Festhalten – Versuchung – Hinzutreten

Liebe Gemeinde,
fragen sie doch mal die Jugend, wo ihnen heute Priester begegnen? Sie werden dann wohl eine dreifache Antwort erhalten; im Fantasyroman, im Computerspiel und in Animationsfilmen.

Hier treten magische und mystische Gestalten als Priester auf, mal gute, viele böse. Killermönche und Ninja-Priester treiben ihr Unwesen. In Computerspielen wie „World of Warcraft“ beschwören sie die oft mächtigen Kampfzauber. Erwecken die Mächte der Elemente und beten um Heilung für Helden und Stärkung von Kampftruppen.

In der realen Welt sind Priester, zumal oberste Priester, Amtsträger der Kirche. Meist erleben wir in unserem Alltag, Amtsträger als wenig sympathisch. Oft hat es den Anschein, es geht ihnen weniger um die Belange der Anfragenden. Eher um das Wohl der Organisation, für die sie arbeiten. Amtsträger haben Macht, sie können sie gebrauchen, aber auch missbrauchen.

Wer „aufs Amt“ muss, erlebt dieses oft als unpersönlich und vor allem als unverständlich. Der „Normalsterbliche“ kann häufig die amtlichen Entscheidungen weder verstehen oder nachvollziehen. Amtliche Bescheide und Erklärungen, z.B. die Steuererklärungen, verwirren mich oft mehr, als dass ich sie verstehe.

In dem heutigen Predigttext geht es um ein Amt und um einen Amtsträger. Allerdings, alles vorher Gesagte trifft bei diesem nicht zu. Der Hebräerbrief beschreibt uns Jesus Christus als sympathischen Hohenpriester.

Unter anderem war Aufgabe des jüdischen Hohepriesters, die Verbindung des Menschen zu Gott herzustellen. Als Namen fallen mir spontan Melchisedek und Kaiphas ein. Die Anrufung und Verbindung nach oben, wurde durch Opfer, Riten und Gebete hergestellt. Durch heilige Handlungen und mystische Gesten. Niemand sonst durfte und konnte so direkt zu Gott sprechen wie die Hohenpriester. Allesamt standen in der Nachfolge von Aaron und Mose.

Der Hebräerbrief erzählt, dass Jesus für uns Christen eine ganz andere Art von Hohempriester geworden ist. Nahe am Volk, frei von Geheimnistuerei und mystische Riten.
Er ermöglichte es den Menschen damals und heute genauso, als „normale“ Person, eine Verbindung mit Gott herzustellen.
Er selbst ist durch die Himmel gegangen und verbindet so die göttliche mit der menschlichen Welt.
Er als Person, als Hoherpriester, ist diese Verbindung. Damit ist jede andere Vermittlung überflüssig.

Der Hebräerbrief ermuntert uns, dieses Geschenk, die Verbindung mit Gott, anzunehmen und zur Fruchtbarmachung des eigenen Lebens zu nutzen.

Im Predigttext fordert er uns auf, Konsequenzen aus dieser Beziehung zu Gott zu ziehen. Der Text hält uns drei Schlagworte entgegen: festhaltenversucht werdenhinzutreten.

Wir sollen am Bekenntnis festhalten: Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch. Gott von Gott. Licht vom Licht. Eines Wesens mit dem Vater.

Liebe Gemeinde, an eigenen Überzeugungen festzuhalten. Das wird uns in unserer Gesellschaft schwer gemacht. Wer aus der Rolle fällt, etwas anders ist, nicht dem „Mainstream – dem Hauptstrom“ folgt, hat Probleme.

Z.B. in der Schule, keine teuren Klamotten oder eine eigene Meinung. Da werden die Schüler gnadenlos fertig gemacht. Ich habe große Sorge. Wirklich gute Schüler trauen sich nicht mehr, gut zu sein. Sie haben Angst, von den Mitschülern, gedisst – Schülersprache, also gemobbt, zu werden. In der Schule beginnt es. Wir werden dazu verführt, vom Guten abzufallen und dem Schlechten anzuhängen.

Im Erwachsenen-Alltag ist es dann noch schwerer. Wer an seiner Meinung festhält wird vielfältig unter Druck gesetzt. Des Erwachsenen Meinungen werden oft manipuliert. Sachzwängen ist sich zu beugen, Überzeugungen sind hintanzustellen, weil wir z.B. vom Arbeitgeber abhängig sind.

Dazu gibt es noch so eine unglaublich große Vielfalt an Informationen die uns umschwirren. Da fällt es doppelt schwer, seine eigene Meinung zu bewahren. Ständig wird versucht, die Menschen über die Medien und die Werbung zu manipulieren.

Dagegen sagt der Hebräerbrief: Festhalten!
Festhalten am Bekenntnis und an der Glaubenswahrheit!
Festhalten an dem, was mich dem Tod entreißt und zum Himmel emporhebt!
Festhalten an dem, was meinem Leben einen Sinn gibt: die Verbindung zu Gott und seinem Sohn, Jesus Christus.

Liebe Gemeinde, Festhalten am Glauben heißt aber auch: versucht werden. Genauso, wie wir es heute im Evangelium gehört haben.

Jesus fastete in der Wüste und der Teufel wollte ihn in Versuchung führen, von Gott abzufallen. Gerade in den Durst- und/oder Hungerstrecken des Lebens geraten auch wir in Versuchung, uns von Gott abzuwenden. Alles andere scheint wichtiger zu sein als unsere Beziehung zu Gott.

Nicht nur Auto, Haus, Yacht, Partnerschaft verstellen uns den Blick. Auch die Zeit, wertvolle Lebenszeit, wie können wir die mit einer Beziehung zu Gott verschwenden. Viele Menschen sagen: „Der Sonntagmorgen ist mir heilig.“ „Da kann ich endlich mal ausschlafen und es mir gut gehen lassen.“ „Ich kümmere mich nur um mich und evtl. noch um meine Familie“, sofern vorhanden.

Das ist die große Versuchung!
Wir denken, es gibt nichts Unwichtigeres als Gott. Der Hebräerbrief hält dagegen, es gibt nichts Wichtigeres.
Nur durch Christus allein können wir der Versuchung widerstehen.
Er ist der sympathische, mitleidende Hohepriester.
Er ermutigt und bestärkt uns.
Er stößt nicht ab, sondern er zieht uns an sich heran.
Darum bewahrt das Bekenntnis an ihn. Nur er allein kann helfen, die Verbindung zu Gott aufzubauen.

Nun das letzte Schlagwort: Hinzutreten!
Durch dieses Wort besiegelt der Hebräerbrief unsere Verbindung zu Gott. Es sagt aus, wer am Bekenntnis festhält und sich nicht in Versuchung führen lässt, der gehört dazu. Zur Gemeinschaft der Heiligen und zu Gottes auserwählter Schar.

„Dazugehören“ ist besonders für Jugendliche wichtig. Keiner will Außenseiter sein. Und auf unseren Schulhöfen gibt es unendlich viele Verführungen, nur um dazu zugehören: Rauchen, Alkohol, Drogen. Dazu noch „abziehen“, also wertvolle Kleidung und Gegenstände der Mitschüler stehlen. Durch mobben erniedrigen, Schwänzen und mogeln bei Klassenarbeiten, alles nur, um dazuzugehören.

Dazugehören und Mitmachen, das gehört zusammen. Der Hebräerbrief ermutigt die Gemeinde dazu, hinzuzutreten zu Gottes Altar. Nicht nur der Priester darf, sondern alle, die durch die Taufe dazugehören. Das haben wir Jesus Christus zu verdanken.

Und wenn wir im Gottesdienst Abendmahl feiern, besiegeln wir jedes Mal unsere Verbindung mit Gott. Darum ist das heilige Abendmahl keine lästige Pflicht, sondern Gottes größtes Geschenk an uns.

Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, stärke uns an ihm festzuhalten, den Versuchungen absagen und zu ihn hinzuzutreten. Er bewahrt unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Christian Willm Rasch.)

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