Klima-Gipfel auf Wolke 7

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der kommt. Amen
Wie retten wir die Welt? Um nichts weniger geht es bei den Demonstrationen junger Menschen immer am Freitag. Friday for Future, nennen sie es. Der Klimawandel bedroht die Welt. Es kann nicht bleiben, wie es ist, sagen die jungen Menschen. Und sie haben Recht. Wenn wir so weitermachen, dann…….

Nun geht es im Predigttext um nichts weniger als um die Rettung der Welt. „Gott hat seinen Sohn gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet würde“, steht da. Was wohl Gott über uns denkt? Liebe Gemeinde, lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen:

Es ist Sonntag im Himmel. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte. Und irgendwie fand er es gar nicht mehr gut: Durch seine Schöpfung rasten dicke Blechkarossen, die komisch rochen und hinter abgedunkelten Scheiben nichts Menschliches erkennen ließen. An seinen schönen Flüssen standen Bauten aus Zement mit konkav geformten Türmen, aus denen verdächtig harmlos aussehender weißer Rauch quoll. In seinen wunderschönen Meeren starben die Fische, an den göttlichen Stränden türmten sich Plastikberge. Im Ganzen war es irgendwie wärmer geworden: Gott sah, dass seine herrlichen Gletscher verschwanden, dass einsame Eisbären auf winzigen Schollen trieben, und dass das Wasser an dem Land leckte, dass er so sorgsam vom Meer geschieden hatte.

Und Gott sah natürlich auch die Demonstrationen, die endlosen Klimakonferenzen, die Windmühlen und die vielen Menschen, die sich immer öfter und immer heftiger stritten. Er sah, dass die Welt sich geradezu spaltete: in Nord und Süd, in arm und reich, in Christen und Muslime, in jung und alt, gesund und krank. So hatte er sich das nicht vorgestellt.

„Wir müssen reden“, sagte er zu Jesus und zum Heiligen Geist. „Lass uns auch mal eine Konferenz abhalten. Offenbar hat unsere Menschheit ein Problem.“
„Oja, ein Meeting“, sagte Jesus grinsend. „Das machen die dauernd, das muss gut sein.“
Nur der Heilige Geist schüttelte sein wolkenumhülltes Haupt. „Zu den Sonntagsmeetings kommen sie ja auch nicht“, sagte er düster. „Jede Woche steh ich mir in ihren Gotteshäusern die Füße platt, und niemand nimmt mich wahr.“
„Nun tu mal nicht so beleidigt“, tadelte Gott, „das ist unser nicht würdig. „Wir sollten jetzt die Welt retten, das ist offenbar eine wirklich dringliche Aufgabe.“

Und so setzte er kurzerhand einen Termin auf Wolke 7 fest, besorgte einen Beamer und eine Flipchart, Moderationskarten und Eddings. Einen Moment spielte Gott mit dem Gedanken an Head-Sets und Mikrofone, besann sich dann aber auf die Ernsthaftigkeit des Unterfangens – im Göttlichen gibt es nun mal keine Verständigungsschwierigkeiten.

„Wir sollten Fachleute einladen“, sagte Jesus. „Das machen die da unten auch immer. Wie wär’s mit Greta Thunberg? Ich mag sie sehr, sie hat das Herz am rechten Fleck.“ „Kommt gar nicht in Frage“, beschied Gott, „das arme Kind wird eh schon von Pontius nach Pilatus getrieben. Die steht unter unverbrüchlichem, göttlichen Schutz!“ „Von Pontius nach Pilatus“, maulte Jesus, „das ist nicht witzig, Vater!“
„Wie wäre es mit Donald Trump?“, schlug der Heilige Geist vor. „Die Vereinigten Staaten sind immer noch das mächtigste Land der Welt. Wenn jemand etwas bewegen könnte, dann er.“ Gott und Jesus schauten sich an und in ihren Gesichtern bewegte sich nichts. Nur wer sie ganz genau kannte, konnte inwendig das Augenrollen sehen, dass sie sich beim Pokerface von Angela Merkel abgeguckt hatten. „Nö“, sagten sie wie aus einem Mund. „Den nicht.“
„Al Gore vielleicht?“, schlug Gott vor. „Der hat so richtig Ahnung vom Klimawandel, und der weiß auch, was passieren müsste, um ihn aufzuhalten“, sagte Gott.
„Genau deswegen haben sie ihn ja auch nicht zum Präsidenten gewählt“, wandte Jesus ein, und seine Stimme hatte einen leicht bitteren, für ihn völlig untypischen Unterton. „Die wollen doch gar nicht, dass sich etwas ändert.“
Es fielen noch einige Namen mehr bei der himmlischen Vorbereitung. Auch meiner und Ihrer war darunter. Die Trinität erwog, den Papst einzuladen oder Angela Merkel, die Briten dagegen schieden schnell aus und viele andere mächtige Menschen ebenso, weil sie wegen ihrer Bosheit so ohne Weiteres keinen Einlass in den Himmel bekommen hätten.

„Lass es uns allein regeln“, schlug Jesus am Ende vor. „Wir sind schließlich Gott, und sie sind allesamt Menschen und ermangeln des Ruhms, den sie bei uns haben sollten.“
„Ich hab doch schon alles versucht“, sagte Gott traurig und legte sein leuchtendes Angesicht in seine großen, gütigen Hände. „Sie haben es sogar aufgeschrieben. Lies mal“, sagte er. Und mit einem Fingerzeig ließ er Worte aus dem Johannesevangelium an den blauen Himmel projizieren:

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
„Du warst so wunderbar“, sagte er zu Jesus. „Du hast ihnen meine ganze Liebe gegeben. Du hast ihnen gezeigt, wie es geht und worauf es ankommt. Sogar den Himmel hast du ihnen geöffnet, damit sie auf Erden nicht mehr so viel Angst haben müssen, damit das Kämpfen, die Gier und der Egoismus ein Ende haben.“
Und Gott sah noch einmal auf seine wunderbare Welt. Und er sah die Gesichter in den Blechkarossen, die verbissen von einem Termin zum nächsten rasten. Er sah Männer, Frauen und Kinder auf den Straßen und Plätzen, die gebannt auf ihre Handys starrten und sich für seine Schöpfung nicht interessierten. Gott sah die Manager und Industriellen, die Verkäufer und die Bankdirektoren, die den Dow-Jones studierten und ihren Marktwert ermittelten. Er sah Menschen, die ums Überleben kämpften. Und er sah die Trauernden von Christchurch. Er sah die Springerstiefel und den Hass. Und seine göttlichen Augen füllten sich mit Tränen.

„Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde“, las er weiter. „Wir wollten doch die Welt retten“, sagte er. „Was ist nur daraus geworden?“

Eine Weile war es still im himmlischen Konferenzraum auf Wolke 7. Gott saß zusammengesunken auf seinem Thron, Jesus guckte betroffen auf die Wundmale in seinen Händen. Nur der Heilige Geist schwebte in göttlichem Gleichmut über den Dingen wie am Anfang, als Gott die Welt erschaffen hatte…. Dann stand er auf und griff sich einen Stapel Moderationskarten. Es war ein sehr großer Stapel, und Gott und Jesus wechselten einen leicht genervten Blick. Mit einer fließenden Handbewegung warf der Heilige Geist die Karten an eine Flip-Chart, die er ganz links auf Wolke 7 platzierte. Auf jeder Karte stand ein Name. Auch Ihrer und meiner waren darunter. Angela Merkel, der Papst, Greta Thurnberg, sogar Donald Trump und Wladimir Putin bekamen ein Kärtchen. Der Geist vergaß niemanden. Nicht die Gestorbenen und nicht die Todgeweihten, nicht die Kranken und nicht die Dementen. Alle Volksgruppen waren vertreten und alle Religionen. Junge und Alte, Böse und Gute. Es wirkte ein bisschen chaotisch, und es schien, als wöllten sich immer wieder bestimmte Namen nach vorne drängen und andere beiseite schieben.

„Das ist die Welt, wie sie jetzt ist“, erklärte der Heilige Geist. „Sie sind so furchtbar in Unruhe, unsere Menschenkinder. Sie finden keinen Frieden mit sich. Darum können sie auch miteinander nicht in Frieden leben. Sie sind ständig auf der Suche nach Liebe, nach dem Kick, nach Selbstbestätigung. Sie sind wie Kinder, so begierig und hungrig. Sie machen die Welt kaputt, weil sie nie genug kriegen können. Sie brauchen uns heute nötiger als je.“

Dann holte er eine zweite Flipchart hervor und stellte sie ganz rechts auf die Wolke. Und wieder nahm er einen Stapel mit Moderationskarten, warf sie mit unnachahmlicher Eleganz auf die Fläche und blies schließlich einmal mit seinem sanften, göttlichen Atem darüber. Sofort lösten sich alle Grenzen auf, die Karten flossen ineinander, die Namen verwebten sich, sie änderten ihre Farben und ihre Positionen, mit einem Mal war alles in Bewegung, stützte sich gegenseitig, wurde gemeinsame Form, wurde etwas nie Dagewesenes und begann schließlich zu leuchten und zu schweben. „Das ist die Welt, wie wir sie gemeint haben“, sagte er. Und er freute sich an Gottes versonnenem Gesicht und an Jesus, der sich erinnerte an die Anfänge, die er gemacht hatte.

Eine dritte Flipchart stellte der Heilige Geist nun in die Mitte. „Der Weg von hier“ – und dabei wies er auf linke Seite von Wolke 7, „nach da, zum dem, was werden wird und sein soll, der steht in der Bibel, Johannes 3, Vers 16.“
„Also hat Gott die Welt geliebt“, las Jesus erneut, „dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
„Die Liebe ist der Weg“, sagte der Heilige Geist. „Unsere Liebe ist der Weg. Und du, Jesus, bist ihn gegangen. Dir nachzufolgen, werden sie lernen. Ich helfe ihnen.“
Die Trinität war ein bisschen verzaubert vom Heiligen Geist.
Das sollte uns hier in Husum nicht wundern, denn wenn wir uns hier umgucken und den Heiligen Geist im Angesicht des Nächsten erkennen, werden auch wir bezaubert und beglückt sein wie sie.

„Und das Klima?“, fragte Gott, „was machen wir jetzt mit dem Klima?“
„Ist das wirklich unsere Sache?“, sagte der Heilige Geist. „Sieh sie dir doch an: Sie sind doch auf dem Weg. Mit der Liebe Jesu Christi wird es ihnen vielleicht gelingen. Vielleicht wird es ihnen auch gelingen, auf einiges zu verzichten um des großen Ganzen willen. Sie können das, weil Jesus ihnen gezeigt hat, wie es geht.“
Eine Weile war es still im himmlischen Konferenzraum auf Wolke 7. Jeder hing so seinen Gedanken nach, es sah fast aus, als beteten sie in stillem Einklang mit sich selber, in tiefem Frieden und mit großer Freude.
„Amen“, sagte Jesus schließlich. „So sei es“, ergänzte Gott.

So endete der himmlische Klimagipfel auf Wolke 7. Das Protokoll dieser Sitzung wurde allerdings nie geschrieben bis auf den heutigen Tag. Jetzt ist an uns, den Willen Gottes zu tun, die Liebe Jesu Christi zu leben und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes zu feiern. Und weil sie nicht gestorben sind, gibt es Hoffnung für die Welt. Amen.

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