Die Hoffnung in uns

Liebe Schwestern und Brüder!

Was ist unsere Hoffnung, was ist das Fundament ihrer persönlichen Hoffnung und Zuversicht, jetzt und für die Zukunft?

Worauf hoffen Sie? Allgemein: auf eine bessere Welt?!

Wäre in dieser Zeit dringend notwendig!

Auf einen großen Lottogewinn?! Auch nicht schlecht.

Dass Deutschland wieder Fußballweltmeister wird?!

Oder etwas individuell wichtiger und persönlicher: Dass es ihren Kindern und Enkeln besser geht als Ihnen oder zumindest ähnlich gut?!

Oder dass ihre persönlichen Sorgen und Ängste über ihre eigene Zukunft, wegen eines schwer erkrankten Familienangehörigen oder gar der Menschheit und Welt sich verflüchtigen und am Ende doch alles gut wird?!

Am besten so, dass das bekannte rheinische Sprichwort stimmt „es wird schon eemer jut jegange“ und damit zum persönlichen und kollektiven Hoffnungs- und Erfahrungswert wird.

Oder gilt das andere Sprichwort der Kölner und Rheinländer:

„ es küt wie’s küt“, es kommt wie es kommt?

 

Also worauf hoffen sie und worauf richten Sie ihre Zuversicht, ihr Gottvertrauen und woraus ziehen sie ihre Lebensenergie und ihre Glaubensüberzeugungen?

 

Der heutige Predigttext vom Apostel Petrus gibt eine klare Antwort, die mit einem freundlich gemeinten Befehlston daherkommt.

Er schreibt im 1.Petrus 3,15: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.

 Die Hoffnung, die in euch, in uns ist.

Und noch zwei wichtige Worte, die wir als Gemeinde aus diesem Satz heraushören:

Verantwortung und Rechenschaft.

Neben den ganzen anderen Ermahnungen und Hinweisen für unser ethisches und tugendhaftes Handeln.

Zur Zeit des Apostel Petrus‘ war dies wichtig, da die ersten Christen in Rom und im römischen Reich rigorosen Verfolgungen, extremen Diskriminierungen und üblen Vorurteilen ausgesetzt waren.

Und dann Böses mit Bösem zu vergelten, bringt wie wir immer wieder sehen, meistens nicht viel. Im Gegenteil schlechte Dinge und schlechte Taten werden nur noch schlimmer im Teufelskreis der Gewalt.  Auch die tägliche üble Nachrede, die aggressiven Anfeindungen in den sozialen Medien oder Verleumdungen und Unterstellungen sollten aus christlichem Mund nicht kommen. Man muss sich ja nicht am Spiel der Gemeinheiten, Hass, Vorurteilen und dem Mobbing gegenüber Mitmenschen, Minderheiten und Außenseitern beteiligen, sondern kann seine Zunge im Zaum halten und versuchen hier und da etwas Gutes für den Nächsten oder die Gemeinschaft zu tun

Auch der Versuch soweit wie möglich mit allen Menschen in Frieden zu leben ist ja löblich. Auch wenn es manchem bösen Nachbarn nicht gefällt. Stress, Konflikte, Unfrieden, kleine und große Kriege gibt es schon genug auf der Welt.

Wir sind auch für unseren persönlichen und gesellschaftlichen Frieden mit verantwortlich. Wenn wir uns friedlich und friedensstiftend verhalten, dann kann daraus auch die konkrete Hoffnung auf Frieden entstehen oder wachsen. Miteinander reden, auch und gerade bei Konflikten, ist allzumal besser, als sich gegenseitig zu beleidigen, schlecht zu reden oder pathologisch zu bekriegen

Auch darüber, nämlich unserer Friedensfähigkeit und Konfliktbeherrschung, müssen wir persönlich vor unserem Gewissen und vor Gott Rechenschaft ablegen.

Verantwortung und Rechenschaft!

Letztendlich geht es im Leben immer darum, was dem Leben dient, was wir Gutes tun können, wie unsere Handlungen aussehen und was die Konsequenzen unserer Taten, Handlungen oder Unterlassungen sind.

Auch können gut gemeinte Taten sich quasi zum Fluch entwickeln, statt den erhofften Segen zu bringen. So wird der Kanzlerin zurzeit immer wieder vorgehalten und gespiegelt, dass die Aufnahme der vielen Flüchtlinge sich nicht nur segenreich entwickelt habe. Im Gegenteil, durch spektakuläre Verbrechen begangen von Flüchtlingen, scheint die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen zu kippen. Viele Menschen sind reservierter und misstrauischer gegenüber den Migranten und Asylsuchenden geworden, auch wenn die Logik und die Strafstatistik sagt, dass weit über 90% der Flüchtlinge keine Straftaten begehen und dankbar sind, in Frieden und ökonomischer Sicherheit hier in Deutschland leben zu können.

Auch nützt es dann wenig zu wissen oder zu argumentieren, dass von den 68 Mio. Flüchtlingen weltweit die wenigsten nach Deutschland kommen. Und andere, kleinere und  ärmere Länder und Völker viel mehr Menschen bei sich aufnehmen, sind auch nur in Ruhe zu begreifen. Und wer dann in einer aufgeheizten Stimmung mit Beruhigungsappellen oder nüchternen Fakten kommt, der wir nicht gehört oder als Gutmensch diffamiert.  Die meisten Flüchtlinge auf der Welt wurden und werden aus ökonomischen, klimaverschlechternden und Kriegsgründen vertrieben und verlassen deshalb ihre Heimat mit Kind und Kegel.  Und eigentlich wollen sie auch wieder zurück.

Christen können dabei nicht wegschauen oder die Augen verschließen, denn Jesus selbst hat das Paradebeispiel für Nächstenliebe und Barmherzigkeit geliefert: die Beispielerzählung vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-36).

Und in der heutigen, von digitalen Medien geprägten Welt, kann selbst der amerikanische Präsident Trump nicht gewaltsam von ihren Eltern getrennte Kinder einfach nach unbarmherziger Gesetzeslage behandeln, nämlich diese Kinder und Eltern herzlos auseinanderreißen und als illegale Einwanderer abqualifizieren.

Auch er musste seine Meinung ändern.

Das ist herzlos und menschenverachtend. Ich bin froh, dass unsere Kanzlerin nicht so denkt und handelt.

Doch unabhängig vom PREDIGTTEXT und von der aktuellen politischen Lage stellt sich für uns immer wieder die Frage, die unser Gewissen zur Rechenschaft zwingt:

Was ist wichtig für mein Leben, mein Seelenheil,

wer oder was bestimmt meinen moralischen Kompass und

was sollen wir tun?

Und was ist der Grund unserer Hoffnung?

 

Die Antwort des Evangeliums lautet:

Wir sollen und dürfen als Christen aus der Hoffnung unseres Glaubens leben.

Durch Jesus Christus und den Glauben an ihn, wissen wir und kennen wir tief in unserem Inneren, dass er immer wieder der Grund, der Halt und die Orientierung der menschlichen Hoffnung ist.

Jesus Christus ist unser PRINZIP HOFFNUNG!  (frei nach Ernst Bloch)

D.h. konkret:  Wir leben mit der Gewissheit und Ambivalenz, dass unser Leben nur vorläufig, zerbrechlich und endlich,  aber natürlich auch einmalig, wunderschön und von Gott geschenkt und gesegnet ist.

Das lehrt einen die nüchterne Erkenntnis beim Nachdenken und Beobachten, aber auch die Geborgenheit in Gottes Schöpfung und die tiefe Glaubensgewissheit.

Wir haben die starke und große Hoffnung durch die Erlösungstat Jesu Christi, dass nach dem Tod nicht alles aus ist, sondern dass es – und das ist alles entscheidend- ein neues anderes Leben bei Gott und in Gottes neuer Welt gibt. (3. Artikel des Nizänischen Glaubensbekenntnisses)

Diese unendliche Hoffnung auf und an Liebe Gottes nimmt uns leider nicht die Angst vor Tod und Sterben, sie bewahrt uns auch nicht vor Verlust menschlicher Liebe , leider nicht vor Trauer und endgültigem Trennungsschmerz. Aber diese innere Hoffnung tröstet, birgt und begleitet als stiller Tröster, Weggefährte und Seelsorger unsere Psyche und Seele. Aus Verlust kann Akzeptanz werden und auch die Trauer wird als schmerzliche, aber liebevolle Erinnerung in unserem Kopf und unserer Seele bleiben. Daraus schöpfen wir unsere Hoffnung, denn unsere Hoffnung stirbt nicht zuletzt, sondern leuchtet und führt in die Ewigkeit Gottes.  Da, wo Frieden ist und keine Angst und keine Sorge, kein Schmerz und keine Trauer (Offenbarung 21,4)

Dort, wo die Hoffnung auf ein Wiedersehen in der anderen Welt ist und als Glauben in uns lebt und bleibt. Das ist unsere Hoffnung und durch Jesus Christus hat sie einen Namen im Leben und im Sterben.

Und diese Hoffnung begleitet uns unser Leben lang. Sie ist unser Fundament, der Antrieb für einen Neuanfang, die Kraft das Unvermeidliche auszuhalten, zu ertragen und zu tragen  und unsere moralischer Kompass.

Diese Hoffnung ist in uns, sie prägt uns, treibt uns an, gibt uns Kraft mit dem Unvermeidlichen umzugehen und immer wieder einen Neuanfang zu suchen und zu beginnen.

Jesus Christus ist unser Prinzip Hoffnung, über den wir gerne Rechenschaft ablegen und mit dessen Ethik wir ebenso gerne Verantwortung in dieser Welt übernehmen.

Jesus Christus ist unsere Hoffnung. Komme, was da wolle.

Amen.

 

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