Maria lobt, obwohl sie auch jammern könnte

Die ganze Sache mit Weihnachten fing an, als ein junges Mädchen namens Maria von einem Boten Gottes besucht worden ist, einem Engel.

Zuerst ist sie zuerst furchtbar erschrocken.

Wäre ich wahrscheinlich auch.

Der Engel hat ihr dann erklärt, was Gott so mit ihr vorhat.

Und dann hat sie dazu JA gesagt: Ok, ich bin mit dabei.

Und ein bisschen später, als sie ihre Tante Elisabeth besucht hat, da ist ihr so langsam gedämmert, was sich da abgespielt hat.

Lukas schreibt in seinem Evangelium darüber folgendes:

 

Da begann Maria, Gott zu loben: „Von ganzem Herzen preise ich den Herrn. Ich bin glücklich über Gott, meinen Retter. Mich, die ich gering und unbedeutend bin, hat er zu Großem berufen. Zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen,  denn Gott hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist! Die Barmherzigkeit des Herrn bleibt für immer und ewig, sie gilt allen Menschen, die ihn ehren. Er streckt seinen starken Arm aus und fegt die Hochmütigen mit ihren stolzen Plänen hinweg. Er stürzt Herrscher von ihrem Thron, und Unterdrückte richtet er auf. Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern, und die Reichen schickt er mit leeren Händen weg. Seine Barmherzigkeit hat er uns, seinen Dienern, zugesagt, ja, er wird seinem Volk Israel helfen. Er hat es unseren Vorfahren versprochen, Abraham und seinen Nachkommen hat er es für immer zugesagt

 

Maria singt ein Loblied – und das finde ich sehr erstaunlich.

Denn eigentlich könnte sie Gott eher vorhalten: Du bringst mich aber in große Schwierigkeiten, lieber Gott!

Sie könnte sich mit gutem Grund beklagen, dass Gott ihr ganz schön was zumutet.

Das will ich kurz erklären:

Maria war ein ganz gewöhnliches jüdisches Mädchen vom Land im heiratsfähigen Alter, verlobt mit dem Zimmermann Josef.

Man nimmt an, dass sie so etwa 14 oder 15 gewesen ist, als sie schwanger geworden ist.

Dummerweise, ohne verheiratet zu sein.

Das war damals ein großes Problem. So wie es heute noch in vielen Gegenden der Welt ein großes Problem ist.

Maria hat sich nicht mit einem anderen Mann eingelassen, sondern mit dem Geist Gottes.

Aber erklär das mal deinem Verlobten!

Du, ich muss dir mal was sagen…also… ich bin schwanger, ich krieg ein Kind, ….nein, ich hab dich nicht betrogen, sondern zu mir ist ein Engel gekommen und der hat mir gesagt, dass ich ein Kind von Gott bekommen werde…… Na klar, das glaubt doch jeder sofort, oder?

Josef hat es jedenfalls nicht geglaubt.

Und so hatte Maria ein Problem.

Frauen, die die Ehe gebrochen haben – und das ist ja offensichtlich, wenn eine Unverheiratete schwanger ist – solche Frauen sollten damals nach dem Gesetz des Mose gesteinigt werden.

Wenn Josef sie verklagt hätte, dann wäre Maria wahrscheinlich gesteinigt worden.

Wenn Josef die Verlobung aufgelöst hätte, Maria einen Scheidebrief gegeben hätte, dann wäre sie mit dem Leben davon gekommen – aber sie wäre lebenslang verachtet und von ihrer Familie verstoßen worden.

Wahrscheinlich wäre sie in der Prostitution gelandet, wie viele andere damals auch.

Aber Maria hat mit Josef großes Glück gehabt.

Er beschließt nämlich nur, sie heimlich zu verlassen, sich vom Acker zu machen.

Denn wie gesagt: offensichtlich glaubt er ihr das mit dem Engel nicht, aber weil er ein frommer Mensch war, wollte er sie nicht in Schande bringen (so heißt es im Matthäusevangelium) – und so fand er den Ausweg mit dem heimlichen Verlassen.

Dann treffen die harten Urteile ihn und nicht Maria:

Der Saukerl kann nicht bis zur Hochzeit warten, macht ihr ein Kind und lässt sie dann sitzen, der Hund.

Schließlich hat er sie doch nicht verlassen, weil ein Engel ihm klar gemacht hat, dass Maria ihn doch nicht belogen hat.

Aber geglaubt hat er das doch eine Zeitlang – und ich stelle mir das für die Maria alles andere als einfach vor.

Und auch nicht die Gespräche mit ihren Eltern, und mit ihrer Familie, die jetzt entehrt ist.

Und dann das Gerede der Nachbarn!

Habt ihr schon gehört? Die Maria kriegt ein Kind, dabei ist sie noch gar nicht verheiratet…!

Kein Wunder, dass Maria die Flucht ergriffen hat.

Drei Monate ist sie weit weg zu ihrer Tante Elisabeth gezogen.

Die hat ihr nämlich geglaubt, weil sie selber erlebt hat, dass Gott in ihrem Leben wunderbar eingegriffen hat.

 

Maria hat finde ich allen Grund zum Klagen, aber sie singt ein Loblied.

 

Ich hab mich gefragt: Wie schafft sie das: Trotz aller Schwierigkeiten loben statt klagen?

Ich glaube, der Erste Grund dafür ist ganz banal:

Sie lobt, weil sie sich dafür entscheidet.

Ob wir loben oder klagen, jubeln oder fluchen ist erst einmal eine Frage unserer Entscheidung.

Ganz einfach.

 

Und sie findet jede Menge gute Gründe, warum sie Gott loben kann:

Erster Grund: Gott beachtet und braucht ganz normale, ganz einfache Menschen.

Maria war ganz durchschnittlich. Ganz gewöhnlich. So wie auch der Name Maria damals ganz gewöhnlich war. Sie war aus keiner besonderen Familie, mit keinen ganz besonderen Fähigkeiten und Kenntnissen und Eigenschaften.

Sie war ganz gewöhnlich.

Und Gott kann sie brauchen.

Gott macht mit ganz gewöhnlichen Menschen ungewöhnliche Dinge – wenn sie sich auf ihn einlassen.

Er wirkt auch heute noch so – dass er gewöhnliche Menschen beachtet und sie anspricht und sie wissen lässt:

Du – ich meine Dich! Ich hab mit dir etwas vor! Ich brauche dich, um etwas zum Guten zu verändern!

Sind wir dazu bereit, uns rufen zu lassen, so wie Maria?

Gott braucht solche Menschen dringend!

 

Zweiter Grund: Maria lobt Gott, weil Gott Großes an ihr getan hat.

Ich bin mir sicher: Viele von uns können das auch sagen: In meinem Leben hat Gott auch schon etwas Großes getan. Er hat Gebete erhört, er hat mein Leben wunderbar geführt, er hat getröstet, geheilt, wieder Hoffnung gegeben und vieles andere mehr.

Das ist für mich der große Reichtum der Gemeinde: So viele Menschen, an denen Gott Großes getan hat!

Ich wünschte mir nur, wir würden einander mehr davon erzählen und mehr miteinander Gott loben!

 

Dritter Grund: Sie lobt Gott, weil er barmherzig ist.

Sein Erbarmen hört niemals auf;

er schenkt es allen, die ihn ehren,

von einer Generation zur andern.

Gott sagt nicht: Diese Menschheit, eine einzige Katastrophe.

Ich geb’s auf mit ihr. Es hat keinen Zweck mit ihr.

Und wenn du glaubst:

Das, was ich mit meinem Leben angestellt habe ist so verfahren, so ausweglos, so hoffnungslos, das wird nie mehr was, da kann mir keiner mehr helfen und auch Gott hat mich schon lange verworfen und verstoßen und verurteilt und verflucht…

Nein! Das stimmt nicht, denn Gott gibt dich nicht auf.

Und Gottes Erbarmen hat kein Verfallsdatum wie verderbliche Lebensmittel.

Gottes Erbarmen gibt immer wieder eine neue Chance zu einem Neuen Anfang und ist nicht wie ein Bankautomat, der bei drei Fehlversuchen die EC-Karte einzieht.

Es ist nie vergeblich, Gott um Hilfe zu bitten.

Denn Gott ist treu und geduldig.

 

Vierter Grund: Gott steht auf der Seite der Machtlosen.

Gott steht nicht auf der Seite der Reichen, Mächtigen und Erfolgreichen.

Gott steht auf der Seite der Machtlosen, der Armen, der Unterdrückten.

Er ist denen nahe, die gescheitert sind und setzt sich für die ein, die draußen vor der Tür stehen.

Und ich glaube, wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht die Spuren davon.

 

Fünfter Grund: Gott hält, was er verspricht.

„Er hat sich über sein Volk erbarmt, wie er es unseren Vorfahren versprochen hat, Abraham und seinen Kindern für alle Zeiten.“

Gott hat mit Abraham einen Bund gemacht:

Ich bin dein Gott, und du und deine Nachkommen, ihr seid mein Volk, ihr seid meine Kinder.

Und ich werde dich niemals verlassen, dich niemals verstoßen, mich niemals von dir abwenden.

Nichts und niemand kann sich jemals zwischen uns stellen.

Nichts und niemand kann uns jemals auseinander bringen.

Nichts auf dieser Welt, nicht was du jemals Schreckliches tun wirst, der Teufel nicht und auch der Tod nicht.

Du bleibst mein geliebter Sohn, du bleibst meine geliebte Tochter.

 

Und das gilt auch für uns.

Denn durch den Glauben sind auch wir Söhne und Töchter von Abraham.

Durch den Glauben sind auch wir hineingenommen in diesen Bund.

Auch uns sagt Gott:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.

Ich habe dich mit deinem Namen gerufen – du gehörst zu mir.

 

Und dass Gott zu dem steht, was er verspricht, das hat auch Jesus noch einmal für uns bekräftigt: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.

 

Ich finde: Darauf können wir bauen.

Und damit können auch wir trotz aller unserer Probleme und Schwierigkeiten Gott loben, so wie Maria es getan hat.

 

Und der Friede Gottes, …

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