Dankbarkeit ist eine Entscheidung

Predigt zum Erntedank am 7.10.2018

Predigttext: 1.Tim.4,4f

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Zuerst einmal: Danke an alle Landwirte und Landwirtinnen! Danke für Ihre Arbeit! Danke für alles, was Sie beigetragen haben zum Leben und zur Ernährung von anderen Menschen! Danke für alle Kraft, die die Arbeit Sie gerade in diesem Jahr gekostet hat. Denn allein schon wegen des Wetters war es für Sie erschwert.

Nach der Nässe des letzten Jahres, die sich noch in dieses Frühjahr hineinzog, kam die extreme Dürre.  All das schlug sich auf die Landwirtschaft nieder. Pflanzen konnten nicht gedeihen. Vieles vertrocknete. Manches war schon verfrüht reif oder verkümmerte frühzeitig. Es mangelt an Tierfutter. Bäume bildeten Stresssymptome aus. Die notwendige Bewässerung brachte viel zusätzliche Arbeit mit sich. Kosten stiegen in die Höhe. Die übliche Jahresplanung geriet vollkommen durcheinander.

 

Nicht nur Landwirte machten sich Sorgen.

Und jetzt feiern wir Erntedank. Kann man da feiern? Kann man Gott danken?

 

Der Predigttext für heute steht im 1. Timotheusbrief Kapitel 4 (Vers 4 und 5) und hat natürlich etwas mit Danken zu tun: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird. Denn  es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.

 

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Ja, so war es wohl zu Beginn der Schöpfung. Wenn wir uns an die Schöpfungsgeschichte erinnern: Gott schuf Tag und Nacht, Land und Wasser, Pflanzen, Sonne, Mond und Sterne, Tiere und er schuf den Menschen. Und jeder Schöpfungstag endet in der Bibelgeschichte mit dem Satz: Und Gott sah, dass es gut war. Das wird sogar noch gesteigert mit dem Satz: Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

 

Das änderte sich schnell durch das, was die Menschen aus der Schöpfung machten. Schon die ersten Kapitel in der Bibel erzählen davon. Und auch heute ist das ja unser Eindruck, dass eben nicht alles gut ist. Gerade auch in Bezug auf die Natur, auf die Umwelt, auf Klima, Ernte und Ernährung, auf Wasserressourcen und die Wirtschaft, auf Verteilung zwischen Reich und Arm. In dieser Woche ist uns gerade die Tsunami-Katastrophe in Indonesien vor Augen. In den Medien wird gefragt, ob die klimatischen Veränderungen dort vielleicht auch etwas mit dem Umweltverhalten der Menschen in der ganzen Welt zu tun haben. Auch bei uns.

 

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Sagt der Predigttext.

Nein, heute ist nicht alles gut. Es ist wohl so, dass wir in einer Welt leben, in der wir eigentlich nie sagen können „Alles ist gut“. Unser Leben ist immer berührt von Leidvollem, von Aufregungen, von mühsamen Zeiten, von Ungerechtigkeit, von Schmerzvollem und vom Tod. Mal weniger, mal näher. In weltweiter Dimension. Aber auch bei uns persönlich.

Es gibt tausend Gründe, warum uns nicht nach Dankbarkeit zumute sein könnte. Auch heute nicht, am Erntedanktag.

 

Aber heute will ich lieber die Gründe suchen, warum es gut ist, zu danken.

Bei der Predigtvorbereitung bin ich im Internet auf eine Danke-App gestoßen. Das fand ich interessant. Weil darin von einem Benediktinermönch gesagt wurde: Danken ist kein Gefühl, sondern eine Einstellung. So verstehe ich auch unseren Predigttext. „Nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“ Ich deute das so, dass man sich für das Gott Danke-Sagen bewusst entscheiden kann. Und dass diese Danke-Brille auf der Nase meine Sicht auf das Leben verändert. Es ist so etwas wie eine Entscheidung, mein Leben so anzunehmen , wie es ist. Eine Entscheidung, in allem immer noch Gott zu vertrauen. Auch die Einsicht, dass ich mein Leben nicht selber beherrsche. Dass ich mir nicht alles selber verdanke. Mit der Entscheidung zum Danken tue ich zum einen das, was mir wohl als Gottes Geschöpf ansteht: dass ich Gott die Ehre zukommen lasse, die ihm gebührt und dass ich mich nicht überschätze. Ich glaube aber auch, dass das Danken mir selber gut tut. Der Benediktinermönch schreibt, dass dankbare Menschen dem Leben eine Chance geben und offen sind für Überraschungen. Und dass der dankbare Blick sogar helfen kann, dunkle Zeiten durchzustehen, weil wir dann von dem Schweren wegblicken auf das, was gut für uns war und ist.

 

Der Satz von dem Benediktinermönch, dass Dankbarkeit kein Gefühl ist, sondern eine Entscheidung- entlastet mich. Denn ich weiß, dass solche Dankbarkeitsgefühle oft nicht von alleine kommen. Erinnerungsorte und Erinnerungszeiten können helfen. Das ist bestimmt der Grund gewesen, warum im 3. Jahrhundert das Erntedankfest eingeführt wurde.  Es ist zu einem guten Brauch geworden, dass Menschen gemeinsam Gott für die Ernte danken.  Wir haben auch dieses Jahr allen Grund dazu. Im Predigttext heißt es: Unser Leben wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. Ja, hier in der Kirche ist der Ort zum Danke-Sagen an Gott.

 

Ich erlebe das oft, dass Menschen an Stationen ihres Lebens hier in der Kirche Gott DANKE sagen wollen. Bei Hochzeiten sagen mir die Brautpaare oft: Ich bin so sehr dankbar, dass ich diesen Partner oder diese Partnerin gefunden habe. Bei einer Taufe sagten die Taufeltern: Bitte sagen Sie in der Kirche, dass wir unserem Kind genau so eine gute Kindheit wünschen, wie wir sie selber erfahren haben.

Manche Ehepaare feiern ihre Goldene Hochzeit auch mit einer Andacht in der Kirche und sagen: Wir müssen unbedingt in die Kirche gehen und Gott DANKE sagen an unserer Goldenen Hochzeit. Und auch bei Beerdigungen drücken Menschen die Dankbarkeit aus für alles, was der verstorbene Mensch für sie gewesen ist. Das Danke-Sagen verbindet Lebende und Verstorbene, und es verbindet uns mit Gott. Wir verbinden uns bewusst mit Gott.

 

Das, wofür wir danken, das schätzen wir besonders wert. Auch die Menschen, für die wir danken, schätzen wir besonders wert. Das gilt auch in Bezug auf Sie, die Landwirte.

Politische Diskussionen über die Landwirtschaft im Sinne der Bewahrung der Schöpfung sind notwendig. Aber ich denke, dass zum Erntedankfest auch gehört, Sie, die Landwirtinnen und Landwirte zu würdigen und zu stärken.

Deshalb: Noch einmal Danke an die Landwirte. Mit dem Predigttext im Ohr: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird. Denn  es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. Amen.

 

Die App heißt „Dankbar“. Der Benediktinermönch heißt David Steindl-Rast.

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