Wir haben alles, was wir brauchen

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Ich möchte heute über Reichtum predigen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, den eigenen Reichtum zu erkennen, sich darüber zu freuen  und ihn vielleicht auch als Geschenk Gottes zu würdigen. Denn wir wollen ja keinen Neid auslösen. Und wir wollen diejenigen, die mit weniger Reichtum gesegnet sind, nicht beschämen.

Und wenn wir unseren Reichtum verstecken, dann wird ihn uns niemand wegnehmen und wir müssen ihn nicht verteidigen. Und wir sind vor den Vorwürfen geschützt, dass es ungerecht ist, dass wir so reich sind. Und niemand wird von uns verlangen unseren Reichtum zu teilen. Wir wissen, dass es schwer ist, arm zu sein. Aber reich zu sein ist auch nicht so einfach.

Sie haben sich wahrscheinlich gedacht, dass ich nicht nur über Geld rede sondern auch über andere Formen des Reichtums – Häuser, Land, Firmen, Aktien –

Scherz beiseite.

Natürlich gibt es auch immaterielle Formen von Reichtum und über die spricht Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth.

1. Korinther 1,4-9

4 Ich danke meinem Gott immer wieder für die Gnade,

die er euch durch Christus Jesus geschenkt hat.

5 Durch ihn hat Gott euch an allem reich gemacht:

Reich an der Fähigkeit zu reden

und reich an Erkenntnis.

6 In gleicher Weise hat Gott

der Botschaft von Christus

bei euch einen festen Grund bereitet.

7 Deshalb fehlt euch keine der Gaben,

die er in seiner Gnade schenkt.

So vorbereitet, erwartet ihr

das Erscheinen unseres Herrn Jesus Christus.

8 Gott wird euch helfen,

bis zum Schluss fest auf diesem Grund zu stehen.

So kann an dem Tag,

wenn unser Herr Jesus Christus kommt,

keine Anklage gegen euch erhoben werden.

9 Gott ist treu.

Er selbst hat euch berufen

zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus,

unserem Herrn.

 

Also, die Leute in Korinth sind reich an

1. der Fähigkeit zu reden

2. an Erkenntnis

3. an allen Gaben Gottes

4. an Sicherheit – sie können nicht verklagt werden

5. an Gemeinschaft mit Jesus Christus

Diesen Reichtum hat Gott ihnen aus Gnade verliehen. Sie haben ihn sich nicht selbst verdient.

Da wir auch zu einer christlichen Gemeinde gehören,  nehme ich mal an, das gilt auch für uns.

Also, wir sind reich an

1. der Fähigkeit zu reden

2. an Erkenntnis

3. an allen Gaben Gottes

4. an Sicherheit – wir können nicht verklagt werden

5. an Gemeinschaft mit Jesus Christus

Ein paar von ihnen haben gerade den Kopf eingezogen und vielleicht gedacht: Hoffentlich verlangt sie jetzt nicht von mir hier öffentlich zu reden. Denn ich fühle mich überhaupt nicht reich an der Fähigkeit zu reden. Und möglicherweise haben sie mit dieser Einschätzung ja auch Recht.

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Nicht jeder einzelne Mensch in der Gemeinde hat alle diese Gaben von Gott geschenkt bekommen. Das meint Paulus auch gar nicht. Aber wir alle zusammen als Gemeinde Jesu Christi sind mit allem beschenkt, was wir brauchen. Wir sind reich an allen Gaben Gottes, und wir alle sind berufen in die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Und wir sind alle sicher, dass Gott uns unsere Verfehlungen nicht vorhalten wird sondern uns unsere Schuld vergibt.

Jawohl, und jetzt ist Zeit uns darüber zu freuen. Wir haben alles, was wir brauchen, um Gemeinde Jesu Christi zu sein. Wir sind reich. Und das brauchen wir nicht zu verstecken, denn wir sind gerne bereit unseren Reichtum zu teilen. Jeder darf zu uns kommen und dann wird er oder sie auch reich werden. Jeder, der möchte, bekommt etwas von unserem Reichtum ab. Wir haben diesen Reichtum ja nicht selbst verdient. Wir haben ihn von Gott geschenkt bekommen. Danke Gott! Mit Paulus zusammen danken wir Gott für unseren Reichtum.

Sehen wir uns das mal näher an. Worüber genau dürfen wir uns freuen? Worin besteht das Geschenk des Reichtums?

Vielleicht ist Punkt zwei der Schlüssel: Wir sind reich an Erkenntnis. Das heißt, wir haben erkannt wie Gott ist. Gott ist uns freundlich gesinnt. Gott ist wie eine gute Mutter und wie ein liebender Vater zu uns. Er oder sie will, dass es uns gut geht, wir uns gut entwickeln unsere Fähigkeiten entfalten uns am Leben freuen und unsere Kraft spüren, Schwierigkeiten überwinden, einander helfen und unsere Sache gut machen. Gott möchte stolz auf uns sein und dass wir ein gutes Leben führen. Und alles, was wir dafür brauchen, hat sie uns geschenkt.

In der Gemeinschaft mit Jesus Christus können wir uns voll entfalten. Wir alle zusammen können das und jeder und jede einzelne kann das.

Diese Einstellung möchte Paulus mit seiner Gemeinde und mit uns teilen. Er bietet uns an, uns selbst als von Gott reich beschenkt zu verstehen. Und das ist ein Selbstverständnis, das bei uns im reichen Deutschland nicht sehr verbreitet ist. Selbst Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen fühlen sich in der Regel weder reich noch sicher.

Aber wir als Christinnen und Christen, wir dürfen uns reich und sicher fühlen, denn wir sind von Gott reich beschenkt und bei Jesus Christus in Sicherheit.

Mit dieser Erkenntnis, diesem Wissen und diesem Selbstbewusstsein können wir anders leben als die meisten Menschen hier bei uns.

Neidisch sein haben wir zum Beispiel nicht nötig. Mein Nachbar hat ein schönes Auto. Das sieht echt gut aus. Und größer als meins ist es auch. Wie der arme Mann wohl in Darmstadt einen Parkplatz findet? Wieder ein Problem, dass ich nicht habe. Mein Auto fährt auch. Hoffentlich ist er zufrieden mit seinem Auto und freut sich dran. Das wünsche ich ihm. (Bin ich doch ein bisschen neidisch? Vielleicht. Das darf ich ja auch. Gott ist nicht sauer auf mich, wenn ich es bin. Also, alles gut! Paulus verlangt von uns keine perfekt richtige Einstellung. Ein bisschen Bewegung in die richtige Richtung reicht schon.)

Ich sehe in meinen Schrank. Dieser Pullover ist schon etwas abgeschrubbt. Aber es ist mein Lieblingspullover. Zu öffentlichen Veranstaltungen kann ich den leider nicht mehr anziehen, schade. Aber zu Hause darf ich mich noch ein bisschen an ihm freuen.

Bei den letzten Gottesdiensten habe ich gedacht, wir haben in der Kirche so schöne Lieder. Es ist ein Geschenk, dass wir hier zusammen singen können ohne den Stress jeden Ton jetzt genau richtig treffen zu müssen oder einen Chorwettbewerb zu bestreiten. Jeder wie er kann. Das gefällt mir gut. Und dann dürfen wir noch den Orgelvorspielen und Orgelnachspielen zuhören und die Musik unserer beiden wirklich guten Organisten genießen. Ja, dafür bin ich dankbar. Wir müssen nicht alle musikalisch sein, um hier schöne Musik zu haben.

Wir sind beschenkt mit einigen Prädikantinnen und Prädikanten, die uns immer wieder neue Ideen und spannende Auslegungen zu alten Texten schenken. Ja wir sind reich an Personen, die reden können.

Ja, wir haben alles, was wir brauchen. Nahrung und Kleidung und ein Dach überm Kopf und Nachbarn und Freunde und eine Sozialstation, die uns hilft, wenn wir nicht mehr können und Ärzte in der Gegend und Leute, denen wir unser Leid klagen können und einen Gott, der uns liebt und Gemeinschaft mit Jesus Christus, die uns lebendig macht und ewiges Leben schenkt.

Wir haben alles außer einer positiven Einstellung zu dem, was wir haben. Denn wir machen uns nur selten klar, was uns alles geschenkt wurde. Meistens sind wir zu sehr damit beschäftigt uns über das zu ärgern, was uns fehlt und an dem zu leiden, was uns mangelt. Und davon gibt es ja auch genug. Und wie Sie wissen, bin ich keine Freundin davon, zufrieden mit etwas zu sein, was man gut noch verbessern könnte. Unzufriedenheit ist manchmal sehr wichtig.

Aber wir dürfen darüber unseren Reichtum  nicht vergessen, den materiellen und den immateriellen. Und es tut uns allen gut, für das zu danken, was Gott uns geschenkt hat. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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