Hören und zuhören

Gnade sei mit euch und Friede

von Gott, unserm Vater,

und dem Herrn Jesus Christus.

 

„Und des Herrn Wort geschah mir“ – so beschreibt uns Jeremia seine Berufung durch Gott zum Propheten.

„Und des Herrn Wort geschah mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker “ . Gott spricht zu Jeremia. Und Jeremia hört zu.

 

Manchmal merke ich beim Telefonieren, daß mein Gesprächspartner nebenher noch etwas anderes tut. Ich höre das Fernsehen oder das Radio im Hintergrund. Manchmal klappert auch Geschirr. Das macht das Zuhören mühsam, denn ich bin ja ganz Ohr, und neben dem Gespräch höre ich die Stimme im Radio, den Dialog und die Musik im Fernsehen, oder Geräusche, die ich zu identifizieren suche, während ich mich doch eigentlich auf das Gespräch konzentrieren will.

 

Hören und zuhören ist harte Arbeit.

Warum fällt es so schwer, einander zuzuhören, geschweige denn wahrzunehmen, was Gott uns sagen will?

 

Ich denke, daß wir, wenn wir zuhören, etwas Kontrolle abgeben. Wir geben sie an den Menschen ab, dem wir zuhören. Wir unterbrechen ihn nicht. Wir folgen den Worten und Gedanken unseres Gesprächspartners, als wenn er oder sie uns an die Hand nähme und führte. Wir leihen ihm oder ihr unser Ohr.

Wir widmen der Stimme, der wir zuhören, unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Alles andere blenden wir aus. Wir machen die Musik aus, schalten die Maschine ab, die im Hintergrund brummt. Vielleicht schließen wir sogar die Augen, sodaß uns, was immer wir sehen, nicht ablenken kann.

Zuhören ist ein inniger, intimer Akt, denn wir erlauben dieser einen Stimme, unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Wir erlauben dem gesprochenen Wort und den Ideen, die es transportiert, in uns einzudringen, unser Denken und Fühlen zu berühren.

Wenn wir zuhören, sind wir ganz Ohr. Wir versuchen sogar, zwischen den Zeilen zu hören. Wir versuchen zu verstehen, was gemeint ist, aber nicht ausgesprochen wird. Wir versuchen, uns auf die Zwischentöne einzustellen. Wir versuchen, sogar noch Sinn aus Worten zu machen, die wir nicht verstehen, abgehackte Worte, die eher Laute oder Geräusche sind. Das ist, wie wenn man einer Sprache lauscht, die man kaum versteht. Wie man versucht, ein Kind zu verstehen, das erst zu sprechen lernt oder einen alten Menschen, dessen Sprachvermögen beeinträchtigt ist. Und doch versuchen wir, zuzuhören und zu verstehen. Wir strengen uns an, weil wir wissen, daß uns dieser Mensch etwas mitteilen will. Wir wissen, daß dieser Mensch uns etwas mitteilen will, etwas mit uns teilen will. Wir strengen uns an, weil wir spüren, daß dieser Mensch mit uns Gemeinschaft und eine Beziehung haben will durch die Worte, die er oder sie sagt; durch die Worte, denen wir zuhören.

 

Kein Wunder, daß es uns schwer fällt zuzuhören.

Kein Wunder also, daß wir nicht hör- aber doch zuhörgeschädigt sind, selbst wenn unser Gehör völlig gesund und in Ordnung ist.

 

Jeremia hört. Und er hört zu.

Doch er hört etwas, was er nicht hören mag.

Gott ruft Jeremia, beruft ihn zu seinem Propheten. Aber Jeremia will nicht zum Propheten berufen werden. Er fühlt sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Er meint, er sei zu jung. Doch Gott lässt nicht locker. Gott stattet ihn aus für seine Aufgabe, Prophet für die Völker zu sein. Gott legt seine Worte in Jeremias Mund. Jeremia wird sie verkündigen, sogar, wenn ihm nicht gefällt, was er zu sagen hat. Jeremia gibt nach und willigt ein. Er hört Gott zu, und er gehorcht.

 

Wenn Gott zu uns spricht, und wir zuhören, mag es uns manchmal so ergehen wie Jeremia. Wir hören, daß Gott uns Dinge sagt, die wir nicht mögen. Vielleicht stellen Gottes Worte die Art und Weise in Frage, wie wir unser Leben eingerichtet haben, unsere Überzeugungen, unsere Werte.

Vielleicht bittet Gott uns, Dinge zu tun, die wir nicht tun wollen. Vielleicht sendet uns Gott in eine Richtung, vor der wir Angst haben oder die wir nicht einschlagen wollen.

Jeremia hört zu, hört nicht auf, zuzuhören und willigt schließlich ein. Und dann wird er mit dem ausgerüstet, was er für seinen Dienst braucht.

 

Hören, zuhören ist eine große Herausforderung für uns. Doch es trägt auch eine große Verheißung in sich. Zuhören lohnt sich!

 

Lasst uns beten:

Gnädiger Gott,

du hast uns geschaffen mit Ohren, um zu hören und zuzuhören

und mit einem Mund, zu sprechen.

Hilf uns, zu hören, wenn du sprichst,

und auf dein Wort zu hören.

Hilf uns, dein Wort anzunehmen und ihm zu folgen.

Manchmal wird das eine Herausforderung oder gar eine Zumutung sein.

Gib uns auch, daß wir die Erfüllung deiner Verheißungen erleben.

Wir beten in Jesu Namen. Amen.

 

Und der Friede Gottes …

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