Berufung, Jeremia 1,4-10

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute geht es um die Berufung des Propheten Jeremia. Propheten sind Menschen, die von Gott berufen werden sein Sprachrohr zu sein. Sie verkünden dem Volk Israel, was Gott von ihm will, und was das Volk und der König tun sollen. Und sie sagen dem Volk, welche Folgen ihr Handeln haben wird. Das ist kein Job um den sich irgendjemand reißt, denn meistens bringt es einen in Gefahr. Nur in seltenen Fällen erntet der Prophet Ruhm, Ehre und Zustimmung. Meistens hat er es mit Beschimpfungen und Verfolgung zu tun. Da fragt man sich doch, warum überhaupt jemand diese Aufgabe übernimmt. Aber hören Sie selbst. Ich lese

Jeremia 1,4-10

 4 Das Wort des Herrn erging an mich, er sagte zu mir: 5 »Noch bevor ich dich im Leib deiner Mutter entstehen ließ, hatte ich schon meinen Plan mit dir. Noch ehe du aus dem Mutterschoß kamst, hatte ich bereits die Hand auf dich gelegt. Denn zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.« 6 Ich wehrte ab: »Ach, Herr, du mein Gott! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch zu jung!« 7 Aber der Herr antwortete mir: »Sag nicht: ›Ich bin zu jung!‹ Geh, wohin ich dich sende, und verkünde, was ich dir auftrage! 8 Hab keine Angst vor Menschen, denn ich bin bei dir und schütze dich. Das sage ich, der Herr.« 9 Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meine Lippen und sagte: »Ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Von heute an hast du Macht über Völker und Königreiche.1 Reiße aus und zerstöre, vernichte und verheere, baue auf und pflanze an.

Jeremia wird tun, was Gott ihm sagt auch wenn er dafür mehr als einmal im Gefängnis landet. Offensichtlich war diese Berufungserfahrung sehr überzeugend. Und sicher möchte er, dass der König und das Volk das tun, was Gott sagt, damit sie gerettet werden und nicht untergehen. Jeremia warnt sein Volk, weil er möchte, dass sie auf ihn hören und der Untergang seines Landes verhindert wird. In diesem Sinne ist Jeremia nicht erfolgreich. Der König schließt sich dem Aufstand gegen das babylonische Großreich an und das Südreich von Israel wird zerstört, die Oberschicht nach Babylon verschleppt. Aber die Worte Jeremias wurden aufgeschrieben und mitgenommen ins Exil. Und sie haben über zweieinhalbtausend Jahre ihre Wirkung entfaltet. Insofern war Jeremia einer der erfolgreichsten und wirkungsvollsten Menschen, die je gelebt haben.

Gott hatte einen Plan mit Jeremia. Jeremia hat versucht, abzulehnen, aber hat sich dann doch berufen lassen, hat zerstört und vernichtet, aber im Endeffekt viel mehr aufgebaut und gepflanzt. Seine Worte, die erst nicht gehört wurden, haben langfristig eine gewaltige Wirkung entfaltet.

Ich glaube kaum jemand von uns heute in dieser Kirche wird sich als Prophet betrachten. Jedenfalls nicht über das übliche Maß hinaus. Natürlich wissen wir oft auch, was passiert, wenn Leute so weiter machen wie bisher. „Wenn du weiter soviel trinkst wird deine Leber das nicht mehr lange mitmachen“. Oder „ wenn du deine Kinder weiterhin so gleichgültig behandelst, wird sich das im Alter rächen“. Oder meine Lieblingsprophezeiung: „Wenn die Kirche weiter bei den Gemeindepfarrstellen kürzt obwohl sie genug Geld hat, dann wird die Mitgliederzahl noch schneller zurück gehen.“

In diesem Sinne sind wir alle ein bisschen Propheten, weil wir immer etwas sehen, was andere nicht wahrhaben wollen.

Aber haben wir auch wie Jeremia einen göttlichen Auftrag?

Das kann ich nicht für Sie beantworten. Ich glaube schon, dass es für jeden Menschen einen göttlichen Auftrag gibt. Aber es ist oft nicht so einfach herauszufinden, worin der besteht. So offensichtliche Berufungserfahrungen wie die des Jeremia sind selten. Das heißt aber nicht, dass Gott nicht auch mit unserem Leben einen Plan hat.  Wenn Sie ihren göttlichen Auftrag herausfinden möchten, könnten Sie sich mal fragen, wozu Sie sagen: „Dafür bin ich zu jung. Oder dafür bin ich zu alt.“

Gibt es etwas, wozu Sie sich hingezogen fühlen, aber Sie sich nicht trauen, damit anzufangen, weil Sie zu jung oder zu alt sind, keine Zeit haben, oder es sich nicht zutrauen?  Gibt es etwas von dem Sie wissen, dass Sie es eigentlich gerne tun würden, aber die Anstrengung scheuen und sich vor dem Misserfolg fürchten?

Gibt es da etwas, was ihnen auf dem Herzen brennt, und wo sie schon lange denken, da müsste doch mal jemand damit anfangen dagegen oder dafür etwas zu tun. Und dann haben Sie sich immer damit herausgeredet: Ich alleine kann ja nichts bewirken. Dieses Problem ist zu groß für mich. Oder mit solchem Kleinkram befasse ich mich nicht. Das ist meiner nicht würdig?

Wenn es um den Misserfolg geht, den Sie befürchten, nehmen Sie sich ein Beispiel an Jeremia. Der Mann ist gestorben und hat gedacht: „Mein Leben war für die Katz. Ich habe überall verkündet, was Gott mir aufgetragen hat, und niemand hat auf mich gehört. Mein Land ist verwüstet. Ich habe auf der ganzen Linie verloren. Gott hat mich im Stich gelassen. Ja, das ist passiert. Gott hat mich berufen und dann hat er mich fallen lassen.“ Jeremia muss sehr verzweifelt gewesen sein, denn er konnte nicht sehen, was das in der Zukunft bewirken wird, was er in Gottes Auftrag getan hat.

Ich glaube so kann es jedem von uns gehen. Was immer wir tun, weil wir es tief im Herzen spüren, dass es jetzt für uns dran ist, kann schief gehen. Möglicherweise ergibt sich daraus nichts als Ärger. Aber über den Segen Gottes bei unserem Tun wissen wir nichts. Es ist unklar, was irgendetwas, was wir heute tun und was sich wie ein Misserfolg anfühlt, langfristig bewirken wird. Vielleicht beeinflusst es jemanden, der in der Zukunft mehr aus dieser Idee machen wird und daraus eine Inspiration  empfängt. Nichts Gutes, was wir tun, wird je verloren sein. Gott kann aus einem richtigen Wort zu richtigen Zeit mehr entstehen lassen, als wir uns vorstellen können. Gott kann auch einem leckeren Mittagessen mit dem wir ein Enkelkind erfreuen tief in dessen Herzen eine prägende Erfahrung machen. Gross oder klein, wichtig oder unwichtig, kurzfristig erfolgreich oder erfolglos spielt für Gott keine Rolle.

Für die wirklich wichtigen Dinge und wahrhaften Berufungen in unserem Leben sind wir nie zu jung und auch nie zu alt. Jetzt in der Phase nach der Predigt gibt es die Möglichkeit eine Weile der Orgel zu lauschen. Vielleicht lassen Sie sich in ihren Gedanken davon tragen und fragen sich. Wofür bin ich nicht zu jung oder zu  alt und wofür brennt mein Herz?

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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