Christus ist mein Leben, Totensonntag 2018 zu Phil. 1,21-26

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Wir trauern um die Verstorbenen. Sie sind von uns gegangen und manchmal vermissen wir sie noch sehr. Da sind schöne und schwierige Erinnerungen. Ich freue mich, dass Sie gekommen sind und sich diesen Erinnerungen stellen. Und ich hoffe, dass Sie in diesem Gottesdienst Trost finden.

Und falls Sie gerade nicht an einen lieben Menschen denken, den Sie verloren haben, dann ist wenn man älter wird doch immer der Gedanke an den eigenen Tod und die Frage wie wird das werden im Hintergrund.

Der Apostel Paulus hat eine ungewöhnliche Methode sich mit dem eigenen Tod auseinander zu setzen.

Hören Sie

Philipper 1,21-26

21 Denn für mich bedeutet Christus das Leben.

Und darum ist Sterben für mich ein Gewinn.

22 Andererseits gilt für mich:

Wenn ich am Leben bleibe,

kann mein Werk weiter Ertrag bringen.

Ich weiß nicht,

was ich vorziehen soll!

23 Ich fühle mich hin- und hergerissen:

Ich wünschte,

ich könnte sterben

und bei Christus sein.

Das wäre bei Weitem das Beste.

24 Aber für euch ist es notwendiger,

dass ich am Leben bleibe.

25 Deshalb bin ich überzeugt,

ja ich weiß:

Ich werde tatsächlich am Leben

und euch erhalten bleiben.

So kann ich dazu beitragen,

dass euer Glaube Fortschritte macht

und ihr immer mehr Freude daran findet.

26 Ich werde euch noch viel mehr Grund geben,

auf Jesus Christus stolz zu sein –

dann, wenn ich wieder bei euch bin.

 

Wir haben im Kirchenvorstand über diesen Text gesprochen und da hat jemand gesagt. Der Mann ist ganz schön von sich eingenommen. Er hält sich wohl für unersetzlich. Ja, Paulus hat eine Mission. Er möchte den Glauben an Jesus Christus verbreiten und er möchte für die Gemeinden da sein, die er gegründet hat. Und er hat Durchhaltevermögen. Paulus schreibt aus dem Gefängnis nach Philippi. Ein antikes Gefängnis ist kein gemütlicher Ort. Und da kann einen schon die Frage bewegen: Komme ich hier jemals wieder heraus? Oder werde ich hier drin sterben? Und wenn diese Gedanken ihn anspringen, dann beruhigt sich Paulus mit dem, was er hier an die Gemeinde in Philippi schreibt: Es ist in Ordnung, wenn ich sterbe, dann bin ich bei Christus. Und das wäre bei weitem das Beste. Und wenn ich nicht sterbe, dann ist es auch gut, denn dann kann ich bei euch sein und mich daran erfreuen, dass euer Glaube Fortschritte macht. Egal was passiert, es ist gut so.

 

Vielleicht können Sie sich mit ihren Erfahrungen beim Sterben von nahen Angehörigen Paulus anschließen. Ja, es war gut, dass sie gestorben ist. Ich hätte ihr nicht länger beim Leiden zusehen können. Ja, es ist gut dass er gestorben ist, er hatte solche Schmerzen und war so unruhig.

Wenn Sie das erlebt haben, dann hören Sie jetzt auf Paulus: Für mich bedeutet Christus das Leben. Und darum ist Sterben für mich ein Gewinn. Ich wünschte ich könnte Sterben und bei Christus sein.

Wir müssen uns nicht mehr um unsere verstorbenen Angehörigen sorgen. Sie sind bei Christus. Und da geht es ihnen gut. Wir vermissen sie hier. Aber ihnen geht es gut. Sie leben im ewigen Licht bei Gott. Sie sind zu dem Gott zurückgekehrt von dem sie einst gekommen sind. Dort sind sie geborgen und in Sicherheit. Und deshalb müssen wir uns nicht für sie grämen. Ihr Leben hier auf der Erde ist zu Ende und ihr Leid ist beendet. Sie leben jetzt in einer anderen Dimension ohne Schmerz, ohne Tränen ohne Leid. Bei Gott, der es gut mit ihnen meint. Wir können sie loslassen und uns aussöhnen mit dem was gewesen ist.

 

Aber vielleicht können wir noch etwas anderes von Paulus lernen: „Wenn ich am Leben bleibe, dann kann mein Werk weiter Ertrag bringen,“ schreibt Paulus. Paulus hat noch etwas zu tun hier auf dieser Erde. Und das ist auch für uns wichtig, die wir trauernd zurück bleiben. Wir haben noch etwas zu tun. Wir werden hier noch gebraucht. Wir können noch etwas Gutes bewirken. Wir wollen noch etwas zu dieser Welt hier beitragen. Im Angesicht des Todes können wir uns fragen: Wozu bin ich noch hier? Was will ich hier noch erreichen? Was ist meine Aufgabe in der Zeit, die mir hier noch bleibt?

 

Für manche ist die Antwort ganz einfach: Ich habe einen sinnvollen Beruf, der meine Familie mit ernährt. Ich will meine Kinder groß ziehen und vielleicht ich will meine Enkel verwöhnen oder ich will meine Kinder beim Großziehen meiner Enkel unterstützen. Ich arbeite daran, dass das Leben weiter geht. Ich arbeite an einer guten Zukunft für die Menschen, die ich liebe. Eine gute Antwort. Ein sinnvolles Leben.

 

Aber für andere ist die Antwort nicht so einfach: Was ist meine Aufgabe in der Zeit, die mir hier noch bleibt? Paulus der hat eine Mission. Er möchte den Glauben an Jesus Christus verbreiten und er möchte für die Gemeinden da sein, die er gegründet hat. Aber wer von uns ist schon wie Paulus?

Was ist der Sinn meines Lebens, wenn mein Ehepartner tot ist? Was ist der Sinn meines Lebens, wenn mir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und ich mich fürchte, weil ich allein bin? Was ist der Sinn meines Lebens, wenn niemand mich  mehr braucht, oder noch niemand mich braucht? Was ist der Sinn meines Lebens an einem Tag, an dem ich mich einfach nur einsam fühle?

Es ist keine leichte Aufgabe auf diese Frage eine Antwort zu finden. Aber es ist wichtig, das zu tun. Wir sind Menschen und brauchen Antworten auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Und niemand kann diese Antworten stellvertretend für uns geben. Aber wir können voneinander lernen.

Paulus, der sicher auch viel alleine war, antwortet: Für mich bedeutet Christus das Leben. Sein Leben sortiert sich um Christus herum. Christus hat ihm seine Aufgabe gegeben. In seinem Auftrag ist er unterwegs. Paulus findet dabei Menschen, mit denen er eng verbunden ist. Und er schreibt diesen verrückten Schlusssatz an die Gemeinde in Philippi: Ich werde euch noch viel mehr Grund geben, auf Jesus Christus stolz zu sein – dann, wenn ich wieder bei euch bin. Das ist das Leben des Paulus: Er ist stolz auf Jesus Christus und er möchte, dass auch die anderen Christen stolz auf Jesus Christus sind.

Wir sind nicht Paulus: Aber ist das für uns auch eine Möglichkeit, Sinn in unserem Leben zu finden? Was könnte das für uns heißen: Christus ist mein Leben und ich bin stolz auf Jesus Christus?

Für mich heißt das: Ich glaube daran, dass Gott jedem Menschen hier eine Aufgabe gegeben hat. Ich glaube daran, dass Gott jeden einzelnen hier auf dieser Erde haben will, und dass Gott jede hier braucht. Für Gott ist es wichtig, dass ich hier bin, und für Gott ist es wichtig, dass Sie hier sind. Und für Gott ist es ebenso wichtig, dass ihr hier seid, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden.  Jeder wird etwas Wichtiges bewirken. Manchmal weiß ich, was das ist, was ich jetzt tun soll und manchmal nicht. Aber ich vertraue darauf, dass Sie und ich erkennen werden, wenn es soweit ist. Christus, unser Leben wird uns zeigen, was wann dran ist. Wir selbst brauchen nur die Aufmerksamkeit für das, was wir gerade Gutes bewirken können. Und dann werden wir es tun, weil es gut ist und weil es sich richtig anfühlt und weil es sinnvoll ist.

Ja, als Christinnen und Christen dürfen wir stolz auf Jesus Christus sein. Denn wir haben durch Jesus Christus einen Sinn und eine Orientierung und eine Aufgabe  in unserem Leben. Und das ist wohltuend. Für uns ist es wie für Paulus gut am Leben zu sein und den Menschen, die wir lieben, erhalten zu bleiben.

Und wenn unsere Zeit abgelaufen sein wird, dann ist es auch gut. Denn dann gehen wir zu Jesus Christus und werden bei ihm leben. Und dann wird unsere Aufgabe hier jemand anderes übernehmen. Das ist ebenfalls gut.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns am Sinn unseres Lebens erfreuen, und dass wir unsere lieben Verstorbenen ruhig und in Frieden Jesus Christus überlassen können und uns der Aufgabe widmen können, die hier auf dieser Welt vor uns liegt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen

 

 

 

 

drucken