Das Kreuz ist unsere Rettung

Liebe Gemeinde,
wir hören heute einen bekannten Abschnitt
aus dem Johannesevangelium als Predigttext –
und doch in einem neuen Zusammenhang.

Die Perikope wanderte vom Heiligen Abend mitten in die Passionszeit.
Und damit betrachten wir die Verse von einem neuen Blickwinkel aus:

Jesus sprach zu Nikodemus:
Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat,
so muss der Menschensohn erhöht werden,
auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Denn also hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte,
sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet;
wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet,
denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist,
und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht,
denn ihre Werke waren böse.

Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht,
damit eine Werke nicht aufgedeckt werden.

Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht,
damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Vergangenen Sonntag war der Predigttext aus dem Hebräerbrief.
Und ich habe erklärt, dass der Hebräerbrief gegen Ende des ersten Jhs.
einen eigenständigen theologischen Entwurf bietet.

Er deutet das Kreuzesgeschehen kultisch,
mit Hilfe des alttestamentlichen Tempeldienstes.

Das Johannesevangelium ist etwa zur selben Zeit verfasst worden.
Und auch hier finden wir einen eigenständigen theologischen Ansatz.
Insofern geht Johannes über die drei älteren Evangelien hinaus.

Es erzählt nicht einfach neu, sondern deutet zugleich
und versucht, das Kommen und Wirken Jesu
in einen größeren theologischen Zusammenhang zu stellen.

So gewinnt auch das Kreuz bei Johannes eine neue Bedeutung.
Für die ersten drei Evangelien ist das Kreuz der absolute Tiefpunkt.
Das Schlimmste, was die Menschen Jesus – und damit Gott –
antun haben können.

Jesus, der für uns und an unserer Stelle stirbt, der unsere Sünden trägt
und am Kreuz die ganze Gottverlassenheit zu spüren bekommt:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“
– schreit Jesus verzweifelt mit den Worte des 22. Psalms.

Erst durch die Ostererfahrung wird der Schrecken des Kreuzes
in einem neuen Licht gesehen.
Jesus lebt! Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
Das heißt: Die Auferstehung Jesu ist der Schlüssel des Verständnisses.
Erst durch Ostern und die Erfahrung, dass Jesus lebt,
wird alles klar und von Freude erfüllt und die Botschaft breitet sich aus.

Bei Johannes hingegen steht der Karfreitag im Mittelpunkt.
Das Kreuz ist nicht der Tief- sondern Höhepunkt der Sendung Jesu.
Seine letzten Worte sind darum bei Johannes: „Es ist vollbracht!“

Wenn Johannes spricht: „Der Menschensohn muss erhöht werden.“,
meint er nicht damit nicht Ostern, sondern das Geschehen am Kreuz.
Johannes hilft uns zu verstehen, was sein Tod am Kreuz für uns bedeutet –
Und darum ist gerade für uns Evangelische das Johannesevangelium
so wichtig, weil es den Karfreitag in den Mittelpunkt stellt.

Das Kreuz ist unsere Rettung! Ohne Jesu Tod am Kreuz wären wir verloren!
Der Menschensohn muss erhöht werden – aufs Kreuz.
So wie seinerzeit Mose die eherne Schlange aufgerichtet hat auf einen Stab.
Und wer sie angesehen hat, der war gerettet,
dem konnten die Bisse der feurigen Schlangen nichts mehr anhaben.
(4. Mose 21)

Also hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.

Gott gibt seinen einzigen Sohn. Er gibt ihn in den Tod.
Damit wir nicht verloren werden –
wenn wir unseren Blick auf ihn richten, wenn wir an ihn glauben.

Gott gibt seinen einzigen Sohn – was ist das für eine Liebe!
Viele unter uns haben schon Kinder verloren.
Egal, ob während der Schwangerschaft oder nach der Geburt.
Für die Eltern ist es immer unheimlich schwer.
Und ohne Gottes Trost und Beistand, ist es kaum auszuhalten.
Ich denke an …

Eltern verlieren Kinder. Oder Kinder verlieren den Vater.
Ich denke an die Töchter und die Frau meines Freundes und Kollegen
N.N., der in dem abgestürzten Flugzeug gesessen ist.
Heute vor einer Woche kam er in Afrika ums Leben.

Gott opfert seinen einzigen Sohn, einen Teil von sich selbst,
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.

Jesus geht in den Tod, damit wir leben.
Er stirbt nicht nur für eine gute Sache, wie so viele in dieser Welt.
Die auch ihr Leben opfern, weil sie sich für etwas einsetzen
und dabei ihr Leben verlieren.

Vielleicht bewirkt so ein Tod da und dort etwas.
Vielleicht rettet er den einen oder anderen vor dem sicheren Tod.

Aber der Tod Jesu am Kreuz bedeutet viel mehr.
Hier geht es um eine geistliche Dimension,
die nur vom Glauben her zu verstehen ist.

Jesus stirbt nicht für ein besseres Leben hier auf Erden.
Er gibt sein Leben, damit wir vom geistlichen Tod gerettet werden
und das ewige Leben geschenkt bekommen.

Ohne diesen Tod am Kreuz gäbe es keine Rettung für uns.
Früher oder später würde jeder von der feurigen Schlage gebissen
und es gäbe kein Entrinnen!

Die Menschen haben ja keine Vorstellung davon,
was hier, am Karfreitag, in der Tiefe, in geistlicher Hinsicht, geschehen ist!
Darum lasst uns dem Aufruf unseres Bischofs folgen und gerade heuer,
wo man uns den Feiertag genommen hat,
die Gottesdienste am Karfreitag besonders zahlreich besuchen!

Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte,
sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Jesus ist nicht gekommen, um zu verurteilen und zu verdammen,
was sich gegen Gott stellt, was Gott nicht gerecht wird.
Er ist gekommen, um zu retten!
Das bedeutet schon sein Name: Je-schua – Gott rettet.

An ihm allein, an Jesus, und wie wir zu ihm stehen,
allein daran entscheidet sich, ob wir gerettet sind für alle Ewigkeit,
oder verloren gehen.

Es gibt nur Licht oder Finsternis, Geist oder Fleisch,
ewiges Leben oder Verdammnis.

Das sind zwei Bereiche, die voneinander getrennt sind.
Licht – Finsternis.
Hier ist Gott, hier ist das Heil, hier bin ich gerettet.
Und dort ist der Fürst dieser Welt, Sünde und Tod.

Ich kann von mir aus nicht vom Bereich dieser Welt, der Finsternis,
nicht in den Heilsbereich, in das Licht wechseln.

Das unterscheidet uns von allen Religionen.
Denn in jeder Religion geht es um die Frage:
„Was muss ich tun, um zu Gott zu gelangen?“

Das wollte auch Nikodemus von Jesus wissen.
Und Jesus sagt ihm:
Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist,
so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Du kannst überhaupt nichts tun, um zu Gott zu gelangen.
Du musst von neuem geboren werden.
Das heißt, du musst von dem einen Bereich
in den anderen versetzt werden.

Und das geschieht durch Wasser und Geist.
Also durch die Taufe und den Glauben.
Wenn du dein Herz für Gott öffnest, und er in dein Leben einzieht,
dann bist du von dem einen Bereich in den anderen gewechselt.
Dein Leben beginnt noch einmal neu. Du bist jetzt ein Kind Gottes.

In Kapitel 5,24 spricht Jesus:
Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat,
der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht,
sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 

Das ist wie eine neue Geburt.
Und wie ein neugeborenes Kind ganz auf seine Mutter angewiesen ist
und nicht aus sich selbst leben kann,
so erkennen wir, wenn wir Gott in unser Leben eingelassen haben,
dass wir aus uns heraus gar nichts tun können,
aber dass er schon alles getan hat – in Jesus Christus!

Das erkennen wir aber erst,
wenn wir nicht mehr im Bereich der Finsternis sind, sondern im Licht.

Und wer zu ihm gehört, zeigt sich daran,
in welchem Bereich er sich befindet.

Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist,
und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht,
denn ihre Werke waren böse.

Wer die Finsternis mehr liebt als das Licht,
der wird in der Finsternis bleiben.
Der muss sich verstecken, wie Adam nach dem Sündenfall,
damit seine bösen Taten und Gedanken nicht aufgedeckt werden.

Aber vor Gott bleibt nichts verborgen!
Und Gott muss dich auch gar nicht erst finden,
um über dir ein Urteil zu fällen.

Denn wo du einmal sein wirst, ob du gerettet wirst oder nicht,
das entscheidet sich daran, wo du dich befindest:
im Licht oder in der Finsternis.

Und wo du hingehörst,
das entscheidet sich allein an Jesus,
den Gott dahingegeben hat, damit alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Amen.

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