„Der Frieden wächst, wie Rosen blühn, so bunt, so schön und still.“ (Eva
 Rechlin) (Zur Jahreslosung 2019 Psalm 34,15)

Blitzlichter, Erinnerungen, Wegmarken des eigenen Lebens zur Jahreslosung:

1983 waren Christen zum Kirchentag nach Hannover eingeladen. „Umkehr zum Leben“ war das Motto und eine ganze Stadt war für fünf Tage geprägt von jungen und alten Menschen, die mit lila Tüchern geschmückt durch die Stadt zogen und unermüdlich sangen: „Herr, gib uns deinen Frieden, gib uns deinen Frieden“

Es war das gleiche Jahr, in dem 500.000 Menschen im Bonner Hofgarten gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstrierten und mutige einseitige Schritte zum Frieden forderten statt auf die Abschreckung  und Nachrüstung zu setzen.

Es war das gleiche Jahr, in dem Udo Lindenberg endlich im Republikpalast, allerdings nur vor ausgewählten FDJ-Funktionären, auftreten durfte und seine Ballade sang: „Wozu sind Kriege da?“. Nicht eingeplant war sein Statement, dass in der Wiederholung im Fernsehen auch nicht zu hören und zu sehen war:  „Weg mit allem Raketenschrott in der Bundesrepublik und in der DDR. Nirgendwo wollen wir auch nur eine einzige Rakete sehen: Keine Pershings und keine SS-20.“

Die Angst vor Krieg und die Sehnsucht nach Frieden war in den frühen 80ern angesichts der gewaltigen Aufrüstung der beiden Blöcke riesengroß und hinterließ selbst in der heilen Welt des Schlagers Spuren. 1982 gewann die junge Nicole den europäischen Schlagerwettbewerb, den wir heute ESC nennen, mit dem naiv verträumten, aber darin gerade zeitgemäßen Wunsch nach „ein bisschen Frieden“:

Ein bisschen Frieden ein bisschen Sonne

Für diese Erde auf der wir wohnen

Ein bisschen Frieden ein bisschen Freude

Ein bisschen Wärme das wünsch‘ ich mir

Ein bisschen Frieden ein bisschen Träumen

Und dass die Menschen nicht so oft weinen

Ein bisschen Frieden ein bisschen Liebe

Dass ich die Hoffnung nie mehr verlier’

Das war mehr als nur ein guter Marketingtrick, dass war Ausdruck eines Lebensgefühls aller Generationen in einer bedrohten Welt.

Und es wurde leidenschaftlich gestritten in Ost und West, in Kirche und Gesellschaft um den richtigen Weg, die richtigen Schritte zum Frieden.

Die einen forderten mutige, einseitige Abrüstungsschritte,  um Vertrauen zu bilden. Dem Wehrlosen, so hofften sie, droht keine Gefahr, er ist und bleibt die überzeugendste Einladung zum Frieden in einer bedrohten Welt. Mit der Bergpredigt könne man keine Politik machen, wurde den Christen in dieser Bewegung vorgehalten. Die Kritiker wollten mit Druck und Drohpotential zum Frieden zwingen, durch Aufrüstung Gespräche zur Abrüstung ermöglichen.

Wer hat Recht behalten?

Was ich im Rückblick allen zu gute halte: keiner wollte Krieg. Sie alle versuchten im Rahmen ihrer Möglichkeiten dem Frieden nachzujagen

Die Zeiten haben sich nicht wirklich geändert. Genau zwanzig Jahre später demonstrierten mehr als 500.000 Menschen in Berlin gegen den drohenden Irakkrieg und gegen eine deutsche Beteiligung daran.

Die Tradition der Friedensgebete, die großes verändert hatten,  hatte im kleinen überlebt und sammelte viele Menschen wieder in der Sorge um den Frieden.

Allen war immer klar, dass es nicht um einen paradiesischen Zustand der Konfliktfreiheit und  der letztgültigen Befriedung aller Verhältnisse gehen wird. Ich muss mehr als Optimist, ich muss Fantast sein, wenn ich glaube, dass Menschen diese Form der Befriedung gelingen kann. Aber es ging und geht  um verantwortungsvolle Leidenschaft für eine Welt, in der Konflikte nicht mit Gewalt und Kriegen gelöst und das Ziel, allen Menschen gleiche Chancen und gleiche Möglichkeiten einzuräumen, nicht auf dem Altar der Profitinteressen geopfert werden darf. Es ging und geht um eine Leidenschaft für diese Welt und alle Kreaturen, denen sie zuhause ist. Dazu gibt es keine Alternative und hier ist kein Spielraum für Verhandlungen und Geschäfte.

Darum jagen Menschen dem Frieden nach, Christen und Nichtchristen.

Und wenn für das Jahr 2019 ein kurzer Abschnitt aus Psalm 34 zur Jahreslosung ausgerufen wird, dann soll genau diese Leidenschaft wieder Nahrung bekommen: Verantwortung für diese Welt zu übernehmen, die uns anvertraut ist, die wir nur geliehen haben. Wir sagen: von Gott anvertraut, ihm gehört sie, – aber ich kann genauso leidenschaftlich für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, wenn ich (nur) glaube, dass ich sie von den kommenden Generationen geborgt bekommen habe. Denn auch dies ist wahr.

Ich glaube, dass die Jagd nach Frieden leidenschaftlichen, aber konstruktiven Streit braucht, und mutige Schritte des Vertrauens. Es gibt keinen einfachen Weg zum Frieden, er ist immer riskant, er ist gefährdet oder wird misstrauisch beäugt. Es braucht auch einen ausgesprochen langen Atem und Mut zu kleinen Schritten von den Tagen des Psalmisten bis in unsere Gegenwart. Aber ich vertraue darauf, dass die Sehnsucht nach Frieden Menschen vereint oder dass diese Sehnsucht in jedem Menschen wieder geweckt und gestärkt werden kann, auch in denen, die, von der Gier nach Macht verdorben, nur in den engen Grenzen ihrer eigenen kurzfristigen Interessen denken können. Die Sehnsucht nach Frieden ist eine Form des Hungers nach und der Liebe zum Leben.

Nur: wenn ich mich beim Jagen, nicht verirren will – wo beginnt der lange Friedensweg? 

Einige wunderbare Texte sollen am Anfang des Jahres ein erster Fingerzeig sein und helfen mit der Jahreslosung einen Weg in den Frieden für 2019 zu finden:

Eva Rechlin dichtet:

Die Angst vor Streit und Hass und Krieg lässt viele oft nicht ruhn. Doch wenn man Frieden haben will, muss man ihn selber tun.
Der Frieden wächst, wie Rosen blühn, so bunt, so schön und still.
Er fängt bei uns zu Hause an, bei jedem, der ihn will.
Vom Frieden reden, hilft nicht viel, auch nicht, dass man marschiert. Er kommt wie Lachen, Dank und Traum, schon wenn man ihn probiert. Man braucht zum Frieden Liebe, natürlich auch Verstand,
und wo es was zu heilen gibt, jede Hand.  

Der Friede will in mir beginnen, Wurzeln schlagen, wachsen, anderen blühen…

Der große Frieden kann bloß von Menschen vorangebracht werden, die

mit sich und mit Gott im Frieden leben, er wächst von innen nach außen. Er verändert meine kleine Welt, um in die große hineinzuranken.

Also ist der Friede in mir, den ich zum Leben wie die Luft zum Atmen benötige, die erste große Herausforderung. Wer ich bin und was ich sein darf, erfahre ich im gegenüber zu Gott. Sein geliebtes Geschöpf, unverwechselbar, einmalig, liebenswürdig, mit allen Ecken und Kanten, von ihm aber immer liebevoll angeschaut und ebenso liebevoll wieder auf den Weg gebracht. Ich darf als Kind Gottes „Ich“ sein. Da beginnt Friede! Ulrich Schaffer nennt sein Gedicht zum Frieden deshalb

In uns, in uns

Wenn der Friede,
der die Welt wie eine liebende Hand
umspannen soll,
nicht in uns beginnt,
wenn wir nicht begreifen,
dass wir zu einer Familie gehören,
dass jeder von uns Bruder und Schwester,
Mutter, Vater und Kind ist,
dann werden keine Reden und Feiern,
keine Formeln und Anrufe
uns retten
vor der Zerstörung,
die auch in uns

beginnt.

Diesem Frieden unermüdlich hinterher zu jagen, der in den Menschen, die mir begegnen, egal woher sie kommen, egal, was sie mitbringen, egal wie sie aussehen, zu allererst Bruder und Schwester, Mutter, Vater oder Kind sieht, wird die vornehmste Herausforderung im alltäglichen Leben 2019 sein. Denn die Mutter aller Problem in unserer Gesellschaft ist die Teilung, Trennung und Ausgrenzung in der einen Welt, die doch des HERRN ist.

Wir werden Anfänger des Friedens sein, aber hoffentlich leidenschaftlich üben und Frieden, Liebe, Vergebung erfahren: Frieden mit uns und den Unseren finden.Denn Gott hat längst mit uns Frieden gemacht.

Uwe Seidel, gewissermaßen ein zeitgenössischer Psalmist, dichtet:

Verpflichtung zum Frieden 

Der Friede beginnt mit der Vergebung, er beginnt mit dem Freispruch.
Zur Freiheit hat uns Gott befreit und zum Frieden hat er uns fähig gemacht. 

Fangt bei euch selber an:
Euren Hass zu besiegen,
andere nicht mehr zu zerstören, sie nicht mehr fertig zu machen. 

Fangt bei euch selber an:
Euren Mut umzuwandeln in phantasievolle Kraft, durchbrecht das alte Prinzip:
Auge um Auge – Zahn um Zahn.
Ihr fangt dann an, so zu leben, wie Jesus lebte. 

Wenn ihr für den Frieden eintretet, – dann ohne Hass, wenn ihr für den Frieden arbeitet, – dann ohne Streit, wenn ihr auf den Frieden hofft, – dann ohne Angst, denn Gott sagt: 

Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Nahmen gerufen, du bist mein.  (Uwe Seidel)

Wem darin zu viel Appell und Moral liegt, dem seien die Wünsche einer Kindergärtnerin und Hobbydichterin mit auf den Weg in ein Jahr mit Psalm 34 gegeben:

Frieden wünsch ich dir im Kleinen,

Frieden für die ganze Welt.

Kinder solln im Frieden spielen

unterm blauen Himmelszelt.

Frieden zwischen Kind und Eltern,

Frieden zwischen Mann und Frau,

Frieden auch im Arbeitsalltag,

dass der Tag erträglich sei.

Frieden auch mit deinem Nachbar,

Frieden selbst mit deinem Feind.

Dass vom Morgen bis zum Abend

allen hell die Sonne scheint.

Frieden, wenn nach langem Leben

du dann schließt die Augen zu.

Dass dich keine Sorgen drücken,

dass du friedlich gehst zur Ruh.

Und der Friede Gottes, der höher als alle Vernunft ist, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben

drucken