Jesus ante portas

Vorbereitung: Palme(n) vorm Altar. Daran angehängte, leicht abzulösende Blätter.

1. Spielszene mit Kindern Kinder kommen von hinten, reichen das Funkmikro einander weiter. Stefan ist Soufleur.

Kind 1: Hast du schon gehört? Jesus kommt DOCH zum Passafest.

Kind 2: Wirklich? Das hätte ich nicht gedacht!

Kind 3: Wann wird er da sein?

Kind 1: Heute noch!

Kind 2: Geht’s etwas genauer?

Kind 1: Heute mittag!

Kind 3: So bald? Wir haben gar nichts vorbereitet!

Kind 1: Ist das so wichtig?

Kind 3: Natürlich. Wir müssen die Stadt schmücken.

Kind 2: Zu spät. Alle Geschäfte haben Mittagspause.

Kind 1: Ich weiß was! Wir nehmen einfach, was da ist!

Kind 2: Wie jetzt?

Kind 1: Zieht eure Jacken aus.

Kind 3: Wozu?

Kind 1: Wir legen sie auf den Weg. Eine Art roter Teppich für Jesus.

Kind 2: Cool! Das machen wir!

(Kinder ziehen die Jacken aus, legen sie sorgsam in den Mittelgang)

Kind 1: Ob das reicht?

Kind 2: Das ist irgendwie zu wenig.

Kind 3: Ich habe eine Idee! (geht zur Palme, reißt Blatt ab, legt es auf den „Weg“ )

Kind 1: Das sieht super aus. Wir brauchen mehr Blätter! (machen mit)

Kind 2: So, das reicht. Und jetzt ab zum Stadttor. Wir wollen nichts verpassen.
(alle ab)

 

2. Spielszene mit Erwachsenen

Anita: Hallo Stefan, gut dass ich dich treffe. Was war hier heute morgen los?

Stefan: Schön Anita, dass du mal in unsere Stadt kommst.

Anita (guckt sich um) Gewaltig! Diese Mauern, diese Bauten! Nur mit der Sauberkeit hapert es noch!

Stefan: Was stört dich denn?

Anita: Guck doch mal auf den Boden. Was da alles rumliegt. War hier ein Blumenmarkt? Oder Kleidersammlung?

Stefan: Jesus ist in die Stadt eingezogen. Weil das so plötzlich kam, konnte nichts vorbereitet werden. Da haben die Leute improvisiert.

Anita: Und hinterher alles liegen gelassen. Guck mal, die Palme dort sieht aus wie ein gerupftes Huhn.  Alle Blätter abgerissen. Wo bleibt denn da der Naturschutz?

Stefan: Reg dich ab. Das wächst schon wieder nach. Jesus ist es wert.

Anita: Wieso?

Stefan: Die Menge sagt, er ist der Messias. Er ist eingezogen wie ein König.

Anita: Das Volk vergisst schnell. Heute Hosianna, morgen weg mit ihm. Wie lang ist es noch bis zum Osterfest?

Stefan.  Eine Woche. Bin gespannt, was bis dahin alles passiert…

 

Also mir gefällt diese Palmsonntag-Begeisterung. Klar weiß ich, die Begeisterung war oberflächlich. Ohne Nachhaltigkeit. Aber sie war echt. Spontan. Nicht dieses Inszenierte, wie wir es sonst kennen. Wenn in Cannes der rote Teppich ausgerollt wird und die Stars im Blitzlichtgewitter schaulaufen. Wenn der Korso mit den Fußballern, die dieses Jahr die Meisterschale erobern, den Brommyplatz  in Dortmund umrundet. Oder den Marienplatz in München. Wenn der Sieger vom European Song Contest noch mal den Siegertiteln trällert mit Pyro und Konfettikanonen. Alles inszeniert. Genau nach Zeitplan. Nichts bleibt dem Zufall überlassen.

Am Palmsonntag  dagegen ist noch alles spontan. Vor allem ist der hier Bejubelte keine Augenblicksgröße wie all die Grammy, Bambi, Oscar, Superbowl Gewinner. Es ist zwar auch hier Augenblicksjubel, scheinbar vergänglich. Aber bald schon wird das Halleluja und Hosianna zum Markenzeichen der Christenheit werden für Jahrhunderte und Jahrtausende, bis heute.

Am Palmsonntag steht Jerusalem Kopf. Das Volk ist begeistert. Jesu Gegner haben sich verkalkuliert. Sie sehen ihre Felle davon schwimmen. Alle Drohungen, wer sich mit Jesus einlässt, macht sich verdächtig, können das Volk nicht einschüchtern. Bei so allgemeiner Begeisterung lohnt es sich nicht für die Stasi die Namen zu notieren, wer Beifall geklatscht hat.

Die Stadtväter hatten den für sie gefährlichen Gast tapfer ignoriert. Hatten keine Delegation zum Stadttor gesandt. Auch ein Empfang im Rathaus war nicht vorgesehen. Aber das Volk weiß sich zu helfen. Die spontane Begeisterung findet Mittel und Wege. Neukleidersammlung für einen improvisierten roten Teppich. Palmenzweige statt Fähnchen. Da lässt sich ein Kahlschlag in der Botanik leider nicht vermeiden.

Von der Welle der Euphorie werden sogar die erfasst, die eigentlich nur als Festpilger in die Stadt gekommen sind, ohne Kenntnis, wer der Mann auf dem Esel ist und sein Gefolge. Auch sie lassen sich mitreißen von der allgemeinen Begeisterung.

Sie bereiten Jesus den Weg auf die unterschiedlichste Weise. Da sind die mit den Palmzweigen. Sie stehen nicht etwa brav auf dem Balkon, aus sicherer Entfernung winkend. Nein, der Bericht notiert: „Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen.“

Sie verlassen also ihre Häuser. Sie werden sichtbar. Sie warten nicht einmal ab, bis der Zug bei ihnen vorbei kommt. Sie können nicht schnell genug bei Jesus sein. Und bezeugen ihm ihre Dankbarkeit.

Andere breiten ihre Kleider auf den Weg. Die guten Stücke werden Flecken kriegen. Macht ihnen das nichts aus? Aber vielleicht ist es auch Aberglaube. Dann können sie nach Jahren noch ihren Enkeln erzählen: „Seht ihr die Eselsspur hier auf meinem alten Mantel? Da ist Jesus drüber geritten. Und ich war dabei!“

Man könnte sagen, der Einzug Jesu am Palmsonntag, die überschäumende Begeisterung dabei ist ein Lehrstück über öffentliche Meinung. Genauer gesagt, die tagesaktuelle öffentliche Meinung: Wie ein Fähnlein im Winde.

Das Volk ist wankelmütig. Clever, wer sich eine augenblickliche Stimmung zu Nutze machen kann für seine Pläne. Siehe Brexit. Umgekehrt anstrengend, wenn man gegen den Shitstorm bei Whatsapp und Frankenpost-Leserforum einen überlegten Beschluss verteidigen muss. Siehe Planschbeckenverzicht  im Schwimmbad Schwarzenbach oder die umgelegte Ulme am Gerlaser Forsthaus.

Wir könnten jetzt ablästern darüber, wie leicht beeinflussbar die Massen sind. Wie sich gerissene Populisten das zunutze machen. Und das Volk ist dumm genug, ihnen auf den Leim zu gehen.

Aber das wäre hochmütig. Einmal sind wir selber anfällig. Und gerade Jesus sieht über den Applaus bei seinem Einzug nicht erhaben hinweg. Kein überlegenes „Das ist ja wohl das mindeste, was der Sohn Gottes erwarten kann!“ Er sieht die Menge auch  nicht als namenlose Kulisse.

Obwohl er weiß, es ist nur eine Augenblicksstimmung, sieht er die Menschen in ihren Nöten, in ihren Sehnsüchten. Sie sehnen sich danach, dass endlich einer kommt, der die Welt zum Besseren wendet. Sie glauben daran, dass dieser Heiland in der Heiligen Schrift vorhergesagt ist. Sie hoffen, dass er in Jesus endlich gekommen ist. Und sie haben recht damit!

Ja, er kommt um die Herrschaft anzutreten. Er kommt um das alte Reich des Bösen zu entmachten. Aber er kommt nicht mit Blitz und Donner., Er schießt sich nicht den Weg frei. Er schmiert keine Claqueure mit Dollars und Krediten. Jesus kommt unscheinbar. Schlicht. So ganz anders als die Herren dieser Welt.

Darum trauen ihm bis heute nur Wenige zu, dass sein Unternehmen Erfolg haben kann. Sie meinen, das sei nur etwas für eine rührselige Minderheit. Ewig Gestrige. Buchstabengläubige Romantiker. Wo doch in der rauen Wirklichkeit sich nur die durchsetzen, die sich auf Geld und Gewalt verlassen. Und nicht auf Gebete.

Sogar die Jünger hier erliegen diesem Denken. Schon fangen sie an zu vergessen, dass ihre Vollmacht bisher immer im Gebet gelegen hat. Im Vertrauen auf Gott. In der engen Beziehung zu Jesus. Aber nun erliegen sie Zug für Zug dem Glanz der Macht, dem Hochgefühl des Ruhms. Dem beruhigenden Gefühl, sicher zu sein, weil man im Chor mit der Menge skandiert.

Es ist ja gut und erhebend, im Kreise vieler Halleluja, Ehre sei Gott zu singen. Und doch ist es heilsam, dass wir in der Fastenzeit darauf verzichten. Und uns bewusst machen: Mit Jesus gehen, an Jesus bleiben, heißt letztlich in der Minderheit sein. Heißt sich unterscheiden vom bequemen Weg, den alle gehen. Die Bibel nennt es „das Kreuz auf sich nehmen“

In der Szene vom Einzug in Jerusalem gerät das Kreuz völlig aus dem Blick. Ein einziges Detail erinnert noch an das, was in Wahrheit bevorsteht: Der Esel.

Ihr wisst, ich bin Bremer. Daheim kennen wir den Esel mit drei weiteren als leistungsmäßig aussortierten Tieren, Hund, Katze, Hahn, als die Bremer Stadtmusikanten. Die machen fröhlich Musik. Sie sind einem schlechteren Schicksal entkommen. Auf der Flucht vorm Schlachter  haben sie sich Mut gemacht mit der Losung: Etwas besseres als den Tod findest du allemal.

Jesus findet nichts besseres allemal. Er wird den Tod finden. Aber daran denkt an Palmsonntag keiner. Die Jünger haben anderes im Kopf. An diesem Tag sind sie ganz erfüllt von ihren Wünschen und Idealen. Das, worauf sie so lange gewartet haben, ist nun zum Greifen nahe. Aber als diese Hoffnungen nicht eintreffen, sind sie wie vor den Kopf geschlagen.

Wie ist das mit dir? Wie wirst du damit umgehen, wenn sich deine Hoffnungen zerschlagen? Oder meinst du, als Christ bist du darauf vorbereitet? Es heißt hier von seinen Anhängern, nicht von der Stadtbevölkerung, im Blick auf den bescheidenen Aufzug Jesu: „Das verstanden seine Jünger zuerst nicht.“ Das waren die, die jahrelang ganz dicht bei Jesus waren. Die mit ihm gegessen haben, bei ihm gewohnt haben. Die engsten Vertrauten. Sie gehörten fest dazu.

Es werden Zeiten kommen, und vielleicht hast du sie schon einmal durchlitten oder du reibst dich gerade daran: Zeiten, wo du Jesus nicht verstehst. Etwa wenn wie es hier der Fall ist, sich eine klare Entwicklung anbahnt, von der du viel erhoffst. Und dann wird auf einmal alles zerschlagen. Du kannst gar nichts dafür, und auf einmal wird dir alles zerschlagen. Und du fragst: Wo ist Jesus jetzt?

Sei gewiss: Er ist da. Er sieht das. Er hat das sogar voraus gesehen. Darum kann er wie kein anderer deine Lage verstehen. Dich stärken, damit umzugehen, und er wird dich vielleicht bald  in eine neue Situation hinein führen.

Was kann dir noch dabei helfen? Auch das wird hier verraten: „Das verstanden seine Jünger zuerst nicht. Doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand.“

Die haben in ihre Bibel geschaut. Die hatten sie vorher auch. Aber da werden sie nicht so genau hinein geguckt haben, wozu auch? Sie hatten ja Jesus persönlich um sich.

Aber als nach Karfreitag Jesus nicht mehr so da war wie vorher, sondern im Grab: Als nach Ostern Jesus nicht mehr so da war wie vorher, sondern im Himmel: Da haben sie in die Bibel geschaut. Und haben erstaunt Zusammenhänge gefunden. Eins fügte sich ins andere. Sie haben verstanden. Und wurden getröstet. Bekamen  neue Kraft.

Das brauchst du auch! Mancher Christ fühlt sich heute gut und stark und ist sorglos und denkt: Ich komme ja leidlich voran. Mal läuft es ein bischen quer, aber im Großen und Ganzen geht es gut voran. Und den Trost der Bibel den kenne ich doch schon lange. Du kennst du bekannten Geschichten, hast du schon im  Kindergottesdienst gehört oder gar selbst erzählt.

Aber dann kommen so richtige Schwierigkeiten. Hoffnungen zerschlagen sich. Alles geht über deine Kräfte. Du betest zwar wie gewohnt zu Jesus. Aber der ist irgendwie ganz weit weg. Dann kommen die Zweifel. Dann wirst du missmutig. Dann hast du keine Lust mehr auf Gottesdienste oder Treffs mit anderen Christen. Wo doch nur die bekannten Sprüche kommen, mit denen du schon seit Monaten nichts mehr anfangen kannst.

Du denkst, Gott versteht dich nicht. Und du verstehst Gott nicht. Liebe Gemeinde, da muss ein Christ durch. Das sind die Passionsphasen eines Christenlebens.

Und wie enden die? Sie enden nicht,  wie die Welt sagt, wenn auf Regen irgendwann wieder Sonnenschein folgt. Sie enden damit, dass du Jesus näher kommst. Ihn anders siehst. Und die Bibel hat dir dabei geholfen.

Hier siehst du den wesentlichen Unterschied zwischen einem Christenmenschen und einem Weltmenschen. Der Weltmensch mag durchaus religiös sein. Aber wenn er wirklich alleine steht, wenn Leid kommt, das er nicht einordnen kann, dann ist es schnell aus mit dem Halleluja und Hosianna. Dann ruft man: Wo ist Gott? Ich kann an diesen Gott nicht glauben. Und diese Leute bleiben in ihrem Unverständnis und verhärten sich noch darin.

Ein Christenmensch erlebt anfangs das gleiche. Wie es hier heißt: „Das verstanden seine Jünger zuerst nicht.“ „Zuerst“ ist das Schlüsselwort. Zuerst müssen auch Christenleute durch die Dunkelheiten, durch Zeiten, wo Gott ganz fern scheint. Aber sie haben ihre Bibel. Sie haben (hoffentlich) einen Menschen, der sie nicht fallen lässt, wenn sie grantig und verbittert werden und sich mit den gewohnten Antworten nicht zufrieden geben. Aber diese Zeit geht vorüber. Und eines Tages können sie rückblickend sagen: Zuerst verstand ich es nicht. Aber jetzt sehe ich meine Lage anders.

Die Zeit, die verstreicht, bis diese Wende kommt,, kann kurz sein, kann lang sein. Bei manchem Erleben werden wir erst in der Ewigkeit sagen: Ach so sind die Zusammenhänge! Was war ich blöd, was war ich vernagelt, was hab ich nur schwarz gesehen. Zuerst verstand ich es nicht. Aber nun sehe ich es in anderem Licht.

Jesus ante portas. Jesus steht auch heute vor der Tür unseres Herzens. Da will er herrschen, nicht in den Palästen der Mächtigen. Lass dich auf seinen Weg mitnehmen. Und bleibe dabei auch in dunkler Zeit.

Wie es in einem Lied heißt:
„Herr deine Wege, die du mich leitest, kann ich oft nicht verstehn. Doch weil du mitgehst, und um das Ziel weißt, will ich sie gern mit dir gehen. Amen.

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