Wunderbar gemacht – Ps 139, 14

A.B. wurde kurz vor ihrer Taufe 4 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Mutter, Frau S. zusammen. Ihr Vater, der aus Afrika stammt, kommt nicht zur Taufe. Eine Cousine und einige Mädchen, z.T. aus ihrer KiTa, sind zum Gottesdienst gekommen. – Taufgottesdienst.

Tauf-Predigt über Psalm 139, 14

Die Gnade Jesu Christi

Und die Liebe Gottes

Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

Sei mit uns allen.

Liebe A.B.,
Liebe Frau S.,

liebe Taufgemeinde,

was haben Sie als erstes gemacht, als Sie heute aufgestanden sind?

Wahrscheinlich haben Sie sich gestreckt? Dann sind Sie wohl ins Bad gegangen, haben sich gewaschen, die Haare gekämmt? Dann sich angezogen, Frühstück gemacht und verzehrt?

Wenn ich morgens aufstehe, mache ich das auch alles. Doch so ziemlich als erstes schalte ich das Radio an. Wahrscheinlich ist das keine gute Angewohnheit. Denn oft höre ich in den Nachrichten, daß wieder etwas Schlimmes passiert ist: Ein Unglück oder ein Unwetter. Menschen, die Streit miteinander haben. Länder, die einander bedrohen. Das ist wie eine kalte Dusche am Morgen. Manchmal werde ich traurig über das, was ich da im Radio höre. Oder ich ärgere mich.

Eigentlich sollte ich morgens etwas anderes machen. Ich sollte mich strecken und dabei spüren, wie dehnbar und beweglich ich bin. Ich sollte pfeifen und merken, wie scharf ich die Lippen spitzen kann und wie gut ich mein Pfeifen hören kann. Ich sollte ein paar Töne summen oder trällern und merken, wie mein ganzer Körper beginnt zu schwingen.

Und dann könnte ich sagen, was schon einer vor mir gesagt und aufgeschrieben hat. Und seitdem viele Menschen gesagt und gesungen und gebetet haben:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Psalm 139, 14

Das ist der Spruch, den Frau S. für ihre Tochter A.B. ausgesucht hat.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Das sind alte Worte, doch sie sind auch heute gültig.

Immer wieder können auch wir einen Augenblick innehalten und sagen: Wie schön, daß ich leben kann. Wie schön das Leben ist: Die Sonne und der Regen. Das Frühstück und die Luft, die ich atme. Meine Familie und meine Freunde.

Wir können innehalten und dankbar sein. Denn das haben wir ja nicht selbst gemacht. Das kann man nicht kaufen. Das wird uns geschenkt. Christen sagen: geschenkt von Gott.

Gott hat mich gemacht – wunderbar gemacht. Doch nicht nur mich hat Gott gemacht – auch der mir gegenüber steht oder neben mir sitzt oder hinter mir.

Jeden und jede von uns sind anders. Jeder und jede ist einzigartig – sogar Zwillinge sind jeweils einmalig. Doch alle von Gott gemacht – wunderbar gemacht.

Nicht allen Menschen geht es gut. Manche sind krank oder einsam. Andere sind arm. Manche haben Angst. Manche können nicht dort leben, wo sie zuhause sind.

Jesus sagt: Guckt nicht weg, wenn ihr solch einen Menschen seht. Gott liebt alle Menschen. Gott achtet besonders auf die, die Hilfe brauchen.

Schaut ihn an, sagt Jesus. Helft, wo ihr könnt. Vielleicht begegnet ihr dann mir, Jesus.

Und schaut morgens in den Spiegel und sagt: Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

So kann der Tag gut beginnen.

Ich wünsche dir, A.B., daß du oft dankbar sein kannst. Und daß du spürst: Gott liebt mich. Gott hört mir zu, wenn ich mit ihm rede. Gott versteht mich. Ich bin nicht allein.

Amen

Und der Friede Gottes,

der höher ist als unsere Vernunft,

bewahre unsere Herzen und Sinnen

in Christus Jesus.

Amen

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