I did it my way – so leb dein Leben (Römer 12, 9-16)

Intro: Frank Sinatra „I did it my way“

Eine markante Stimme,

vertraute Zeilen

ein zumindest uns älteren bekanntes Lied:

I did it my way… 

ich hab es auf meine Weise getan, 

ich habe mein Leben gelebt…

Ich habe mich nach der Geschichte hinter diesem Lied gefragt. Erzählt er, Frank Sinatra, seine Geschichte?

Paul Anka hatte die ursprünglich französische Version 1968 kennengelernt und das Lied „My way“ in einer durchwachten Nacht  Frank Sinatra auf den Leib  geschrieben, der sich eigentlich aus der Musikbranche zurückziehen wollte, weil er sich in seinem Leben bedroht sah und aufgeben wollte. So sollte Frank Sinatra mit diesem Lied zurückblicken auf sein letztlich erfülltes Leben und nach den vielen Kämpfen und Erfahrungen – vielleicht oder erstaunlicherweise – sagen: so wie es war, und damit so wie ich war, genau so war es mein (!) Leben. 

Unzählige Künstler haben sich auch in der deutschen Version mit ihrem Leben wiedergefunden: 

„Denn was wär ein Mensch, der keiner ist, 

der nicht als Mensch er selber ist,

der niemals weint, der niemals lacht, 

der niemals lügt, nie Fehler macht, 

der nie gesteht, es ist zu spät. 

So leb Dein Leben. 

Das Du das sagen kannst, so leb Dein Leben“

Wie alt muss ich eigentlich sein, um sagen zu können: mit allem Weinen und Lachen, mit den Irrtümern und Täuschungen, auch mit den verpassten Gelegenheiten war es doch ganz und gar mein Leben und ohne all das wäre es gar kein Leben gewesen?

Muss ich erst vor einem Scherbenhaufen stehen, neben meinen zerplatzten Träumen, gescheiterten Beziehungen und erlittenen Toden, um zu begreifen, dass es das Leben wohl nicht viel anders geben kann/geben wird  als so, wie ich es gelebt habe und gerade lebe?

Muss ich erst am Ende mit dem Gefühl, dass mir alle Zeit zwischen den Händen zerronnen ist, auf ein Leben zurückschauen, dass sich nicht wiederholen, buchstäblich wieder holen lässt?

Oder kann es nicht auch sein, dass mir unterwegs mit einem Mal aufgeht: Vergangenes ist und bleibt ein Teil von mir, ist aber nie die ganze Wahrheit meines Lebens. Sie kommt erst ans Licht, wenn ich es ganz gelebt habe. 

Ich muss die Tage, die Zeiten, die Jahre, die mein Leben waren, nicht verantwortlich machen für alle Tage , die noch kommen, für alle Entscheidungen, die noch anstehen, für alle Begegnungen, die noch zustande kommen werden.

Was ich bin, bin ich in meinem Leben, bin ich mit meinem Leben geworden. Lachen und Weinen, Spielen und Tanzen, Arbeiten und Ausruhen, Scheitern und Wiederaufstehen,  das ist mein Leben, das bin Ich. Und da wo Vegangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander fließen wachse ich Tag um Tag.

Da war, da bin, da werde ich sein:

lebendig mit jedem Augenblick, 

mit jedem Atemzug,

mit jedem Wort, 

mit jeder Berührung und Empfindung,

mit jedem Schmerz und jeder Glückseligkeit,

denn das ist mein Leben,     I did it my way…

Es gibt kein Alter, zu dem diese Weisheit gehört, aber es gibt  viele  verschiedene Lebenswege, auf denen ich zu ihr gelangen kann.

Wenn ich am Ende eines langen Lebensweges am Grab Abschied nehme, alles, auch mein Leben so unwiederbringlich zu Ende scheint, dann meldet sich hoffentlich eines Tages inmitten aller Trauer und Trostlosigkeit die Stimme zu Wort, die sagt: so reich hat dich diese gemeinsame Zeit gemacht, du trägst sie als Schatz in deinem Herzen. Und ich spüre: ich lebe…

Wenn ich inmitten der wunderbaren Augenblicke des Lebens, in den Blicken meines Gegenübers, im Lachen des Kindes in meinem Arm, am Ziel aller Mühen und Anstrengungen eines Berufsweges, in der Erfüllung meiner Träume, dort, wo ich die Freiheit spüren und auskosten kann, – wenn ich also all dieses mein Glück nicht fassen kann, dann kommt hoffentlich der Augenblick des ungläubigen, fassungs- und darin endlosen und  so wunderbaren Staunens: ich lebe.

Wenn ich mir die Sackgasse eingestehe, in die ich mich verrannt habe, wenn ich den Mut finde, ehrlich zu werden,  Grenzen und Schwächen als Teil von mir zu begreifen, wenn ich dann das Glück habe, auf jemanden zu treffen,  der mir sagt, dass es aus der Sackgasse einen Ausweg gibt,  dass Grenzen und Schwächen auch meine Weite und Stärken leuchten lassen, dann erzählt mir der Augenblick, der Tag und diese Stunde: ich lebe.

Wenn ich von Menschen umgeben bin, die es gut mit mir meinen, wenn ich Freunde finde, die mich nicht in ein Bild pressen, stattdessen mit mir zusammen reden oder schweigen, lachen oder weinen können, wenn ich nur einen habe, von dem ich sagen kann; ziemlich bester Freund, ziemlich beste Freundin, dann ist das im besten Sinn „Leben“, wunderbares, geschenktes Leben, mir anvertraut. Es ruht in meinen Händen und ich kann es betrachten und bewundern. Ich lebe.

Wenn ich allein bin, keiner nach mir fragt, keiner zu mir hinschaut, keiner meinen Geschichten zuhört, dann schmerzt diese Einsamkeit,  Stille kann so unerträglich sein; sie ist vielleicht aber auch die Chance, mich nicht mehr abzulenken, sondern mir selbst zu begegnen und mich für das zu öffnen, was immer noch da ist: mein Leben. Mich für den zu öffnen, der immer noch da ist: das Leben. Zu entdecken: Er ist mein Leben.

Ich war eher jung, vielleicht manchmal ein bisschen altklug, als ich für mich entschieden habe: ich leb mein Leben, i did it my way…

Ich habe es gehofft, geglaubt und erlebt, dass es mich nicht wirklich allein lässt, dass ich nicht allein unterwegs bin, auch weil ich unterwegs anderen begegne, die mich bereichern, in deren Leben ich Spuren hinterlassen darf. Es mussten gar nicht viele Freunde sein, wichtig war und ist, dass es mir gute und aufrichtige Menschen waren und sind.

Vor allem aber darf ich mein Leben leben, weil Gott in meinem Lachen und Weinen, in meinen Fehlern und ständig neuen Gehversuchen, in jedem Atemzug, hoffentlich auch beim letzten, mein Grund, mein Leben, meine Hoffnung ist und bleiben wird.

Ich bin Mensch nach seinem Bild.

Ich bin das gegenüber, sein Du, nach dem er sich gesehnt hat.

Ich bin, wie ich bin, weil er genauso Mensch geworden ist: Jesus, ein Kind, Mensch, Freund, mit anderen unterwegs, dann auch mal allein, – weil er es wollte, oder weil keiner bei ihm blieb, – einer der gefeiert, geredet, zugehört, aufgerichtet hat, der am Ende nicht leicht aus diesem Leben gegangen ist, es immer auf seine, auf Gottes Weise gelebt hat und so auch gestorben ist und sein Leben nicht wirklich verlieren konnte, dem Gott sein Recht gegeben hat: er wich am Ende nicht von seiner Seite.

Ich bin Ich, Mensch, von ihm angesehen und deswegen nicht wirklich allein, egal ob ich lache oder weine, ob ich mich in Irrtümer oder Lügen verstrickt habe oder in meinen guten Absichten hängen geblieben bin. Ich lebe meine Leben. Und so tun es viele.

Und noch mehr sehnen sich danach, ihr Leben endlich leben zu dürfen, nicht nur funktionieren oder in vorgeschriebenen Rollen auftreten zu müssen.

Gott entlässt mich in mein Leben, er nimmt es mir nicht ab.

Er zeigt mir Wege, er zeigt mir Haltepunkte, er schenkt mir Wegbegleiter, er öffnet Ziele und Perspektiven, er bleibt ansprechbar:

Das ist mein Leben, das ist mein Gott.

Das ist user Leben, das ist unser Gott.

Frank Sinatra wollte dieses Lied eigentlich nicht singen, am Ende wurde es sein Lied und es ist unser Lied, unser aller Leben, unser aller Weg. Es singt weiter und weiter, was Paulus angestimmt hat, und genau so ist mein Leben, davon soll es am Ende heißen: i did it my way…:

fröhlich in Hoffnung,

geduldig in Trübsal,

beharrlich im Gebet

Freut euch mit den Fröhlichen,

weint mit den Weinenden

(Luther)

oder:

Freut euch, weil ihr Hoffnung habt. 

Haltet durch, wenn ihr in Not seid, 

und hört nicht auf zu beten.  

Freut euch mit den Glücklichen 

und weint mit den Traurigen.

(Bibel in gerechter Sprache)

oder:

Freut euch über die Hoffnung, die ihr habt. 

Wenn Nöte kommen, haltet durch. 

Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen.

Freut euch mit denen, die sich freuen; 

weint mit denen, die weinen

(NGÜ)

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