Geschwister – so unterschiedlich und doch gleich

(((Vorbemerkung vor Predigt: Die Predigt kann so gehalten werden oder in Form eines 1-Mann-Theaters: Dazu dienen die in geschweifte Klammern gesetzte Anmerkungen, mit denen der Prediger in die verschiedenen Rollen schlüpft.)))

Jesus kam in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihnen zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“

Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“

 

Liebe Gemeinde,

Sind Sie Einzelkind oder haben Sie Geschwister? Geschwister können sehr unterschiedlich sein. Nehmen Sie mich und meinen Bruder: Ich bin Pfarrer geworden, er Bankfachwirt. Als wir noch bei unseren Eltern wohnten, spielte er Tischtennis. Ich machte Judo. Er war gut in der Schule, ich war – naja. Er eher fleissig, ich eher faul. Ihn zieht es in die Ferne, in ferne Länder, mich eher hier in die Umgebung oder an den Bodensee. Er ist immer auf Achse, ich bin gerne in m gewohnten Umfeld. So unterscheiden wir uns in vielen Dingen. Was davon ist besser?

Gleichzeitig gibt es aber auch Einiges, in dem wir übereinstimmen: Unsere Weltsicht. Unser Essensgeschmack. Unser Glaube.

Die Bibel berichtet immer wieder von verschiedenen Geschwisterpaaren, die unterschiedlich und doch ähnlich sind: Kain und Abel, Esau und Jakob, Joseph und seine vielen Brüder, Marta und Maria.

Beide haben über ihren Bruder Lazarus schon viel von Jesus gehört. Nun kommt er in ihr Dorf. Was läge näher als ihn in ihr Haus einzuladen? Und tatsächlich, er kommt. Er kommt mit seiner ganzen Jüngerschar. Erfrischungen werden gereicht, die Füsse gewaschen. Alle setzen sich. Bis zum Essen will die Zeit überbrückt werden. Jesus unterhält sich. Alle hören gebannt zu. Nur eine nicht: Marta, die Gastgeberin. Sie ist damit beschäftigt das Essen zu bereiten. Jesus soll es doch gut haben bei ihnen. Er soll sich wohlfühlen! So will sie, dass alles perfekt wird. Doch da gibt es etwas, was sie stört, was an ihr nagt: Warum soll sie eigentlich die ganze Arbeit alleine machen? Sie könnte doch so viel Hilfe gebrauchen. Gut, Lazarus ist ein Mann, der hilft in der damaligen Zeit nicht mit. Aber Maria, ihre kleine Schwester Maria, die könnte doch helfen. Nicht nur faul rumsitzen und abwarten, nein: Etwas tun! Schließlich gehört sie ja auch zu den Gastgebern.

In Marta grummelt es: Dass Maria da nicht von selbst darauf kommt? Wenn Marta jetzt zu der Gesellschaft hereingeht und zu Maria sagt: „Los, Maria, hilf mir beim Essen machen“, dann wird die bestimmt maulen und sagen: „Immer ich! Immer muss ich die Drecksarbeit tun. Immer hackst du auf mir herum. Du lädst die Leute ein und ich muss arbeiten wie ein Sklave!“ So oder so ähnlich könnte Maria reagieren, wie das eben unter Geschwistern oft der Fall ist.

Da kommt ihr der Geistesblitz, der Marta: Sie bittet nicht Maria um Mithilfe, denn das zieht ja nur weiteren Ärger nach sich, sondern fragt Jesus, was er denn davon hält, dass sie die ganze Arbeit allein tun muss.

So lässt sie die Arbeit in der Küche liegen und geht zu der Gesellschaft. Jetzt muss ich einmal herunterkommen von der Kanzel.

{stelle mich vor den Altar}

Mit einem Blick hat sie alles erfasst. Da sitzt Jesus

{deute zum Altarbild}

Dort drüben sehen wir die Jünger

{deute Richtung Lesepunkt}

Und hier ihre Schwester Maria

{setzte mich auf ein Kissen vor dem Altar – Tuch}

Ihre Schwester Maria sitzt zu den Füssen von Jesus und hört ihm gespannt zu. Die Gespräche brechen ab, alle schauen sie erwartungsvoll an: Ist das Essen etwa schon fertig?

{stehe auf, nehme Martas Platz ein mit Schürtze}

Marta lässt sich nicht beirren, tritt vor Jesus und fragt ihn: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!“

Ein Knaller! Einige der Jünger

{zu Jüngern gehen, Hut}

denken jetzt wahrscheinlich insgeheim: „Recht hat sie! Was sitzt Maria so untätig herum? Wir haben Hunger! Wenn Maria hilft, dann gibt es schneller etwas zu essen!“

Und Maria?

{auf Kissen setzen – Tuch}

Die denkt wahrscheinlich: „Na warte, Marta, mich so vor Jesus und seinen Jüngern bloßzustellen! Das werde ich dir schon noch heimzahlen!“ und etwas ängstlich: „Was wird Jesus jetzt sagen? Wird er mich rausschicken?“

{aufstehen – Richtung Kanzel}

Was ist besser? Maria – Marta?

Jesus sieht beide. Er weiß, wie Marta sich um ihn bemüht. Er weiß, dass sie alles richtig machen will. Er weiß, es wird ein Festmahl geben. Bei Marta ist er in guten Händen. Hier fühlt er sich wohl. Und er kann sie verstehen. Schließlich hat Jesus selbst Geschwister und weiß, wie schwierig das manchmal sein kann.

Auf der anderen Seite sieht er Maria, die jüngere Schwester. Jüngere Geschwister haben es oft schwer, weil die älteren gerne über sie bestimmen. Maria hat er liebgewonnen. Sie ist nicht einfach faul, wie Marta das annimmt. Jesus erlebt sie als wissbegierig. Sie will über das Reich Gottes mehr erfahren, und wann könnte sie das, wenn nicht jetzt und bei ihm?

Alle sind gespannt. Wie wird sich Jesus positionieren? Alle haben ihre feste Meinung, und alle wüssten sie, was sie auf Martas Frage antworten würden. Die Jünger würden sagen: {zu Jüngern gehen – Hut}

„Jawohl, du hast recht, Marta. Maria, gehe hinaus zu Marta und hilf ihr, damit das Essen fertig wird!“ Ebenso würde es wohl Marta selbst sagen.

{auf Kissen setzen – Tuch}

Maria dagegen würde an Jesus Stelle ganz anders antworten. Sie würde sagen: „Es reicht doch, wenn einer in der Küche steht. Und wenn das Essen etwas später auf dem Tisch steht, was macht das schon?“

{zu Kanzel gehen}

Was ist besser?

Jesus antwortet weder so noch so. Er lobt beide Schwestern. Er sieht, wie Marta sich bemüht und wie sie bestimmt ein hervorragendes Essen auf den Tisch bringen wird. Zugleich sieht er jedoch auch, wie Maria sich bemüht: Sich bemüht, ihn zu verstehen, sich bemüht, das Reich Gottes zu erfassen, sich um ihren Glauben bemüht. Und so antwortet er: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“

{Martha – Schürze}

Das muss Marta erst einmal verdauen. Ist das nicht eine Abfuhr von Jesus? Aber eigentlich sieht Jesus doch ihre Mühe, wie er sagt.

Auch Maria kommt ins Grübeln. Jesus hat sie zwar nicht weggeschickt. Aber er hat auch deutlich gesagt, dass diese Mühe, diese Arbeit, die Marta sich macht, wichtig ist. Und in ihr regt sich ihr schlechtes Gewissen. Soll sie vielleicht doch mit Marta herausgehen und ihr helfen? Aber hier ist es doch so spannend!

Liebe Gemeinde,

wie die Geschichte weitergeht erfahren wir nicht. Wir müssen uns selbst Gedanken dazu machen. Ich stelle mir vor, dass Marta noch weitergedacht hat. Und dass sie dann zu dem Schluss gekommen ist: „Wenn Maria tatsächlich den guten Teil erwählt hat, der ihr nicht genommen werden soll, dann mache ich es genauso. Ich setze mich auch dazu und höre Jesus zu!“ Und so setzt sie sich neben Maria und lässt die Küche Küche sein.

{hinsetzen auf 2. Kissen, Schürze wegtun}

Und Jesus fängt wieder das Erzählen an, über Gott und die Welt. Und dann, als ahne er die Gedanken der Jünger, die Hunger haben, dann sagt er plötzlich: „Und nun bereiten wir alle gemeinsam das Essen zu. Marta, sage du uns, was wir tun sollen!“

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Ganz schön utopisch für die damalige Zeit. Es waren ja auch nur meine Gedanken, wie es hätte gehen können.

{Kanzel – ohne Requisiten}

In unserer Gemeinde arbeiten viele Menschen mit: Im Kirchenvorstand, im Seniorenkreis, im Teenkreis. Es gibt Menschen wie mich, die predigen oder treiben Seelsorge. Andere putzen das Gemeindehaus oder sorgen dafür, dass die Grünanlagen schön aussehen. Was ist besser?

Jesus würde sagen: Es gehört alles dazu. Alle werden gebraucht. Alle halten die Gemeinde am Laufen, jeder mit seiner Aufgabe. Doch das gute Teil ist, dass wir alle auf dem Weg zu Gott sind. Dass wir vom Wort Gottes lernen, dass wir gemeinsam im Glauben wachsen.

Ob Sie nun Einzelkind sind oder Geschwister haben, ist eigentlich unerheblich. Denn wir alle haben Geschwister im Glauben: So unterschiedlich, wie Geschwister eben sein können. Und doch übereinstimmend in dem wichtigsten Punkt: In unserem Glauben.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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