Superkräfte

E. macht glücklich. Und das tut sie einfach so. Weil sie da ist. So wie sie ist. Wer E. sieht wird auch glücklich. Ob man will oder nicht, man ist schockverliebt. Gott hat sich wirklich viel Mühe gegeben bei diesem wunderbaren Menschenkind. Das E. da ist, das ist großartig und wenn ihr sie anseht, liebe J., liebe N. dann ist das ein Feuerwerk von Glückshormonen.
So ist das mit Babys. Das ist eine von E.s geheimen Superkräften.

Eine andere Superkraft von E. ist ihre Kunst, den Alltag anzuhalten. Einfach so unterbricht sie unsere getaktet Routine und schert sich nicht um die Termine anderer. E. ist jetzt da und kennt nun mal keine Taktung. Auch wenn sie gut schläft und die durchwachten Nächte sich in Grenzen halten, alleine die Tatsache, dass sie da ist, hat zu einem ganz anderen Leben geführt. Es hat sich einfach vieles verändert. Und Gott  hat Spaß daran, die gewohnten Dinge auf den Kopf zu stellen und darum hat er E. hier rein gesetzt und alle einmal kräftig durchgewürfelt. Jetzt hat jeder eine neue Rolle und erhält eine neue Aufgabe.
So ist das mit Babys.

E.verbindet Menschen. Noch so eine Superkraft. Wo immer sie ist, sammeln sich Menschen um sie. Staunen über die kleinen Fingernägel und darüber, wie wunderbar dieser kleine Mensch gemacht ist. Gott hat sich wirklich alle Mühe gegeben, denken die Menschen, die sich über dieses Kind beugen und nicken dabei anerkennend mit dem Kopf.
So ist das mit Babys.

E.bringt Leben in die Bude. Nicht, dass das bei euch noch nötig gewesen wäre, aber sie macht es trotzdem. Denn der liebe Gott hat sich gedacht, dass es nie genug Leben in so einer Bude geben kann. Und dann haben die beiden sich angeschaut und gekichert und E. hat sofort danach angefangen zu singen. Und wie! Mit Mama J. am Klavier oder wenn im Radio Mallorca-Schlager laufen. Da geht das Neugeborene mit. Sicher würde sie auch dazu tanzen, wenn sie es denn könnte, aber das kommt später. Jetzt singt sie eben erstmal viel und das ist schön, denn danach schläft sie gerne.
So ist das mit Babys.

So ist das mit Babys. Gott hat da Erfahrung. Bei seinem Sohn war das nicht anders: Der hat auch die Welt durcheinandergewirbelt und seine Eltern auf Trab gehalten. Das fanden nicht alle gut, aber das hat die beiden nicht gestört. Es ging ja auch nicht darum, allen zu gefallen. Das heile Bild der perfekten Familie hatte Gott schon gleich am Anfang entsorgt und das „Alles-Perfekt-Zertifikat“ gleich mit.
Braucht ja auch keiner. Gibt’s ja auch gar nicht.

Und immerhin war es Gott höchst selbst, der schließlich alles anders haben wollte. Nicht das Herkömmliche, nicht das Gewöhnliche.
Klar, Gott ist und bleibt konservativ – und mal ehrlich, gibt es etwas Spießigeres als zu heiraten und Kinder zu kriegen?
Und jetzt verändert ihr wie Gott mit einem Kind die Welt. Zugegeben, E. verändert erstmal nur eure Welt und die eurer Familie. Bei Jesus war das schon von Anfang an etwas größer angelegt.

Kinder verändern die Welt!
Denn die haben ja alle geheime Superkräfte. Genauso wie E., die glücklich macht, im besten Sinne den Alltag sprengt, Menschen verbindet, Leben in die Bude bringt und den Menschen um sie herum ganz neue Rollen zutraut. Einfach weil sie da ist.
So ist das auch mit Gottes Sohn. Der hatte eine ganze Menge zu tun und eine ganze Menge vor sich, nachdem er geboren war. Der hat den Menschen um ihn herum etwas zugetraut und ihnen Mut gemacht.
Hat den Menschen eine andere Welt gezeigt und versucht, ihnen die Angst zu nehmen. Vor der Überforderung, vor der Welt, vor dem Sein.
Und Hand aufs Herz, manchmal mag einem Angst und bange werden vor lauter Terminen und schlechten Nachrichten.

Heute ist der erste Advent, 23 Tage bis Weihnachten und Jesus wird in die Welt einziehen, um die Welt zu verändern. Das ist sein Ziel.
Den Lauf zu unterbrechen, Menschen zu sammeln, zu singen und zu tanzen.
Da ist er wie E.
Da ist er wie alle Kinder.

Und ich frage mich, wann die damit aufhören so zu sein?
So unplanbar und unberechenbar.
Warum passen die sich irgendwann an und singen nicht mehr Mallorca-Hits schief und laut mit?
Warum schämen wir uns zu tanzen, obwohl uns danach ist?
Ist doch egal, ob du dabei wie ein Pferd aussiehst oder nicht.
Wahrscheinlich spült die Zeit die Unbekümmertheit einfach ab.
Spült die Kanten weg und lässt uns irgendwann tatsächlich glauben, es geht im Advent um Weihnachtsmärkte und an Weihnachten um die richtigen Geschenke.

Was der Welt fehlt, liebe Gemeinde, sind mehr Kinder wie E..
Kinder, die uns aus dem Takt bringen und am besten aus der Ruhe, die schreien und weinen und lachen und tanzen und singen und sich freuen und sich um das, was wir Routine nennen überhaupt nicht scheren.
Aber diese Kinder, jeder hier, braucht dann aber auch eine Quelle, aus der man bei Bedarf schöpfen können, damit wir blieben, was wir schon waren.
E.s Quelle steht bei Jesaja und hätte Jesus einen Taufspruch bekommen, diese hätte gepasst. Bei dem Propheten heißt es:
Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Das ist ein schöner und nötiger Lebens- und Adventswunsch. Für E. und für uns.
Amen.

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