, unvergänglich, unbefleckt und unverwelklich und in allem Gottes Macht.

Der Tod und seine Helfer scheinen uns doch auszulachen. Sie bringen Unheil, Gewalt, Unfrieden und unsägliches Leid.

Sicherheiten geraten ins Wanken: Einer, so berichten die Medien, stand wohl immer auf der Sonnenseite des Lebens mit seinem Reichtum und seiner Familie. Und jetzt sind drei seiner vier Kinder Opfer der Anschläge geworden. Und eine einheimische Familie bereitete sich mit der Tochter gerade auf die Erstkommunion vor, jetzt haben sie nur noch den Tod gekostet, nicht mehr das Brot des Lebens, so scheint es…

Und Sri Lanka ist längst nicht so weit entfernt, wie wir glauben, es ist so nah wie Paris, London, Madrid oder Berlin. 

Das große ABER hält uns fest in seiner Hand.

Ostern haben viele bei strahlendem Sonnenschein im Grünen verbracht. Getränkehersteller und Eisproduzenten, die Vertreter der Tourismusbranche jubeln: die Ostseebäder waren ausgebucht, der Umsatz grandios….nur die Natur braucht doch im April Regen und Feuchtigkeit und beides fehlt. Die Saat auf den Feldern kann nicht aufgehen, die Neuanpflanzungen der Wälder gehen ein, die Waldbrandgefahr steigt, das ist Stress für die Natur, ein unsichtbarer Überlebens-Kampf, ganz egal, ob der Klimawandel zu hundert Prozent oder nur anteilig menschengemacht ist.

Wir hören von Gottes Barmherzigkeit, die in uns eine lebendige Hoffnung weckt, wir hoffen auf Regen, ABER die Metereologen befürchten eine Dürre schlimmer als im letzten Jahr.

Wir stehen mit dieser bedrückenden Erfahrung des großen ABER nicht allein da. Während wir Ostern feiern, trauern  wir gleichzeitig mit Familien in nah und fern um Tote und Kranke, um verpasste Möglichkeiten und vertane Chancen, wir erfahren schmerzhaft, wie begrenzt der Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg im Leben ist und dass der HERR den Seinen eben doch nicht alles im Schlaf gibt. Wir feiern das Leben und sind von Niederlagen umgegeben, wir leben aus Hoffnung und werden belächelt oder hinterfragt, bis wir unseren Glauben auf den Prüfstand stellen oder gar Gott selbst, und schon entdecken wir, dass unsere Zweifel und unser Fragen genauso alt sind, wie unser Glaube und unsere Hoffnung. Der katholische Theologe Magnus Striet hat zu diesen Fragen seinem Büchlein den Titel gegeben: Gottes Schweigen – Auferweckungssehnsucht und Skepsis. ( er nennt also Hoffnung und Zweifel in einem Atemzug)

Der Hoffnung und der Osterfreude steht schon bei dem Autor des ersten Petrusbriefes die Erfahrung der Klage, der Traurigkeit und der brennenden Läuterung entgegen. 

Es ist nicht alles gut im Leben, obwohl  Christus auferstanden ist von den Toten. Und ich muss/ich kann auch nicht alles schön reden und in eine beschönigendes Licht stellen. Ich darf klagen, fragen, mit Gott streiten, meinen Kampf mit Gott am Jabbok ausfechten (wie einst Jakob) in der Hoffnung mir Segen zu erstreiten und abzuringen.

Wir glauben, aber nicht weil alles so offensichtlich ist.

Offensichtlich scheint die Gleichgültigkeit des Lebens oder des Schicksals, denn es fragt nicht nach gut oder böse, nach gerecht oder ungerecht.

Offensichtlich sind die Allmachtsphantasien der menschlichen Natur, zu tun und zu leben, was möglich ist, als ginge es immer weiter.

Offensichtlich ist der Tod, verborgen nur der Zeitpunkt und seine Erscheinungsform (ob freundlich und befreiend gesonnen oder mit unsäglichen Qualen im Gepäck).

Offensichtlich ist es für viele deshalb heute, ohne Gott leben zu müssen/können.

Wir glauben aber wohl , was wir nicht sehen.  

Wir lieben den, mit dem wir nicht mehr in der Abendkühle des Garten Edens spazieren oder vor dem wir mit bloßen Füssen auf dem Berg gestanden haben.

Wir glauben aus dem Hören und vertrauen aus Erfahrung. 

Wir berufen uns auf unsere Väter und Mütter und haben nicht mehr als oder zumindest immerhin  ihr Hörensagen.

Wir leben das andere große ABER: dennoch lasse ich nicht von dir.

Denn mag die Herrschaft der Gewalt, des Schreckens und des Todes als das große Aber gegen Gottes Barmherzigkeit daherkommen, mag der Tod alle unsere Hoffnungen zunichte machen und wir das Sterben fürchten, mag das Leben ein einziges ABER gegen das Vertrauen auf Gott sein, so sind die Verhältnisse doch längst umgedreht und Gottes ABER will mich auffangen und halten und ich darf es lieben.

Die Welt scheint todesbesessen, aber Gott ist lebensverliebt. Jesus Christus, verraten und verkauft, gekreuzigt und gestorben, ist auferstanden von den Toten. Ostern ist das ABER des Lebens.

Menschen, auch Christen, scheitern. Sie können an Lasten des Alltages zerbrechen, ABER bei Gott ist Vergebung.

Der Glaube schützt mich nicht davor, ständig unter meinen Möglichkeiten zu bleiben und an ihnen vorbeizuleben. ABER Gott sieht immer, was ich sein kann, selbst wenn ich es heute noch nicht bin.

Nicht alle meine Träume und Wünsche gehen in Erfüllung, manche kommen nicht aus den Schatten des Lebens ins Licht, ABER bei Gott sind Dinge möglich, die mir unmöglich scheinen.

Das Leben auf Erden verspricht mir viel und hält oft wenig. ABER Gottes Himmel geht nicht nur über allen auf, er steht auch allen offen.

Nicht alle dürfen alt und lebenssatt sterben, aber aller Seelen Seligkeit (wie wunderbar poetisch hat Luther hier übersetzt) ist das Ziel, das Ende, der Heimatort unseres Glaubens.

Ich lebe heute aus dem Vertrauen und aus der Hoffnung, ABER ich werde sehen, was ich geglaubt habe, nicht heute, aber zu Gottes Zeit.

Wir dürfen Gottes ABER vor uns her tragen und allem entgegnen, was uns kleinhalten will. Wir dürfen allen lebensfeindlichen Kräften in Gottes Namen mit seinem ABER trotzen. 

Unsere Freude, unsere Lebensmut, unsere Geduld, unsere Gelassenheit unsre Gebete, unsere Lieder, unsere Hoffnung, dürfen allen vom ABER des Glaubens zeugen. Seht her: 

„Gelobt sei Gott der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferweckung Jesu Christi von denToten, zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. (Luther)“

„Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ein neues Leben geschenkt. Wir sind von neuem geboren und haben jetzt eine sichere Hoffnung,  die Aussicht auf ein unvergängliches und makelloses Erbe, das nie seinen Wert verlieren wird. Gott hält es im Himmel für euch bereit und wird euch, die ihr glaubt, durch seine Macht bewahren, bis das Ende der Zeit gekommen ist und der Tag der Rettung anbricht. Dann wird das Heil in seinem ganzen Umfang sichtbar werden.“ (NGÜ)

„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn* Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neu geboren und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass Jesus Christus vom Tod auferstanden* ist. Sie richtet sich auf das neue Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für euch bereithält als einen Besitz, der niemals vergeht oder verdirbt oder aufgezehrt wird. Wenn ihr Gott fest vertraut, wird er euch durch seine Macht bewahren, sodass ihr die volle Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbar wird.“ (Gute Nachricht) Amen

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