Vom Lohn der Treue

Liebe Schwestern und Brüder!

Haben Sie sich auch schon einmal die Frage gestellt:

Was es bringt oder nützt an Gott zu glauben oder seinem Wort zu vertrauen?

Was bringen religiöse Überzeugungen im Alltag, wenn man sich den Gesetzen und Mechanismen des Marktes oder der modernen Leistungsmaschinerie unterwerfen muss?!

Was nützt der Glaube, wenn die Welt um einen herum zu zerbrechen scheint? Bei Krieg, Flucht, schwerer, tödlicher  Krankheit, Vertreibung oder bodenloser und korrupter Ungerechtigkeit?!

Was ist der Nutzen dafür, wenn die „Predigt von Christus unter euch kräftig geworden“ ist?!

Was haben wir von einem untadeligen und geheiligten Lebenswandel?

Was nützen mir alle Gaben und Talente der Welt, wenn ich sie nicht einsetzen oder zeigen kann und will an mir oder für oder vor meinen Nächsten?!

Und warum scheint Gott in seiner Treue nicht unsere Treue, unser Gottvertrauen, unseren Glauben zu honorieren, wenn doch so viel Gottlosigkeit und Boshaftigkeit zum gleichen Ziel zu gelangen scheint?! „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“ Frei nach Schiller. Und manchmal lebt der böse Nachbar auch ganz ungeniert und scheint keinen Mangel an irgendetwas zu leiden?!

Das alles könnte man den Apostel mal fragen, angesichts des ausdrücklichen Lobes, das er für die Korinther übrig hat.

Was also ist der Lohn für Gottes Treue?

Was ist der innere Reichtum, der durch den Glauben an die in Jesus Christus geschehene Gnade Lebenskraft gibt?

Was nun ist der Lohn der Mühe?

Nun eigentlich wissen wir dies alles in unserem Inneren, auch wenn wir hin und wieder daran zweifeln oder die nötige Kraft dafür aufbringen, daran zu glauben.

Der Nutzen bzw. die Energie oder die Lebenskraft, die durch den Glauben an Gottes Gnade und Treue in unser Leben kommt, ist unermesslich groß. Riesig groß zumindest im Potential, d.h. in seinen vielfältigen Möglichkeiten. Die Treue Gottes kann und will zum Ziel bringen. Und das Ziel ist der Glaube an den Erlöser Jesus Christus, der uns frei macht von allen irdischen Zwängen und uns Kraft gibt unser Leben gottesfürchtig und zufrieden zu gestalten.

Was ist der Lohn der Mühe, der Nutzen des Glaubens und die Konsequenz der Treue?

Es ist die Bindung, die durch die Beharrlichkeit und Ausdauer der Geduld sich im Glauben zeigt:

Wenn wir im Glauben an Jesus Christus unsere persönliche und mentale Lebensenergie empfangen, dann nimmt

doch uns die Angst. Die Angst vor dem Versagen, die Angst vor den Herausforderungen des Lebens, auch die Angst es allem und jedem recht zu machen müssen.

Und ähnlich wie ein einer lebenslangen Beziehung, wo die Bindungsenergie und Bindungsstärke immer größer wird, weil die Paare oder die guten Freunde sich blind und mit größtem Vertrauen aufeinander verlassen können. So ist dies auch mit Gottes Treue. Sie ist immer und überall. Sie diese Form der unendlichen Liebe, die niemals versiegt oder verloren geht. Sie ist das Ergebnis der Erlösung durch Jesus Christus. Er berührt unsere Herzen, Gedanken und Hände. Er geht in seiner Treue unseren Lebensweg von Anfang bis Ende und über das Ende hinaus mit. Und wenn wir uns allein und verlassen fühlen. Dann ist er für uns da. Das ist Treue. Das ist Zusammenhalt, das ist die Bindungsenergie der Treue, das ist einfach gesagt Verlässlichkeit.  Nur Jesus ist noch da – so wie sie ihn kennen: ein Mensch fassbar, greifbar und hinterfragbar. Kein himmlischer Glanz hebt ihn heraus.

Gemeinsam macht er sich mit auf den Weg. Jesus ist den menschlichen Problemen, Ängste und Sorgen nicht fern geblieben, weder entrückt noch unerreichbar.

Und den Wert einer Freundschaft, den Wert von Treue erkennt man doch manchmal auch erst im Nachhinein. Ähnlich wie bei den beiden Söhnen. Derjenige, auch wenn er es erst einmal nicht will, wird zu meinem wirklichen Freund, wenn er mir hilft oder für mich da ist. Das können doch auch alte Ehepaare sagen. Sie kennen diese Bindungsenergie der Treue. Sich auf jemanden felsenfest verlassen zu können und durch dick und dünn zu gehen. Das gibt Energie und Kraft. Energie und Kraft, die eben aus der lebenslangen Treue kommt.

So wie wir uns das auch von Jesus wünschen und im Glauben wissen, dass es für uns zur Treue Gottes wird.

Denn Gott ist durch Jesus Christus  nicht weit weg aus der Welt geblieben. Er hat ihn nicht für ewig im Himmel gelassen, sondern ihn schräg von oben und vertikal in die Welt gebracht. Nicht weit weg von den Men­schen, nicht weit weg von den dunklen und schwierigen Seiten dieser Welt. Er ist von diesem Himmel  herab gekommen und ist seinen Weg weiter­gangen, von dem er wusste, dass er ihn in das Leiden und den Tod fuhren wird. Er ist gekommen um sich fragen und angreifen zu lassen. Er wollte nicht im Elfenbeinturm fern der Welt sein, sondern mitten unter den Menschen, die ihn brauchen.

Doch auch Jesus verließ sich auf diese göttliche Treue. Er wusste, dass der Weg ins Paradies auch über Leiden und Tod geht.

Aber vor allem verließ er sich auf Gottes Treue. Diese Treue gab ihm die Kraft auszuhalten, was er aushalten musste. Und jeder von uns braucht die Gewissheit dieser Treue, die eine besondere Form der Liebe ist. Im ersten Moment nicht spektakulär, auch nicht wild und romantisch oder erfrischend, sondern mit alten Worten, fast mit alten Tugenden formuliert. Die große Liebe im Leben und Sterben zeigt sich in Beharrlichkeit des Glaubens, in Hartnäckigkeit für die Sache der Nächsten. Diese besondere Liebe und Treue ist geduldig, sie ist nicht eifersüchtig, sie hat den langen Atem,  sie bläht sich nicht auf und protzt von dem, was jemand für andere tut oder getan hat. Sie erträgt alles, sie duldet alles, sie hofft alles, sie glaubt alles und vor allen Dingen sie hört nie auf treu zu sein und zu bleiben (1.Korinther 13,4-8).

Da ist diese göttliche Treue, von der der Apostel redet. Und hin und wieder bekommen wir sie auch im Leben zu sehen und zu spüren. Doch ihre immense Kraft liegt auch in der Ruhe und Geduld.  Jeder Mensch braucht diese Zeiten der Treue in seinem Leben. Jeder braucht Zeiten, in denen wir uns Gott nahe fühlen, die uns aufrichten und fröhlich machen, die uns Kraft und Trost geben. Das tut not.

Und das alles ist die Predigt vom Nutzen und Wert des Glaubens. Vom Wert und Lohn der Mühe, treu zu sein und zu bleiben.
Denn Jesus Christus ist für uns Menschen nicht im Himmel geblieben, sondern hat sich von der Not der Menschen anrühren las­sen. Er ist seinen Weg weitergegangen – um un­seretwillen. Das ist wahre Treue und Liebe. Die Treue und Liebe Gottes für uns. Gott sei Dank.         Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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