Der Traum ist wahr geworden (Jes 25,6-9)

  1. Martin Luther King

Er hatte einen Traum – Martin Luther King. Der hatte den Traum, dass eines Tages die Kinder von früheren Sklaven und die Kinder von früheren Sklavenhaltern auf den roten Hügel von Georgia zusammen am Tisch der Brüderlichkeit sitzen. So hat er es gesagt: 1963 in Washington.
Er, der Pfarrer aus dem Süden der USA, hatte den Traum, dass alle Menschen in den USA gemeinsam in einem Land leben, in dem kein Menschen benachtei­ligt wird, weil der die falsche Hautfarbe hat oder im falschen Land geboren wurde. „I have a dream…“
Viele Menschen haben diesen Traum geteilt und teilen ihn noch heute. In den USA und in vielen anderen Ländern der Welt – auch hier in Deutschland.
Denn es ist immer noch nicht mehr als ein Traum. Der Traum davon, dass alle Menschen, die in unserem Land leben wirklich die gleichen Möglichkeiten ha­ben ihr Leben so zu gestalten, wie es ihnen gut tut und es uns allen zum Guten gereicht.

Es ist immer noch ein Traum, denn solange Menschen lieber übereinander als miteinander reden, ist es schwierig, dass dieser Traum wahr wird.
Ja, es müssen alle Seiten wollen.
Ja, es ist nicht einfach diesen Traum wahr werden zu lassen.
Ja, es geht nicht von heute auf morgen und schon gar nicht von jetzt auf gleich. Es ist ein zähes Ringen und ein Weg voller Rückschläge und Enttäuschungen.
Ja, es gibt viele Gründe daran zu zweifeln, aber wer diesen Traum für nicht realisierbar hält, der kann sich gleich in sein Grab legen und dem ewigen Tod hinge­ben.
Und ja, ich glaube daran, dass dieser Traum wahr wer­den kann. Es ist möglich.

  1. Fridays for Future

Sie haben einen Traum – vielleicht nicht alle, denn ei­nige nutzen das ganze um ein bisschen die Schule zu schwänzen, aber die anderen: Sie haben einen Traum. Die haben den Traum in einer Welt zu leben, die noch genauso ist wie unsere Welt heute. Jedenfalls fast. Sie haben den Traum von einer Welt, die nicht immer wieder von heftigen Stürmen verwüstet wird. Einer Welt, in der keine Fluten Länder wie Bangladesh, Tei­le Chinas und die niedersächsische Nordseeküste un­bewohnbar machen. Eine Welt, in der Hunger weiter zurückgeht und nicht weiter ansteigt.
Und sie haben den Traum von einer Welt, in der die wirklichen Probleme angegangen werden und nicht über die Schulpflicht geredet wird, weil die zwar wichtig ist, aber auch überschätzt wird.

Viele Menschen teilen den Traum der Jugendlichen, die Freitag für Freitag auf die Straße gehen und die hoffentlich nicht so schnell der Mut verlässt, wenn diejenigen, die zu entscheiden haben, einfach nichts entscheiden.

Viele Menschen teilen diesen Traum und nicht wenige wissen, dass es Druck braucht – dass sie selbst Druck brauchen, um ihr eigenes Leben zu verändern und das Leben aller klimafreundlicher zu machen.
Viele Menschen teilen diesen Traum von einer Welt, in der Strom ökologisch erzeugt wird, Verkehr nicht nur aus Autos besteht und die Ressourcen dieser Welt gerecht, sinnvoll und nachhaltig verwendet werden.
Ja, es gibt viel zu verändern in unserer Welt und unse­rer Gesellschaft.
Ja, das wird an manchen Stellen echt schmerzhaft werden und die meisten von uns werden nicht einfach weiter machen können, wie bisher.
Ja, ich bin auch kein Vorbild, was dieses Thema angeht.
Ja, ich will unbedingt, dass dieser Traum wahr wird, denn auch ich habe ein Kind, das langsam größer wird und irgendwann als Erwachsener vielleicht meine En­kel aufziehen wird und auch die sollen es gut haben.
Ja, es gibt viele Gründe, warum diese oder jene Maß­nahme schwierig ist und Probleme bereitet und es ist ein Problem, wenn nicht alle mitmachen und manche sogar verleugnen, dass wir ein Problem haben. Aber Menschen, die den Kopf in den Sand stecken, sind kein Argument. Und wer glaubt, es könne einfach so weitergehen, der kann sich gleich in sein Grab legen und die ganze Welt mit dazu.
Und ja, ich glaube, dass wir eine Chance haben. Es muss einfach möglich sein!

  1. Jesaja

Er hatte einen Traum – Jesaja, der große Prophet des alten Testaments. Der hatte den Traum, dass eines Ta­ges Gott selbst sein Volk retten würde – wie ein herrli­cher himmlischer König würde Gott selbst die Herr­schaft über das Land übernehmen und ein König sein, den alle Menschen als ihren König anerkennen wür­den, weil es Gott selbst sein würde.
Und unter Gottes Herrschaft würde Frieden herrschen, denn alle Völker würden unter der Herrschaft eines Königs vereint werden und es würde keine Länder und Grenzen mehr gäben und keine Soldaten und Kriegsherren mehr brauchen.
Und dieser Frieden würde die Welt und die Menschen und alles durchdringen und er wird den Tod ver­schlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Trä­nen von allen Angesichtern abwischen (Jes 258). Und so würden Himmel und Erde und alles was ist ver­söhnt eins sein.

Viele Menschen haben diesen Traum geteilt und teilen ihn noch heute und hoffen, dass das passieren würde. Eine ganze Weltreligion, unsere Mutter, das Judentum ist auf diese Hoffnung gegründet. Und in unserem Glauben hatte diese Hoffnung einmal einen großen Platz. Dieser Traum wurde in Bildern gemalt, in der Architektur der Kirchen und Kathedralen verbaut, in Liedern besungen und hielt manches gläubige Herz le­bendig…
…bevor sich das Christentum immer mehr in der Mit­telmäßigkeit und den Niederungen des Alltags ver­hed­dert und sich in Moral- und Strukturdebatten verrannt hat.
Ja, es ist ein fantastischer Traum.
Ja, er ist völlig abgefahren und fern aller Erfahrungen von Realität, die wir machen.
Ja, es klingt mehr nach einem Traum wie in einem Rausch – aber ein Rausch kann ja auch etwas schönes sein.
Ja, von all den Träumen scheint dieser am wenigsten realisierbar und es sind ja nicht wir Menschen, die das alles wahr werden lassen müssen. Wir sind nur die, die den Weg bereiten und selbst bereit sein müssen, damit auch die verrückten Seiten des Glaubens wahr werden können und Gott seine Herrschaft wirklich werden lassen kann.
Ja, es ist so verrückt, dass es gute Gründe gibt sich in in der Mittelmäßigkeit und den Niederungen des All­tags zu verheddern und sich in Moral- und Strukturde­batten und anderen unglaublich und wirklich wichti­gen Dingen zu verrennen.
Aber wer diesen Traum nicht wenigsten Träumen will spricht Gott seine Macht ab und kann sich gleich in sein Grab legen und dem ewigen Tod hingeben.
Und ja, ich will an diesen Traum glauben.

  1. Ostern

11Maria aber stand draußen vor dem Grab und wein­te. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hin­ein 12und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sit­zen […], wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. 13Und die sprachen zu ihr: „Frau, was weinst du?“ Sie spricht zu ihnen: „Sie haben meinen Herrn wegge­nommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt ha­ben.“ 14Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. 15Spricht Jesus zu ihr: „Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: „Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen.“ 16Spricht Jesus zu ihr: „Maria!“ Da wandte sie sich um und spricht zu ihm <ihn erkennend> „Meister!“  (Joh 2011-16)

Der Traum ist wahr! Es ist schon längst wahr gewor­den, wie so viele andere Träume wahr geworden sind.
Der Traum ist wahr.

Morgens in einer kleinen römischen Provinzstadt, der Hauptstadt eines kleinen Volkes, in Jerusalem – da­mals alles andere als der Mittelpunkt der Welt, viel­leicht mehr der Mittelpunkt der Mittelmäßigkeit. Frauen haben den Traum wahr werden gesehen. Sie waren dabei und haben gesehen und haben geglaubt und vielleicht sogar verstanden. Die Männer brauch­ten Beweise – wie immer.

Der Traum ist wahr! Gott hat ihn wahr werden lassen. Wer immer noch an der Macht und Herrlichkeit dieses Gottes zweifeln wollte, hätte dabei sein müssen. Der Beweis war und ist für alle Zeiten erbracht.

Der Traum ist wahr! Der Traum wird wahr. Seid da­mals immer mehr. Er wird wahr überall da, wo Men­schen sich gegenseitig achten und wenigsten versu­chen sich zuerst mit Liebe und Freundlichkeit zu be­gegnen, statt mit Misstrauen und Verachtung (die kann man zur Not immer noch später hervorholen).

Der Traum wird wahr, immer wenn Menschen Gottes ganzes großes Werk achten und schützen und Gott so die Ehre geben – anstatt sich selbst.

Der Traum wird wahr für alle, die den Auferstandenen sehen und an ihn glauben wollen, die sein Wort und sein Leben und sein Sterben und seine Auferstehung mit in ihr Leben nehmen wollen – mitten in die Mit­telmäßigkeiten und die Niederungen des Alltags, mit­ten in das Leben der Menschen.

Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege gesche­hen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach. (Lk 2432.35.34).

Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!

Amen.

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