Im Haus von Jairus, in Nain, in Bethlehem und immer und überall

Wir Menschen sind schon etwas Komisches.

Zu den Dingen, die ich an uns Menschen komisch finde, gehört, dass wir meistens einfach so vor uns hin leben ohne uns groß Gedanken zu machen.

Wir beschäftigen uns normalerweise mit lauter Krimskrams und Nebensächlichkeiten wie Handytarifen und welche Farbe die Bettwäsche haben soll, die ich kaufen muss.

Das ist ungefähr so, wie wenn ich am Ufer der Donau stehe und mich nur damit beschäftige, welche Blätter da auf der Wasseroberfläche treiben und wie der Wind kleine Wellenmuster auf das Wasser malt – aber ich denke nie darüber nach, was für gewaltige Wassermengen da jede Sekunde an mir vorbeifließen.

Aber so sind wir Menschen: über wichtige Fragen des Lebens denken wir nur in besonderen Momenten nach.

Und zu den wichtigen Fragen des Lebens, über die wir meistens nie nachdenken, gehört die Frage nach dem Wert der Menschen, die unser Leben teilen und die wir meistens ganz selbstverständlich nehmen. Manchmal entdecken wir erst, wenn sie nicht mehr da sind, wie sehr unser Herz an ihnen hängt.

Und zu den wichtigen Fragen gehört auch die Frage nach dem Leben überhaupt. Woher es kommt, wohin es geht – und was dann noch ist.

Oder auch nicht.

Viele von uns haben im letzten Jahr Abschied nehmen müssen von einem geliebten Menschen.

Und ich glaube, viele von denen haben dabei ähnliches erlebt.

Sie haben erlebt, wie das, womit wir uns normalerweise beschäftigen und was uns oft so wahnsinnig wichtig vorkommt, auf einmal völlig bedeutungslos wird.

Die Begegnung mit dem Tod gibt uns Menschen einen glasklaren Blick für wichtig und unwichtig.

Viele haben es auch erlebt: Man kann sich gedanklich ganz lang und intensiv darauf vorbereiten, dass da jemand im Sterben liegt.

Aber wenn er dann stirbt, dann trifft einen das doch ganz unvorbereitet und man fühlt sich, als ob einen ein Bus streift.

So groß ist die Macht des Todes. So schockiert er uns.

Manche haben Reue erlebt, weil sie doch noch manches mit dem Verstorbenen vorhatten und das geht jetzt nicht mehr – oder sie denken im Rückblick:

Ich hätte gerne manches anders gemacht.

Und manche erleben einfach nur Schmerz und Wut und eine große Leere und ein großes Warum? Warum ist sie gestorben? Warum jetzt? Warum passiert das uns? Fragen, auf die es keine richtige Antwort gibt.

Und noch eine Frage wird laut und mächtig: Wie ist das mit dem Sterben – kommt da noch was? Oder ist doch mit dem Tod alles aus?

In der Mitte des Christentums steht die Lehre von der Auferstehung und dem Ewigen Leben.

Jeden Sonntag, in jedem Gottesdienst feiern wir die Auferstehung.

So wie wir es vorhin in der Lesung aus dem Buch der Offenbarung gehört haben – dass Gott den Tod besiegt hat und dass er eine neue Welt schaffen wird, in der es keinen Tod mehr gibt und kein Leid und keinen Schmerz.

Aber ist das denn wahr?

Woher können wir wissen, dass das nicht erfunden und erlogen ist – ein frommer Wunsch, aber halt leider nicht wahr?

Manche sagen das ja: Tot ist tot, Aus Ende Äpfel.

Und manche sagen:

Das kann niemand genau sagen, weil es ist ja noch niemand zurückgekommen.

Dabei stimmt das gar nicht.

Es ist schon einmal jemand zurückgekommen.

Jesus nämlich.

Er war tot und ist wieder lebendig geworden.

Die Evangelien berichten davon.

Unglaublich und unvorstellbar – aber wahr.

Und es wird uns in den Evangelien noch mehr berichtet.

In der Zeit, in der Jesus durch Israel gezogen und die Menschen zu Gott eingeladen hat, da hat er drei Mal einen Toten wieder lebendig gemacht.

Die Erste war ein junges Mädchen, die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus. Das geschah im privaten, im Verborgenen. Nur die engsten Familienangehörigen waren dabei.

Von dem Zweiten haben wir vorhin gehört: Ein junger Mann in der Stadt Nain, der gerade zum Friedhof gebracht wird. Und Jesus hält den Trauerzug mitten auf der Straße an und er sagt zu dem Toten: Steh auf.

Und er stand auf und war wieder lebendig. Und das geschah mitten auf der Straße. Vor hunderten Zuschauern. Und die erschraken. Und dann berichtet Lukas: Die Nachricht von dem, was Jesus getan hatte, verbreitete sich im ganzen Land und in den angrenzenden Gebieten.

Und der Dritte war Lazarus, der Bruder von Martha und von Maria.

Lazarus, der schon vier Tage tot war und wo die Verwesung schon begonnen hatte. Als Jesus den Leuten befahl, dass sie das Grab aufmachen sollen, sagten sie darum: Aber er stinkt doch schon!

Toter kann man nicht sein.

Aber auch hier geschieht es vor vielen Zuschauern: Lazarus wird wieder lebendig. Und viele glaubten darum, dass Jesus der Messias ist.

Kurz danach wurde Jesus verhaftet, verurteilt und gekreuzigt.

Und am dritten Tag ist er von den Toten auferstanden, und die ersten Christen begannen davon zu erzählen. Und sie erzählte auch von der Tochter von Jairus und dem jungen Mann aus Nain und von Lazarus – und es gab viele, viele, viele Menschen, die sagen konnten:

Ja, das ist wahr – ich war dabei. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.

Und auch die Gegner der Kirche haben das interessanterweise nie bestritten. Es ging auch nicht. Es gab zu viele Augenzeugen.

Und wir?

Wir waren bei Lazarus nicht dabei, wir waren in Nain nicht dabei und auch im Haus des Synagogenvorstehers waren wir nicht mit dabei.

Und als Jesus nach seiner Auferstehung zu seinen Jüngern kam, da waren wir auch nicht dabei.

Und auch ich kann mich nicht hinstellen und es beweisen, dass das die Wahrheit ist.

Ich kann nur sagen: Das sind fantastisch genau und zuverlässig überlieferte Berichte, in denen absolut glaubhaft von etwas Unvorstellbarem berichtet wird.

Ich bin ein Hochleistungsskeptiker – aber diesen Berichten schenke ich mein Vertrauen. Und zwar mit gutem Grund.

Aber wir können noch etwas Besseres machen:

Wir können selber zu Jesus gehen.

Denn er lebt.

Und er ist hier.

Jetzt.

Und immer.

Und er möchte uns begegnen.

Er möchte uns Frieden schenken.

Er möchte uns trösten.

Er möchte mitten hineinkommen in unser Leben.

In unser Herz.

In unser Denken.

Er möchte, dass wir ihn finden.

Und dazu braucht es kein Abitur.

Es braucht nur das Verlangen danach.

Es braucht nur ein hungriges und suchendes Herz.

Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, will ich mich von euch finden lassen, sagt Gott.

(Jer 29,13)

Und wer Jesus hier und heute begegnet, der wird verändert.

So wie die Menschen damals verändert worden sind, die Jesus in Israel begegnet sind.

So wie die Menschen verändert worden sind, die mit dabei waren im Haus von Jairus und auf der Straße in Nain und in Bethanien bei Martha, Maria und bei Lazarus.

Und dann wissen wir:

Der Tod ist besiegt.

Für immer.

Gott sei Dank.

Amen.

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